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Wie kommt die Vielfalt ins Museum?

Deutschland ist ein Migrationsland. Dies ist es schon immer gewesen. Laut der Bundesstatistik von 2017 hat jede vierte Person in Deutschland einen sogenannten Migrationshintergrund (23,6%). In Frankfurt am Main ist es sogar jede zweite Person (51,2%).  Diese Vielfalt in Bezug auf Migrationsgeschichte spiegelt sich jedoch kaum in sichtbaren Leitungspositionen in der Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft wider. Um diesem Missstand entgegen zu wirken, sind Maßnahmen, die explizit weniger vertretene Gruppen fördern, notwendig.  Doch was bedeutet Diversität genau?

Diversität als Konzept aus der Soziologie betrachtet Menschen in all ihren Verschiedenheiten. Dies beinhaltet Persönlichkeitsaspekte wie z.B. Hobbies, Sprache, Interessen, aber auch andere gesellschaftliche Kategorien wie z.B. Geschlecht, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung und die Rolle in einer Organisation wie z.B. festangestellt sein, eine Leitungsfunktion innehaben etc.  Diese verschiedenen Dimensionen einer Person werden in ein Verhältnis zueinander gesetzt, um damit die Vielschichtigkeit und die gegenseitige Bedingtheit zu unterstreichen (siehe dazu unten die Abbildung von der regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V. Berlin).

Diversität in diesem Sinne bedeutet also nicht nur Menschen mit unterschiedlichen Hobbys, Disziplinen und Interessensgebieten im Team zu haben, sondern gerade auch Menschen, die  aufgrund z.B. ihre Genderidentität, ethnische Zugehörigkeit, Behinderungen etc. ausgeschlossen werden, zu fördern. Mit Diversität geht also ein Bewusstsein über strukturelle Zugangsbarrieren einher. Generell ist das Ziel von Diversitätsmanagement an Institutionen, Zugangsmöglichkeiten für verschiedene Menschen zu schaffen.

Museumsbetriebe  in Deutschland sind recht homogen. Sie sind in der Regel mehrheitlich weiß, deutsch und bildungsbürgerlich geprägt. Dies trifft in großen Teilen auch auf das Historische Museum Frankfurt zu. Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichten sind weder in Leitungspositionen, im Publikum noch im Programm adäquat vertreten. Doch gerade mehr Perspektivenvielfalt auch im Team, in den Ausstellungen und im Programm ermöglicht uns, längerfristig ein Museum für eine plurale Stadtgesellschaft zu sein.

Wie also können wir das Museum als Ort für verschiedene Menschen in dieser vielfältigen Stadtgesellschaft relevanter und attraktiver machen? Dies ist ein Auseinandersetzungsprozess, der Zeit, viele Gespräche und die Bereitschaft benötigt, unsere Seh- und Denkgewohnheiten zu reflektieren.  Wir freuen uns, diese Herausforderung im Team gemeinsam mit Frankfurter*innen und Interessierten anzugehen.

Die Kulturstiftung des Bundes fördert die kulturelle Öffnung des historischen Museums im Rahmen des 360° Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft.

 

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