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Pendel, Ankerklauen und kleines grünes Ding

Gestern Abend gab Reinhard Glasemann im Rahmen der Tage der Industriekultur Einblick in die Welt der Zeitmessung und die Funktionsweise des historischen Uhrwerks im Rententurm. Die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge sind spannend: wie sehr hat es die Welt verändert, als sich die Uhr vom riesigen astronomischen Messgerät ohne großen Einfluss auf das individuelle Leben der einzelnen Menschen hin zu einem Instrument zur sekundengenauen Strukturierung des Alltags entwickelt hat! Welche tragende Rolle dabei zum Beispiel dem Pendel zukommt, weiß Herr Glasemann auch physikalischen Laien (wie mir…) verständlich zu erklären.

Seine Augen fangen aber dann besonders an zu leuchten, wenn er die das Uhrwerk schützende Glasvitrine öffnet, um den Zuhörenden einen noch genaueren Blick auf die Zahnräder, Gewichte und eben die besagten „Ankerklauen“ bei ihrer Arbeit zu ermöglichen. Herr Glasemann kennt nach eigener Auskunft „jedes Schräubchen mit Vornamen“: insgesamt zwei Jahre hat der Metallrestaurator immer mal wieder mit der Säuberung und Ingangsetzung der in alle ihre Einzelteile zerlegten Uhr verbracht. Ursprünglich hat sie in einer Kaserne östlich der Friedberger Warte den strengen Tagesablauf geregelt, inzwischen tickt sie schon seit über einem Jahr im Rententurm. Anfangs stattete Herr Glasemann „seiner“ Uhr noch täglich einen Besuch ab, mittlerweile reicht es, einmal in der Woche zu überprüfen, ob alles noch zuverlässig läuft. Nach seinem vierwöchigen Sommerurlaub führte sein erster Gang am vergangenen Montag natürlich in das Obergeschoss des Rententurms: nur dreieinhalb Minuten ging die Uhr vor! „Das ist gar nicht so schlecht!“ meint Herr Glasemann – und ist schon ein bisschen stolz.

Heute Abend um 18 Uhr bieten wir die Führung noch einmal an – Interessierte sind herzlich willkommen!

3 Kommentare zu “Pendel, Ankerklauen und kleines grünes Ding

  1. Karl-Heinz Steiner

    „Kaserne östlich der Friedberger Warte“.

    Ist damit die ehemalige Kurhessen-Kaserne, jetzt Siedlungen Atterberry und Betts, gemeint?

    Damit ergibt sich natürliche die Frage wie sich die jahrzehnzelange Anwesenheitheit der Amerikanischen Streitkräfte auf den Flächen ehemaliger Wehrmachtskasernen – „Garnisonsstadt Frankfurt ?“ in der Ausstellung Frankfurt Einst wiederspiegelt.

  2. Nina Gorgus

    Lieber Herr Steiner, wir bemühen uns auch hier, ein vielfältiges Bild von Frankfurt zu präsentieren! viele Grüße, Nina Gorgus

  3. Pingback: Abschied mit Sekt und Brezeln « Blog des Historischen Museums Frankfurt

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