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Die Schlacht bei Kronberg

schlachtengemälde
historisches museum frankfurt: Die Schlacht bei Kronberg um 1389

Ich bin in Kronberg geboren und dort aufgewachsen. Als Kind war ich stolz, wenn im Fach Heimatkunde der Volksschule erwähnt wurde, dass die Kronberger Ritter 1389 die Frankfurter „Pfeffersäcke“ in einer Schlacht bei Eschborn trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit vernichtend geschlagen hatten. Darüber gäbe es auch Gemälde, erfuhren wir Schüler, von denen das auf der Kronberger Burg wegen des schlechten Zustands nach meiner Erinnerung nie gezeigt wurde, während sich ein weiteres in einem Frankfurter Museum befände. Was in der Schule nicht erzählt wurde, war die Tatsache, dass die Kronberger nur aufgrund der rechtzeitig angeforderten Unterstützung durch Truppen des Pfalzgrafen sowie der Herren von Hanau die Schlacht für sich entscheiden konnten. Unbekannt war mir auch, dass die unterlegenen Frankfurter nur wenige Jahre nach der verlorenen Schlacht die Herren von Kronberg zu ihrem Schutz verpflichteten. Die gewaltige Summe von 73.000 Goldgulden, die Frankfurt als Lösegeld für die Freilassung ihrer bei der Schlacht gefangen genommenen Patrizier und Bürger in sechs Jahresraten zahlen musste, kann man also durchaus als eine Art von im Voraus bezahltem „Schutzgeld“ interpretieren.

Dies ging mir durch den Kopf, als ich im vergangenen Jahr erstmalig dem Gemälde der Schlacht von Kronberg in der neuen Ausstellung Frankfurt Einst? gegenüberstand. Das Bild aus dem 17. Jahrhundert ist aus den großen Beständen des Museums sowohl als Exponat als auch für das Begleitbuch 100 x Frankfurt ausgewählt worden. Es ist eines meiner Lieblingsstücke, das ich mir immer wieder ansehe und mich dabei bemühe, Teile der umfangreichen Beschreibung zu entziffern. Etwas rätselhaft scheint mir die Entstehung der insgesamt drei Gemälde mit gleichem Inhalt. Denn neben dem Museumsstück und dem Exemplar auf der Kronberger Burg hängt eine dritte Darstellung der Schlacht im Schloss Assenheim in der Wetterau. In allen drei Bildern sind kleine Unterschiede zu erkennen, die – beispielsweise anhand der Kleidung der Kämpfer oder der Veränderungen bei der Abbildung der Kronberger Burg – Datierungen über die Entstehungszeit ermöglichen.

Nach Aussterben des Geschlechts der Herren von Kronberg im Jahre 1704 fiel Kronberg an Kurmainz. Es ist also nachvollziehbar, dass Johann Schweikhart von Kronberg, der es aus dem niederen Adel auf den Bischofstuhl des Mainzer Kurfürsten geschafft hatte, aus sentimentalem Lokalpatriotismus eine Kopie des schlecht erhaltenen Kronberger Gemäldes veranlasste. Auch das Assenheimer Gemälde stammt aus Mainz. Was seinen Auftraggeber betrifft, so erscheint es mir etwas rätselhaft, dass ein weiterer Mainzer Kurfürst, dessen Schlösser in Mainz und Aschaffenburg sicher mit opulenten Barockgemälden großer Meister geschmückt waren, die Kopie eines kunsthistorisch eher bescheidenen Gemäldes über ein lange zurückliegendes Ereignis von nur regionaler Bedeutung in Auftrag gab. Vielleicht ließ ja ein kurmainzischer Amtmann in Kronberg das ihm liebgewonnene Gemälde aus eigenem Antrieb kopieren, um nach seiner Versetzung nach Mainz seine Amtsstube damit zu schmücken…..

Blick in eine Frühlingslandschaft bei kronberg
historisches museum frankfurt: Auch diese Obstwiese südlich von Kronberg dürfte zu dem Schlachtgelände gehört haben. Foto: E. Neubronner

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