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Von Frauenrechtlerinnen und ihrem Kampf um das Frauenwahlrecht – Hertha Riese

Wir erinnern wieder einmal an die Akteurinnen, die vor 100 Jahren für Frauenrechte und besonders für das Wahlrecht gekämpft haben. Anlass ist die große Ausstellung zum Frauenwahlrecht Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht, die am 30. August hier bei uns eröffnet wird.

Porträt von Hertha RieseHertha Riese erkämpfte sich nach 1915 eine – damals rare für Frauen kaum zugelassene  Praxis und ließ sich als Ärztin nieder. Unter anderem setzte sie sich für die präventive Verhütung und die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs aufgrund sozialer Indikation ein. Denn die soziale Lage vieler Frauen und Mädchen, die gerade nach dem Ersten Weltkrieg von Armut und Wohnungsnot bedroht waren, war desolat. Der Schwangerschaftsabbruch war gesetzlich für Schwangere wie Helferinnen unter Strafe gestellt. Bis 1933 war sie ärztliche Leiterin der Frankfurter Sozial- und Sexualberatungsstelle des Bundes für Mutterschutz. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war die erfolgreiche und international beachtete Ärztin im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie kein gesellschaftliches Vorbild mehr und floh am 31. März 1933 mit ihrer Familie aus akuter Angst vor Verhaftung über die Schweiz nach Frankreich und schließlich 1940 in die USA.

Mehr über die politischen Frankfurterinnen finden Sie auf der Website Frankfurter Frauenzimmer.

 

 

2 Kommentare zu “Von Frauenrechtlerinnen und ihrem Kampf um das Frauenwahlrecht – Hertha Riese

  1. Constanze Kleis

    So löblich das Thema, so ‚dämlich‘ der Titel. ‚Damenwahl‘ – das ist die gönnerhafte ‚ihr dürft auch mal‘-Attitüde, mit der gnädig ein paar Emanzipations-Krümel vom Tische der Herren nach unten durchgereicht werden. Das ist tiefster 50er-Jahre-Tanzstunden-Mief, vermutlich lustig gemeint – aber was ist so verdammt witzig daran, wenn Frauen ihre Rechte durchkämpfen und das unter größten persönlichem Einsatz und Opfern? Kurz: Das kann nicht Ihr ernst sein und ist es offenbar auch nicht…. und deshalb ist es vor allem eines: Sehr ärgerlich!

    • Nina Gorgus

      Liebe Frau Kleis,

      Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht – lautet der ganze Ausstellungstitel. Und obwohl der Titel auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist, soll nicht unter den Tisch fallen, dass Frauen dafür mit großem Einsatz gekämpft und viel gewonnen haben – das ist ja das Thema der Ausstellung. Gleichzeitig feiern wir damit auch ein Jubiläum und dabei soll auch getanzt werden!
      „Damenwahl“ bezeichnet deshalb keineswegs „ihr dürft auch mal“, sondern mit einem großen Ausrufezeichen vielmehr, dass Frauen eine Wahl haben, beim Tanzen wie beim Wählen. Zum ersten Mal in einem deutschen Parlament wurde von „Meine Herren, meine Damen“ 1919 gesprochen!

      Auch der Begriff „Suffragette“, der heute stolz die damaligen politischen, radikalen Aktivistinnen der englischen Frauenbewegung bezeichnet, war ursprünglich von der englischen Presse geprägt worden, um die Stimmrechts-Aktivistinnen herabzuwürdigen – heute hat das kaum jemand mehr im Blick. Der Titel „Damenwahl“ ist gerade deshalb in seiner Ambivalenz ein Einstieg in das Thema; denn er macht aufmerksam drauf, dass Gleichberechtigung damals wie heute nicht geschenkt wird und nicht unumstritten war/ist, sondern von Aktivistinnen und Aktivisten erkämpft und bekämpft wird/wurde. Er soll zur Diskussion anregen, auch darüber, dass auch Sprache ein wichtiges Mittel der Auseinandersetzung um Rechte und Deutungshoheit ist. Wie schon in der historischen Zeitschrift der Zeit, dem Kladderadatsch zur Wahl am 19.1.1919 zu sehen und mit „Damenwahl!“ betitelt, wurde das Frauenwahlrecht nicht von allen als Errungenschaft geteilt. Darauf möchte die Ausstellung auch aufmerksam und wach machen für den hohen Einsatz der Frauen im Widerstand gegen Schranken im Kopf, in der Politik und im Alltagsleben.
      Die Reaktionen auf den Ausstellungstitel sind unterschiedlich – positiv wie negativ, in jedem Fall beginnt damit immer eine gute Diskussion und den Einsatz für Gleichberechtigung!
      beste Grüße,
      Nina Gorgus

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