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Kaiser statt König

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Die Eröffnung des Neubaus des Historischen Museums im Herbst dieses Jahres beschert natürlich auch den Restauratorinnen ein erhebliches Arbeitspensum. Die künftigen Exponate werden für die neue Dauerausstellung Frankfurt Einst? einer sorgfältigen Überprüfung unterzogen. Davon konnten sich die Freunde und Förderer des Museums bei einem Schulterblick bei der Gemälderestauratorin Anja Damaschke überzeugen. Dass es dabei zu Überraschungen kommen kann, erläuterte Anja Damaschke anhand eines kleinformatigen Gemäldes aus der museumseigenen Sammlung Daems, das im Bestandsverzeichnis als ein Porträt des schwedischen Königs Gustav Adolf verzeichnet war. Vor dem Beginn ihrer eigentlichen Arbeit verglich die Restauratorin das 400 Jahre alte Gemälde mit anderen Darstellungen des schwedischen Königs und zog dazu auch Kolleginnen aus dem Städel hinzu. Die Tatsache, dass die abgebildete Person den Orden des Goldenen Vlieses trug, der nur an katholische Adelige – und bestimmt nicht an einen protestantischen Fürsten – verliehen wurde, weckte erste Zweifel bei ihr. Dazu kam, dass auf allen anderen Porträts Gustav Adolfs der König nicht die auf dem Museumsporträt sehr auffällige große Halskrause trug. Ein zeitgenössischer, nach dem Gemälde angefertigter Kupferstich mit einem detaillierten Untertext brachte schließlich des Rätsels Lösung: Bei der dargestellten Person handelt es sich nicht um den schwedischen König Gustav Adolf, sondern um den römisch-deutschen Kaiser Ferdinand II., der 1619 in Frankfurt gewählt und gekrönt wurde. Gleichzeitig konnte mit Martin van Valkenborch der in Frankfurt gebürtige Maler des nicht signierten Gemäldes ermittelt werden.

Anhand einer auch für Laien deutlich erkennbaren nachträglichen Ergänzung des Holzbildträgers sowie der auf der Gemälderückseite sichtbaren Bearbeitungsspuren vermittelte Anja Damaschke eine Vorstellung, welche Vorprüfungen notwendig sind, ehe sie mit ihrer eigentlich Restaurierungsarbeit beginnen kann. Dabei richtet sie ihr Augenmerk auch auf die historischen Rahmen.

Zwei Beispiele zeigten, dass die Verwendung von zeitgenössischen Rahmen auch unter konservatorischen Gesichtspunkten nicht immer die beste Lösung ist: Im Fall des Porträts eines jungen Mannes in Leutnantsuniform hatte die Familie wohl aus Pietät gegenüber ihrem 1918 gefallenen Sohn ursprünglich einen etwas zu pompösen Rahmen gewählt, der nicht so recht zu den leichten Temperafarben passte. Dagegen wurde der ursprüngliche sehr bescheidene Rahmen eines Gemäldes der Stadtverordneten Meta Quark-Hammerschlag aus der Hand der Malerin Ottilie von Röderstein der hohen Qualität des Bildes nicht gerecht. Es wurde nach reiflicher Abwägung mit dem zuständigen Kurator Wolfgang Cilleßen durch einen neu angefertigten Rahmen sichtlich aufgewertet.

Noch einmal zurück zu der Entdeckung „Ferdinand anstatt Gustav Adolf“: Als Anja Damaschke etwas besorgt das Ergebnis ihrer Untersuchungen dem Kurator Frank Berger mitteilte, erhielt sie die beruhigende Antwort, auch das Ferdinand-Porträt passe in das Umfeld der neuen Ausstellung über die Geldstadt Frankfurt. Ob Kaiser, König – oder Finanzminister – schließlich haben sie alle eine enge Beziehung zum Geld.historisches museum frankfurt: Schulterblick bei der Gemälderestauratorin

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