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Architektur-Metamorphosen

Vor 200 Jahren ließ der Bankier Simon Moritz von Bethmann die von dem Stuttgarter Bildhauer Johann Heinrich Dannecker geschaffene Skulptur „Ariadne auf dem Panther“ in seinem kurz zuvor neben seinem Landhaus vor dem damaligen Friedberger Tor errichteten Gebäude aufstellen. Der bungalowartigen Behausung für die Großskulptur, die heute im Frankfurter Liebieghaus ausgestellt wird, gab er den Namen „Ariadneum“. Das 1853 in den Besitz der Stadt gelangte und noch heute bestehende klassizistische Gebäude ist damit der  erste Museumsbau in Frankfurt und zog Tausende von Besuchern an. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte u.a. als Café („Kurhaus Milani“), Tanzlokal,  Disco und Nachtclub („Odeon“) hinter sich und soll nach Pressemeldungen unter dem Namen „Le Panther“ und der branchentypischen Bezeichnung „Event Location“ nach Renovierungsarbeiten wieder eröffnet werden.

Nun ist eine neue Nutzung von Gebäuden in Zeiten der Umwandlung von Fabriketagen in Lofts und des Umbaus  nicht mehr genutzter Kirchen in Museen und Architekturbüros nicht ungewöhnlich. Schließlich befinden sich heute Hörsäle der Goethe-Universität in dem früheren Bürogebäude der I.G. Farben, die ehemalige Großmarkthalle wurde in den Neubau der Europäischen Zentralbank integriert, das alte Straßenbahndepot in Bockenheim ist eine Theaterspielstätte und in dem für die deutsche Parlamentsgeschichte wichtigsten Gebäude der Stadt, der Paulskirche, wurden bis Kriegsende Gottesdienste abgehalten. Was den ältesten Frankfurter Museumsbau betrifft, so ist es eine kuriose Vorstellung, dass in dem Gebäude, in dem zur Biedermeierzeit fein gewandete Kunstliebhaber mit wohligem Schauer die nackte Ariadne bewunderten, heute leger angezogene Paare unter Stroboskoplicht Hip-Hop tanzen…..

historisches museum frankfurt: Ariadne von Dannecker. Aquarell von Johann Adam Ackermann 1817

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