Der neue Museumsplatz und das Museumsfoyer sind eröffnet. Welch schöne Festtage und wie spannend ist doch auch für uns das Feedback der Besucher/innen. Das Eröffnungswochenende fand zeitgleich mit dem Internationalen Museumstag statt, der dieses Jahr unter dem Motto „Spurensuchen“ veranstaltet wurde. Eine Kinderspur und zwei Audiospuren wurden hierzu von uns angeboten. Die zwei Audiospuren waren jedoch zugleich auch Prototypen, um den Produktionsweg für den neu zu konzipierenden Multimediaguide zu testen.

Konzeption eines Multimediaguides

Seit sechs Monaten beschäftige ich mich als Projektkoordinatorin mit der Konzeption des Multimediaguides. Neben Partizipation ist Inklusion ein Leitmotiv am Historischen Museum. In Projekten wie meinen – also in der konkreten Arbeit an einem Produkt – zeigt sich, wie sich solche Leitgedanken mit Leben füllen. Der Multimediaguide soll verschiedene Besucher/innen adressieren: mit leichter Sprache Objekte beschreiben, Audiodeskriptionen für Menschen, die nicht sehen und Gebärdensprachvideos für Menschen, die nicht hören können. Wie wird das später umgesetzt? Der Multimediaguide wird mehrere Führungen anbieten, zum einen die Führung “Sammlung divers sichten” (die letztes Jahr in einem Kooperationsprojekt produziert wurde und schon via Webseite verfügbar ist) und eine Grundlagenführung zu Highlights im Museum, die diverse Bedürfnisse und Zugänge bedienen soll.

Spurensuche. Grafik: HMF
Spurensuche. Grafik: HMF

Produktion des Prototypen

Die Arbeit daran erfolgt agil – aus diesem Grund wurde hier zur Eröffnung mit einem Prototyp gearbeitet – also einer Arbeitsfassung, aus der man Erfahrungen und Erkenntnisse ziehen kann, die dann wieder in die weitere Arbeit am Multimediaguide einfliessen. Während die eine Spur “Sammlung divers” als Audiotour schon vorlag und es hier vorrangig die Erprobung des Redaktionssystems des Multimediaguides eine wichtige Rolle spielte, stand bei „Museum im Umbruch“ die Machart im Vordergrund. Solch agiles Produzieren wird auch in Folge bei der Erprobung mit den verschiedenen Akteuren zu Touren für Besucher/innen mit Einschränkungen fortgeführt.

Audioproduktion auf der Baustelle

Die fünf Audiostationen waren erst in der Woche vor der Eröffnung produziert worden. Und zwar unter erschwerten Bedingungen: es war die Umzugswoche, allle hatten wenig Zeit und gleichzeitig waren überall im Haus noch Bauarbeiten und Lärm. Die Suche nach einem Aufnahmeort – mit einem Haus voll leerer und hallender Büros – war eine Herausforderung und führte uns letztlich in die Museumsbibliothek, wo ich die Gespräche mit semiprofissionellen Audioequipment aufgenommen habe.

Wie erzeugt man Erzählung?

Es gibt unterschiedliche Wege Audios für Ausstellungen zu erstellen. Bei „Sammlung divers“ geht es um subjektive Beiträge von Studierenden und geflüchteten Akademiker/innen. Dazu wurden Texten geschrieben, fürs Hören optimiert, es gab Sprechtraining und die Autor/innen haben ihre eigenen Geschichten selbst eingesprochen. Für „Museum im Umbruch“ gab es fünf festgelegte Stationen, mit vorher gesetzten Stichpunkten, was zur jeweiligen Station wichtig erschien. Es geht bei dem Rundgang zum Museumsplatz, dem Tastmodell, der Spolienwand, der Skulpturenwand, zu den historischen Mauerresten und zum Stauferhafen. Es wurden hierfür jedoch keine Texte geschrieben, sondern es begann gleich mit der Tonaufnahme. In diesen etwa 15-minütigen Gesprächen erzählten mir Museumsdirektor Jan Gerchow und die Kurator/innen Wolfgang Cilleßen und Susanne Gesser, was es an der jeweiligen Station zu sehen gibt oder was dort noch bis zur Eröffnung im Herbst passieren wird. Die Gespräche wurde dann im Schnitt auf eine zweiminütige Fassung komprimiert. Beide Produktionswege der Audiospuren versuchen authentische Erzählungen zu generieren, gerade im Vergleich ist es interessant zu hören, wie unterschiedlich das gelingt. Derzeit kann man über den Webapp-Prototypen noch in beide Spuren hineinhören, im Laufe der Woche wird dieser abgeschhaltet. Die Audiotouren sind dann weiterhin bis zum Herbst über unsere Webseite abrufbar.

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