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Objekte und ihre Erzählungen: Multiperspektivität im Museum

Wir nutzen die von Axel Kopp angestossene Blogparade #KulturImWandel um über ein aktuelles Projekt zu berichten.

Sammlung divers. Neu-Sichtung historischer Objekte“ ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem historischen museum frankfurt, dem Verein academic experience Worldwide e.V. und der Studiengruppe „sammeln, ordnen, darstellen“ des Forschungszentrums historische Geisteswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt. Ermöglicht und gefördert wird dieses Projekt durch eXperimente – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation.

Wie lassen sich im Museum vielfältige Perspektiven auf Sammlungsobjekte darstellen und in die museale Narrative integrieren?

Fragestellungen nach kultureller Diversität sind derzeit im deutschen Museumsdiskurs von zentraler Bedeutung. Immer mehr Ausstellungshäuser wollen sich öffnen und kulturelle Teilhabe ermöglichen. Dabei wird auch die partizipative Auseinandersetzung mit den Sammlungsobjekten immer wichtiger.

Objekte sind allgegenwärtig und viele von ihnen sind alltägliche Gebrauchsgegenstände. Im musealen Kontext transportierten sie vor allem die Geschichte der technologischen Entwicklungen und der politischen Kohärenzen verschiedener Epochen. Museumsobjekte sind jedoch nicht nur gesellschaftliche Artefakte, sondern auch persönliche und kulturelle Zeugnisse. Neben Informationen zu ihre Herstellungsverfahren und diversen Verwendungsmöglichkeiten, gewähren sie auch Einblicke auf ihren ideellen oder kulturellen Wert für Einzelpersonen und Gemeinschaften. Aus einem Objekt können also je nach Perspektive des/der Betrachtenden verschiedenen Geschichten erzählt werden.

Diesen multiperspektivischen Geschichten ist das Blockseminar „Sammlung divers. Neu-Sichtung historischer Objekte“ der historischen Geisteswissenschaften auf der Spur. Das Seminar ist auch ein Versuch, verschiedene Autor/innen zu Wort kommen zu lassen, um so dem kulturellen Wandel im Kontext eines Geschichtsmuseums Raum zu geben.

Untersuchungsgegenstand sind eine Reihe von Objekten aus der der aktuellen Dauerausstellung Sammler und Stifter sowie Objekte, die in der zukünftigen Dauerausstellung Frankfurt Einst?  zu sehen sein werden. Im Mittelpunkt der Neu-Sichtung stehen subjektive Perspektiven, die sich den einzelnen Projektteilnehmer/innen bei der Objektbefragung erschließen. Was erzählt beispielsweise eine Deutsch-Ostafrikanische Münze von 1916 einem äthiopischen Ökonomen, oder ein Belagerungsplan der Stadt Frankfurt von 1554 einer kolumbianischen Journalistin und Studierenden der Kunstgeschichte?

Mit vielfältigen Fragenstellungen nähert sich die Seminargruppe den historischen Objekten, mit dem Ziel alternative Narrative zu den Objekten zu entwickeln. Diese werden dann ab 2017 im neuen Ausstellungshaus des hmf in Form eines Multimedia Guides für jede/n Besucher/in erfahrbar sein. In den kommenden Monaten soll im Projektseminar je nach Themenvorliebe und Objektwahl, in bilingualen Tandems zusammengearbeitet werden. Die Multiperspektivität der Neu-Sichtung ergibt sich dann aufgrund der Interdisziplinarität und Transkulturalität der Seminargruppe selbst und ist eine Stärke des Projekts. Hier treffen die verschiedensten beruflichen Professionen und kulturellen Hintergründen aufeinander. Die Seminargruppe besteht aus Studierenden des historischen Seminars sowie Akademiker/innen verschiedener Disziplinen mit einem Fluchthintergrund, die Teil des Netzwerks academic experience Wordlwide sind. Gemeinsam entwickeln sie neue Geschichten zu den Objekten und lassen hierbei ihre individuellen Expertisen und persönliche oder auch kollektive Erinnerungen einfließen.

Ein wichtiger Aspekt im Projekt ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die fachliche Wertschätzung aller Projektbeteiligten. Das gelingt insbesondere durch die starke Zusammenarbeit mit  academic experience Worldwide e.V. und der Studiengruppe „sammeln, ordnen, darstellen“ des Forschungszentrums historische Geisteswissenschaften. Von Museumsseite wird das Ergebnis des Projekts nicht nur ideell honoriert, indem die Geschichten der Projektgruppe als Teil des zukünftigen Multimedia Guides in die offizielle Museumsnarrative einfließen. Alle Teilnehmer/innen mit Fluchthintergrund erhalten dazu noch eine Aufwandentschädigung für ihre Mitarbeit.

Das hmf geht mit diesem Kooperationsprojekt einen Schritt weiter in die Richtung der eigenen kulturellen Öffnung, indem neben der kuratorischen auch diverse andere Narrative auf die Stadtgeschichte präsentiert und somit anerkannt werden. Des Weiteren nimmt das Museum auch die Verantwortung für die kolonialen Hintergründe einiger Objekte ernst und unterzieht diese Mithilfe  von Menschen, die das Erbe der Kolonialzeit aus dem eigenen kulturellen Kontext kennen, einer Revision. Statt kultureller Assimilation wird hier kulturelle Teilhabe verfolgt und Mut zur Selbstreflexion gezeigt.

 

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