Sammeln + Pflegen

occupy: im museum angekommen?

Es wirkte wie ein großes Wiedersehen, ein Klassentreffen von Occupy Frankfurt – die Stimmung auf der öffentlichen Objektübergabe am 15. Mai 2013 war gemischt: neugierig, nostalgisch, angespannt und manchmal wütend: Einige der Besucher/innen kritisierten die vermeintliche Provokation: wie kann eine noch aktive Protestbewegung musealisiert werden? Zwar besteht das Camp nicht mehr, das knapp ein Jahr am Willy Brandt Platz vor der EZB bunt und laut sesshaften Protest gegen die Finanzkrise übte, doch der Protest geht weiter – zuletzt im großen Blockupy-Bündnis.

Doch das Camp ist Geschichte, das ist unbestritten: und diese Geschichte wollten wir dokumentieren. In einem knapp einjährigen partizipativen Sammlungsprozess haben wir gemeinsam mit Aktivist/innen von Occupy Frankfurt Objekte gesammelt, ausgewählt, besprochen und dokumentiert. In erster Linie war es ein langer Annäherungs- und Kommunikationsprozess, auf beiden Seiten stand jedoch ein großes Interesse am anderen und vor allem die Offenheit, sich auf die jeweils anderen institutionellen und informellen Interessen einzulassen. Die behutsame Zusammenarbeit und vor allem gemeinsam erarbeitete Qualitätskriterien in der Objektflut überzeugten letztlich auch die Kritiker, hoffe ich.
Die Objektübergabe fand im lichtdurchfluteten Leopold-Sonnemann Saal statt und wurde nach einem einladenden und musikalischen Mitmachbuffet vor dem Museum von 130 Leuten besucht. Wolf Wetzel (Journalist) machte den Beginn mit einem Input zu weltweiten Protestbewegungen, der allerdings eher die Verbindung von Protestbewegungen und Museum in Frage stellte. Das sehen wir natürlich anders, wir fanden, dass das ganz ausgezeichnet zusammen passt – wie unterschiedlich allerdings die Zusammenarbeit und der Sammlungsprozess und vor allem der Objektbestand aussehen kann, verdeutlichte Markus Speidel (Stadtmuseum Stuttgart) in seinem humorvollen Beitrag über die teilweisen absurden Sammlungsbewegungen des Protests und der Befürworterbewegung von Stuttgart 21.

Wir freuen uns jedenfalls über das Interesse (hr, Journal, ZDF, OP), das die Veranstaltung erhalten hat – es bestärkt uns in unserer Überzeugung, dass partizipative Museumsarbeit sinnvoll ist und dass auch die Gegenwart Platz in unserem Museum finden muss.

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