Das ist das Frankfurt Einst?-Jahr!

Im Aufruf zur Blogparade 2013 im Blog des Residenz-Museums lädt Tanja Praske dazu ein, die eigene Tätigkeit zu beschreiben. Es geht also darum, Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen kultureller Institutionen zu geben und offenzulegen, was einen in den nächsten Monaten besonders beschäftigt. Das machen wir hier im Blog qua Programm ständig… Für mich gibt es natürlich nur eine Antwort: das ist das Frankfurt Einst?-Jahr!

Als Koordinatorin der geplanten historischen Dauerausstellung und Kuratorin einzelner Bereiche bin ich in den nächsten Monaten gut beschäftigt. Auch wenn wir erst 2016 eröffnen, müssen wir dieses Jahr schon über 70 % der Objekte bestimmen. Und auf den 2.000 qm wird es einige Exponate geben….
Es ist schon manchmal etwas komisch, für eine Ausstellung zu arbeiten, für die es noch nicht einmal ein Gebäude gibt: Im Moment haben wir an der Stelle einer Baugrube einen See – der Rohbau wird erst im späten Sommer diesen Jahres an den Start gehen.
historisches-museum-frankfurt: See. hier steht mal ein Ausstellungshaus
Natürlich ist es schon klar, wie das neue Ausstellungshaus aussehen wird. Für die tägliche Arbeit helfen die Pläne der Ausstellungsarchitekten arge gillmann + schnegg aus Basel ungemein: sie visualisieren unsere Objekt- und Konzeptvorstellungen im Raum, gestalten das räumliche und ästhetische Erscheinungsbild, also die gesamten Einbauten. Doch um solche Ideen umsetzen zu können, müssen wir erst einmal liefern: ein schlüssiges Konzept und mögliche Objekte. Für die einzelnen Etappen gibt es einen genauen Zeitplan: zwischen Konzept und Umsetzung stehen noch Phasen an wie Entwurfsplanung und Ausführungsplanung. Dazu gehören auch etwa öffentliche Ausschreibungen und die haben immer eine bestimmte Frist. So gesehen, haben wir gar nicht mehr so viel Zeit.

Wir beginnen nun natürlich nicht bei Null, sondern haben in den letzten Jahren zum Teil schon ziemlich detaillierte Vorstellungen entwickelt und einige der Bereiche schon weit voran getrieben. Das Grobkonzept muss nun weiter verfeinert werden, dass am Ende für jeden Ausstellungsbereich ein Drehbuch erstellt werden kann. Ich werde dieses Jahr also noch mehr recherchieren und lesen, noch mehr in die Depots gehen, um Objekte anzuschauen, Objektlisten aufstellen und Objektarrangements und Narrative überlegen und vor allem: mit den Kolleginnen darüber diskutieren. Denn zum Glück bin ich nicht alleine, sondern wir sind ein Team von sieben KuratorInnen, unterstützt von sieben RestauratorInnen. Mit den KollegInnen klärt man in erster Linie ab, wie die einzelne Ausstellungsbereiche aufgebaut sind, welche Objekte zum Einsatz kommen sollen, welche Geschichte(n) wir damit ezählen wollen. Auch Fragen, wie alles miteinander verknüpft ist, welche didaktischen Maßnahmen (wie etwa eine Kinderspur) wir einsetzen wollen und vieles mehr stehen zur Diskussion. Wir „streiten“ uns auch schon mal um das eine oder andere Objekt… Eines unserer Highlights, der Globus von Johannes Schöner von 1515, würde zum Beispiel prima in viele Bereiche passen!

historisches museum frankfurt: Globus-Ausschnitt, Johannes Schöner, 1515: America

Mit den RestauratorInnen überlegen wir, welche Behandlung die Objekte vor einer Präsentation benötigen und wie wir die Objekte zeigen können. Zum Beispiel müssen wir klären, wie schräg man eigentlich eine große historische Fahne stellen kann, ohne dass sie Schaden nimmt. Wenn wir mit diesen Fragen weiter sind, kommen die Workshops mit den Ausstellungsarchitekten: wir senden unsere Objektvorschläge und das Konzept nach Basel. Dort wird dann an den Visualierungen gebastelt, die wir dann alle gemeinsam im Workshop diskutieren. Das ist ziemlich schön zu sehen, wie Ideen Gestalt annehmen. Und überhaupt: es macht alles ziemlich Spaß! Alles in allem handelt es sich um eine komplexen und langen Prozess, dessem einzelnen Etappen äußerst zeit- und arbeitsintensiv sind. Wer sich bislang wunderte, warum es so lange dauert, eine große Ausstellung vorzubereiten, ahnt nun vielleicht weshalb das so ist.

Wenn ich so überlege, wird eine der Hauptaufgaben in den nächsten Monaten sein, herauszufinden, welche Ideen wirklich tragen und welche Objekte diese Ideen kongenial präsentieren.

Parallel dazu entwickeln wir auch noch die Medienstationen, überlegen Farbe und Atmosphäre in der Ausstellung, legen Textebenen fest… mehr kann ich nicht mehr schreiben: die Arbeit ruft!

Und warum das Fragezeichen bei Frankfurt Einst? Das ist eigentlich nur zu verstehen, wenn man den Titel der gegenwartsbezogenen Ausstellung kennt: Frankfurt Jetzt! Aber das ist zum Glück die Baustelle meiner KollegInnen….

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