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Wie man aus schlechtem gutes Wetter macht!

Im Bestand der Graphischen Sammlung befindet sich eine Stadtansicht von „Frankfurt am Main von Westen her gesehen“ von Caspar Merian aus dem Jahre 1657. Der kolorierte Kupferstich soll zukünftig temporär im Sammlermuseum präsentiert werden.
Der Himmel dieser Ansicht scheint mit dunklen Gewitterwolken verhangen zu sein. Doch es handelt sich hier nicht um die Abbildung einer Schlechtwettersituation, sondern die farbliche Veränderung der einst hellen, weiß gehöhten Kolorierung: Für jene Kolorierung wurde das Weißpigment Bleiweiß verwendet; chemisch gesehen handelt es sich um basisches Bleicarbonat. Dieses Pigment kann sich unter dem Einfluß von Schwefelverbindungen (z.B. durch Luftschadstoffe) in schwarzes Bleisulfid verändern. Um das ästhetische Erscheinungsbild der Stadtansicht zu verbessern, kann diese schwarze Farbveränderung im Zuge einer Restaurierungsmaßnahme mit Hilfe von Wasserstoffperoxid wieder in eine weiße Kolorierung, d.h. in weißes Bleisulfat umgewandelt werden. Diese Aufhellung geschieht partiell, um die übrigen bleichempfindlichen kolorierten Bereiche nicht zu gefährden, sowie gleichzeitig nur zurückhaltend und behutsam, damit das Schadensbild dieser Grafik als solches weiterhin sichtbar bleibt. Das Ergebnis sind dann hellere Wolken – und somit wieder schönes Wetter.

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