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Die Frankfurter Ostzeile en miniature

Eine der  heute meist fotografierten Sehenswürdigkeiten in Frankfurt ist die sogenannte „Ostzeile“ am Römerberg. Sechs Fachwerkhäuser schließen den Platz gegenüber dem Rathaus in der ehemaligen Altstadt ab. Vielen Besucher/innen wird bei dem Besuch des Römerbergs erst auf den zweiten Blick klar, dass dieses Fachwerkensemble kein mittelalterlicher Baubestand ist.

Ganz im Gegenteil: Die Häuser am Römerberg sind Gewächse der 1980er Jahre. In ihrer Anmutung, alte Substanz nachzubilden, war ihr Bau heiß umstritten und Teil der Debatte über die Neubebauung der im Zweiten Weltkrieg massiv zerstörten Altstadt. Mit der 1986 eröffneten Schirn, dem postmodernen Bau zwischen Dom und Römer ist die ‚auf alt getrimmte‘ Ostzeile, die 1983 fertiggestellt wurde, eine der letzten großen Bebauuungskomplexe des 20. Jahrhunderts im ehemaligen Altstadtkern.

Das Team von „Frankfurt Einst?“ beschäftigt sich mit den Spuren dieser seit mehr als 100 Jahre währenden „Altstadtdebatte“, die bis heute aktuell ist. Uns interessiert dabei, in der langen Dauer der Debatte herauszustellen, wo Kontinuitäten, Unterschiede sowie Motive und Ziele der Beteiligten liegen.

Eine Gemeinsamkeit der heutigen Debatten mit jenen der 1970er und 1980er Jahre ist der Streit um die architektonische Anmutung und auch der Kosten, die die Stadt bereit war, für die Bauten zwischen Dom und Römer auszugeben. Die FAZ schrieb etwa nach dem Entfernen der ersten Gerüste: „Den Frankfurtern, die sich der Altstadt noch erinnern, wird diese Ostzeile fremd, wenn nicht gar befremdlich, vorkommen.“ Wie ein „unrealistisches Plastikmodell“ würden die Gebäude wirken.

Die Motive der Polemik bezogen sich dabei auch auf die Werbung, welche die Stadt für die Akzeptanz der Ostzeile in der Frankfurter Bevölkerung unternahm: Die Modellbaufirma Faller brachte 1982 für 79 Mark in einer Sammelpackung das Modell „Ostzeile B-911“ für H0-Spur in limitierten Auflagen in die Modelleisenbahngeschäfte. Nicht allen gefiel diese Werbeidee, und so kritisierte das linke Stadtmagazin „PflasterStrand“ am 5. Juni 1982 die Baumaßnahmen am Römerberg in Anlehnung an das Miniaturmodell als „Zuckerbäckerarchitektur“, die den Raum für Kundgebungen nur weiter einschränken würde.

Das Miniaturmodell der Ostzeile ist ein sehr gutes Motiv für den Konflikt um die Bebauung am Römerberg und Dokument der damaligen Stadtwerbung. Wir haben deshalb jetzt eines für die umfrangreiche Spielzeugsammlung des Museums aus Frankfurter Privatbesitz erhalten.

 

 

 

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