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Ist Wahrnehmung messbar?

Für drei volle Tage trafen sich wieder AusstellungsmacherInnen zum alljährlichen Szenographie-Kolloquium in der DASA Arbeitswelt Ausstellung. Fachtagungen, Symposien und Konferenzen gehören zur Arbeit im Museum dazu und sind wichtig für den inhaltlichen und persönlichen Austausch. Das Szenographie-Kolloquium in Dortmund zählt dabei zu den besonderen Highlights des Jahres – und das nicht etwa wegen des tollen Essens. Hier treffen KuratorInnen, GestalterInnen, PysikerInnen, PhilosophInnen, ArchitektInnen, GraphikerInnen, FachstudentInnen, PädagogInnen uvm. in einer solchen bunten Vielfalt aufeinander, wie an kaum einem anderen Ort. Und alle haben sie ihre eigene Perspektive und Expertise in Sachen Ausstellungsgestaltung und -konzeption. In der Praxis des Ausstellungsmachens begegnen sich diese Berufsfelder regelmäßig und bilden verschiedene Enden ein und desselben Projekts. Und so ist es mehr als hilfreich, sich von Zeit zu Zeit zusammen über die gemeinsame Arbeit auszutauschen.

Das Thema dieses Jahr lautete „Formen der Wahrnehmung“ – ein Alles- und Nichts-Thema. So ist es kaum verwunderlich, dass ich zwar mit vielen Anregungen und Impulsen zurück in den Museumsalltag komme, aber nur schwer in der Lage bin, eine Quintessenz der Tagung zu benennen. Besonders hängen geblieben indessen ist bei mir die Vorstellung der am Computer entworfenen und mathematisch optimierten Ausstellungsgestaltung und -führung. Dieser Gedanke kam während der Tagung mehrfach zur Sprache und scheint angesichts der heutigen technischen und technologischen Möglichkeiten auch gar keine allzu ferne science fiction mehr zu sein.

Sicherlich lassen sich heutzutage bereits Stärken und Schwächen einer Ausstellungspräsentation empirisch ermitteln und durch moderne Messmethoden belegen. Dennoch sollten wir noch lange keine Angst vor einer rein auf Nullen und Einsen basierenden Präsentationsgestaltung haben. Ein nicht beachtetes Exponat, ein ausgelassener Ausstellungbereich oder eine mitunter auch irritierende Darstellung sind nicht gleichbedeutend mit einer misslungenen Gestaltung oder nicht funktionierenden Ausstellung. Der Museumsbesuch und die Erfahrung einer Ausstellung bestehen aus weit mehr als dem Wahrnehmen der Exponate und der Architektur und gehen selbst über die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsthema hinaus; der Vorgang des Museumsbesuchs ist in seiner ganzen Komplexität überhaupt nicht mathematisch erfassbar.

Daher habe ich anstelle von Nullen und Einsen vorerst lieber die BesucherInnen, die Ausstellungsthemen und die Geschichten, die in den Objekten stecken, im Blick.

Gerade bei der Neukonzeption des hmf geht es um eine solche Komplexität. Die unterschiedlichen Formate, die das künftige Museumquartier bereithalten wird, werden von alten und jungen, von hastigen und gemächlichen BesucherInnen, von FrankfurterInnen und TouristInnen jeweilig völlig anders wahrgenommen und genutzt werden – ohne sagen zu können, das ein Weg der Richtige sei und ein anderer der Falsche. Ein gelungener Museumsbesuch kann dann auch „nur“ aus dem (geistigen) Eintauchen in das Becken des freigelegten Stauferhafens und einem anschließenden Stück Kuchen im Museums-Café bestehen – auch wenn wir natürlich auf eine umfassende Nutzung des gesamten Angebots hoffen.

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