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Mark Dion auf den Spuren des Vergessens im Historischen Museum Frankfurt

 

Schild, auf dem Schrott geschreiben ist

Vergessene Objekte in den Weiten der Depots von Museen: handelt es sich hierbei um Schrott oder wieso wurden sie vergessen?

Bei über 600.000 Objekten ist es unmöglich, alle gleichwertig kuratorisch zu bearbeiten und all diese Objekte in Ausstellungen unterzubringen – das Museum wirkt ja als ein Archiv. Da ihre Anzahl darüber hinaus stetig wächst, kann es einigen Objekten auch so ergehen, dass sie aufgrund der knappen personellen Ressourcen nicht erfasst werden können und daher zuweilen in Vergessenheit geraten.

Kurator und Kuenstler auf Spurensuche © HMF David Barth 3Kurator und Kuenstler auf Spurensuche © HMF David Barth 2

Vor Weihnachten durchstöberten der US-Amerikanische Künstler Mark Dion und Kurt Wettengl, einer der beiden Kuratoren der Wechselausstellung Vergessen – Warum wir nicht alles erinnern, die Depots des Historischen Museums Frankfurt. Sie suchten nach Objekten, die in irgendeiner Weise museales Vergessen versinnbildlichen. Bewaffnet mit Zeichenblock und iPhone studierten die beiden unter Beratung der Kuratorinnen Nina Gorgus und Patricia Stahl akribisch in Frage kommende Dinge. Erste Anhaltspunkte lieferten etwa Objekte, die oftmals seit längerem oder sogar noch nie von Besucher_innen des HMF in Augenschein genommen wurden; Büsten unbekannter Personen; Fragmente von Skulpturen und Gebäuden; Alltagsgegenstände und technische Objekte, deren ursprüngliche Funktion heute kaum noch jemand erinnert.

kizzen © HMF, David BarthKurator und Kuenstler auf Spurensuche © HMF David Barth 4

Nach dem Besuch verdichtete sich in Dions Vorstellung eine klarere Idee von Objekten musealen Vergessens, so dass er seine “Taxonomie vergessener Objekte” entwarf, die ganze 14 Kategorien umfasst:

01. Objekt unbekannter Herkunft (Das geschichtslose oder nicht einzuordnende Objekt) / 02. Objekt, dass seine Referenz verloren hat (Büste oder Porträt einer unbekannten Person) / 03. Objekt, dessen Funktion mit der Zeit verloren ging oder das technologisch nicht weiter bedeutsam ist / 04. Objekt als Fragment eines unbekannten Ganzen / 05. Objekt, das aufgrund eines Schreibfehlers, einer fehlenden oder falschen Inventarnummer, fehlender Standortangabe oder weil es verstellt wurde, verloren ist / 06. Objekt, das durch Feuer, Flut, Mikroorganismen, Bomben, Erdbeben oder andere Katastrophen zerstört wurde / 07. Objekt, das „verwaist“ ist, weil es eigentlich in eine andere Sammlung gehört / 08. Objekt, das nie ausgestellt wurde / 09. Objekt, dessen Thema oder Inhalt „giftig“ ist (zensiertes Objekt) / 10. Objekt, das gestohlen wurde / 11. Objekt, das aus der Sammlung ausgeschieden („entsammelt“) wurde / 12. Objekt, das noch nicht inventarisiert (im „musealen Schwebezustand“) ist / 13. Objekt, das durch falsche Zuschreibung / Zuordnung verloren ist / 14. Objekt, das durch Konservierung oder Restaurierung verloren ist.

Aus den Fundstücken stellt Mark Dion eine eigens für die Ausstellung konzipierte künstlerische Arbeit mit dem Titel “Depository of Indeterminate Objects” her. Mit ihrer Hilfe reflektiert die Ausstellung u. a. die Rolle, die Museen im Prozess gesellschaftlichen Vergessens spielen. Dions Werk wird ab dem 7. März in der Ausstellung gezeigt. Mehr Informationen zur Ausstellung stehen hier.

 

 

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