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Der AfE-Turm – Ende eines Frankfurter Wahrzeichens

Der 2. Februar 2014 ist vielen Frankfurtern sicher noch in bester Erinnerung, denn genau an diesem Tag wurde der legendäre AfE-Turm im Westend gesprengt. Um genau 10:04 erfolgte die Detonation, ausgelöst durch 950 kg Sprengstoff! Der Turm war bis dato das höchste Gebäude, das jemals in Europa gesprengt wurde.

 

 

Der Turm war seit 1972 Teil des Campus Bockenheim der Goethe-Universität Frankfurt, seine Abkürzung AfE bedeutete ursprünglich „Abteilung für Erziehungswissenschaft“. Allerdings zog diese Abteilung nie in das Hochhaus ein, denn sie wurde bereits vor Eröffnung des Gebäudes wieder geschlossen. Bis März 2013 waren im AfE-Turm vor allem die Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften, Erziehungswissenschaften und Psychologie untergebracht. Bis zu 300 Personen, hauptsächlich aus Wissenschaft und Verwaltung, arbeiteten in dem 116,4 Meter hohen Stahlbetongebäude.

Der Bau war in den 1960er Jahren nötig geworden, nachdem die Hochschule für Erziehung der Universität angegliedert worden war und sich die alte Bettinaschule im Frankfurter Westend als unzureichendes Provisorium herausgestellt hatte. Nach längerer Planungsphase wurde das Hochhaus schließlich zwischen 1970 und 1972 realisiert. Die Baukosten für das Land Hessen beliefen sich damals auf 60 Mio. DM. Der AfE-Turm bestand aus zwei Untergeschossen, 32 Obergeschossen (Bürogeschossen) und 24 Bibliotheksgeschossen.

Ursprünglich wurde der AfE-Turm für eine durchschnittliche Nutzung von 2500 Studenten gebaut. In der Praxis war das Hochhaus allerdings mit einer um ein Vielfaches höheren Studentenzahl belegt. Wegen schlechter Studienbedingungen kam es daher auch oft zu Studentenprotesten im Gebäude. Unabhängig davon kam es 2005 zudem zu einem tragischen Unglück. Durch einen missglückten Selbstbefreiungsversuch verstarb eine langjährige Universitätsmitarbeiterin in einem der Fahrstuhlschächte.

Nach längerer Planung zogen zum Ende des Wintersemesters 2012/2013 schließlich auch die letzten verbliebenen Abteilungen des AfE-Turms auf den Campus Westend. Nachdem das Hochhaus seit Mai 2013 de facto leerstand, wurde am 8. Juli 2013 mit dem Abriss begonnen. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde wegen Anwohnerbeschwerden vom neuen Eigentümer „ABG Frankfurt Holding“ ein Antrag auf Sprengung gestellt.

Für die Sprengung wurde rund um das Gebäude eine 135 Meter große Schutzzone errichtet. Sämtliche Straßen im Umkreis von 250 Metern wurden gesperrt. Auch der Verkehr auf Teilen der U-Bahn-Strecke und der angrenzenden Straßenbahnstrecke wurde für die Zeit der Sprengung eingestellt.

Über 40.000 Schaulustige schauten sich das Spektakel aus sicherer Entfernung an, mehrere TV-Sender übertrugen das Ereignis sogar live. Zahlreiche Medien berichteten über die Geschichte und das Ende des AfE-Turms. Sogar eine Ausstellung gab es zum gesprengten Uni-Gebäude. Viele Bilder und Videos von der Sprengung finden sich unter anderem auch bei Wikipedia.

Das historische museum erinnert künftig an den Turm. In Frankfurt Einst? wird ein Schalttableau aus einem der sieben M.A.N.-Aufzüge für die Geschichte des kurzzeitig sogar höchsten Frankfurter Gebäudes stehen.

1 Kommentar zu “Der AfE-Turm – Ende eines Frankfurter Wahrzeichens

  1. Meine schönste Erinnerung an den Turm – das Grafitti „Freiheit für Klaus Hörnchen“

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