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Stücke oder Scanner – Inszenierung im Museumsdepot

Dass in der bildenden wie der darstellenden Kunst die Grenzen zwischen den Disziplinen durchlässig geworden sind, ist keine neue Tendenz und sie ist in den Kulturinstitutionen allgegenwärtig. Die Häuser öffnen sich und kooperieren disziplinübergreifend miteinander. Und dennoch: Als ich im Jahresbericht 2012 des „Historischen Museum – Depot“ las, dass zum Museumsteam des Historischen Museums Luzern ein Schauspielensemble bestehend aus 5 Schauspielern gehört, war ich ein wenig erstaunt.

Die auf den ersten Blick ungewöhnliche „Personalpolitik“ erschließt sich beim Besuch des Hauses jedoch schnell: Das Historische Museum Luzern führt den Zusatz DEPOT im Namen, weil es genau das ist: Ein Depot. Und als solches ist es dann auch explizit für den Besucher in Szene gesetzt. Vom Foyer bis hoch in die dritte Ebene beeindruckt eine Regalkonstruktion mit den unterschiedlichsten Objekten. Die Zeiten prallen hier regelrecht aufeinander. So berühren die schlanken Beine einer Schaufensterpuppe aus den 1930er Jahren knapp die darunter lagernden Familienwappen aus dem Mittelalter. Ein Regalfach mit Grammophonen und weiteren Geräten aus der frühen Radiotechnik findet sich auf der Höhe des 3. Stocks, benachbart ein Gebärstuhl (1920), diverse Schlitten, Kinderstühle aus unterschiedlichen Epochen, Petrollampen (die Älteste aus dem 3. Jahrhundert vor Chr.) unweit eines Massagegeräts von 1930, ganz unten stehen die Ritterrüstungen. Und wie um dieser „wilden Zeitlichkeit“ doch Struktur zu geben, teilt ein großes, regelmäßig schlagendes Turmuhrpendel das Regal. Um diese reiche, vielseitige, über- und nebeneinander geschichtete Sammlung dem Besucher zu vermitteln, gibt es nun also Theatertouren durch das Depot, d. h mittels eigens geschriebener kleiner Theatertexte wird der Besucher thematisch orientiert durch das Schaudepot geführt.

Im Eingangsbereich liegen rund 10 verschiedene Karten mit Stücktiteln, die Zeit und Inhalt schon erahnen lassen, wie etwa „Ballade eines Zimmermädchens – Hinter die Kulissen der Luzerner Hotellerie“, „Die spinnen, die Römer“, „Vive la Revolution!“ „Flucht ins Pfefferland“ und – um noch den wohl beliebtesten Titel der Museumssaison zu nennen – „Rostige Ritter“. Wer aber doch lieber Theater im roten Plüschsessel genießt oder schlicht zu spielfreien Zeiten kommt, der kann sich an der Kasse mit einem Scanner ausrüsten lassen und über den Barcode an den Regalen die Objekte sprechen lassen. Diese individuelle Scanner-Tour kann man dann entweder intuitiv durchführen – die Objekte springen den Besucher in dieser massiven Anordnung regelrecht an (fast ist man froh, dass es diese Gitter hat)-  oder aber sich von einer in den Barcodes schlummernden Dramaturgie führen lassen. Mit Themen wie „Lust und Liebe“, „Sage“, oder „Was ist das?“ werden die unterschiedlichsten Dinge aus weit auseinander liegenden Zeiten auf kurzweilige und dennoch informative Weise miteinander verknüpft.  Zwei Formen der Vermittlung, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zur Erschließung dieser Sammlung und ihrer Anordung aber gut gewählt sind.

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