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Auf der Spur der 14. Legion

Meine Recherchearbeiten zu den Objekten von „100x Frankfurt“ im Rahmen der neuen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ haben mich dieses Mal weit zurück in die Geschichte des antiken Frankfurts geführt. Das Objekt meiner Wahl ist ein Dachziegel aus Ton, der bei Grabungsarbeiten in Heddernheim (einem Frankfurter Stadtteil) gefunden wurde. Er gibt über eine bewegte Zeit Zeugnis, in der die Römer über den Main hinaus marschierten und das Gebiet um Frankfurt einer neuen Provinz einverleibten. Betrachtet man die Rückseite des Ziegels, so findet sich darauf der Abdruck eines Stempels: „ LEG XIIII“. „LEG“ steht für legio, dt. Legion, die römische Militäreinheit, und „XIIII“ gibt die Nummer der Legion wieder, die 14. Wir haben es also mit einem Ziegel zu tun, der von der 14. Legion hergestellt und gestempelt wurde. Woher aber kam diese Legion? Und was machte sie im Gebiet des heutigen Heddernheims?

Die 14.Legion wurde schon 57 v. Chr. unter Julius Caesar ausgehoben, der für seinen Feldzug gegen Gallien weitere Legionen benötigte. Später nahm sie an den römischen Bürgerkriegen teil und wurde schließlich 48 v. Chr. zurück nach Italien beordert, wo sie aufgelöst wurde. Erst unter Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus und Nachfolger Caesars, wurde die Nummer 14 erneut an eine neue Legion vergeben: 41/40 v. Chr. wurde die „Legio XIIII Gemina“ ausgerufen. Der Titelzusatz Gemina (dt. Zwilling) verweist dabei auf die doppelte Nummernvergabe, da es ja schon zuvor eine 14.Legion gegeben hatte.

13 v. Chr. wurde diese Legion dann in dem Militärlager Mogontiacum stationiert, dem heutigen Mainz, wo sie eine Ziegelei unterhielt. Im römischen Militär war es Usus dass die Legionäre nicht nur aktiv als Soldaten kämpften, sondern auch handwerkliche Tätigkeiten ausübten. Dafür wurden einige der Soldaten für eine Zeit vom Waffendienst freigestellt, damit sie sich ganz ihrer handwerklichen Aufgabe widmen konnten. In Mainz entstanden so große Mengen an Ziegeln, die über das Lager hinaus auch an andere Kastelle verteilt wurden. Auch in Frankfurt-Nied betrieb die 14. Legion so eine Ziegelei. Die vom Militär hergestellten Ziegel durften nur für öffentliche bzw. militärische Bauten verwendet werden, da sie ja vom römischen Staat, also aus Steuergeldern, finanziert waren. Deshalb prägten die Legionen ihre Kürzel in die Ziegel, denn so konnte auch im fertigen Bau noch nachvollzogen werden, ob die Legionsziegel regelgerecht verwendet wurden.

Für Archäologen und Forscher stellt dies einen Glücksfall dar, denn so kann auch heute noch nachvollzogen werden, wie weit die römischen Kastelle und Militärlager in der Provinz Germania miteinander vernetzt waren. Wie bereits erwähnt, wurden Ziegel aus Legionsziegeleien großflächig an Kastelle in der Umgebung verteilt, und so gelangten auch einige aus der Ziegelei Frankfurt-Nied nach Heddernheim. Dort wurden sie vor allem in Thermenanlagen verbaut. Heddernheim, bzw. Nida, wie es von den Römern genannt wurde, wurde 75 n. Chr. mit dem Bau eines Kastells gegründet. Schnell entwickelte sich um diesen Stützpunkt eine beachtliche ländliche Siedlung, die sich bald zu einem vicus (Siedlung mit gewerblicher Produktion) gemausert hatte. Zahlreiche öffentliche Bauten wie ein Forum, Tempel und Thermenanlagen machten den Römern das Leben dort angenehm. Auch das wirtschaftliche Leben in Nida blühte und Handwerk ließ sich in Form von Töpfereien in der aufstrebenden Siedlung nieder.

Am Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. wurde die im Kastell in Nida stationierte Einheit von Kaiser Hadrian an die neu errichtete Nordgrenze der Provinz Germania abgezogen. Nida erhielt jetzt seine besondere Vormachtstellung, denn es wurde vom Kaiser zum Hauptort einer civitas (Bezirksverwaltung) gemacht, der Civitas Taunensium. Nida konnte sich jetzt nahezu vollkommen autonom verwalten, die zur Stadt angewachsene Siedlung erhielt eine 2m breite Stadtmauer, neue Badeanlagen und Tempel. Diese goldene Zeit sollte für Nida nur bis in die Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. andauern. Nachdem germanische Stämme wie die Alamannen immer wieder in das Gebiet der Provinz Germania eingedrungen waren und dort Städte und Siedlungen verwüstet hatten, wurde Nida aufgegeben und von seiner Bevölkerung geräumt.

Die einstige Hauptstadt der Civitas Taunensium war verlassen und geriet für Jahrhunderte in Vergessenheit. Erst im 18. Jahrhundert entdeckte man die Überreste der römischen Stadt wieder. Seit dem wird bis heute an den Ruinen von Nida geforscht, Ausgrabungen bringen Fundstücke wie unseren gestempelten Dachziegel ans Licht. Zahlreiche künstlerische Objekte wie Reliefs, Skulpturen, Keramik und Schmuck lassen nur erahnen, wie stark kulturell ausgeprägt das Leben im antiken Nida gewesen sein muss. Ein Besuch im Archiv des Archäologischen Museums Frankfurt ermöglichte mir einen Einblick in diese Fundstücke, wofür ich mich sehr bei Frau Bürgermaier bedanken möchte! Nachdem ich mich dort mit alten Grabungstagebüchern und Plänen von Nida beschäftigt hatte, konnte ich herausfinden, dass unser Dachziegel vermutlich aus der Westtherme Nidas stammt, einer Badeanlage, in der die Bewohner der Stadt Ruhe und Erholung fanden. Unser Dachziegel ist damit ein Zeugnis für die Blüte Nidas und für die römische Besiedlung des Frankfurter Raumes, ein antikes Stück der Frankfurter Geschichte.

3 Kommentare zu “Auf der Spur der 14. Legion

  1. Sehr interessanter Fund. Man könnte sich gut vorstellen, dass in der Römerstadt noch einige interessante Fundstücke begraben liegen.

  2. Michael Knapp

    Sehr interessanter Artikel.Es sollte in Ffm-Heddernheim (Römerstadt),gerade jetzt bei den neuen archiologischen Grabungen dort,ein Freilichtmuseum errichtet werden. Es wurden in den letzte Jahren so viele Grabungen „verbaut“. Ich besitze auser Tonscherben von Krügen,Schalen auch einen Backstein mit der eingemeiselten Aufschrift der 14. Legion. Alles legal bei Bauarbeiten gefunden.Damals interessierten diese Artefakten niemand, sie wurden zumassen einfach wegeworfen usw..

  3. Archäologie, meine Passion

    Ich bin genau der gleichen Meinung wie von Hrn. Knapp, auch durch den Straßenbau wurden die archäologischen Stätten in den 60er Jahren zerstört, dies ist auch bekannt, da wurde das Erbauen dem Erhalt von geschichtshistorischen Relikten vorgezogen. Schon damals waren den damaligen Bauherren und politischen Verantwortlichen diese Fakten bekannt, dennoch nahmen sie in Kauf, diese zu zerstören, anstatt sie zu erhalten. Das ist wirklich sehr traurig, unwiderbringliche archäologische Funde wissentlich zu zerstören. Heute weiß die breite Öffentlichkeit mehr darüber, da neuerlichen archäologischen Ausgrabungsfunden wesentlich mehr Beachtung geschenkt wird, und letzendlich und auch glücklicherweise, wesentlich mehr sorgfältig damit umgegangen wird. Man sollte sich hier dennoch ein Beispiel am europäischen Ausland nehmen, wie man diese Historische Stätten für die zukünftigen Generationen bewahren und der Öffentlichkeit zugängig machen kann. In Rom, Italien, hat man die ausgegrabenen Stätten mit den neugeplanten Wohnhäusern überbaut, aber im Tiefgeschoss sind die archäologischen Ausgrabungen für Jedermann mit vorhergehender Terminvereinbarung zu besichtigen, In einer U-Bahnstation sind die Funde in Vitrinen integriert worden, d.h. die U-Bahnstation selbst ist ein einziges öffentlich zugängliches Museum, sehr interessant gestaltet mit einem Video und detaillierten Beschreibungen. Warum zerstören, wenn man einzigartige Dinge aus der Vergangenheit auch direkt vor Ort erhalten kann. Ich würde mir mehr solcher Erkenntnisse von der Stadt Frankfurt und deren Verantwortlichen im Rahmen einer archäologischen Aufarbeitung und Bewahrung unserer gemeinsamen Vergangenheit für die Zukunft wünschen. Bauspekulanten und zukünftige Bauherren sollten per Gesetz dazu gezwungen werden können, ihre beabsichtigten Bauvorhaben nur dann durchzusetzen, falls sie bei einem archäologischen Fund, der Erforschung und dem Erhalten zustimmen. Die Ausstellung im Historischen Museum ist schon sehenswert und interessant, und wurde wahrscheinlich mit sehr viel Mühe und dennoch liebevoll dargestellt, aber es stimmt mich einfach nur traurig, dass den heutigen Archäologen, Studenten, Historikern und anderen Wissenschaftlern nicht mehr Möglichkeiten zur Erhaltung der historische Zeugnisse gegeben werden. Daher möchte ich auch an den zur Zeit amtierenden Oberbürgermeister Mike Josef appellieren, sich für unsere gemeinsame Frankfurter Stadtgeschichte intensiv und vor allen Dingen mit einem großzügigen Herz zu deren Erhaltung, einzusetzen. Ich hoffe so sehr, meine Email findet Gehör. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

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