Alles neu macht die MAI?

Taschen voller Ideen Lokoalisierung beim Geocaching Erster Geocache gefunden (Foto: Sonja Thiel) Unsere Erkenntnisse MAI 2015: Star Wars! (Foto: Sonja Thiel) Wie organisiert man Online-Partizipation? (Foto: Sonja Thiel)

 

 

 

 

 

Auf Entdeckungstour bei der MAI-Tagung 2015

Vom 10.-12. Mai war ich auf einer Tagung über „Museum And Internet“, um das Frankfurt-Modell des historischen museums frankfurt vorzustellen. Das Nerds²-Treffen  findet jährlich an wechselnden Häusern statt. Diesmal waren wir in der DASA zu Gast und beschäftigten uns mit dem Thema „Digitales Kuratieren“. Das dichte Programm zeigte sich als Fundgrube voll interessanter Projektbeispiele, die im Detail am besten auf der Tagungsseite selbst nachvollzogen werden können. Wie beim Geocaching (Bilderstrecke) verfolgten wir über die beiden Tage verschiedene Spuren, die neben Star Wars Sammelkarten noch einige andere Erkenntnisse offenbarten:

  • Das digitale Kuratieren meint den kreativen und sinnvollen Einsatz digitaler Medien und Inhalte im Museum, im Stadtraum und an anderen Orten (die für das Museum wichtig sind). Mit der MAI-Tagung gewinnt das Schlagwort weiter an Aufwind, allerdings ist es noch weit entfernt von einer genauen Definition. Das digitale Kuratieren markiert die Schnittstelle medialer Aktivitäten des Museums und steht für die Verbindung von Online und Offline. Mit dem Begriff wird deutlich, dass der Einsatz neuer Medien im Museum nicht mehr länger mit dem Ziel einer abgehobenen, virtuellen Spiegelung verbunden ist, sondern vielmehr eine normalisierte Alltagspraxis anstrebt. Hier ist noch viel Handlungsbedarf: Let’s go to work!
  • Diese Perspektive basiert auf einem Blickwechsel, der aus wissenschaftlichen und martkwirtschaftlichen Bereichen langsam ins Museum sickert. Am Anfang steht die Leitfrage: “Wie wirkt sich das Internet auf Kulturproduktion und -vermittlung aus?”. Als Antwort werden neue Formen der Wissensproduktion ausgemacht, die besonders gekennzeichnet sind durch: Interaktivität, Nicht-Linearität und fortlaufende technische Entwicklungen.
  • Das digitale Kuratieren baut auf ein neues Verhältnis zwischen Individuum und Kollektiv, das mithilfe mobiler Technologien umgesetzt wird. Vom personalisierten Museumsbesuch, bei dem mit eigenem Smartphone („Bring your own device!“) selbst-kuratierte Rundgänge erlebt werden bis hin zur gemeinsamen Lernerfahrung beim Geocaching-Stadtgang, entwickelt sich momentan ein breites Angebotsspektrum. Abgesehen von der unterschiedlich erfolgreichen Umsetzung (angemessene Mittel sind nach wie vor in den meisten Häusern nicht vorgesehen) ist ein positiver Effekt, dass die Besucherbedürfnisse am Anfang der Überlegungen stehen.

Die Tagung über Museum And Internet

Seit 15 Jahren organisiert der LVR das jährliches Treffen einer fast schon eingeschworenen Szene: Museumsleute, die das Internet lieben und museumsfreundliche Medienprofis treffen aufeinander und überlegen, wie man gemeinsame Sache machen könnte. Die Tagungsthemen reichen einmal Querbeet durch die Kernaufgaben des Museums: Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln, und „remixen“ sie mit den jeweiligen Technik-Trends von Barrierefreiheit im Internet (2003) über Social Media (2010) bis hin zum Digitalen Kuratieren (2015). Herauskommt eine irrwitzige Mischung aus medientheoretischen Reflexionen, musealen Paradigmenwechseln und Projektpräsentationen. Ständige Blickwechsel von der Leinwand zum Smartphone, Links am laufenden Band und ephemere Begegnungen mit Menschen, die man bis dato nur als @Username kannte, gehören zur Tagungsordnung. Nebenbei sind die Besucherzahlen stetig gestiegen und obwohl manche Gesprächsrunde den Gestus der Anonymen Medien-und-Museum-Freaks mimt, kann man sagen MAI ist mit über 200 Besucher/innen im Mainstream angekommen. Ob man mag oder nicht.

MAInstream?

Denn beachtlich war, dass die Diskussionsfreude der letzten Jahre diesmal kaum ausgelebt wurde. Es wurden wenige Fragen im Anschluss an die Vorträge gestellt, nur einmal Kritik geäußert und das mit Ansage: Ich stelle mal eine böse Frage. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen war die Anzahl der Beiträge so hoch, dass keine/r der Anwesenden zu einer Verzögerung des dichten Programms beitragen wollte. Diskussionen verlagerten sich ins Twittermedium, das zwar mit einer Twitterwall im Saal für alle sichtbar war, jedoch kaum in der großen Runde kommentiert wurde. Auf der anderen Seite waren die Beiträge zum Großteil so ausgereift und reflektiert, dass mögliche Kritikpunkte schon antizipiert wurden. Und viele Technologien haben sich von fragwürdiger Zukunftsmusik zu konsensfähigen Schlagern gemausert. Es hat sich wohl über die Jahre ein Common Sense herausgebildet, wenn Museen über das Internet reden. In den einzelnen Tweets zur Tagung finden sich dennoch viele unterschiedliche Stimmen zum ersten und zweiten Tag.

Weiterlesen kann man außerdem hier:

 

 

 

 

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