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Gemütlichkeit in Frankfurt (Vorsicht: leicht zu übersehen!)

Am 6. März lud das Historische Museum Frankfurt ein zu einer gemeinschaftlichen Suche nach der Gemütlichkeit in Frankfurt. Obwohl oder gerade weil dies nach einer absurd-witzigen und beinahe unlösbaren Aufgabe klingt, kamen etliche Ur-, Teils- und NeufrankfurterInnen, um sich daran zu beteiligen. Dazu, ob die Suche letztlich erfolgreich war, später mehr…

Den Anlass für diese Art der Bürgerbefragung liefert die Neukonzeption des Historischen Museums für 2017. Es ist geplant, zentrale Eigenschaften der Stadt Frankfurt in künstlerisch gestaltete Modelle in einer überdimensionierten Schneekugel zu fassen. Dafür holt das Historische Museum Meinungen und Ansichten von Frankfurter Bürgern ein und lässt diese in die vorbereitenden Arbeiten einfließen. Ausgerufen werden Eigenschaften wie Frankfurt als Stadt der Banken, als infrastruktureller Knotenpunkt, als kriminelle Stadt, jüdische Stadt, Industriestadt, kritische und Bücherstadt sowie als heimliche Hauptstadt. Den Auftakt machte, wie erwähnt, eine Veranstaltung zu Frankfurt als gemütliche Stadt.

Gleich zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, welch schwieriges Unterfangen hier stattfindet, als nämlich Podiumsgast und Stadtsoziologe Peter Noller postulierte: „Frankfurt ist nicht gemütlich!“ Dennoch entfaltete sich unter den Gästen auf dem Podium – neben Peter Noller, der Schauspieler und Regisseur Michael Quast, der Fanbeauftragte der Eintracht Marc Francis – und den Gästen im Bernusgewölbe bald eine regelrechte Tauschbörse für Gemütlichkeitsinseln in Frankfurt. Ob dies an dem ausgeschenkten „Ebbelwoi“, den bereitliegenden Frankfurter Würsten mit Senf oder der besonderen Atmosphäre des Bernusgewölbes lag, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls förderte die Diskussion neben einigen gemütlichen Orten und beschaulichen Plätzen vor allem auch Erkenntnisse darüber zu Tage, wie sich Frankfurter mit ihrer Stadt arrangieren und sie schätzen lernen. Klar ist: die Gemütlichkeit in Frankfurt zeigt sich nicht Gestalt bayrischer Beständigkeit, nordischer Ruhe oder schwäbischer Heimeligkeit. Nein. Frankfurt ist eine Metropole, die sich ständig neu erfindet und daher hat Gemütlichkeit im städtischen Raum etwas von Arbeit; man muss sie suchen, sie liegt im Genuss der Veränderungen und Gegensätze, der Offenheit und Durchmischung der Stadt und ihrer Menschen. Oder wie sonst kann man Gemütlichkeit in einer Stadt definieren, die meist kalt, hektisch und mitunter abweisend wirkt und in der sich wohl nur der stete Wandel immer schon zu Hause gefühlt hat?! Vorschläge?!

Übrigens: am 9.7. geht die Diskussion über die Eigenschaften Frankfurts weiter. Thema wird sein: „Frankfurt als kriminelle Stadt?“

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