Digitale Museumspraxis #8 – das war 2016, hallo 2017!

Die ersten zehn Monate der Aventis Foundation Projektförderung für digitale Museumspraxis im Historischen Museum sind vorbei. Das ist knapp ein Drittel des Förderzeitraums – Anlass genug für einen kleinen Rückblick. Im Kick-Off-Artikel zur neuen Stelle habe ich als wichtigste Grundlage für den neuen Arbeitsbereich die digital-affine Haltung definiert: Alle Plattformen, Großprojekte und Superkampagnen sind sinnlos, wenn kein Verständnis für die digitale Kultur und ihre Userpraxis vorhanden ist. Diese Meinung vertrete ich nach wie vor, allerdings stellt sie mich vor einige Probleme: 1. Haltungen ändern sich nur langsam. 2. Haltungen sind unsichtbar. Wir können also viel über unsere Grundwerte reden – die Verankerung in der täglichen Arbeitskultur und die Demonstration in der Praxis sind die wirklichen Herausforderungen. Trotz aller Unterstützung der Kolleg/innen und Direktion braucht diese Arbeit jeden Tag sehr viel Energie und ein bisschen Sturheit. Damit wir 2017 das ganze Museum mitnehmen und einschwören können, werden wir mit internen und externen Workshops unsere digitale Strategie ausarbeiten und verschriftlichen.

Die andere große Baustelle, mit der wir hoffentlich bald schon ein bisschen Haltung sichtbar machen können, ist das Projekt „Museumsportal“. Ende Januar wird eine erste Version als neue Museumswebseite online gehen. Sie umfasst noch nicht die neuen Anwendungen, wie Stadtlabor Digital und Online Sammlung, aber sie bildet die technische Grundlage dafür. Nach einem langen Prozess der Kommunikation, kleinteiliger CMS-Architektur und kompliziertem Inhaltstransfer, konnten wir schließlich die Webseite von Usern auf ihre Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit prüfen lassen. Mein persönlicher Höhepunkt war der Feedback-Workshop, bei dem Gestalter, Programmierer und das Museumsteam auf Usability- und Inklusionsexperten trafen. Interessant war, dass sich die Ergebnisse der blinden und sehenden Tester/innen auf ähnliche Kernpunkte bezog: Farbigkeit, Menü-und Seitennavigation waren für alle Testteilnehmer/innen noch nicht ganz barrierefrei.  Im interdisziplinären Team konnten wir die Kritikpunkte produktiv diskutieren und teilweise auch mit guten Lösungsansätzen verbessern. Von den Optimierungen profitieren am Ende alle User und wir haben durch die direkte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen User-Bedürfnissen sehr viel gelernt. Ein echter Perspektivenwechsel, der nur durch die Anwesenheit der verschiedenen Expert/innen möglich war. 2017 sollten wir diese Möglichkeit noch mehr in Anspruch nehmen: es wird Zeit, dass wir die User sprechen lassen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und die arbeitsreichen Konsequenzen aus dem Feedback ziehen. Es ist eine weitere Chance „to walk the talk“ – also unsere viel formulierten Ansprüche in die Tat umzusetzen.

Aber auch die kleinen Schritte will ich nicht unterschlagen (und jetzt wird’s additiv): 2016 haben wir einen Whatsapp-Live-Ticker ausprobiert und einen Social Media Weekly eingeführt. Zumindest protokollarisch wurde festgehalten, dass wir unsere Online-Sammlung unter Creative Commons Lizenzen veröffentlichen werden und die Arbeiten an der Vereinheitlichung der Datenbank haben begonnen. Für den Multimedia-Guide haben wir eine tolle Mitarbeiterin auf Zeit gewonnen und den Projektpartner zur Umsetzung gewählt. Und aus „mein-frankfurt-modell“ ist das Stadtlabor Digital geworden, das als Digital-Storytelling-Projekt schon bei der Stadtlabor Sommertour 2016 fleißig Beispiel-Inhalte gesammelt hat.

In diesem Jahr werden wir weiter daran arbeiten, die digitale Kompetenz des Museums auszubauen und anschlussfähige Projekte zu verwirklichen: mit dem Multimedia-Guide, der Online-Sammlung und dem Stadtlabor Digital entwickeln wir drei ganz unterschiedliche Werkzeuge. Allen gemein ist jedoch ihre Flexibilität – die Veröffentlichung wird nur der Startschuss sein, um weiter kreativ zu werden. Wir freuen uns auf ein produktives und partizipatives Jahr!

 

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