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Der Brief im Fass und die Büchse an der Brust I

Wenn man heute jemanden fragen würde, was die einfachste und schnellste Art und Weise wäre, jemandem schriftlich eine Nachricht zukommen zu lassen, wäre die Antwort wohl: eine Email schreiben. Oder eine SMS. Gemeinsam haben sie, dass man die Nachricht, egal wo man ist, schnell verfassen kann und der Empfänger sie eine Sekunde nach dem Abschicken erhält (vorausgesetzt, alle sind dementsprechend technisch ausgerüstet). Vor zwanzig Jahren hätte die Antwort vermutlich noch „einen Brief schreiben“ gelautet. Womit wir der Sache schon näher kommen: Wie haben Menschen vor 400 Jahren Nachrichten verschickt? Wer hat sie verschickt und wohin? Und wer transportierte sie? Und wie?

All diese Fragen sind mir durch den Kopf gegangen, als ich das Frankfurter Stadtkanzleibotenzeichen aus dem Jahr 1602 vor Augen hatte. Dieses Objekt soll Teil von „100 x Frankfurt“ für die Dauerausstellung Frankfurt Einst? werden und benötigte noch einiges an Hintergrundrecherche, für die ich während meines Praktikums zuständig bin.
 

historisches museum frankfurt: Frankfurter Stadtkanzleibotenzeichen von 1602, X02107

 
Als erstes überprüfte ich, wie es im späten Mittelalter und zu Beginn der Frühen Neuzeit allgemein um die Nachrichtenvermittlung stand. Nachrichten wurden durch Boten überbracht, die sich aber vom heutigen Postboten und dem System der Post  stark unterschieden. Das Botenwesen entwickelte sich im späten Mittelalter und es waren vor allem Klöster, Universitäten, Handelsgesellschaften und Städte, die ihre eigenen Boten hatten, um Nachrichten zu überbringen. Die Boten mussten die Strecken alleine zu Fuß zurücklegen, was viel Zeit in Anspruch nahm, da sie zwischendurch auch einmal rasten oder in Gasthäusern übernachten mussten. Es dauerte also eine gewisse Zeit, bis sie am Ziel angekommen waren. Die Boten legten zu Beginn der Frühen Neuzeit am Tag etwa 30 bis 50 Kilometer zurück.

Seit dem 15. Jahrhundert verbreiteten sich neue Organisationsmuster durch oberitalienische Postmeister. Diese beinhalteten den Einsatz von Reitern, der Einrichtung von festen Relaisstationen für Pferde- und Reiterwechsel und ein ununterbrochener Nachrichtentransport – ob  Tag oder Nacht. Kontrolliert wurden die Reiter durch Stundenzettel, den sogenannten Poststundenzettel. Außerdem wurden mehrere Etappen und Strecken eingeführt, so dass sich ein Netz ineinandergreifender Kurse entwickelte. Die Folge waren schnellere Überlieferung, Regelmäßigkeit und öffentliche Verfügbarkeit. Durch die 1490 von Maximilian I. eingeführte Tassis/Taxis-Post professionalisierte sich das Botenwesen noch weiter. Auch Frankfurt ordnete so sein Botenwesen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu.

Jetzt werde ich auf die Suche nach spezieller Literatur über die Botenabzeichen gehen und darüber in meinem nächsten Blogeintrag berichten. Ich bin gespannt, was ich finden werde.

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