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Die sommerlichen Streifzüge durch Frankfurts „Ernst-May-Siedlungen“ sind vorbei

Die Tage werden wieder kürzer und die Temperaturen sinken allmählich. Der Sommer ist vorbei und mit ihm auch die diesjährige Sommertour des Stadtlabors  Wie wohnen die Leute?. Von Anfang Mai bis Anfang  September 2018 hat das Stadtlabor-Team  17 „Ernst-May-Siedlungen“ und vier Wohnhausgruppen besucht. Zuletzt war ich gemeinsam mit Katharina Böttger, der Kuratorin der Stadtlabor-Ausstellung Wie wohnen die Leute? mit dem Forschungsfahrrad in Praunheim, der Hügelstraße in der Heimat- und in der Friedrich-Ebert-Siedlung (ehemaliges Tornow-Gelände) unterwegs. Auf den Straßen unterhielten wir uns mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, befragten sie zur Wohnrealität in den Siedlungen, erkundeten die Ladengeschäfte und statteten einige Hausbesuche ab. In Niederrad besichtigten wir beispielsweise eine Atelierwohnung, die Anfang der 1920er Jahre vom Mediziner Philipp Schwartz (1894-1977) bewohnt wurde, bevor er 1933 aufgrund seiner jüdischen Herkunft in die Schweiz emigrieren musste.

In Praunheim entdeckten wir in den Laubenganghäusern einen kleinen Friseur-Salon, der noch einzelne original erhaltene Elemente einer Frankfurter Küche beherbergt. Als ich auf dem Friseurstuhl saß, kam ich mit einer 78-Jährigen Kundin ins Gespräch, die dort seit 30 Jahren regelmäßig zum Haareschneiden geht und alle drei bisherigen Besitzerwechsel miterlebt hat. Obwohl sie nicht mehr in der Siedlung lebt, ist sie immer noch eine treue Stammkundin. Der Grund für ihren Wegzug sei nicht die Nachbarschaft oder Anbindung der Wohngegend gewesen, diese wären fantastisch, sondern das Alter. Denn die May-Häuser sind nicht wirklich altersgerecht gestaltet, zumindest aus heutiger Sicht. Sie sind für Rollstuhlfahrer ungeeignet, die Türen und Treppen sind zu schmal und das Bad befindet sich im ersten Stock.

Dass Lage und Größe des Bades (6 qm) im Alter ein großes Hindernis darstellen, unterstrich auch eine ältere Dame aus der Friedrich-Ebert-Siedlung, bei der ich zu Hause war, um mir eine der ursprünglichen Sitzbadewannen anzuschauen. „Sowie mein Mann oder ich stürzen, können wir hier eigentlich nicht mehr wohnen. Deswegen wollte unsere Tochter auch, dass wir irgendwo hingehen, wo es ebenerdig ist.“ Doch da sie das ganze Haus selbst renoviert haben und die Miete bei knappen 600 € sehr günstig ist, möchte das Ehepaar eigentlich nicht wegziehen.

Aktuell sind 15,7% der 744.115 Personen, die in Frankfurt leben, 65 Jahre alt oder älter. Der demographische Wandel wird immer spürbarer. Neben den Aspekten „Ausbau, Umbau und Aneignung, die während der Sommertour sehr präsent geworden sind, ist das Thema „Wohnen im Alter“ ein Thema, das das Stadtlabor-Team deshalb sehr interessiert und das ich während meines Praktikums bearbeitet habe. Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Henry und Emma Budge-Stiftung der Wilhelmshöherstraße in Seckbach wird in diesem Zusammenhang ein Beitrag für die Ausstellung erarbeitet. Der Auftakt des Kooperationsprojekts findet im November 2018 statt.

Das gesammelte Material der Sommertour mündete schließlich in den dritten Stadtlabor Workshop „Gestaltung“  September 2018, nachdem wir zuvor alles gesichtet und zusammengefasst hatten. Wir trafen uns mit den Gestaltern des Studio Rustemeyer sowie den Stadtlaborantinnen und Stadtlaboranten im ehemaligen Unterrichtspavillon des Architekten Eugen Kaufmann im Bretanopark. Hier wurden alle Projektideen zusammengetragen, thematisch gegliedert, weiterentwickelt und erste Gedanken zur Ausstellungskonzeption sind entstanden. Soll die Ausstellung bunt oder schwarz-weiß, laut oder leise, informativ oder narrativ sein bzw. wie partizipativ? Wir dürfen gespannt sein, was für ein Konzept entstehen wird und was für Ideen uns die Gestalter im November 2018 präsentieren werden.

1 Kommentar zu “Die sommerlichen Streifzüge durch Frankfurts „Ernst-May-Siedlungen“ sind vorbei

  1. Ulrike Hornung

    Sehr interessante wichtige Umfrage.

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