oder: Wie sich Berufsschüler/innen selbst sehen und was sie sich vom Leben wünschen

Ein überzeugenderes Argument für die bevorstehende Umbenennung der Bibliothek der Alten in „Bibliothek der Generationen“ dürfte man nach der Präsentation von Frankfurter Berufsschüler/innen im Rahmen des Jugendprojekts „Frankfurt Live!“ kaum finden: 13 Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren der Beruflichen Schulen Berta Jourdan trugen in sehr anrührenden Vorträgen ihre Erwartungen an die Gegenwart und Zukunft vor. Ihre Beiträge, die sie in den Werkstätten des kinder museum typografisch selbst gestaltet hatten, sind jetzt neben Audio-Stücken Teil der Bibliothek der Alten, in der damit nicht nur die Erinnerungen der älteren Generation gespeichert werden.

Während man sonst bei öffentlichen Auftritten von Jugendlichen mit dem Besuch der Eltern und Verwandten rechnen kann, kam bei dieser Veranstaltung der Publikumsbeifall von ihren Lehrerinnen und Lehrern, von den Teilnehmern früherer Projekte und natürlich von ihren Mentorinnen, vor allem Marie-Luise Schultz vom kinder museum sowie der Schreibtrainerin Phyllis Kiehl. Die elterliche Abstinenz ist kein Zeichen von Desinteresse: Vanessa, Horatio, Abou, Rozina und Jafar sowie die anderen Mitschülerinnen und Mitschüler gelangten vor ein bis zwei Jahren in der Regel ohne ihre Eltern aus Afghanistan, Mali, Somalia, Eritrea oder Rumänien nach Deutschland.

„Ich heiße Abou, ich komme aus Mali“, begann der erste Vortrag, dem weitere Beiträge folgten, in denen die Jugendliche sehr offen und sehr persönlich ihre Erwartungen an die Zukunft äußerten. Ein gemeinsames Stilelement ihrer Äußerungen, die von der Schreibwerkstatt als Anknüpfungspunkt für die Schilderung ihrer eigenen Persönlichkeit vorgegeben wurde, war die Identifikation mit einem Tier: „Ich bin ein Leo“, „Ich bin ein Vogel“ waren die Worte, mit denen die Jugendlichen in der ihnen noch nicht ganz vertrauten Sprache sehr fantasievolle Assoziationen herstellten. Bemerkenswert und damit bewundernswert war die Art der Erwartungen der jungen Leute, die sie an ihre persönliche Zukunft äußerten: Es waren keine materiellen Wünsche, vielmehr die Hoffnung, Vertrauen unter Freunden zu finden, mit ihnen über alles sprechen und mit ihnen lachen zu können. Nach dem abschließenden Dank von Angela Jannelli, Kuratorin der Bibliothek der Alten, war ein herzlicher Beifall für alle Beteiligte der verdiente Lohn für ihr hohes Engagement.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.