Ausstellen Sammeln + Pflegen

Ägypten, Äthiopien, Israel, Italien…

von Anna-Lena Wendel

und und und! Wer träumt nicht davon, einmal um die halbe Welt zu Reisen? Also ich jedenfalls schon! Um fremde, exotische Länder zu besuchen sind heutzutage nicht mal mehr nur Tagträume nötig. Jeden Tag starten hunderte Flugzeuge von Frankfurt aus. Aber wie sah das im 19. Jahrhundert aus? Ich wollte der Sache auf den Grund gehen und habe daher einfach bei Eduard Rüppell – dem wohl berühmtesten Frankfurter Forschungsreisenden – höchstpersönlich vorbeigeschaut. Er nutzte das Museumsuferfest am letzten Wochenende dazu, den Besuchern voller Stolz seine Trophäen – etwa seine Münzsammlung oder den Schädel seines selbst erlegten Krokodils – zu präsentieren.

Mir als Studentin – oft knapp bei Kasse und dennoch unermüdlich am Träumen von Reisen in ferne Länder – brannte natürlich besonders eine Frage auf der Zunge: „Wie konnte er sich das bloß leisten?“ Er erzählte mir, dass seine Eltern schon früh gestorben seien und er die Reisen von den 250.000 Gulden, die sie ihm vererbt hatten, bezahlte. Aber er machte mich auch darauf aufmerksam, dass er stets sparsam und bescheiden lebte.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis plötzlich auch Johann Christian Gerning erschien. Gerning hatte nämlich zum Erschrecken Rüppells dieselbe Idee wie er und nutzte ebenfalls das Museumsuferfest, um den Besuchern seine Sammlung vorzustellen. Er war allerdings nicht leidenschaftlicher Sammler von Expeditionstrophäen, sondern von Schmetterlingen, Insekten, Vögeln und Frankfurter Grafiken, den sogenannten „Frankofurtensien“. Mit diesem Zusammentreffen hätten wohl beide niemals gerechnet, immerhin wurde Rüppell erst geboren, als Gerning schon 49 Jahre alt war. Naja, nun mussten sich beide eben damit abfinden, um die Aufmerksamkeit der Besucher konkurrierend buhlen zu müssen – und das natürlich ohne sich dabei die eigene Missgunst anmerken zu lassen. Sie wollen schließlich beide den Titel „Bedeutendster Forscher und Sammler der Vaterstadt“ tragen. Für sie war das natürlich ein ganz fürchterliches Drama, aber für die Besucher äußerst amüsant! Rüppell zog also mit Spannung und wild gestikulierend die Aufmerksamkeit des Publikums auf die großen Gefahren und Abenteuer seiner Reisen. Er hätte sogar in Gebieten gewohnt, in denen es von „Menschenfressern“ gewimmelt habe. Außerdem sei er kriegerischen Unruhen und Krankheiten ausgesetzt gewesen. Aber auch Gerning wusste das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Er veranschaulichte dem Publikum mit sichtlicher Begeisterung die mühevolle und zeitraubende Arbeit, die in seiner Schmetterlingssammlung steckt.

Wann hat man sonst schon die Gelegenheit zwei solche Frankfurter Berühmtheiten persönlich kennenzulernen und ihnen Fragen stellen zu können. Das Publikum war begeistert und ich war es auch!

Zwar sind die beiden Sammler nun nicht mehr persönlich anzutreffen, aber wer Interesse an ihren Sammlungsobjekten gewonnen hat, kann das Sammlermuseum im Historischen Museum besuchen!

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