Endspurt! „Rudi’s Bilder!“ kommen an die Wand

Die Ausstellungseröffnung rückt immer näher und der Ausstellungsaufbau ist in vollem Gange. Fast 80 Bilder wollen an die Wand gebracht werden. Dabei ist gute Planung und Vorbereitung alles. Um den Platz jedes Bildes zu bestimmen, hieß es zuerst: puzzeln! Maßstabsgetreu und mit Papier natürlich. Die gerahmten Bilder werden, um dem Hänge-Team die Arbeit zu erleichtern an die entsprechenden Abschnitte der Wand sortiert. Und dann laufen die Akku-Schrauber heiß und die Wasserwaage wird gezückt. Während das erste Bild an der Wand angebracht wird, steigt die Nervosität, bis es endlich – nach einer gefühlten Ewigkeit – seinen Platz eingenommen hat. Und Stück für Stück wird der Plan Realität.

Nachdem alle Bilder an der Wand hängen, ist es jedoch noch lange nicht vorbei mit den Vorbereitungen! Ein Sockel für eine Büste muss noch her und für das richtige Licht muss auch noch gesorgt werden. Es sind viele große Kleinigkeiten, die das Gesamtpaket machen. Das Ergebnis kann man sich ab dem 16.November 19 Uhr ansehen.

„Man sieht nur, was man weiß“

Historisches museum frankfurt: "Küfer und Häfner in Karnevalskleidung", Pieter Jansz. Quast, B0619

Küfer und Häfner in Karnevalskleidung lautet die überlieferte Bezeichnung des Gemäldes von Pieter Jansz. Quast, das der Kunsthistoriker Rainer Donandt  den Freunden & Förderern im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kunststück“  Anfang Oktober vorstellte. Das Gemälde gehört zum „Prehnischen Gemäldecabinet“, das der wohlhabende Frankfurter Konditormeister  und Sammler Johann Valentin Prehn (1749-1821) zusammengetragen hatte und in einem gesonderten großen Raum seines Hauses auf der zu jener Zeit angesagten Zeil für Kunstinteressenten zugänglich machte. Die Sammlung Prehns gelangte 1839 als Vermächtnis seiner Erben in das Eigentum der Stadt und später in das Historische Museum. Von der  Sammlung mit den über 800  kleinformatigen Gemälden sind über 160 im Sammlermuseum zu sehen. Alle anderen können sind seit einiger Zeit in einer Online-Datenbank zu erforschen.

Rainer Donandt hatte für seine Präsentation eines der wenigen großformatigen Gemälde  ausgewählt, bei dem es für die Freunde & Förderer schnell zu erkennen war, dass der wohl aus dem 19. Jahrhundert herrührende Titel „Küfer und Häfner in Karnevalskleidung“ nicht richtig sein konnte. Auch die mögliche Darstellung einer Prügelszene, ein im 17. Jahrhundert in den Niederlanden gut verkäufliches Motiv zahlreicher Maler, ließ sich durch den Vergleich mit den gezeigten Werken anderer Künstler ausschließen. Die Lösung für die etwas rätselhafte Darstellung grotesk anmutender Männer gab Donandt mit der deutschen Übersetzung eines am Fuß des Bildes platzierten Schriftbands: „Leere Fässer tönen am lautesten“. Gemäß dem Goetheschen Merksatz  „Man sieht nur, was man weiß“ erschließt sich beim Betrachten auf einen Blick, dass die Vielzahl der leeren Gefäße, mit denen die dargestellten Figuren behängt sind, kaum ein geeignetes Karnevalskostüm sein konnten.

Die bildliche Umsetzung von Sprichwörtern und Redensarten war nach der Erläuterung Rainer Donandts in den Niederlanden im 16. und 17. Jahrhundert ein auch bei berühmten Künstlern und ihren Käufern sehr beliebtes Thema.  Donandt fügte hinzu, dass mit der Darstellung solcher Sinnsprüche ernste Themen mit Witz und ohne „Moralin“ berührt wurden. Über „Witz“ dürfte auch der Konditormeister Johann Valentin Prehn verfügt haben, denn er stellte die jeweils unterschiedlichen Rahmen für seine umfangreiche Gemäldesammlung durch Verwendung eines früher im Bäckerhandwerk gebräuchlichen pflanzlichen Verdickungsmittel „Tragant“ selbst her. Seine Kenntnisse gingen also durchaus über das Backen eines Frankfurter Kranzes hinaus.

historisches museum frankfurt: Führung der freunde & förderer im Prehn-Kabinett

 

Lisbet Windsor zeigt die Highlights im HMF

von Elisabeth Jung

Der Kabarettist Bäppi La Belle gibt regelmäßig Führungen im historischen museum frankfurt. Dabei schlüpft er in die Rolle Ihrer Majestät Lisbet Windsor – das ist wirklich immer ein Erlebnis. Während meines Praktikums konnte ich an einer Führung teilnehmen.

Im Juni begann die Führung im Bernusgewölbe aus der Staufer Zeit. Lisbet Windsor empfing die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung persönlich und hieß jeden einzelnen willkommen. Von Beginn an brachte Lisbet Windsor die Besucher mit seinem hessischen Charme zum Lachen. Inhaltlich lag der Schwerpunkt der Führung auf „Fun-Facts“ und interessanten Geschichten über Frankfurt und seine Umgebung. Bäppi La Belle berichtete etwa über die Wanderkaiser, die mit ihrem gesamten Hof und Bediensteten nach Frankfurt reisten.

Besonders gut gefiel mir die starke Einbindung der Besucher in die  Führung. Ihre Majestät stellte immer wieder direkte Fragen an die Teilnehmer. Dadurch entstand ein kontinuierlicher Dialog zwischen „Bäppi“ und den Besuchern, der Funke sprang sofort über. Ein Höhepunkt der Führung waren das interaktive Stadtmodell zur Stauferzeit und die Repliken der Reichsinsignien. Hierbei nahm Lisbet besonders Rücksicht auf die jüngsten Gäste: Warum hat die Reichskrone einen so großen Umfang? Hatten die Menschen früher größere Köpfe? In der Rekonstruktion der mittelalterlichen Küche stellte uns Lisbet Windsor vor ein Rätsel: Welcher typisch-hessische Gegenstand fehlt? Natürlich handelte es sich um den Bembel und das Äppelwoi Gerippte!

Danach führte uns Lisbet ein Stockwerk höher zu den Frankfurter Altstadtmodellen. Zunächst betrachteten wir das Modell der Brüder Treuner, das die Altstadt vor der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges zeigt. Beeindruckend – wie prachtvoll einst die Frankfurter Altstadt war! Bäppi stellte viele Bezüge zu der aktuellen Innenstadt Frankfurts auf und erklärte, welche Gebäude heute die Innenstadt prägen. Besonders spannend waren Bäppis persönliche Anekdoten aus seiner Kindheit. Wer hätte gedacht, dass der Römerberg in den 1960er Jahren ein Parkplatz war?

Die letzte Station waren die „Frankfurter Sammler und Stifter“. Die Familienspur bietet hier interaktive Elemente an. Unter anderem konnten wir eine Ritterrüstung anziehen und abschätzen, wie viel ein Ritterhelm wiegt. Besonders mit Fragen wie: Was ist das wertvollste Objekt im Raum? – gelang es Bäppi, die vollständige Aufmerksamkeit seiner Gäste zu bekommen. Jeder konnte einen Tipp abgeben, alle waren beteiligt!

Bäppis Führungen heben sich besonders ab durch seinen lebhaften und begeisternden Charakter. Neben seinen humorvollen Geschichten ist er aber auch ein kritischer Betrachter Frankfurts und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Da fällt auch mal ein Kommentar zum Ex-Bischof aus Limburg, der nach Rom zwangsversetzt wurde. Doch genau das macht seine Führung so authentisch und einmalig! Bäppi eröffnet viele unterschiedliche Perspektiven auf die Stadt am Main und es macht richtig Spaß, dabei zuzuhören.

historisches museum frankfurt: Lisbet Windsor führt während des Museumsuferfestes 2015, Foto: P. Welzel

 

Carl Theodor von Dalberg – der erste freund & förderer des historischen museums

Für den Frankfurter Weihnachtsmarkt bildet die dem hmf unmittelbar benachbarte Alte Nikolaikirche derzeit eine romantische Kulisse. Dazu hatten der Rat der Stadt und vermutlich auch die damaligen Frankfurter Bürger vor gut 200 Jahren offensichtlich eine andere Meinung: Um 1800 galt die Gotik angesichts des sich langsam in der Architektur durchsetzenden Klassizismus als altmodisch. Der damalige Stadtbaumeister Johann Christian Hess hatte 1803 bereits den Abriss der – allerdings seit 1552 profanierten – Kirche vorgeschlagen. Erst als mit Carl Theodor von Dalberg 1806 in der Jahrhunderte langen reichsstädtischen Geschichte Frankfurts ein (Kirchen)fürst an die Spitze der Stadt gelangte, war der Erhalt der Alten Nikolaikirche gesichert. Dalberg stattete die alte Ratskirche sowie ebenfalls die seit 1792 als Speicher zweckentfremdete gotische Leonhardskirche wieder mit zahlreichen Kunstgegenständen und Gemälden aus, die durch die Aufhebung der Klöster aufgrund der Säkularisation aus kirchlichem in öffentlichen Besitz gelangten.

Der ehemalige Kurfürst von Mainz und nunmehrige Fürstprimas und spätere Großherzog von Frankfurt war zwar ein Mann der Kirche, vertrat aber die Gedanken der Aufklärung. Er verfügte die Emanzipation der Frankfurter Juden, gründete die Handelskammer sowie die – nur wenige Jahre bestehende – „Großherzoglich Frankfurtische Universität“ und unter seiner Regierung entstand das Frankfurter Museum, aus dem auch das später errichtete Historische Museum hervorging. Zahlreiche Kunstgegenstände, die heute zum Bestand des hmf gehören, gehen auf eine Schenkung Dalbergs aus dem Jahre 1809 zurück. Deswegen kann man ihn mit Fug und Recht als ersten freund & förderer des hmf bezeichnen. Im historischen museum ist dem Sammler natürlich ein Kabinett gewidmet. Im öffentlichen Raum erinnert nur eine kleine Straße in dem ehemals kurmainzischen Stadtteil Höchst an den Wohltäter der Stadt.  Zu einem Denkmal wie die im Gemälde von Joseph Chabord abgebildete Büste Dalbergs hat es seit Dalbergs Tod im Jahre 1817 nicht mehr gereicht …

historisches museum frankfurt: Joseph Chabord, Selbstbildnis mit der Büste des Fürstprimas Dalberg, 1810, hmf

 

Mit „manduca“ im Museum

Letzten Dienstag war es soweit: Ich durfte als Praktikantin an der ersten „manduca“-Führung teilnehmen (gemeint ist nicht der Schmetterling, sondern eine Babytragetasche). Die Kinderwägen fein säuberlich im Eingangsbereich geparkt, ging es mit den Mamas und ihren Babys, meiner Mitpraktikantin Maria und der Kuratorin Anne Gemeinhardt durch die Highlights der Ausstellung.

Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich gespannt, wie so eine Führung mit Baby ablaufen würde und ob es nicht vielleicht zu unruhig wird. Aber die Kleinen lauschten mindestens genauso gespannt den Erzählungen von Anne Gemeinhardt wie ihre Eltern. Es war schön zu sehen, wie sich die kleinsten Teilnehmer/innen über die funkelnden Reichsinsignien freuten, oder aus dem Staunen gar nicht mehr herauskamen, als sie die vielen verschiedenen Gemälde in der Sammlung Daems bewunderten. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut durchhalten würden, eine kleine Pause musste erst gar nicht eingelegt werden. Erst zum Schluss fielen ihnen dann doch die Äugelein zu.
Die Führung war ein schöner Erfolg. Und auch für uns Praktikanten eine (süße) Abwechslung zum Praktikantenalltag. Ich freue mich schon auf die nächste manduca-Tour – ein Stadtgang am 24. Juni. Vielleicht leihe ich mir ein Baby aus und nehme diesmal ganz offiziell an der Führung teil…

 

Digitale Medien im Museum: #AskACurator

Vor einer Woche war mal wieder #AskACurator-Day – einen Tag lang saßen Kuratoren und Kuratorinnen rund um den Globus am PC und plauderten 140-Zeichen-lang aus dem musealen Nähkästchen. Aulöser war eine Vielzahl von Fragen, die die twitter-community per Hashtag #askacurator direkt an Museen richtete (twitter bietet ja grundsätzlich immer die Möglichkeit des direkten Austauschs – an diesem Tag wurde aber besonders die Beziehung zwischen Museum und Besucher*innen in den Fokus gerückt). Das nahm auch die Kollegin @tinowa zum Anlass und fragte nach den digitalen Plänen für die Felder Lernen, Bildung und Wissen im Museum. Mit 140 Zeichen konnten wir da nicht nachkommen, drum gibts hier nachträglich ein paar Gedanken zu den spannenden Fragen:

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich des Wissens (Sammlungen, Publikationen, Forschung etc.)?

stadtmodell-historypinAktuell arbeiten wir an verschiedenen Baustellen. Einerseits sollen die Kernaufgaben des Museums (Sammeln und Forschen) mit digitalen Mitteln für eine breitere Online-Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden. Dazu wollen wir mit Teilen unserer Sammlung bis 2017 online gehen und in Form einer bildlich-intuitiven Datenbank allen Interessierten selbstständiges Forschen, Kommentieren und Browsen ermöglichen. In die gleiche Kerbe schlägt ein vorgelagertes Projekt: die Sammlung Prehn, die in der aktuellen Dauerausstellung Sammler und Stifter gezeigt wird, soll noch in diesem Winter als Mini-Online-Datenbank verfügbar gemacht werden. Auf der anderen Seite bieten die grundsätzlichen Funktionsweisen des Internets, die aktive Communities und kreative User-Praktiken befeuern, viele „Best-Practice-Beispiele“ für Crowdsourcing von denen Museen lernen können. Vor allem in der Frage, wie das gegenwärtige Frankfurt ausgestellt werden kann, wollen wir die Online-Gemeinde involvieren. Dafür ist eine interaktive Frankfurt-Karte in Planung, die durch User-Generated-Content zu einer dynamisch-kollektiven Wissenssammlung wachsen soll. Als Testballon experimentieren wir dafür gerade mit historypin

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich der Bildung (Medien in Ausstellungen o.ä., Multimediaprojekte, Vermittlung von Bildung etc.)?

App_Stadtlabor-unterwegs-in-den-Wallanlagen-400x712In der Dauerausstellung Sammlung und Stifter sind bereits eine Vielzahl von Medienstationen integriert, die erweiterte Möglichkeiten in der Interaktion mit den ausgestellten Objekten eröffnen. Zu dieser „Standard“-Ausrüstung kam in der letzten Stadtlabor unterwegs Ausstellung in den Wallanlagen die erste Erfahrung mit einer Smartphone-App hinzu. Für die bewegungsintensive Outdoor-Ausstellung drängte sich ein portables Vermittlungswerkzeug, das jede*r auf dem eigenen Gerät nutzen kann, geradezu auf. Während der Ausstellung konnte die App als Orientierungshilfe und Informationsträger heran gezogen werden. Außerdem konnten hier Geschichten zu den Wallanlagen in Form von Audiotracks abgespielt werden, die, unmittelbarer noch als Texte, die unterschiedlichen Stimmen der Stadtlaborant*innen vermittelten. Nachdem die Ausstellung momentan schon wieder abgebaut wird, erweist sich die App darüber hinaus als kompakte Wissenssammlung, die auch in Zukunft noch zur Tour durch die Wallanlagen einlädt. Download gibt’s hier!

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich des Lernens (Medienpädagogik, Online-Kurse, MOOCs, Webinare, Schulkooperationen)?

Im Bereich des Lernens stehen wir im historischen museum noch am Anfang der Planungen. Natürlich wird beispielsweise die Einladung zur Partizipation am interaktiven Stadtmodell von Medien-Werkstätten und Kooperationen begleitet werden. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik, die vermutlich erst mit dem neuen Internetportal zur Aufführung kommen wird. Was Medienpädagogik angeht ist das kinder museum frankfurt schon länger aktiv und bietet nicht nur Werkstätten an, sondern setzt auch in seinen Ausstellungen medienpädagogische Vermittlungsziele um.

 

Die freunde & förderer zu Besuch bei W. Kratz

Diesmal ließen sich die freunde & förderer von der Kuratorin Petra Schmied-Hartmann in die Sammlerwelt des Wilhelm Kratz entführen.

Wilhelm Kratz (1873-1945) war Partner und Direktor in einem Frankfurter Familienbetrieb für chirurgische Nadeln. Anfang des 20. Jh. gelang es ihm die Qualität der Nadeln erheblich zu verbessern und das Unternehmen erlangte Weltgeltung. Der wirtschaftliche Gewinn ermöglichte Herrn Kratz, eine umfangreiche Sammlung „chinesischer“ Fayencen aufzubauen.

Aus China? Nein, die große Überraschung für den Laien ist, dass die kostbaren Stücke zwar chinesisch inspiriert, aber ausnahmslos in Deutschland hergestellt sind. Im 17. und 18. Jh. war die Begeisterung für chinesisches Porzellan so groß, dass in Hanau, Frankfurt, Berlin und Nürnberg Fayencemanufakturen entstanden. Tongefäße bekamen eine weiße Zinnglasur, die sie wie weißes Porzellan erscheinen ließ. Die blaue Bemalung ist täuschend echt: chinesische Pagoden, Vögel und Pflanzen. Auf vielen Stücken werden wir als Betrachter in blumige, exotische Welten mit Fabeltieren, wie z.B. eine dreibeinige Kröte, entführt. Stundenlang möchte man sich in die phantasievollen Motive vertiefen.

So ähnlich muss es auch Wilhelm Kratz ergangen sein. Er sammelte mit großer Leidenschaft bis an sein Lebensende. Anfang der 1950er Jahre wurde die Sammlung an das historische museum verkauft. Für die Präsentation im neuen Sammlermuseum sind einzelne Stücke restauriert worden. In dem gut ausgeleuchteten Glascontainer erstrahlen die Fayence-Objekte in neuem Glanz.

 

Feiern für einen guten Zweck

Das dachte sich das Ehepaar Dr. med. Gisela Finke und Prof. Dr. med. Ulrich Finke, als sie bei einer Familienfeier auf persönliche Geschenke verzichteten und dafür vielmehr um Spenden baten. Im Focus stand die Restaurierung eines Objekts der sog. Kratz-Sammlung im historischen museum frankfurt. Ein bisher zurückgestellter Deckel einer großen Bodenvase konnte mit dem Spendengeld nun endlich restauriert werden. Das Ergebnis ist beindruckend.

Die Diplom-Restauratorin Anne Becker aus Kassel, die bereits eine ganze Reihe anderer Stücke in den Kratz-Vitrinen restauriert hat, leistete mal wieder ganze Arbeit. Und es kommt weiteres auf sie zu: Die Gäste der Familienfeier bei den Finkes waren so spendenfreudig, dass noch ein weiteres Stück restauriert werden kann. Eine große Weinkanne (Inv.Nr. hmf.Ke519), die mit ihrem schönen Dekor den technisch besonders feinen Arbeiten in der Sammlung des Industriellen Wilhelm Kratz (ausgestellt im 3. Geschoss bei den Frankfurter Sammlern und Stiftern)  zugeordnet werden kann. Die asiatisch anmutenden Motive – auf der eiförmigen Wandung des Gefässes sind Chinesen in einer Sumpf- und Parklandschaft angeordnet – sollten an Stücke erinnern, die in China produziert wurden und im Gegensatz zu der in Frankfurt gefertigten Keramik aus Porzellan bestehen.

Die beiden Stücke werden bald in der Kratz-Vitrine zu sehen sein. Vielleicht wäre eine derartige Spende auch etwas für Sie? Sprechen Sie uns an.

 

Der Bauzaun ist nun endlich vollzählig!

Was lange währt wird richtig gut: Einige werden es sicher schon bemerkt haben. Irgendetwas ist anders am Fahrtor 2. Stimmt! Denn nun ist es endlich soweit: Auch die beiden letzten Vitrinen entlang unseres Bauzauns wurden nun fertig gestellt. Die Bilder, die den Bau einer U-Bahn-Station in Hamburg zeigten, wurden nun vollständig ausgetauscht. Damit ist die Bauzaungalerie mit den Bildern zum Thema „Baustelle Altstadt“ vollständig. Ab September wird es dazu auch regelmäßig eine Stadtführung geben.

Vielleicht fragt sich der Eine oder Andere, was es mit dem Plakat in der elften Vitrine auf sich hat. Dort haben wir einige „Highlights“ des historischen museums ausgestellt. Christoph und ich sind gleich einmal auf „Highlight-Tour“ gegangen. Unter den „Highlights“ befinden sich beispielsweise der weltweit älteste Globus mit dem Eintrag „AMERICA“ aus dem Jahre 1515, der älteste Sakralbau Frankfurts – die Saalhof-Kapelle und das 15m² große Altstadtmodell. Aber darüber hinaus gibt es noch viele weitere „Highlights“ zu entdecken. Für die Besucher/innen wird es bald dazu auch eine neuen Plan geben.

Ägypten, Äthiopien, Israel, Italien…

und und und! Wer träumt nicht davon, einmal um die halbe Welt zu Reisen? Also ich jedenfalls schon! Um fremde, exotische Länder zu besuchen sind heutzutage nicht mal mehr nur Tagträume nötig. Jeden Tag starten hunderte Flugzeuge von Frankfurt aus. Aber wie sah das im 19. Jahrhundert aus? Ich wollte der Sache auf den Grund gehen und habe daher einfach bei Eduard Rüppell – dem wohl berühmtesten Frankfurter Forschungsreisenden – höchstpersönlich vorbeigeschaut. Er nutzte das Museumsuferfest am letzten Wochenende dazu, den Besuchern voller Stolz seine Trophäen – etwa seine Münzsammlung oder den Schädel seines selbst erlegten Krokodils – zu präsentieren.

Mir als Studentin – oft knapp bei Kasse und dennoch unermüdlich am Träumen von Reisen in ferne Länder – brannte natürlich besonders eine Frage auf der Zunge: „Wie konnte er sich das bloß leisten?“ Er erzählte mir, dass seine Eltern schon früh gestorben seien und er die Reisen von den 250.000 Gulden, die sie ihm vererbt hatten, bezahlte. Aber er machte mich auch darauf aufmerksam, dass er stets sparsam und bescheiden lebte.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis plötzlich auch Johann Christian Gerning erschien. Gerning hatte nämlich zum Erschrecken Rüppells dieselbe Idee wie er und nutzte ebenfalls das Museumsuferfest, um den Besuchern seine Sammlung vorzustellen. Er war allerdings nicht leidenschaftlicher Sammler von Expeditionstrophäen, sondern von Schmetterlingen, Insekten, Vögeln und Frankfurter Grafiken, den sogenannten „Frankofurtensien“. Mit diesem Zusammentreffen hätten wohl beide niemals gerechnet, immerhin wurde Rüppell erst geboren, als Gerning schon 49 Jahre alt war. Naja, nun mussten sich beide eben damit abfinden, um die Aufmerksamkeit der Besucher konkurrierend buhlen zu müssen – und das natürlich ohne sich dabei die eigene Missgunst anmerken zu lassen. Sie wollen schließlich beide den Titel „Bedeutendster Forscher und Sammler der Vaterstadt“ tragen. Für sie war das natürlich ein ganz fürchterliches Drama, aber für die Besucher äußerst amüsant! Rüppell zog also mit Spannung und wild gestikulierend die Aufmerksamkeit des Publikums auf die großen Gefahren und Abenteuer seiner Reisen. Er hätte sogar in Gebieten gewohnt, in denen es von „Menschenfressern“ gewimmelt habe. Außerdem sei er kriegerischen Unruhen und Krankheiten ausgesetzt gewesen. Aber auch Gerning wusste das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Er veranschaulichte dem Publikum mit sichtlicher Begeisterung die mühevolle und zeitraubende Arbeit, die in seiner Schmetterlingssammlung steckt.

Wann hat man sonst schon die Gelegenheit zwei solche Frankfurter Berühmtheiten persönlich kennenzulernen und ihnen Fragen stellen zu können. Das Publikum war begeistert und ich war es auch!

Zwar sind die beiden Sammler nun nicht mehr persönlich anzutreffen, aber wer Interesse an ihren Sammlungsobjekten gewonnen hat, kann das Sammlermuseum im historischen museum besuchen!