Das Jahr 1866 war ein sehr einschneidendes für Frankfurt und dessen Bevölkerung. Die Freie Stadt wurde von den Truppen Preußens besetzt und es begann eine Zeit der Unterdrückung und Entbehrungen. Eine Tasse von 1866, die in der engeren Auswahl für „100 x Frankfurt“ der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? steht, erinnert an dieses Ereignis mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an die freie Stadt Frankfurt 1866. – stark im Recht“. Um die Tasse in den historischen Kontext einzubetten, möchte ich herausfinden, was genau mit Frankfurt passiert ist.

 

historisches museum frankfurt: Tasse "Stark im Recht" im Depot

 

Innerhalb der Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Deutschen Bund (ein Staatenbund, in dem sich seit 1815 Preußen, Österreich, Dänemark und die Niederlande zusammengeschlossen haben) und in Deutschland, zwischen Preußen und Österreich und deren jeweiligen Verbündeten im Jahr 1866, entschied sich die freie Reichsstadt Frankfurt, die sich für einen Fortbestand des Deutschen Bundes aussprach, Partei für Österreich zu ergreifen. Die Stellung Österreichs war aufgrund einer Finanzkrise geschwächt, Frankreich entschied sich im Falle eines Krieges für Neutralität und Preußen hatte Italien als Bündnispartner gewonnen, womit die Erfolgsaussichten für Preußen sehr günstig standen. Aufgrund eines aus Preußens Sicht begangenen Bruchs mit der Gasteiner Konvention und eines Bruchs des Bundesgesetzes durch Österreich, begann Preußen mobil zu machen.

Obwohl Frankfurt nicht aktiv am Krieg, der im Juni 1866 begann, beteiligt war, marschierte die preußische Armee am 16. Juli unter dem General Vogel von Falckenstein in Frankfurt ein. Der Einmarsch und die darauffolgende Einquartierung der Soldaten in Privathäusern stellte eine große Belastung für die Frankfurter Bevölkerung da, die den Soldaten zusätzlich Verpflegung zur Verfügung stellen musste. Frankfurt musste anfänglich eine Kontributionszahlung von sechs Millionen Gulden an Preußen zahlen, die die Stadt auch rasch auszahlte. Am 20. Juli verlangte Preußen eine weitere Kontributionszahlung von 25 Millionen Gulden, was die Möglichkeiten der Stadt weit überstieg, und eine Proskriptionsliste der angesehenen Bürger. Daraufhin erhängte sich der Bürgermeister Karl Konstanz Viktor Fellner, um die Zahlung zu verhindern. Diese tragische Geste für das Wohl der Stadt, hatte tatsächlich zur Folge, dass die Zahlungen fallen gelassen worden sind. Die Belagerung und Besitznahme Frankfurts, die am 8. Oktober 1866 vorgenommen wurde, war ein schwerer Schlag für die Bevölkerung und die Stadt Frankfurt, die bis dahin immer eine freie Bürgerstadt gewesen war.

Die Devise „Stark im Recht“, die auf der Tasse zusammen mit dem Frankfurter Adler abgebildet ist, bringt das Selbstbestimmungsrecht der Bürger zum Ausdruck und unterstreicht den Willen nach Freiheit. Wichtige Quellen für die Belagerung und Besitznahme sind darüber hinaus zeitgenössische Zeitungsartikel und persönliche Berichte Frankfurter BürgerInnen wie z.B. die Briefe von Clotilde Koch-Gontard.

1 Kommentar zu “„Stark im Recht“

  1. K.H. Steiner

    Dazu gibt es ein zeitgenössiges Buch, dass man sich, da komplett digitalisiert, aus dem Netz herunterladen kann:

    „Geschichte der Eroberung der freien Reichstadt durch die Preußen im Jahre 1866“

    von Otto Kanngießer – Frankfurt/Main

    Verlag: Heinich Heller (1877)

    digitalisiert und ins Netz wurde ein Buch der Universität Michigan.

    Viel Spaß bei der Lektüre von 488 !!! Seiten

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