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Biodiversität im GrünGürtel – Ausstellung machen am Mittelmeer

Zur Vorbereitung für die Ausstellung Frankfurter Gartenlust war ich unterwegs auf dem GrünGürtel Radrundweg. Im letzten Beitrag habe ich über die halb vergessene und verwunschene U-Bahnstation „Niddapark“ berichtet und die alte Staustufe in Höchst entdeckt, die 2013 renaturiert wurde. Nun geht die Tour weiter und es folgt Teil 2 der GrünGürtel Erkundung mit dem Fahrrad.

Und plötzlich ist man am Mittelmeer oder in den Schwanheimer Dünen

Nach dem Naturplanschbecken am alten Höchster Wehr führt der Weg die Nidda entlang durch den Höchster Stadtpark. Am Fuße des Höchster Schloß wird es dann nochmal richtig spannend: Mit dem Fahrrad geht es auf die Fähre! Wenn man für die knapp drei Minuten Fahrtzeit über den Main die Augen schließt, kommt ein bisschen Hochseeatmosphäre auf. Auf der anderen Mainseite geht es dann weiter auf dem GrünGürtel-Radrundweg und vorbei an einer neuen Permakulturanlage. (Vielleicht auch ein Thema für einen Blogbeitrag?) Dann heißt es absteigen, denn ein paar Kilometer weiter liegt die Schwanheimer Düne und die ist ein Naturschutzgebiet. Die ca. 60 ha große Fläche – also ungefähr 85 Fußballfelder – dürfen Besucher*innen deshalb nur zu Fuß durchqueren.

Die Hälfte des Bildes nimmt ein wolkenloser Himmel ein. Darunter ein grünes Band aus saftigen Wiesen und Bäumen in der Ferne. Im Vordergrund des Bildes lehnen zwei Fahrräder an einem Holzzaun.
Historisches Museum Frankfurt Schwanheimer Düne Fahrräder abstellen

Geologisch ist es noch ein recht junges Gelände: die Dünen entstanden bis ca. 10.000 Jahre v.u.Z. durch Sandverwehungen aus dem Flussbett des Mains. Bis ins 19.Jahrhundert war das Gebiet bewaldet und wurde dann gerodet um Obstplantagen anzubauen. Die Obstbäume standen nahezu 100 Jahre, bis sie wegen einigen aufeinanderfolgenden Trockenjahren abstarben. Der Main-Sand kam wieder zum Vorschein und prägt bis heute das typische Bild der Schwanheimer Dünen und erinnert mich an Urlaub am Mittelmeer. Aber wir sind noch immer im Stadtgebiet Frankfurt und auf dem Sandrasen haben sich Pflanzen angesiedelt, die besonders gut an Trockenheit angepasst sind. Hier wächst beispielsweise das Silbergras, das in Hessen als gefährdete Art eingestuft ist. Durch die zunehmende Zerstörung von mageren Sandflächen geht mehr und mehr Lebensraum für das Silbergras verloren. Um die seltene Grasart oder die trittempfindlichen Flechten – eine Symbiose aus Pilz und einzelligen Algen – zu schützen, führt ein Steg durch die Schwanheimer Dünen, den die Besucher*innen auch nicht verlassen dürfen.

Nach meinem kleinen Urlaubsausflug in den grünen Gürtel der Stadt, in der ich lebe, kehre ich ins Museum und an den Schreibtisch zurück. Das Unterwegssein in der stadtnahen Natur hat einmal mehr gezeigt, welche soziale Bedeutung die Grünflächen für das persönliche Wohlempfinden und unsere Stadtgesellschaft haben. Der Zugang zu weitläufigen und zusammenhängenden Grünflächen wie dem Niddapark oder den Schwanheimer Dünen im GrünGürtel befriedigt nicht nur unsere Freizeitbedürfnisse, sondern lässt uns in den Städten auch gesünder leben. Nicht zuletzt darum ist es wichtig, dass alle Stadtbewohner*innen die gleichen Chancen haben, schnell ins Grün zu kommen.

Also hochaktuell und schon so lange präsent: die Sonderausstellung Frankfurter Gartenlust wagt den Versuch die vielfältigen – historisch wie gegenwärtigen – Funktionen ins Museum zu bringen.

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