Es ist Sommer 2026 und es ist heiß! Jede*r spürt es, jede*r schwitzt. In Deutschland und Westeuropa werden täglich Höchsttemperaturen erreicht. Hitzewellen gehören längst nicht mehr zu den außergewöhnlichen Wetterereignissen eines Sommers. Der Klimawandel ist unübersehbar geworden – und gerade in Städten zeigt sich besonders deutlich, welche Folgen die zunehmende Erwärmung hat.
Die Menschen in Frankfurt bekommen das zu spüren: Dicht bebaute und versiegelte Flächen, viel Beton und wenig Grün lassen auch Frankfurt stark erhitzen. Um so wichtiger, dem Thema der ökologischen Nachhaltigkeit wieder mehr Gewicht zu geben; ein Thema, das in den letzten Jahren immer weniger in Medien und Politik Aufmerksamkeit gefunden hat.
Auch das Historische Museum Frankfurt möchte einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Wir sind überzeugt, dass Museen als öffentliche Kulturinstitutionen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung tragen und einen Vorbildcharakter haben, weshalb die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen weitreichende Auswirkungen haben können. Deutschland hat sich vorgenommen, bis 2030 den Ausstoß an CO2-Emissionen um 65% im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und bis 2045 treibhausgasneutral zu sein. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn alle einen Beitrag dazu leisten – auch die Kultur.
Selbst wenn es von außen nicht unmittelbar sichtbar ist, auch ein Museum verbraucht viel CO2. Ob für Ausstellungen oder bei Großveranstaltungen: Der Alltag in kulturellen Institutionen ist häufig ressourcenintensiv. Für wechselnde Sonderausstellungen werden Materialien, Vitrinen und Requisiten benötigt, die teilweise nur für einen begrenzen Zeitraum eingesetzt werden. Nach Ausstellungsende müssen diese eingelagert oder entsorgt werden. Auch die Mobilität der Objekte spielt eine Rolle. Exponate werden aus den Depots des HMF angeliefert; Leihgaben werden deutschlandweit angefragt und transportiert. Die Bewahrung dieser Objekte benötigt stabile klimatische Bedingungen, damit sie keinen Schaden nehmen. Temperatur und Luftfeuchtigkeit muss in den Museumsräumen und den Depots anhand von Klimaanlagen, Luftbefeuchter und Heizungen stetig reguliert werden – und das verbraucht viel Energie. Nicht zuletzt fällt auch die Mobilität der Menschen ins Gewicht: Die Anreise der Besuchenden und Mitarbeitenden zum HMF wirken sich ebenfalls auf die Klimabilanz des Museums aus.
In der öffentlichen Debatte wird Nachhaltigkeit häufig mit Verzicht und Verboten verbunden. Das HMF möchte eine positive Perspektive entgegensetzen: Nachhaltigkeit bedeutet nicht, weniger Kultur zu ermöglichen. Im Gegenteil; Klimaschutz trägt dazu bei, die Voraussetzungen dafür zu erhalten, dass Kultur auch in Zukunft möglich ist.
Im Alltag versucht das HMF bereits ressourcenschonend zu arbeiten: Alle Wände, die in Sonderausstellungen eingezogen werden, sind modular und lassen sich danach wieder schonend abbauen und wiederverwenden. Für Präsentationen werden häufig Sockel, Hauben, Paneele und Requisiten benötigt. Auch hier setzt das HMF auf eine Kreislaufwirtschaft, denn jedes Element wird nach Ausstellungsende inventarisiert, eingelagert und in einem folgenden Projekt erneut eingesetzt. Auch im Kleinen versucht das Museum einen nachhaltigen Alltag zu gestalten. Beispielsweise werden aus großen Werbebannern zu Ausstellungen nach Projektende immer Taschen genäht (Upcycling). Alte Plakate werden in die Papierwerkstatt des Jungen Museum gespeist, damit aus dem Material neues Papier geschöpft werden kann.
Das HMF arbeitet dabei nicht allein. Ende 2023 hat sich in Frankfurt das offene „Netzwerk Nachhaltige Kultur“ gegründet: Diesem gehören 22 Frankfurter Kulturinstitutionen und Vertreter*innen der Freien Szene an. Das HMF ist aktives Mitglied in diesem Netzwerk. Im Mittelpunkt stehen der Austausch von Erfahrungen, die gemeinsame Entwicklung von Ideen, kollegiale Beratung und Gespräche mit der Stadtpolitik, damit das Thema weiterhin auf der politischen Agenda bleibt.
Für die Zukunft hat sich das HMF noch einiges vorgenommen. Eine AG Nachhaltigkeit wird sich am Museum gründen und weitere klimaschonende Projekte anstoßen und begleiten. Ein wichtiger nächster Schritt ist außerdem eine Klimabilanz des HMF. Diese soll sichtbar machen, wo und in welchem Umfang CO2 entsteht und wo Einsparpotenzial besteht. Auch konkrete Ideen für das Museum sind im Gespräch: Fassadenbegrünung oder Pflanzen auf dem Museumsplatz sowie Verschattung durch Sonnensegel sind angedacht.
Dabei ist uns auch bewusst: Keine einzelne Maßnahme des HMF wird die planetare Klimakrise lösen. Nachhaltigkeit ist eine langfristige Aufgabe, die politische Entscheidungen, strukturelle Veränderungen und das Handeln vieler Menschen und der Industrie erfordert. Als Museum können wir jedoch dort Verantwortung übernehmen, wo wir Einfluss haben: An der Schnittstelle zwischen Kultur und Klimaschutz.


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