Neudenken + Entwerfen

Digitale Museumspraxis #4 – dear audience…

Und wieder neigt sich der Monat dem Ende zu und ich schaffe es nur knapp mein monatliches Postingpensum aufrecht zu erhalten. Dabei habe ich schon seit Anfang Juni ein ganz fantastisches Thema im Hinterkopf auf das ich, zugegebenermaßen, nicht ganz alleine gekommen bin, sondern erst durch eine Anfrage. Und die ging so:

„…ich wende mich auf diesem Wege mit einer Interviewanfrage an Sie. Ich bin über die sehr innovative ‚digitale Museumspraxis‘ der historischen Museen Frankfurt auf Sie aufmerksam geworden und würde mich sehr freuen, wenn ich Sie für ein Interview gewinnen könnte. In einer Interviewreihe befrage ich aktuell verschiedene Stakeholder, die sich mit digitaler Kulturvermittlung befassen. Dabei interessiere ich mich vor allem dafür, inwieweit Nutzer und ihre Anforderungen in Design-Projekten berücksichtigt werden, welche Methoden warum und warum gerade nicht genutzt werden.“

Vor lauter Freude über die positiven Worte habe ich sofort zugesagt und erst als der Interviewtermin  näher rückte, wurde mir der hintere Teil der Anfrage mit allen Implikationen deutlich: user-centred-design, was können wir als Museum da bieten? Und eine weitere Frage schloss sich sofort an: gibt es im Museum User oder wie nennen wir die Leute überhaupt, für die wir das alles tun? Gutgut, ich muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen, hab ich mir die Suppe ja selbst eingebrockt als ich im ersten Blogpost von „usability“ und dem magischen Sich-Hinein-Versetzen in User schrieb. Und tatsächlich beobachte ich, dass auf Tagungen, in Workshops und Literatur immer häufiger Methoden aus der nutzerorientierten Gestaltung für die Museumsarbeit entdeckt werden:

Das Gute daran ist: endlich steht das Publikum im Mittelpunkt. „Denn Museumsmitarbeiter schätzen die Besucher und ihre Bedürfnisse fast schon notorisch falsch ein.“ (Zollberg, 1994). Das Schlechte daran ist: es ist schwierig, klar zusehen in den Begriffen, die zumeist aus dem wirtschaftlichen und gestalterischen Feld entlehnt wurden. Die Schwierigkeit besteht also darin aus dieser Methodenvielfalt sinnvolle Anwendungen zu generieren, die zum eigenen Museum passen.

In Fall des Historischen Museums können wir uns einerseits auf die partizipative Museumsarbeit stützen, die als offener Prozess und in enger Zusammenarbeit mit Ko-Kurator/innen durchgeführt wird. In Workshops mit Gruppen und Einzelpersonen testen wir gemeinsam Settings und Formate (ein Blogpost mit konkretem Beispiel folgt bald!). Als Moderatorinnen vor Ort bekommen wir so direktes Feedback zu unseren Konzepten und können das neu gewonnene Wissen sofort in den weiteren Entwicklungsprozess einspeisen. Andererseits beherbergen wir im Museum in der Mehrzahl auch Ausstellungsformate, die interessierte Besucher/innen adressieren. Hier gibt es durchaus noch Handlungsbedarf, was die Methoden der Evaluierung betrifft und wir hoffen mit der Eröffnung des Neubaus und technischem Support unsere Annahmen über das Besuchsverhalten in Zukunft besser überprüfen zu können.

Ungefähr so fiel auch mein Beitrag zum Interview am Ende aus und ich bin gespannt auf das Ergebnis: die Studierende möchte eine Guideline für den Einsatz von user-centred-design-Methoden im Kulturbereich entwickeln. Sie könnte sicher helfen, ein bisschen mehr Licht in die Sache zu bringen. Damit nun dieser Blogpost nicht die Lesegewohnheiten der User überfordert, breche ich an dieser Stelle ab und schiebe die zweite Frage nach dem grundsätzlichen Konzept vom Besucher/User/Publikum/Partizipienten/Zielgruppe in den nächsten Monat. Als Vorbereitung für uns alle kann ich bis dahin empfehlen:

Und natürlich die Gesprächsmöglichkeiten mit den User zu nutzen, die sich schon jetzt anbieten (z.B. die tollen Blogkommentare und Twittergespräche)!

 

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