„Möge die Fahne nie mehr verborgen werden müssen“

… so wird der erste frei gewählte Frankfurter Oberbürgermeister Walter Kolb zitiert, der anlässlich der 100-Jahrfeier und Neuweihung der Freiheitsfahne von 1848 eine Festrede hielt.

Dass dieser Wunsch für die Zukunft der Fahne nicht von ungefähr kommt, zeigt ihre bewegte und mittlerweile über 150-jährige Lebensgeschichte; so wurde sie zwischenzeitlich in Teilen übermalt, mehrfach geflickt und gestopft, weitergereicht, beschlagnahmt, verloren, wiedergefunden, versteckt gehalten, vergessen und schließlich wieder restauriert.

Mittlerweile befindet sich die Fahne als Leihgabe in Obhut des historischen museums. Dennoch sieht man dem einlagigen und daher sehr dünnen Seidentaft sein Alter und die bewegte Vergangenheit an. Der recht mitgenommene Stoff und die zum Teil verblichene Bemalung mahnen zum vorsichtigen Umgang.

Ursprünglich stammt die Fahne aus dem Kontext der Revolution von 1848 und veranschaulicht mit ihren Aufschriften die freiheitlichen Bestrebungen und bürgerlichen Ideale jener Zeit. Auf der Vorderseite ist auf blauem Grund zu lesen „Deutscher Volks Verein für Freiheit und Recht“ und auf der Rückseite steht unter anderem geschrieben „Wo Einigkeit herrscht und freier Sinn, da glüht der Freiheit Immergrün“.

Am 16.10.13 hatte nun der Volkshausverein Ffm.-Sossenheim e.V., in dessen Eigentum sich die Fahne heute befindet, zu einem Pressetermin ins historische museum geladen. Den Anlass bot die Präsentation einer Broschüre zur Geschichte der Freiheitsfahne. Bei dieser Gelegenheit durfte das originale Objekt, die Freiheitsfahne selbst, natürlich nicht fehlen und so wurde das aufwendig restaurierte Textil aus dem Depot und seiner schützenden Verpackung geholt und der Presse vorgeführt.

Hier trafen nun gleichsam interessierte und dennoch völlig unterschiedliche Gruppen und Menschen aufeinander und belagerten das Objekt der Begierde; stolze Vertreter des besitzenden Volkshausvereins, die die Bedeutung der Fahne für die Frankfurter Geschichte und die demokratische Bewegung in Deutschland betonten; inhaltlich fokussierte Wissenschaftler/innen, die sich im Hinblick auf die neue Dauerausstellung Frankfurt Einst? mit dem Objekt auseinandersetzen; eifrige Fotografen und Journalisten/innen auf ihrer Mission, an ein gutes Bild des seltenen Anblicks zu gelangen; und schließlich Konservatoren/innen, die natürlich auf die Bewahrung des empfindlichen Objekts bedacht waren. Dem neutralen Zuschauer bot sich daher nicht nur bei der Betrachtung des historischen Gegenstandes, sondern auch aufgrund der ganzen Szenerie, ein spannendes Erlebnis.

Am Ende ist alles gut gegangen und nach circa einer Stunde konnte die Freiheitsfahne wieder behutsam verpackt und sachgemäß verstaut werden. Spätestens 2017 aber wird sie wieder hervorgeholt werden. Denn die Freiheitsfahne von 1848 wird neben vielen weiteren Fahnen und Transparenten in Frankfurt Einst? zu sehen sein.

Auf diese Weise zeigt das historische museum auf, dass sich der Wunsch Walter Kolbs letztlich erfüllt hat: nämlich dass die Fahne und mit ihr die erkämpften Ideale von Freiheit und Recht einen Platz in der Gesellschaft gefunden haben und sie „nie mehr verborgen werden müssen“.

Zu schade zum Wegwerfen

Das historische museum ist auf der Suche nach Wonderbras aus den 1990er Jahren.

BHs gab es natürlich schon früher, aber erst in den 1990er Jahren wurde eine Weiterentwicklung des BHs, der Wonderbra oder auch Push-Up-BH zum Renner in der Damenwelt. Er sorgt für ein verführerisches Dekollete und ist sicherlich eines der meist fotografierten Motive weltweit.

Wir besitzen eine der größten musealen Unterwäschesammlungen und möchte diese nun mit dieser besonderen Art von BHs ergänzen.

Falls sich solch ein BH bei Euch im Schrank findet, dann freuen wir uns, wenn Ihr  Kontakt zu uns aufnehmt. Auch helfen wir gerne mit der zeitlichen Einordnung weiter. Wir sind gespannt auf Eure Keller- und Dachbodenfunde!

historisches museum frankfurt: wir suchen wonderbars. Foto: wikipedia

 

Gesucht: Objekte von Lilly Reich

Lilly Reich (1885 – 1947) war eine bekannte deutsche Designerin und Innenarchitektin.
Seit 1910 machte sie sich durch Präsentationen bei zahlreichen Ausstellungen einen Namen. In der Folge wurde sie 1920 als erste Frau in den Vorstand des Werkbundes aufgenommen. Neben ihrem Atelier für Innenraumgestaltung, Dekorationskunst und Mode in Berlin, unterhielt sie auch zeitweise ein Atelier in Frankfurt am Main, wo sie von 1924 bis 1926 als Ausstellungsgestalterin für das Messeamt tätig war.
Dort lernte sie den Architekten Mies van der Rohe kennen, mit dem sie in den folgenden zehn Jahren eng zusammenarbeitete. Internationale Bekanntheit erlangte Lilly Reich vor allem durch die Weltausstellung in Barcelona 1929, bei der sie die künstlerische Leitung der deutschen Präsentation übernahm. Ab 1932 leitete sie die Weberei und Ausbau-Abteilung am Bauhaus in Dessau. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte Lilly Reich bis zu ihrem Tod 1947 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin.
Das historische museum frankfurt ist nun auf der Suche nach Dingen, die von Lilly Reich während ihrer Zeit in Frankfurt entworfen wurden. Für die Sammlungen des Museums sind insbesondere Textilien von Interesse – wenn Sie etwas wissen sollten, bitte melden!

Hübsch verpackt!

Ob langes Abendkleid, sportlich-elegantes Kostüm oder praktische Arbeitskleidung – wie die deutsche Frau zwischen 1933 und 1945 am besten angezogen war, zeigt eine Sammlung von Fotografien aus dem Frankfurter Modeamt, welche das historische museum im Jahr 2001 übernehmen konnte. Nachdem eine systematische Erschließung und Inventarisierung aufgrund diverser Leihanfragen und Ausstellungen lange Zeit nicht möglich war, wird dieses Ziel nun, auch dank der tatkräftigen Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter, realisiert.

Im Zuge der Einarbeitung der Sammlung in die Bestände des Museums werden die Fotografien von säurehaltigen Rückwandkartons und Klebstoffresten befreit, einzeln in säurefreie Umschläge gelegt und in dichtschließende, alterungsbeständige Klappkassetten gepackt.

So sind also nicht nur die Damen, sondern auch ihre Konterfeis hübsch – und konservatorisch vertretbar – verpackt!

Ein Blick über die Schulter der Textilrestauratorin

Alle freunde & förderer dürfen gelegentlich auch hinter die Kulissen des Museums schauen. In der Veranstaltungsreihe Schulterblick öffnete die Textilrestauratorin Ines Scholz ihre Werkstatt und gewährte uns einen Blick über ihre Schulter in den Arbeitsalltag einer Restauratorin.

Ein klassizistisches Sesselchen, die Uniform aus Kaiserzeiten oder ein Strand-Bikini aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts – alle Stücke müssen von der Restauratorin mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Nichts darf hier ohne Handschuhe angefaßt werden! Sehr viele Fachkenntnisse über physikalische Eigenschaften der Materialien und chemische Prozesse bei der natürlichen Alterung der Objekte sind für die Restaurierung erforderlich. Wir Laien hörten, schauten und staunten.

Aus welchen Materialien ist das Gewebe? Lassen sich Flecken entfernen, Fehlstellen oder Löcher mit passend eingefärbten Geweben unterlegen oder mit Tüll oder Seidencrepeline sichern? Ausbessern, reinigen oder reparieren … immer muss mit größter Sorgfalt und sehr präzise gearbeitet werden.

Frau Scholz beseitigt die Alterungsspuren fast perfekt. Wenn uns die Objekte demnächst in der Ausstellung der Stifter und Sammler wieder begegnen und dort in neuem Glanz erstrahlen, werden wir ganz genau hinschauen, denn jetzt wissen wir, wieviel Mühe, Geduld und Aufwand dafür notwendig waren.

The same procedure as every year

Nicht nur in Firmen und Geschäften wird zu Beginn des Jahres eine Inventur durchgeführt, auch die städtischen Museen Frankfurts unterziehen sich Jahr für Jahr dieser Prozedur.  Das Vorgehen ist jedoch nicht ganz vergleichbar, denn in den Museen kann schon aus Personalmangel nicht jedes Objekt in die Hand genommen werden – bei einem Bestand von über 600.000 Objekten im historischen museum ist leicht nachvollziehbar, warum nicht  -, sondern es wird eine Stichprobeninventur vorgenommen. Das bedeutet zunächst, dass eine Sammlung im Focus steht. In diesem Jahr galt das Interesse der Textilsammlung. Aus dieser Sammlung wird eine Objektgruppe ausgewählt.  Anschließend werden die Einträge in der Museumsdatenbank auf ihre Richtigkeit hin vor Ort überprüft. Befindet sich das Objekt dort, wo es sein soll? Können die Angaben in der Datenbank mit dem vorliegenden Objekt in Einklang gebracht werden? Sind die Materialangaben korrekt? In welchem Zustand ist das Stück? Ein zeitaufwändiges Verfahren, wenn die Objekte an verschiedenen Orten untergebracht und wie im Fall der Textilsammlung aufwändig verpackt sind. Aber es ist auch immer wieder schön, die digitale Welt für eine Zeit zu verlassen und viele Stücke in die Hand nehmen zu können.

 

Nicht jede Frankfurter Fastnachts-Feier ist erlaubt…

“Die kühnst Phantasie, so könnt sich e scheener Gesetz nicht denke als wie deß: Die sach is dorchaus verbotte, – wann de awer hundert Gulde Straf im voraus bezehlst, so ist es erlääbt.”
(Friedrich Stoltze in der Frankfurter Latern vom 8. Februar 1879, S. 22)

Friedrich Stoltze, der Frankfurter Mundartdichter, Journalist und Politiker, brachte es 1879 auf den Punkt: Um das Stadtsäckel aufzubessern, die sozialen Unterschiede der Stadtgesellschaft nicht verwischen zu lassen und Übermaß in Kleidung, Trinkgebahren usw. zu unterbinden, waren Verordnungen für die Karnevalszeit beliebtes Mittel des Stadtrats und Ärgernis der Frankfurter Vereine.

Ein Schildbürgerstreich war das von Stoltze genannte Gesetz, das Maskenbälle zwischen Neujahr und Fastnacht polizeilich verbot und unter Geldstrafe stellte. Wer aber im Vorhinein zahlte, konnte unbesorgt weiter feiern…

Zeugnis der regen Fastnachttätigkeiten, von der sich die Frankfurter Bürgerinnen und Bürger des späten 19. Jahrhunderts nicht abhalten ließen, ist im historischen museum etwa die Fahne des Käwern Club Bornheim, der sich 1884 gründete. Sie wurde vom Verein 1908 dem Historischen Museum geschenkt. Die Fahne war 1888 in Hanau gefertigt worden und ist auf der Rückseite mit einer Widmung von den “Frauen und Jungfrauen” des Vereins versehen. Ob die 1,45 Meter große Fahne auf Umzügen verwendet wurde, versuchen wir in der gerade neu entstehenden stadtgeschichtlichen Dauerausstellung Frankfurt Einst? heraus zu finden.

Mehr zu den städtischen Auseinandersetzungen um frühe Luxus- und Feierverbote und auch zum Stoltze-Fall berichtet der Historiker Michael Stolleis in seinem Buch “Pecuniam nervus rerum. Zur Staatsfinanzierung der Frühen Neuzeit”, Frankfurt am Main 1983.

Und sie hängt!

Über die geheimnisvolle Rolle haben wir ja hier schon einmal berichtet. Sollten Sie wissen wollen, was nun genau aus der Tapisserie geworden ist, so schauen Sie mal auf die Museums-Homepage. Die Bilder hier geben schon einmal einen Einblick.

Viele schöne Kleiderbügel

Auch eine Arbeit für die Textilrestauratorin:
Bügel sortieren

Warum wir uns für die Fahnen begeistern

kann man zum Beispiel hier sehen:
ein Ausschnitt einer Fahne vom Verein der Nassauer Frankfurt am Main. Wie sorgfältig hier das Grün der Blätter und die kleinen Früchte gestickt sind! Um welche Pflanze mag es sich wohl handeln?