Nicht nur Flachware

– Die freunde & förderer in der Werkstatt der Papierrestauratorin

Beim jüngsten „Schulterblick“gab Heike Schuler-Kienle den Mitgliedern einen Einblick in ihre Arbeit als Papierrestauratorin. Andrea von Bethmann, die Vorsitzende des Fördervereins, hatte diesmal in die Solmsstraße gebeten, in der neben der Verwaltung und einem  Großteil der Bestände auch die Werkstätten während der Um- und Neubauphase des Museums  untergekommen sind. Papier ist dabei nur ein, wenn auch der wichtigste Werkstoff, mit dem eine Restauratorin der Graphischen Sammlung zu tun  hat: Neben Kenntnissen über Pergament, Leder und Metall ist auch ein breites Wissen über die  Herstellung von Papier sowie über den Ablauf der chemischen Prozesse notwendig.

Überraschenderweise war das erste Arbeitsgerät, das Heike Schuler-Kienle – umgeben von großen Pressen, Schneidegeräten und Gefäßen mit den unterschiedlichsten Klebstoffen – vorführte, ein Zahnarztbesteck. Es dient zum Handhaben der diffizilen Klebetechniken, mit denen abgerissene Ecken einer Papierzeichnung ergänzt oder Risse einer Landkarte unsichtbar gemacht werden. Ebenso erhellend für den Laien dürfte es sein, dass der am häufigsten gebrauchte Klebstoff  der gute alte Weizenstärkekleister ist und keineswegs ein Produkt der modernen Chemie. Fast immer beginnt die Restaurierung mit der Reinigung: Und hier erfuhren die Teilnehmer/innen des „Schulterblicks“, dass neben einem Abrieb mit einem trockenen Latexschwamm Papier zuweilen auch mit fließendem Wasser gereinigt wird. Die Reinigung  dürfte im Übrigen der einzige Arbeitsgang der Papierrestauratoren sein, bei denen ein wichtiger Grundsatz dieses Berufes nicht angewandt wird: Die Reversibilität, d.h. die Möglichkeit, alle reparierenden  Arbeiten auch wieder rückgängig machen zu können.

Die arbeitsintensive Tätigkeit zwingt notwendigerweise dazu, die personellen Ressourcen der insgesamt acht Restauratoren angesichts der großen Sammlungsbestände und der Neuzugänge gezielt einzusetzen. Hier gilt: Ausstellungsstücke gehen vor. Wenn also der Termin einer Eröffnung einzuhalten ist, muss die Restaurierung einer wertvollen Urkunde des 17. Jahrhunderts liegen bleiben, damit ein Plakat von 1947 ausstellungsreif gemacht werden kann. Die Mitwirkung bei Ausstellungen dürfte denn auch zu den „Sahnehäubchen“ der Arbeit einer Restauratorin sein. Heike Schuler-Kienle präsentierte in diesem Zusammenhang eine von ihr maßangefertigte Stütze aus Pappkarton, mit der ein historisches Poesiealbum – unter Museumskuratoren oft etwas abschätzig „Flachware“ genannt – zu einem dreidimensionalen Ausstellungstück aufgewertet wird.

historisches museum frankfurt: die freunde & förderer in der Papierrestaurierung

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