Ausstellen Neudenken + Entwerfen

Ausstellung machen auf dem Fahrrad

Zur Vorbereitung für die Ausstellung Frankfurter Gartenlust war ich unterwegs auf dem GrünGürtel Radrundweg. In zwei Beiträgen möchte ich von drei Orten berichten, die einen Teil der langen Geschichte des grünen Bandes um Frankfurt erzählen. Viel Spaß beim Mitentdecken und dem 1. Teil.

Auf den Spuren der BuGa: abseits vom grünen Erholungsraum

Die BuGa in Frankfurt 1989 unter dem Motto „Natur in der Stadt“ war von Beginn der Planungen an umstritten in der Stadtgesellschaft. Was die Frankfurter*innen heute als den Niddapark kennen, war vor der großen Gartenschau landwirtschaftlich genutzte Fläche und Brachland. Im Ginnheimer Wäldchen gab es vor 1989 auch noch eine kleine Außendependance des Zoos, wo eine Wisentherde ihr Zuhause hatte.

Ein Kritikpunkt damals war die aufwendige Gestaltung ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebiets und Naturschutzzone, die durch die Gartenschau nur mit Eintrittsgeld begehbar war. Der vergangene Streit zum Bau der Gartenschau und der heutige Freizeitwert des ehemaligen BuGa Geländes wird in der Ausstellung ein Thema sein. Bei meiner Erkundungs-Radtour bin ich aber auf die U-Bahnstation „Niddapark“ aufmerksam geworden, die neben dem Osteingang zum Gelände liegt. Als ich die aufwendig gestaltete U-Bahnstation erkunde, ist kein Mensch zu sehen. Die Bauweise des Treppenaufgangs aus Beton und die terrassenförmig angelegten Seiten der Haltestelle erinnern an die Formensprache des „Neuen Frankfurt“. Es ist bemerkenswert, dass die mittlerweile verrostete und verlassene Station noch etwas verblassten Chic aus den 1990er Jahren ins heute gerettet hat.

Die Haltestelle wurde eigens für die BuGa angelegt, denn das Konzept sah vor, dass die Besucher*innen wegen der hohen Verkehrsbelastung Frankfurts vor allem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur BuGa gelangen sollten. Es war auch in der Nähe des Geländes keinen Großparkplatz für den Individualverkehr vorgesehen – nur einen Parkplatz für (Reise-) Busse. Der ÖPNV war ganz auf die BuGa zugeschnitten, beispielsweise gab es an den Automaten im gesamten Tarifgebiet des Frankfurter Verkehrs- und Tarifbundes die „BUGA-Taste“. Für alle, die hier eine Eintrittskarte für 12 DM lösten, war die Hin- und Rückfahrt zur Bundesgartenschau kostenlos. So ruhig und verlassen wie die Station heute wirkt, ist es sehr schwer vorstellbar, dass hier einst reges Treiben herrschte.

Nach der BuGa begann der Rückbau zu einem weitläufigen Freizeitgelände für die Frankfurter*innen, auf dem die Betonstelen der damaligen Pavillons noch an das Gartenschauspektakel erinnern. Diese Architektur ist die Verbindung zur U-Bahnhaltestelle Niddapark. Wieder auf dem Fahrrad frage ich mich allerdings, wie viele Fahrgäste heute noch in dieser schicken BuGa-Geisterstation ein- und aussteigen.

Renaturierung an der alten Staustufe in Höchst

Der Radrundweg führt weiter entlang der Nidda, durch die Stadtteile Rödelheim und den Brentanopark, durch den Biegwald und vorbei am Sossenheimer Unterfeld. Dann wird es plötzlich belebt und schon von weitem hört man spielende Kinder und Hunde im Wasser herumtollen. Einige hundert Meter vor dem Stadtteil Höchst liegt das alte Höchster Wehr. Es wurde 1925 von der damals noch eigenständigen Stadt Höchst errichtet. Grund hierfür war der niedrige Wasserstand der Nidda in den Sommermonaten, infolgedessen das Strandbad kein Wasser führte. Durch den Bau des Wehrs konnte der Wasserpegel aber hochgehalten werden und die Besucher*innen des Höchster Strandbades konnten die Sommer hier genießen. Als ich Station mache, fühle ich mich zurückversetzt in diese Zeit: es ist ein warmer Tag und auch heute planschen Kinder und Erwachsene wieder in der Nidda.

Das Wehr ist mittlerweile abgetragen und die Renaturierungsmaßnahmen seit 2013 abgeschlossen. Ursprünglich ging es um Fische, die das zwei Meter hohe Wehr nicht überwinden konnten. Durch eine sogenannte „rauhe Rampe“ wird der Höhenunterschied im Wasserverlauf mit Steinen ausgeglichen. Jetzt können auch die Fische wieder flussaufwärts in der Nidda schwimmen. Aber nicht nur für Tiere ist das Renaturierungsprojekt ein voller Erfolg, für viele Stadtbewohner*innen ist die ehemalige Staustufe eine wichtige Anlaufstelle um im Sommer der Hitze und Enge der Stadt zu entkommen. Und das Beste: Niemand muss Eintritt für dieses Naturschwimmbad bezahlen.

Das Naturplanschbecken ist ein gutes Beispiel um über „Umweltgerechtigkeit“ nachzudenken und wie sich dieses große Thema im Kleinen und in der Frankfurter Stadtgesellschaft auswirkt. „Umweltgerechtigkeit“ ist ein Problemfeld, das zwischen Umweltpolitik, Gesundheitspolitik und Sozialpolitik angesiedelt ist. „Es befasst sich mit der sozial ungleichen Verteilung von Umweltbelastungen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit. Menschen mit einem niedrigen Sozialstatus sind zum Teil stärkeren Belastungen durch die Umwelt ausgesetzt als Menschen mit höherem Sozialstatus.“[1] Damit ist aber auch die Verteilung von Grünflächen auf die Stadtgesellschaft gemeint und die Möglichkeit für die Bewohner*innen der verschiedenen Stadtteile (schnell) ins Grüne zu kommen und überhaupt Zugang zu Parks und anderen Grünflächen zu haben. Wie steht es um die Umweltgerechtigkeit in Frankfurt? Welchen Beitrag leistet hier beispielsweise der GrünGürtel und wie ist es um seinen Schutz bestellt? Die Zukunft des GrünGürtels wird sicherlich auch ein Thema in der Ausstellung „Frankfurter Gartenlust“ sein. Mit diesem Arbeitsauftrag für das Ausstellungsteam endet der erste Teil der GrünGürtel Entdeckungstour. Die Route zum Nachradeln gibt es hier: https://www.regionalpark-rheinmain.de/portfolio-item/gruenguertel-radrundweg/

Viel Spaß beim Entdecken der Frankfurter Stadtnatur!

[1] Das ist die Definition des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

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