Sammeln + Pflegen

Frankofurtia

Wer seinen diesjährigen Urlaub im europäischen Ausland verbrachte und dabei die Bequemlichkeit der gemeinsamen Währung nutzen konnte, wird kaum glauben, dass unsere Vorfahren geradezu mit einem Flickenteppich von verschiedenen Währungen in Deutschland konfrontiert waren. Die gegenwärtig innerhalb der Dauerausstellung Frankfurt Einst? des Historischen Museums präsentierten 4.000 verschiedenen deutschen Münzen zeigen, welche winzigen Fürstentümer jahrhundertelang das Recht hatten, Münzen zu prägen. Auch in Frankfurt wurden seit dem hohen Mittelalter Münzen geprägt. Sie tragen in der Regel den gekrönten Frankfurter Wappenadler – Frankfurt war Reichsstadt — manchmal auch, gerade bei größeren Stücken, eine schöne Stadtansicht mit Dom und Main. Die Rückseite nennt die Titulatur des Kaisers und zeigt den gekrönten Doppeladler.

Blick in die Ausstellungsgalerie mit den Münztischen

Auf dem Wiener Kongress konnte Frankfurt die Annexionsgelüste von Bayern und Nassau abwehren und wurde 1816 zur „Freien Stadt Frankfurt“ innerhalb des bis 1866 existierenden lockeren Staatsverbandes „Deutscher Bund“. Als es Mitte des 19. Jahrhunderts  zu einer Vereinheitlichung des Münzwesens kam, wurde der so genannte „Vereinstaler“ eingeführt, der auf der Vorderseite das Bildnis des jeweiligen Landesherren tragen sollte.

Was tun? Frankfurt war im Laufe seiner Geschichte immer stolz darauf, keinem Fürsten untertan gewesen zu sein. Die Stadtregierung, der Senat der Freien Stadt, ließ von dem Medailleur August von Nordheim den Kopf einer „Frankofurtia“ als Personifizierung der Stadt entwerfen. Prompt rätselte die damalige Stadtgesellschaft, wer dem Schöpfer des weiblichen Stadtsymbols Modell gestanden haben könnte. Favoritin der Gerüchteküche war die seinerzeit sehr beliebte Schauspielerin Fanny Janauschek. Ein Vergleich mit dem im Städelmuseum hängenden Gemälde der Schauspielerin von Arnold Böcklin zeigt allerdings wenig Ähnlichkeit. Vielleicht hatte der Medailleur aber eines der berühmtesten und gerade erst erworbenen Gemälde des Städel, nämlich das Bildnis der Simonetta Vespucci von Sandro Botticelli, als Vorbild der Frankofurtia im Hinterkopf. Die jeweils gleiche Blickrichtung, die Perlen als Haarschmuck und die Frisur der beiden Frauen sind jedenfalls frappierend ähnlich. Als vorweggenommene „Fake News“ darf dagegen die Behauptung amerikanischer Münzhändler gelten, die damals die Frankfurter Vereinstaler mit einem Aufpreis verkauften und den auf der Münze lesbaren Namen des Medailleurs „A.v.Nordheim“ als Anna von Nordheim interpretierten. Dahinter verberge sich der Name einer Geliebten eines Angehörigen des Hauses Rothschild. Das Marketing für den Verkauf dieser Stücke lief unter der Überschrift „Rothschild love dollars“….

Abbildung einer Münze mit einem Frauenporträt, Vorder- und Rückseite

 

0 Kommentare zu “Frankofurtia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.