Neudenken + Entwerfen

Sammlungsaufruf zu Zeiten von Corona – erste Einsendungen

Frankfurt in Zeiten von Corona – die Zeit möchten wir auch im Historischen Museum dokumentieren. Deshalb haben wir einen Sammlungsaufruf gestartet.

Die letzten Tage erreichten uns schon viele Beiträge – Bilder, Geschichten, Beobachtungen… mit Hinweisen auf mögliche Objekte für die Sammlung. Es wird deutlich, wie die Maßnahmen den Alltag schon prägen und wie alle versuchen,  verschiedene Strategien zu entwickeln, mit der Corona-Krise umzugehen. Hier sollen nun ein paar Einblicke in die Beiträge gegeben werden.

In den Familien wird viel gebastelt – und passend zu Ostern ist das Osterei entstanden. Jedes Jahr denkt sich die Familie M. ein Jahresmotto aus. 2020 bekam das Osterei von den beiden Söhnen kleine rote Viren aus rotem Krepppapier verpasst. Und die zehnjährige Clara fing an zu häkeln: „Zu Beginn der Krise hat unsere Tochter dieses Corona-Monster gehäkelt und gebastelt. Es ist für uns zu einem wichtigen Bild geworden (…)“ – so schreiben die Eltern.

 

Am häufigsten erreichen uns Bilder von Abstandsmarkierungen, von Gabenzäunen, von den vielen Zetteln und Schildern, die den Stadtraum gerade so charakteristisch kennzeichnen.  Die „Abstand-Herzen“, die an Hauswände oder Lichtmasten geklebt wurden, kamen gleich mehrmals. Eine Zusenderin schrieb zu diesem Foto: „An dem Tag hatte meine Tante Geburtstag. Die ich leider nicht sehen durfte wegen dieser Corona Krise. So war dieses Bild ein schöner Zufall. Es ist mir sozusagen entgegen geflattert.“

Und viele Beiträge thematisieren selbstgenähte Mundschutz-Masken, die jetzt noch in Benutzung sind und von denen aber alle hoffen, sie bald – desinfiziert – dem Museum geben zu können. Abends wird geklatscht, aber auch gesungen: in der Oberlindau hat eine Familie allen Bewohner*innen ein Notenblatt Texten verteilt, damit alle zusammen jeden Abend um 19 Uhr „Der Mond ist aufgegangen“ und „Freude schöner Götterfunken“ singen können. Das Blatt wird noch benötigt, wurde aber von einer aktiven Sängerin dem Museum in Aussicht gestellt.

Die Corona-Krise beeinflusst schmerzlich auch den Alltag von vielen sozialen Einrichtungen, die sonst eher im Hintergrund wirken, und stellt sie vor ganz neuen Herausforderungen. So erreichte uns eine Mail vom Ambulanten Kinder-und Jugendhospizdienstes Frankfurt /Rhein-Main,  der Familien mit lebensbedrohlichen und lebensverkürzten erkrankten Kindern und Jugendlichen begleitet. Die Mitarbeiterin Katrin W. schrieb: „Unter dem Motto „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ haben wir Kulleraugen an die Familien geschickt mit der Bitte, in der Wohnung, im Garten, im Wald, in der Klinik,… – egal, wo sie gerade sind – auf die Suche nach schönen Fotomotiven zu gehen. Dann legen sie die Augen zum Motiv, fotografieren es und lassen so Männchen, Gesichter, Waldwesen entstehen. Das macht total viel Spaß und bringt ein wenig Ablenkung und Beschäftigung in den derzeitigen Alltag. Täglich erreichen uns schöne Fotos, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Wir planen, mit diesen Fotos im Nachhinein als Erinnerung ein Memory für die Kinder der Familien zu erstellen.“

 

Auch das Stadtlabor digital  auf der Homepage des Museums wächst beständig: Bbeim Stadtlabor digital können direkt Beiträge wie Videos, Texte oder Zeichnungen wie diese hier von Leonore Poth hochgeladen werden. Jetzt mitmachen!

screenshot vom einer skizze, im Mittelpunkt eine zeichnung einer Frau mit text
historisches museum frankfurt: stadtlabor digital mit Leonore Poth (screenshot)

Für alle Beiträge gilt: wenn sie aus Frankfurt stammen, nehmen wir sie gerne in die Auswahl auf – wir sind das Museum der Frankfurter Stadtgesellschaft. Wir möchten dann – nach der Corona-Krise – entscheiden, wie wir damit verfahren und was wir in die Sammlung aufnehmen. Wir bedanken uns schon einmal bei allen herzlich und sind gespannt, was alles noch kommt. Wie werden wir uns an diese Zeit erinnern? Was ist für uns besonders wichtig oder spielt plötzlich eine große Rolle?

Manchmal stossen wir auch auf Grenzen – etwa wenn beim Stadtlabor digital nicht alles rund läuft. Da wir fast alle im Home-Office arbeiten, ist manches schwerer zu regeln. Wir können aber leider auch nur mit „Bordmitteln“ arbeiten.

Für alle, die hier mitlesen und gerne ihre Erfahrungen teilen möchten, aber nicht in Frankfurt wohnen, empfehlen wir das Coronarchiv, ein Kooperationsprojekt der Universitäten Hamburg, Bochum und Gießen, das bundesweit digital sammelt.

Und wir sind auch sehr erfreut über das Medienecho – hier gibt zum Nachhören ein Interview auf hr-Info, zum Nachlesen einen Artikel in der Frankfurter Rundschau und eine dpa-Meldung sogar in der Süddeutschen Zeitung.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme:

Dorothee Linnemann,  Dorothee.Linnemann@stadt-frankfurt.de

Nina Gorgus, Nina.Gorgus@stadt-frankfurt.de

2 Kommentare zu “Sammlungsaufruf zu Zeiten von Corona – erste Einsendungen

  1. Was ein trauriger Spruch!!
    Nett gemeint – Ziel völlig verfehlt.
    …..Zumindest bei mir!

  2. Wenn ich jetzt die genau 1 Monate alten Nachrichten vom 19. März in dem Cartoon sehe …

    Italien wäre glücklich, wäre es bei den 3.405 genannten Toten geblieben. Sogar Deutschland wäre es….
    Spanien hat immer noch Ausgangsbeschränkungen. Die chinesischen Zahlen erweisen sich mittlerweile als zweifelhaft. Und in den USA steuert ein unzurechnungsfähiger „größter Präsident aller Zeiten“ seine Bevölkerung geradewegs in eine Katastrophe…

    Island, die Faröer-Inseln, Taiwan, Süd-Korea und Neuseeland kommen dank sehr weitsichtger Maßnahmen ihrer demokratischen Regierungen glimpflich davon – und die Cook-Inseln im Südpazifik sind als erstes Land der Erde Corona-frei.

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