Von Sonja Thiel, 9. Juni 2013
Es wirkte wie ein großes Wiedersehen, ein Klassentreffen von Occupy Frankfurt – die Stimmung auf der öffentlichen Objektübergabe am 15. Mai 2013 war gemischt: neugierig, nostalgisch, angespannt und manchmal wütend: Einige der Besucher/innen kritisierten die vermeintliche Provokation: wie kann eine noch aktive Protestbewegung musealisiert werden? Zwar besteht das Camp nicht mehr, das knapp ein Jahr am Willy Brandt Platz vor der EZB bunt und laut sesshaften Protest gegen die Finanzkrise übte, doch der Protest geht weiter – zuletzt im großen Blockupy-Bündnis.
Doch das Camp ist Geschichte, das ist unbestritten: und diese Geschichte wollten wir dokumentieren. In einem knapp einjährigen partizipativen Sammlungsprozess haben wir gemeinsam mit Aktivist/innen von Occupy Frankfurt Objekte gesammelt, ausgewählt, besprochen und dokumentiert. In erster Linie war es ein langer Annäherungs- und Kommunikationsprozess, auf beiden Seiten stand jedoch ein großes Interesse am anderen und vor allem die Offenheit, sich auf die jeweils anderen institutionellen und informellen Interessen einzulassen. Die behutsame Zusammenarbeit und vor allem gemeinsam erarbeitete Qualitätskriterien in der Objektflut überzeugten letztlich auch die Kritiker, hoffe ich.
Die Objektübergabe fand im lichtdurchfluteten Leopold-Sonnemann Saal statt und wurde nach einem einladenden und musikalischen Mitmachbuffet vor dem Museum von 130 Leuten besucht. Wolf Wetzel (Journalist) machte den Beginn mit einem Input zu weltweiten Protestbewegungen, der allerdings eher die Verbindung von Protestbewegungen und Museum in Frage stellte. Das sehen wir natürlich anders, wir fanden, dass das ganz ausgezeichnet zusammen passt – wie unterschiedlich allerdings die Zusammenarbeit und der Sammlungsprozess und vor allem der Objektbestand aussehen kann, verdeutlichte Markus Speidel (Stadtmuseum Stuttgart) in seinem humorvollen Beitrag über die teilweisen absurden Sammlungsbewegungen des Protests und der Befürworterbewegung von Stuttgart 21.
Wir freuen uns jedenfalls über das Interesse (hr, Journal, ZDF, OP), das die Veranstaltung erhalten hat – es bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass partizipative Museumsarbeit sinnvoll ist und dass auch die Gegenwart Platz in unserem Museum finden muss.
Von Sonja Thiel, 13. Mai 2013
Über ein Jahr ist es nun her, dass das Occupy Frankfurt gegründet wurde, 297 Tage war das Camp am Willy Brandt Platz vor der Europäischen Zentralbank präsent – laut, bunt und umstritten.
Seit knapp einem Jahr steht das historische museum frankfurt mit Aktivist/innen in Kontakt. Uns hat interessiert, was das Phänomen Occupy für die Stadt Frankfurt bedeutet hat: Was hat es bewirkt und bewegt, wen hat es kaltgelassen? Wie wird das Camp und die weltweite Bewegung von Frankfurter/innen wahrgenommen und hat sie auch die Stadt verändert?
In einer kleinen Arbeitsgruppe haben wir gemeinsam diese Fragen diskutiert und nach einer Form der Zusammenarbeit gesucht. Nach einigen – auch erfolglosen – Versuchen erschien uns die Objektübergabe als sinnvolle Form: Das Camp war Alltag, aber auch gelebte Symbolik, Protest hat immer auch dingliche Form – die wollten wir zeigen und sammeln. Eine engagierte Gruppe Occupy-Aktivist/innen machte sich daran, Objekte aus dem Camp zu sammeln, die bedeutsam waren für den Protest, das Camp und den Alltag – hier sind tolle Objekte zusammengekommen: Banner, Zeichnungen, Buttons uvm.
Die kleine & feine Objektsammlung wird am Mittwoch dem Museum übergeben. Impulsvorträge von Wolf Wetzel (Protestforscher) und Dr. Markus Speidel (Kurator Stadtmuseum Stuttgart) erläutern diese Sammlungsstratgie aus verschiedenen Positionen:
Was bedeutet es, wenn aktiver Protest im Museum gesammelt wird? Welche Sammlungsstrategien können Museen fahren und wie funktioniert partizipatives Sammeln?
Auf der anderen Seite geht es Occupy Frankfurt auch darum zu zeigen, was aus Ihnen geworden ist. Wie hat sich die Bewegung entwickelt und wie lebendig ist sie noch?
Wir laden herzlich ein, am Mittwoch, 15. Mai um 18 Uhr (ab 17 Uhr MitmachBuffet) an der Objektübergabe teilzunehmen – im Anschluss können die Objekte besichtigt und bei einem Glas städtischen Weins die Zukunft der Sammlung und von Occupy Frankfurt diskutiert werden.
Einladung zum Download
Getwittert wird von @histmus, @wolfwetzel @OccupyFrankfurt, @MuseumStuttgart und @projektthiel
unter #occupymuseum
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Foto: B. Walzer
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Foto: B. Walzer
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Foto: B. Walzer
Von Susanne Gesser, 26. Januar 2013
Die Konferenz Nationaler Kultureinrichtungen lädt für Montag (28. Jan. 2013) zu einem Fachtag in das Bach-Museum Leipzig ein. Wir, das historische museum frankfurt, haben die große Freude und Ehre, die Neukonzeption des Museums anhand des Beispiel des Stadtlabors, eines partizipativen Ausstellungsformats, vorzustellen.
Freier Zugang zu kultureller Bildung sowie die Möglichkeit der Mitgestaltung des eigenen Kulturortes ist uns als Stadtmuseum für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts sehr wichtig. Deshalb beschäftigen wir uns seit langem mit neuen Formen von Ausstellungen und legen ein besonderes Augenmerk auf die Partizipation von etwa 700.000 Frankfurtexperten.
Auf die Veranstaltung am Montag freue ich mich und vor allem auf den Austausch mit den Kolleg/innen, aber auch auf den Besuch im Bach-Museum.
Infos zum Museum und zur Tagung sind hier zu finden.
Von Susanne Gesser, 20. September 2012
Mit der Ausstellungseröffnung von Meine Großeltern, einem künstlerischen Langzeitprojekt von Mats Staub, ist seit letzter Woche auch das Bernusgewölbe im Saalhof als Ausstellungsraum genutzt. Wie wir finden, passt die Audio-Ausstellung mit ihren gemusterten Polstersitzen und digitalen Bilderrahmen sehr gut in das Gewölbe. Die Fotos geben einen Einblick in die Ausstellung und ihre Eröffnungsveranstaltung.
In mehrfacher Hinsicht ist die Ausstellung recht ungewöhnlich: Zum einen gibt es kaum etwas zu sehen, denn die Geschichten die Enkel und Enkelinnen von ihren Großeltern erzählen, stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Somit sind die nicht sichtbaren Geschichten Ausstellungsgegenstand – es ist eine Ausstellung zum Anhören! Das zweite ungewöhnliche ist, dass hier im Museum nur individuelle und persönliche Erinnerungen, die die Geschichte der Zeit von 1900 bis 2010 spiegeln, präsentiert werden.
Für sein künstlerisches Langzeitprojekt hat Mats Staub schon über 300 Geschichten gesammelt. Eine Auswahl von 50 Geschichten ist hier in Frankfurt zu hören, insgesamt 15 Stunden Material. Noch bis Ende September ist Mats Staub in Franfkurt und sammelt weitere Geschichten von Großeltern, um diese noch in die Frankfurter Ausstellung zu integrieren.
Kommen Sie und hören Sie diese Ausstellung an – ein must hear für alle Enkelkinder!
Von Sonja Thiel, 29. August 2012
„Der Lotse geht von Bord“ titelt das Presse- und Inofrmationsamt der Stadt Frankfurt (pia) und meint damit Wolf von Wolzogen, der das historische museum frankfurt verlässt und in den Ruhe- und Unruhestand nach Potsdam geht. Wenig schmeichelhaft ist der Vergleich mit Otto von Bismarck, vielleicht eher schon der mit Helmut Schmidt – sehr gelungen dagegen war die große Abschiedsveranstaltung für Wolf von Wolzogen am 28.8. im historischen museum.
„Last orders…“ konnten entgegengenommen werden bei dem höchst amüsanten Gespräch zwischen der Journalistin Ulrike Holler, Wolf von Wolzogen und seinen Weggefährt/innen Sigrid Sigurdsson, Feli Gürsching, seiner Ehefrau Hanna Delf von Wolzogen und weiteren, die Anteil genommen haben an seinem großen Projekt: der Bibliothek der Alten.
Selbst Autor im „offenen Archiv“, drehte sich das Gespräch um die Kassette, die Wolf von Wolzogen in der BdA hinterlässt. Bis zu seiner Studienzeit ist er bisher gekommen, die Kassette enthält seine Reflexionen über die höchst spannende Familie, seine Studienzeit, die politische Sozialisation im Frankfurt der 1960er und 1970er Jahre und seine zahlreichen Ausstellung im historischen museum, an denen er mitarbeitete. Abwechslungsreich und humorvoll erfuhren die Zuhörer/innen von seinen Badevorlieben, Sprechgewohnheiten und seinen Plänen für die Zukunft: Er wird gebraucht im Förderverein des Theodor Fontane Archivs in Potsdam.
Doch es wäre nicht Wolf von Wolzogen, wenn der Abend nicht auch noch viele andere Bedeutungen gehabt hätte: Denn nicht nur Johann Wolfgang von Goethe feiert seinen Geburtstag am 28.8.
Gleichzeitig wurde die Leitung der Bibliothek der Alten übergeben an seine Nachfolgerin Angela Jannelli. Und natürlich wurde gefeiert: ein langes, vielseitiges erfolgreiches Berufsleben im historischen museum frankfurt und die vielen persönlichen Kontakte, die sich im Rahmen der langen Frankfurter Zeit ergeben haben, denn wie Feli Gürsching meinte: „Man muss kein Buch aufschlagen, einfach Wolf fragen“.
Von Nina Gorgus, 8. August 2012
So langsam bewegen wir uns mit den Sammlern und Stiftern auf die Zielgerade zu: es wird ernst! Morgen findet ja schon die Preview in Form des KultUps statt – wer Zweifel hat, ob solch eine Aktion auch ins Museum gehört, konnte sich heute morgen weiterbilden.
Unsere beiden KultUp-Planerinnen, Ulrike Schmid und Tanja Neumann, waren heute beim Treffpunkt KulturManagement zu Gast und berichteten über die vergangenen KultUps in Frankfurt, und natürlich auch vom kommenden – morgen! – bei uns. So waren wir bzw. der Blog in der Präsentation vertreten – hier zwei screenshots vom Treffpunkt – allerdings ohne Ton.
Die Diskussion beim Treffpunkt Kulturmanagement (läuft über einen Chat an der Seite mit) konnte ich leider nur sehr am Rande mit verfolgen – denn da war ja noch was mit einer Ausstellungseröffnung…
Hier kann man sich dann die Aufzeichnung anschauen.
Von Nina Gorgus, 13. Juli 2012

Ein KultUp ist kein Objekt, soviel sei schon mal gesagt, aber es geht um Objekte. Genauer gesagt, um die hinreißenden Sammlungen in unserer neuen Dauerausstellung Sammler und Stifter: wir laden am 9. August zu einer Premiere ein: zwischen 13 und 14 Uhr kann schon einmal ein Blick in die Sammler und Stifter-Ausstellung geworfen werden – die eigentlich erst am 18. August eröffnet wird!
Zu einem KultUp ist jede und jeder eingeladen: das Eintrittsbillet ist gewissermaßen ein smartphone oder ein tablet. Mit diesem wird dann während des Rundgangs getwittert! Alle anderen, die nicht dabei sein können, können das Ganze live aus der Ferne verfolgen – auf der tweetwall, eine Seite im Internet, die alle tweets mit dem Schlagwort #kultup sammelt. Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns über viele TwitterInnen.
Für alle, die sich fragen, was Twitter eigentlich ist, sei hier die schöne (handgeschriebene) Präsentation von Tine Nowak empfohlen. Und man kann sich hier einfach mal so, ohne Abonnent zu sein, die Twitterseite vom historischen museum (@histmus heißen wir bei twitter) anschauen.
Auf alle Fälle haben wir mit Tanja Neumann und Ulrike Schmid, die den KultUp in Frankfurt erfolgreich eingeführt haben, zwei erfahrene Beraterinnen auf unserer Seite. Hier auf dem Blog von KultUp erfahrt Ihr mehr!
Und wer mag, kann hier in der FAZ auch nochmals nachlesen, um für den 9. August gerüstet zu sein. Mit Sicherheit werden wir hier auch noch öfters darüber berichten.
Von Oliver Ramonat, 12. April 2012
Am Samstag, dem 24. März 2012, war das Projektteam Karolinger des historischen museums zu Gast bei den Geschichts- und Heimatvereinen des Kreises Offenbach. Für die Ausstellung im Jahr 2016 und für den Tag der Regionalgeschichte Rhein-Main im März 2013 suchen wir aktiv den Kontakt zu den Regionalhistorikern vor Ort. Aus einer ganzen Reihe von Gesprächen ist dieser Besuch auf der „Arbeitstagung der Geschichts- und Heimatvereine“ das erste, für uns sehr erfreuliche Ergebnis.
In ‚karolingischer’ Umgebung – mitten in Seligenstadt im historischen Kloster, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Einhardsbasilika – durften wir über unser Vorhaben berichten und zu dem Tag der Regionalgeschichte einladen. Nicht zuletzt sollen ja interessierte Geschichtsvereine der Region eingeladen werden, zu einem Raum der Region beizutragen. In diesem Raum der Region sollen – so die allererste Vorüberlegung – die Ersterwähnungen der Orte im Lorscher Codex visualisiert werden. Anstatt diese lokalen Informationen nun irgendwo einzusammeln, möchten wir sie bei den Interessierten vor Ort abholen und gemeinsam gestalten (dazu ausführlicher im Blog zum partizipativen Museum). Ein offenes Angebot zum Mitmachen, das aus unserer Sicht ein großes eigendynamisches Potential hat.
Wir waren beeindruckt von der Kompetenz, der Vielseitigkeit und dem Engagement der vielen ehrenamtlich Aktiven vor Ort, wie sie in den Mitteilungen und Berichten der Heimat und Geschichtsvereine deutlich wurden. Wir freuen uns auf die kommenden Veranstaltungen im Kreis Offenbach – denn wir sind spontan wieder eingeladen worden und dürfen kontinuierlich über die Arbeit des Projektbüros Karolinger und das Museum berichten.
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