Carl Theodor von Dalberg – der erste freund & förderer des historischen museums

Für den Frankfurter Weihnachtsmarkt bildet die dem hmf unmittelbar benachbarte Alte Nikolaikirche derzeit eine romantische Kulisse. Dazu hatten der Rat der Stadt und vermutlich auch die damaligen Frankfurter Bürger vor gut 200 Jahren offensichtlich eine andere Meinung: Um 1800 galt die Gotik angesichts des sich langsam in der Architektur durchsetzenden Klassizismus als altmodisch. Der damalige Stadtbaumeister Johann Christian Hess hatte 1803 bereits den Abriss der – allerdings seit 1552 profanierten – Kirche vorgeschlagen. Erst als mit Carl Theodor von Dalberg 1806 in der Jahrhunderte langen reichsstädtischen Geschichte Frankfurts ein (Kirchen)fürst an die Spitze der Stadt gelangte, war der Erhalt der Alten Nikolaikirche gesichert. Dalberg stattete die alte Ratskirche sowie ebenfalls die seit 1792 als Speicher zweckentfremdete gotische Leonhardskirche wieder mit zahlreichen Kunstgegenständen und Gemälden aus, die durch die Aufhebung der Klöster aufgrund der Säkularisation aus kirchlichem in öffentlichen Besitz gelangten.

Der ehemalige Kurfürst von Mainz und nunmehrige Fürstprimas und spätere Großherzog von Frankfurt war zwar ein Mann der Kirche, vertrat aber die Gedanken der Aufklärung. Er verfügte die Emanzipation der Frankfurter Juden, gründete die Handelskammer sowie die – nur wenige Jahre bestehende – „Großherzoglich Frankfurtische Universität“ und unter seiner Regierung entstand das Frankfurter Museum, aus dem auch das später errichtete Historische Museum hervorging. Zahlreiche Kunstgegenstände, die heute zum Bestand des hmf gehören, gehen auf eine Schenkung Dalbergs aus dem Jahre 1809 zurück. Deswegen kann man ihn mit Fug und Recht als ersten freund & förderer des hmf bezeichnen. Im historischen museum ist dem Sammler natürlich ein Kabinett gewidmet. Im öffentlichen Raum erinnert nur eine kleine Straße in dem ehemals kurmainzischen Stadtteil Höchst an den Wohltäter der Stadt.  Zu einem Denkmal wie die im Gemälde von Joseph Chabord abgebildete Büste Dalbergs hat es seit Dalbergs Tod im Jahre 1817 nicht mehr gereicht …

historisches museum frankfurt: Joseph Chabord, Selbstbildnis mit der Büste des Fürstprimas Dalberg, 1810, hmf

 

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