Neudenken + Entwerfen

Digitale Museumspraxis #17 – Hackathons

(please find English version below)

Endlich ist wieder Coding Da Vinci Zeit! Vor zwei Wochen fand der Kick-Off für den Coding Da Vinci Rhein-Main statt; diesmal in Mainz wo sich über hundert Teilnehmer/innen für die offenen Daten aus Museen, Büchereien und Archiven interessierten. Bis zur Preisverleihung bleiben jetzt noch knapp drei Wochen Zeit, der sogenannte Sprint, in denen die Teams ihre Ideen zu vorzeigbaren Prototypen weiterentwickeln. Auch die Datensets des Historischen Museums – 131 historische Stadtfotografien von Carl Friedrich Mylius und digitalisierte Rundumansichten von historischen Kleidern aus dem Projekt „Kleider in Bewegung“ – werden von zwei Teams bearbeitet. Und da passiert einiges: Insta-Account enstehen, ein Hack-Meet-Up hat letzte Woche stattgefunden und alle Entwicklungen können auf Hackdash mitverfolgt werden!

Es ist schon ein paar Jahre her, seit ich zum ersten Mal von diesem Format gehört habe, aber ich war sofort begeistert von der genialen Verbindung aus Kultur, offenen Daten und ihrer kreativen Weiternutzung. Coding Da Vinci ist ein experimenteller Erkenntnisprozess, bei dem vor allem Institutionen verstehen, was man mit offenen Daten und der richtigen Expertise alles machen kann – so eine Art Intensiv-Kurs in Digitaler Kultur und ich wollte diese Erfahrung auch unbedingt für das Historische Museum ermöglichen. Das erklärt wohl warum ich trotz Glasgow beim Kick-Off dabei war… Und es war toll! Die Atmosphäre in der alten Aula der Uni Mainz war freundlich, die Kulturinstitutionen hatten tolle Daten dabei, so dass die Community wirklich die Qual der Wahl hatte, ob sie lieber mit Einhörnern, semantischen Verschlagwortungen oder doch mit Posthorn-Tönen arbeiten möchte. Beim Ideen-Pitch wurde alles Mögliche angedacht – von VR-Anwendungen, über Chatbots bis hin zu Geotagging und Games – und es wird richtig spannend werden, wenn wir bei der Preisverleihung sehen, welche Entwicklungen die Teams durchgemacht haben.

Aber natürlich hatte ich auch ein bisschen meinen neuen Forschungshut auf und eine Frage, die ich mir und meiner eigenen Begeisterung gestellt habe, war, was macht diese Form der Zusammenarbeit eigentlich so besonders? Drei Elemente sind mir dabei aufgefallen:

  • Struktur: Das Format wurde in den letzten vier Jahren stetig weiterentwickelt und besteht aus einer ausgewogenen Mischung von Briefing, Autonomie und Feedback, die einen agilen Entwicklungsprozess mit verschiedenen Beteiligten begünstigt. (Read More: Structuring for Digital Success)
  • Rhythmus: Ein Hackathon ist eine konzentrierte Blase, in der die Teilnehmende für eine bestimmte Zeit dem gleichen impliziten Rhythmus folgen. (See More: Attention, Rhythm, Collaboration)
  • Anerkennung: Das Event funktioniert ein bisschen wie eine Vermittlungsplattform: Menschen aus zwei Welten, treffen sich in einen Raum und tauschen ihre Perspektiven auf Kulturdaten aus. Am Ende sind meist beide Seiten positiv überrascht von dem Wissen und Können der anderen.

Gerade für diese letzte Beobachtung kann ich nur empfehlen selbst mal vorbeizuschauen – die Preisverleihung am 1. Dezember in Mainz bietet eine wunderbare Gelegenheit, um die kollaborative Atmosphäre live und am eigenen Körper zu erfahren und natürlich freue ich mich auch, euch alle dort wieder zu sehen!

 

Finally, it’s Coding Da Vinci time! Two weeks ago, the kick-off session of the culture-hackathon took place leading the participating teams to a five-week-sprint. During this time you can keep track of the project development process on Hackdash. Among many other cultural institutions, the Historical Museum Frankfurt also presented two datasets to the community and we are already curious to find out what prototypes will evolve from these data. At the final event – on 1 December – all teams are going to present their projects to a jury and we cannot highly enough recommend to join the award ceremony and get inspired by all the creative outcomes (Register here).

It has already been some years since I first heard about Coding Da Vinci, but it immediately struck me as a very special form of collaboration. What I find most intriguing with this format is the creative liberation of cultural data through a co-creative process of different communities. Coding Da Vinci is living proof of what can happen, if cultural heritage data is shared openly. Of course, it is not sufficient to just publish cultural heritage online and wait for people to stumble upon it. The founding team of Coding Da Vinci understood the need to create a special event to attract users to the provided data. And vice versa, once the data would be used in astonishingly creative ways institutions had never thought of, they would be motivated to share more data. This concept turned out to be a successful starting point for a whole series of creative collaborations between institutions and users.

Taking part in this year’s Coding Da Vinci as a participating observer I asked myself, if this success can be described in a more general way and I came up with three main characteristics:

  • Structure: The format has gone through several iterative cycles and provides now a well-balanced combination of meetup, autonomy and feedback, which fosters agile development processes with different stakeholders. (Read More: Structuring for Digital Success)
  • Rhythm: A hackathon is a focused bubble, in which all participants follow the same implicit rhythm for a temporary period of time. (See More: Attention, Rhythm, Collaboration)
  • Acknowledgement: The event brings together people from different worlds. Exchanging different perspectives on the same cultural heritage data they find themselves mutually surprised by the knowledge and expertise of their opposites.

Especially the last one you have to experience yourself to fully understand the special atmosphere of a hackathon. So, come and join us at the award ceremony and find out more about this very special form of collaboration!

2 Kommentare zu “Digitale Museumspraxis #17 – Hackathons

  1. Liebe Franziska,

    das mit dem Rhythmus finde ich ultra-spannend. Mir schwirrt ständig im Kopf herum, wie man dieses Nebeneinander verschiedener Blasen aufbrechen und zusammenführen kann. Ich finde diese Metapher mit dem Rhythmus sehr schön. Es bedeutet doch auch, dass man sich auf einen Takt einlassen muss. Jeder findet vielleicht seine eigene Ausdrucksform. Aber der Takt eint alle.

    Liebe Grüße
    Anke

    • Franziska Mucha

      Heihei liebe Anke,

      ja, ich habe bei der MCG Museums+Tech Conference zum ersten Mal davon gehört (http://www.museumscomputergroup.org.uk/events/museumstech2018/) und fand den Gedanken von Matt Locke sehr interessant. Nachdem wir alle sehr lange darüber gesprochen haben, dass wir eine gemeinsame Sprache finden müssen, wenn wir die Zusammenarbeit zwischen Technik und Kultur verbessern wollen, war das ein erfrischender neuer Gedanke. Wobei Matt Locke selbst auch kein Beispiel für ein perfekt ausgeglichenes Verhältnis finden konnte und diese Form der Zusammenarbeit als „Unicorn Collaboration“ beschrieb…

      Beste Grüße,
      Franziska

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