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Rückschau: Veranstaltung „Rassistische Vorstellungen im und über den Zweiten Weltkrieg“

Zur ersten Veranstaltung im Begleitprogramm der Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg“ waren zum Thema „Verdrehte Begriffe – verdrehte Welt? Rassistische Vorstellungen im und über den Zweiten Weltkrieg“ neben einem der Initiator/innen der Ausstellung, Karl Rössel vom Rheinischen JournalistInnenbüro, die Professorin Astrid Messerschmidt und Professor Tirmiziou Diallo eingeladen. Sie diskutierten durchaus kontrovers mit dem Publikum über das bundesdeutsche und europäische Geschichtsbild vom Zweiten Weltkrieg – und die Folgen für unsere Gegenwart.

Der jahrzehntelang vorherrschende eurozentrische Blick auf den Zweiten Weltkrieg mache es notwendig, so ein wichtiger Diskussionspunkt, über die Verantwortung gegenwärtiger in Europa und Deutschland betriebener Geschichtsauseinandersetzung zu reflektieren und die dadurch miterzeugten Fortführung diskriminierender Weltsichten und Alltagspraktiken zu überwinden. So betonte Karl Rössel – unterstützt von den weiteren Podiumsteilnehmer/innen –, dass es unumgänglich sei, die globalen Akteure, Historiker/innen und Zeitzeug/innen als Gesprächs- und Projektteilnehmer/innen einzubeziehen.

Benedikt Burkard, Moderator der Diskussion, leitete schließlich in eine Begriffsdiskussion über, indem er der Ausstellung zuwies, sich zentral mit dem Thema „Rassismus“ zu beschäftigen. Tirmiziou Diallo merkte dazu an, dass er den Begriff „Rassimus“ als nicht weiterführend für eine analytische Beschäftigung mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, aber auch generell mit globalgeschichtlichen und gegenwärtigen Themen ansehe. Vor allem würde dadurch weiterhin eine biologistische Festschreibung von Ungleichheit zwischen Menschen produziert, die das „Gleich-geltende“ jedes Menschen als Ausgangspunkt der Betrachtung ausschließe. Demgegenüber sei der Begriff „Diskriminierung“ analytisch fruchtbarer. Für Astrid Messerschmidt hingegen ist der Begriff „Rassimus“ nach wie vor analytisch weiterführend, da die Spezifik der Diskriminierung von Menschen deutlich in den Blick gerate: unter dem Begriff „Kulturrassismus“ würde die kulturelle Zuweisung von biologistischen Unterschieden gerade aufgedeckt und kritisierbar. Diese kurz angerissene Diskussion weiterzuverfolgen, würde sich im weiteren Fortgang der Ausstellungszeit lohnen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Aufdeckung von diskriminierender Geschichtsschreibung und in Folge dessen von aktueller diskriminierender Alltagspraxis dürfe dabei aber gerade nicht Konkurrenzen von Geschichtsdarstellungen erzeugen. So sei es kein Weg, dies wurde in der Diskussion betont, die historische, globale Dimension und die bis heute verheerenden globalen Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges gegen die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und heutigem Antisemitismus auszuspielen. Auch wenn der Holocaust auf eine kolonialistische Ausgrenzung von Menschen aufbauen konnte, sei er nicht mit ihr gleichzusetzen und durch diese zu ersetzen.

Einig waren sich die Beteiligten darin, dass die gezeigte Ausstellung ein gutes Mittel ist, grundlegende Informationen über die bisher für viele Besucher/innen in Deutschland ungekannte globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu geben. Die Ausstellung könne aber nur ein Bildungsangebot neben vielen weiteren – zu denken ist hier an die dringende Aktualisierung der Geschichtsdarstellungen in den Schulbüchern – für Erwachsene und insbesondere Schüler/innen sein, so der Ausblick und die Forderung von Podiums- und Publikumsbeteiligten.

Gelegenheit zur Fortführung dieser Diskussion bietet sich unter anderem heute bei dem Vortrag von Karl Rössel im historischen museum um 17:30 Uhr.

Weitere Informationen zur Austellung und zum weiteren Begleitprogramm auf der Homepage des hmf

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