Eine Art Graffiti aus dem 18. Jahrhundert

Das hier ist nicht irgendein Fenster – natürlich nicht, denn sonst wäre es ja auch nicht bei uns im Museum! Es handelt sich um DAS Fenster, in das der kleine Mozart ( er war 7 Jahre alt)  1763 in Frankfurt folgendes eingeritzt hat:

Mozart. Maitre de la Musique de la chapelle de Salzbourg avec son Famile le 12 Aout 1763

Die Mozart-Familie, die im August in Frankfurt mehrere Konzerte gab,  wohntean unterschiedlichen Orten in Frankfurt – so auch in der Bendergasse 3, also da, wo heute ungefähr die Schirn steht. Hier kam es also zu diesen künstlerischen Akt, der aufgrund der großen Begeisterung für den “Wunderknaben” Wolfgang Amadeus sehr geschätzt wurde.

1879 übergab ein Metzgermeister den Türflügel ins Museum – zum Glück, denn die Zerstörungen in der Altstadt im Zweiten Weltkrieg hätte er nicht überstanden! Wenn man genauer hinschaut, kann man die Schrift sogar lesen. Im Zeitstrahl von Frankfurt Einst? wird dieses auratische Stück natürlich zu sehen sein.

Lackkonservierung des „Baldur-Flügels“

Seit Sommer 2012 besitzt das hmf einen Flügel des Klavier- und Flügelherstellers Baldur aus Frankfurt am Main. Das besondere an dem Instrument ist, dass das Gehäuse von Ferdinand Kramer (Architekt und Designer in Frankfurt, 22.01.1898 – 4.11.1985) entworfen wurde.

Im 20. Jahrhundert verstärkte sich ein Trend: Die fortschreitende Technisierung der Mechanik im Flügelbau führte zu einer ausgesprochenen Vorliebe für neue Materialen beim Bau des Klangkörpers und bei der Materialauswahl der Oberflächengestaltung. Die Lackoberfläche des sog. „Baldur-Flügels“, um 1927, ist sehr zerkratzt und mit Kunststoff beschichtet.

Das ist ungewöhnlich: Eigentlich wurde bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts sehr traditionell gearbeitet. Schellack oder Firnispolitur gaben dem Objekt Glanz und Brillanz! Zwar hatten in anderen Industriebereichen (z.B. Wagenbau) längst andere Oberflächenverfahrensweisen Einzug gehalten, aber in der Klavierbauindustrie findet man z.B. Polyesterlackoberflächen erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts vor; sie sind relativ unempfindlich und glasklar.

Eine Querschliffuntersuchung und Betrachtung unter dem Mikroskop (ultraviolettes Licht, 80fache Vergrößerung) ergab, dass sich unter der Kunststofflackfläche eine originale Harzlackschicht auf tief-schwarz eingebeiztem Furnierholz befindet. Diese Lackoberfläche reagiert sehr empfindlich auf Ethanol, was ein Indiz für ein Naturharz ist. Weitere lackanalytische Untersuchungen konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt werden.

Eine Abnahme der Kunststofflackfläche schied aus konservatorischen Gründen aus. Fehlstellen wurden mit Aquarellfarbe retuschiert und Lackkratzer mit einem Schellack-Lavendelölgemisch auspoliert. Der Baldur-Flügel zeigt sich nun wieder mit einer optisch fast geschlossenen Lackoberfläche, die originale Harzlackoberfläche ist darunter jedoch für weitere Generationen erhalten.

Hier hat sich beispielhaft gezeigt, dass Lackoberflächen an Instrumenten, auch wenn sie verhältnismäßig jung sind, vor einer Oberflächenbehandlung eine detaillierte Oberflächenbetrachtung und – wenn möglich – Analyse verlangen. Ansonsten werden Materialien und technologische Lacksysteme unwiederbringlich zerstört.

Zuwachs für die Musikinstrumentensammlung

Ein wertvoller Flügel der Frankfurter Klavierfabrik Baldur nach dem Entwurf des Frankfurter Architekten und Designers Ferdinand Kramer konnte in diesem Sommer dank einer großzügigen Spende angekauft und restauriert werden. Die Überholung der Mechanik durch Jan Großbach, Frankfurt, ist rechtzeitig zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter“ fertig geworden, so dass das Instrument bei zwei Festveranstaltungen im Sonnemann-Saal des Bernus-Baues auch bespielt werden konnte. Als Pianistin brillierte die Frankfurterin Sarah Hiller. Jetzt wurde das Instrument in die Holzwerkstatt des historischen museums transportiert, damit abschließend auch noch Lackschäden an der Oberfläche ausgebessert werden können. Diese Arbeit wird im Haus von unserem Holzrestaurator Oliver Morr durchgeführt.

Archäologische Sensation im Baufeld

Die  Baugrube für das neue Museumsgebäude unmittelbar neben dem staufischen Bau liegt auf historischem Boden. Uns war klar, dass die staufische Umfassungsmauer des Saalhofs in unserem ehemaligen Innenhof liegt. Diese Mauer war im 13. und 14. Jahrhundert zugleich Teil der staufischen Stadtbefestigung. Tatsächlich haben die Bauarbeiter beim Erdaushub diese Mauer „getroffen“, und die Archäologen vom Denkmalamt haben die gut erhaltenen Mauerfundamente freigelegt. Aber erst beim Vordringen in tiefere Erdschichten kam die  Überraschung zu Tage: Vor der staufischen Stadtmauer befindet sich eine gepflasterte Wegsituation mit einem Holzbalken als Abschluss. Es handelt sich dabei nach größter Wahrscheinlichkeit um eine staufische Hafen- oder Molenbefestigung.
Einer der  beiden Balken aus Eiche wurde dendrochronologisch untersucht und auf das Jahr 1303 datiert.  Zu dieser Zeit ist dort das letzte Mal ein Holzbalken eingesetzt worden, die alle 20 bis 30 Jahre erneuert werden mussten. Alle übrigen (Klein-)Funde wie Keramikscherben, Teile von Schuhen, Ledereimer sind eindeutig dem 13. Jahrhundert zuzuordnen.
Solche Hafenanlagen des Hochmittelalters sind eine große Seltenheit, weil Fluss- oder Seehäfen immer wieder erneuert und modernisiert werden mussten. In Frankfurt blieb der Hafen der Stauferzeit nur deshalb erhalten, weil circa 150 Jahre nach der staufischen Stadtbefestigung schon ein zweiter Mauerring errichtet wurde, und der lag im Bereich des Saalhofs weiter südlich, näher am Main. Danach schüttete man den stauferzeitlichen Hafen zu und überbaute ihn  – weshalb er heute noch erhalten ist.

Ein Déjà-vu in der Graphischen Sammlung: Baustelle des Historischen Museums vor 42 Jahren

Auf der Suche nach Spuren der Frankfurter Altstadtdebatte in der Graphischen Sammlung drängt sich der Eindruck auf, dass sich vieles zu wiederholen scheint. 1970 war der Bau des Betonsbaus, der Neubau des Historischen Museums am Römerberg, in vollem Gange – und schon damals nicht unumstritten.

Deshalb interessieren wir uns für die Dauerausstellung “Frankfurt Einst?” auch für den damaligen Neubau des Historischen Museums, der nahezu zeitgleich mit dem Bau des Technischen Rathauses erfolgte – der Abriss beider Bauten der 1970er Jahre erfolgte schließlich auch wieder fast gleichzeitig nach 2007 – und war/ist ebenfalls begleitet von heftigen Diskussionen um deren architektonische Gestalt, die Nutzung der Orte und die Kosten.

Große Parallelen zeigen sich dementsprechend auch in den Bildspuren, die in Fotografien der 1970er Jahre erhalten sind. Die heutigen Baustellenfotos mit den damaligen vergleichend tun sich verblüffende Ähnlichkeiten auf, auch wenn die entstehenden Bauwerke schließlich doch große Unterschiede in ihrer Gestalt aufweisen.

Wer mehr über die Baustelle des heutigen Neubaus erfahren möchte, der kann sich nun im neuen Modellsaal im Altbau des Museums mit Blick auf die Baugrube anhand von Modellen, Entwürfen uvm. informieren.

 

Benjamin Franklin erfindet die Glasharmonika

Benjamin Franklin hat nicht nur den Blitzableiter erfunden, nein, sondern auch die Glasharmonika.

Inspiriert wurde Franklin durch die “musical glasses”, die er in London einige Zeit vor seiner Erfindung gesehen hatte. Dabei handelt es sich um mit Wasser gefüllte Gläser, die um Uhrzeigersinn mit dem Finger gerieben werden, um so einen Ton zu erzeugen. Franklin reihte die Klangschalen jedoch horizontal und brachte sie auf einer Achse an. So kann man sie mit zehn Fingern, ähnlich wie ein Klavier, bespielen und ganze Stücke interpretieren.

Ein Vorwurf belastete die Glasharmonika allerdings. Wenn man zeitgenössischen (Presse)berichten aus dem 18. und 19. Jahrundert glaubt, dann waren sowohl das Spielen als auch das Zuhören nicht ganz ungefährlich. An “rätselhaften Nervenleiden” erkrankte Marianne Davies, eine der bekanntesten Virtuosinnen der Glasharmonika. Auch Zuhörer/innen bekamen anscheinend “Krisenzustände”, wenn sie den Klängen der Glasharmonika lauschten. Schnell war ein Mythos über den schlechten Einfluss des Instrumentes abgeleitet, der daran mitwirkte, dass sie schnell wieder in Vergessenheit geriet. 

Spannend, nicht? Dann sind Sie jetzt dran. Recherchieren Sie selbst!
Hier können Sie schon mal beginnen.

Es ist eine Glasharmonika!

Des Rätsels Lösung: Das gestern beschriebene Instrument ist eine Glasharmonika. Sie war um 1800 ein beliebtes Instrument, da ihr sphärischer Klang genau die Stimmungslage des sogenannten empfindsamen Stils traf. Auch antike Versionen des Instrumentes sind bekannt, da hier das Spielen auf Gläsern bereits bekannt ist. Um 1830 verdrängte jedoch das Aufkommen des Hammerklaviers die Glasharmonika.

Die genauen Daten der Glasharmonika des historischen museums Frankfurt sind:

  • Maße: 90x120x44cm
  • Erbaut um 1800 von (vermutlich) Secretair Wenk bei Gotha
  • 46 Glasglocken mir Randvergoldung
  • Leicht grün getöntes Glas
  • Umfang: c-a”’

 

Wie hat sich das wohl angehört?
Hier ein ist ein Zitat des Schweizer Dichters, Gottfried Keller, der sich 1869 an einen musikalischen Abend mi der Glasharmonika erinnert: „Nun begann das Spiel mit den geisterhaftesten Tönen, die ich je gehört habe, bis sie in voller Harmonie zusammen flossen“.

Aber wer hat sie bloß erfunden? Da kommen Sie nie drauf, oder?

(Fortsetzung folgt!)

Ein Instrument aus dem Dornröschenschlaf erwecken – ein Rätsel!

Der Holzrestaurator Oliver Morr restaurierte kürzlich ein wunderbar klingendes Instrument aus der Instrumentensammlung des historischen museums.

Es wurde 1762 erfunden und entfaltet einen zarten, sphärischen Klang. Eine durch mechanischen Antrieb rotierende Achse mit Klangschalen aus Glas wird mit angefeuchteten Fingern bespielt. Die Schalen geraten dadurch in Schwingung und bringen einen gar außerirdisch wirkenden Klang hervor.

Wie mag dieses Intrument wohl heißen?

Die Auflösung des Rätsels folgt morgen, bis dahin viel Spaß beim Knobeln!

Eine Flohfalle für das kinder museum frankfurt

 

 

Flohfalle um 1900geöffnete Flohfalle um 1900

Es ist dem kinder museum frankfurt gelungen für die kommende Ausstellung Blutsauger (ab 3. Dezember 2011) ein faszinierendes Objekt anzukaufen. Es handelt sich dabei um eine Flohfalle vom Ende des 18. , Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Falle ist ein Hohlkröper aus Obstholz, evtl. Kirschbaum etwa so groß wie ein Gänseei,  gedrechselt und versehen mit vielen Verzierungen und kleinen Löchern. Im Inneren der Flohfalle wurde ein blutgetränktes Stoffläppchen aufbewahrt und das Ei in der Kleidung befestigt.

Wie gut es gewirkt hat weiß ich nicht. Wir haben es ungereinigt angekauft,  mich fing es schon an zu jucken, als das Objekt ausgepackt auf meinemTisch stand. Vielleicht sind ja auch noch Flöhe drinnen ….
Jetzt ist es bei meinem Kollegen in der Holzrestaurierung zur Konservierung, Reinigung und Aufwahrung.

Mehr zur nächsten Ausstellung des kinder museums frankfurt ist hier zu lesen.

Ordnung des Schlüsselbestands

Im  Rahmen der Sammlungsbewegung (Umzugsmaßnahmen in die neuen Depots) fand im Bereich der Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten ein wichtiges Projekt statt: Die Ordnung des Schlüsselbestands für Objekte der Möbel-, Zunft sowie Musikinstrumentensammlung.

Die bisher ungenügend archivierten Schlüssel (234 Stück) wurden akribisch auf ihre Richtigkeit überprüft, in der Museumsdatenbank MPlus (unter Zuweisung der aktuellen Inventarnummern) den entsprechenden Sammlungsgegenständen zugeordnet, fortlaufend nummeriert und einheitlich etikettiert. Die hierfür angelegten Datenbanken können in Zukunft in der gleichen Weise weitergeführt werden.

Durch diese unerlässliche Maßnahme wird den Kuratoren/innen und Restauratoren/innen des hmf der Suchvorgang erheblich erleichtert – bleibt zu hoffen, das in Zukunft ausreichend Kapazitäten zur Verfügung stehen, um diese Maßnahme auch für die Schlüssel der externen Depots vorzunehmen.