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Laufkundschaft

Immobilienfachleute pflegen auf die Frage, welche Faktoren den Wert eines Wohn- oder Geschäftshauses bestimmen, häufig zu antworten: 1. Lage, 2. Lage, 3.Lage. Am Beispiel des Einzelhandels lässt sich dies leicht nachvollziehen: Vor allem Warenhäuser mit einem breiten Sortiment erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes mit der so genannten Laufkundschaft, die möglicherweise erst durch das bequem zu erreichende Angebot in guter Lage zu einem Spontankauf ermuntert wird.

Hier gibt es durchaus Parallelen zu den Museumsangeboten: Wer ein Haus wie das Historische Museum betritt, weiß vielleicht beim Kartenkauf an der Pforte noch nicht immer, welche Exponate sein Interesse wecken werden. Das gilt auch und vielleicht gerade für die etwas museumsuntypische Bibliothek der Alten: Deren Besucherinnen oder Besucher, die dienstagnachmittags den zweiten Stock im Bernusbau aufsuchen, lassen sich erfahrungsgemäß in verschiedene Gruppen einteilen: Entweder kommen sie ganz gezielt zur Präsentation des Beitrags einer immer wöchentlich vorgestellten Autorin oder eines Autors. Oder sie möchten mehr über das erst in rund 90 Jahren beendete Projekt wissen und sich darüber informieren, wie man mit einem eigenen Beitrag neu in diesen Kreis aufgenommen werden kann. Aber es gibt natürlich auch die „Laufkundschaft“. Diese Besucherinnen und Besucher – und hier kommt die oben erwähnte „Lage“ ins Spiel – stoßen eher zufällig auf die Bibliothek: Beispielsweise während einer Führung zu den benachbarten attraktiven Stadtmodellen oder beim Gang zur Toilette, die nur beim Durchqueren des Bibliotheksraums zu erreichen ist. Das ist die Chance der ehrenamtlichen, aus Autorinnen und Autoren der Bibliothek der Alten bestehenden Dienstagsaufsicht, etwas Überredungskunst oder eine bisher unentdeckte  Verkaufstaktik mit den Worten anzuwenden: „Darf ich Ihnen diese Abteilung des Museums etwas näher erklären?“.  Wer weiß, vielleicht wird ja aus dem einen oder anderen Laufkunden ein Stammkunde…..

Historisches Museum Frankfurt: Die Bibliothek der Alten

2 Kommentare zu “Laufkundschaft

  1. Wolf von Wolzogen

    Lieber Herr Neubronner,

    vielleicht gibt es ja noch weitere Kategorien von Besuchern der BdA/BdG: Freunde, KollegInnen oder Nachfahren von Autoren, WissenschaftlerInnen auf der Suche nach den narrativen Besonderheiten. Nicht zu vergessen die schulischen Workshops. Zunehmend im aufgeladenen Feld zwischen Analog und Digital.
    Herzliche Grüße aus Potsdam
    Wolf von Wolzogen

    • Ernst Neubronner

      Lieber Herr von Wolzogen,
      ich habe eben erst bemerkt, dass Sie einen Kommentar zu meinem Blog geschrieben haben. Die von Ihnen angesprochenen Schüler-Workshops als Nutzer der BdA/BdG sind auch diejenigen Nutzer, von denen ich mir ein stetiges Interesse erwarte. Nach Auskunft von Frau Jannelli ist eine Broschüre über die BdA/BdG in Vorbereitung. Dafür habe ich einen Text geschrieben, in dem ich u.a. auf Schulen als Nutzer setze. Ich weiß allerdings nicht, ob mein Textbeitrag auch in die Broschüre aufgenommen wird.

      Es grüßt Sie aus Bad Homburg Ihr Ernst Neubronner

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