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Vor über 150 Jahren – Frankfurts Ende als freie Reichstadt

Das Königreich Preußen führte 1866 einen Krieg gegen den Deutschen Bund unter Führung des Bundesstaats Österreich. Mit dem Sieg der Preußen am 3. Juli 1866 war der Krieg entschieden.

Die preußische Avantgarde erreichte Frankfurt am 16. Juli um 19 h. Zwei Stunden später übergab das Frankfurter Linienbataillon kampflos die Hauptwache an die Sieger. Drei Tage später verlangten die Preußen eine Kontribution von 6 Mio Gulden, die tags drauf vormittags in zwölf Fäßchen mit Gold bezahlt wurde. Unmittelbar danach verlangte General Mantteuffel weiterere 25 Mio Gulden binnen 24 Stunden. Die gesetzgebende Versammlung der Stadt verweigerte die Zahlung. Die Besatzer fuhren auf dem Mühlberg 24 Kanonen auf und drohten mit Beschießung der Stadt.

Die Preußen verlangten von Bürgermeister Fellner eine Namens- und Adressliste aller Senatsmitglieder, um diese haftbar zu machen. Daraufhin erhängte sich Bürgermeister Fellner am 23. Juli spätabends in seinem Garten in der Seilerstraße. Die Beerdigung erfolgte auf Befehl der Preußen am 26. Juli um 4.30 Uhr morgens. Es erschienen zu früher Stunde 6000 Menschen. Ein Verwandter übergab dabei den Preußen eine leere Namensliste und den Strick, mit dem Fellner sich aufhängte.

Carl Constanz Victor Fellner gilt deshalb als Märtyrer der Frankfurter Freiheit. An seinem Todesort befindet sich eine Gedenkplatte. Im Bestand des Historischen Museums befinden sich sein Verlobungsring (mit Jeannette Bansa) und seine Totenmaske. Die aktuell im Sammlermuseum ausgestellte Waffensammlung Fellner ist ein Geschenk seines älteren Bruders Christian Alexander Feller an das Museum.

An die für Frankfurt traurige Epoche erinnert eine Führung im Sammlermuseum um 17 Uhr und ein Vortrag von Andreas Fahrmeir am 13.7. um 18.00 Uhr im Historischen Museum. Titel: 16.7. 1866. Frankfurt wird preußisch.

Totenmaske von Bürgermeister Fellner im Viertelprofil, Frankfurt am Main, getönter Gipsabguß

1 Kommentar zu “Vor über 150 Jahren – Frankfurts Ende als freie Reichstadt

  1. Ernst Neubronner

    Zum Blog von Frank Berger „Vor über 150 Jahren“ ist noch eine kleine Arabeske hinzuzufügen. In dem Beitrag wird erwähnt, dass die Preußen nach ihrem Einmarsch im Juli 1866 der Stadt Frankfurt eine erste Kontribution in Höhe von 6 Millionen Gulden auferlegten, die am nächsten Tag bezahlt wurde. Dabei hatte der Kommandierende General seine Forderung als „Jahreslöhnung für die preußische Main-Armee“ deklariert. Um die angedrohten Zwangsmaßnahmen der Preußen abzuwenden, wandte sich der Senat der Freien Stadt Frankfurt an die Frankfurter Bank, die damalige Notenbank, die das Geld vorstreckte und als Forderung an die Stadt verbuchte. Als die Bank später um Rückzahlung des Darlehens bat, argumentierte man im Römer, die ehemals souveräne Freie Stadt Frankfurt sei mittlerweile Bestandteil des Königreichs Preußen, man möge sich doch nach Berlin wenden. Dort kam die Bitte um Rückzahlung ganz schlecht an: Das sei ja wohl ein merkwürdiges, für die Handelsstadt Frankfurt typisches Verlangen, hieß es im Preußischen Landtag, eine vom Sieger dem Besiegten auferlegte Kontribution wie einen Kredit zu behandeln. Auf der Rechten des Landtags wurde in diesem Zusammenhang sogar ein aus den USA stammendes Gerücht kolportiert, der Einfluss Rothschilds in der Stadt – Mayer Carl von Rothschild war Mitgründer der Frankfurter Bank – reiche soweit, dass sogar seine angebliche Geliebte auf dem Frankfurter Münzgeld abgebildet sei. Dabei wurde der auf dem Taler erwähnte Name des Medailleurs „A.(ugust) v. Nordheim“ in „Anna von Nordheim“ umgedeutet.
    Nach unzähligen Eingaben zwischen Frankfurt und Berlin war es Bismarck schließlich leid: Er verfügte 1868 die Rückzahlung des Geldes einschließlich Zins und Zinseszins durch die Preußische Staatskasse an die Frankfurter Bank. Banker mit historischem Verständnis hätten also schon aus Vorgängen 150 Jahre vor den jüngsten Finanzkrisen die Einsicht gewinnen können, dass Forderungen an staatliche Körperschaften nicht immer risikolos sind.

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