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Kunsttransporte um 1500 und heute

„Mein willig dienst zuvor, lieber herr Jacob Heller! Auf euer negst zuschreiben schickh ich euch die taffel wol eingemacht vnd nach nottorft versehen.“

Am 26. August 1509 schrieb der Nürnberger Maler Albrecht Dürer diese Zeilen an den Frankfurter Tuchgroßhändler Jacob Heller. Der bedeutendste deutsche Renaissancekünstler hatte in gut zweijähriger Arbeit „mit grosem fleiß gemahlt“ und das von dem Frankfurter Ratsmitglied und Stifter für das Dominikaner Kloster vorgesehene Altarretabel „auch mit den besten farben gemacht.“

Ein großes Kunstwerk, auf dessen Mitteltafel die Himmelfahrt und Krönung Mariae zu sehen ist, war soeben vollendet worden. Zudem auch die zwei dazu gehörenden Drehflügel mit den Darstellungen der Martyrien des Hl. Jacobus und der Hl. Katharina sowie den Stifterportraits auf den Innenseiten und der grau in grau gemalten Anbetung sowie vier Heiligendarstellungen auf den Außenseiten. Der Auftrag, nämlich die Herstellung einer angemessenen Ausschmückung für die letzte Ruhestätte von Jacob Heller und seiner Frau Katharina von Melem, war erfüllt und die Holztafeln sollte nun an ihren Bestimmungsort transportiert werden.

Aus weiteren Briefen des Künstlers wissen wir, dass er sich durchaus der Qualität seiner Arbeit und der hohen Wertschätzung seines Kunstwerkes durch seine Zeitgenossen bewusst war. Zudem sorgte er sich auch um den künftigen materiellen Erhalt hinsichtlich der Aufbewahrung und Reinigung der empfindlichen Malereien. Sicherlich Grund genug den bevorstehenden Transport aus seinem Nürnberger Atelier in die Frankfurter Klosterkirche sorgfältig zu planen. Obwohl Dürer in seinem Schreiben nicht weiter ausführt, was er unter den Worten „wol eingemacht vnd nach nottorft versehen“ versteht, so lässt der Blick auf einen Mitte des 18. Jahrhunderts durchgeführten, spektakulären und gut dokumentierten Kunsttransport vorstellbar werden, was der Künstler zum Schutz seiner Gemälde veranlasst haben mag: Die 1512 von Raffael Santi geschaffene „Sixtinische Madonna“ wurde in den Wintermonaten 1754 aus einem lombardischen Kloster heraus über die Alpen nach Dresden an den Hof August III. transportiert. Für die fünfwöchige und ca. 1000 km lange Reise über den Brennerpass und bei Eis und Schnee wurde das Gemälde in Wachstuch eingeschlagen und in einer mit Stroh gefüllten Kiste auf einem schweren Wagen transportiert, um so Feuchtigkeit und Erschütterungen davon abzuhalten. Dem Reisebericht ist jedoch zu entnehmen, dass „mancher Zwangshalt eingelegt werden musste, da Regen in die Kiste eingedrungen war und das Stroh ausgewechselt werden musste.“

Der Transport des Heller-Altares war wohl nicht ganz so beschwerlich, denn er wurde im Spätsommer bei vergleichsweise besserer Witterung durchgeführt. Auch war die Distanz von Nürnberg nach Frankfurt geringer und weniger beschwerlich, wobei sicherlich die üblichen Verkehrs- und Handelswege zur Frankfurter Messe über Land und/oder Wasser genutzt wurden. Die Altartafeln kamen wohl unversehrt in Frankfurt an und wurden hier nach der Anfertigung des noch fehlenden Rahmenwerkes schließlich um Ostern 1510 in der Dominikanerkirche aufgestellt. Im Zuge der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts gelangte der Altar 1877 in die Sammlung des historischen museums.

Während seines mittlerweile fünfhundertvierjährigen Aufenthaltes in Frankfurt wurde der von Dürer geschaffene Altar in seiner materiellen Zusammenstellung verändert und er wurde ebenfalls mehrfach transportiert. Mehr dazu kann man sicher auch in der ab dem 23. Oktober im Städel gezeigten Dürer-Ausstellung erfahren, wohin die Gemälde ausgeliehen werden. Dort wird der Heller-Altar ein Höhepunkt sein, denn er wird in seinem ursprünglichen Aussehen um 1509 rekonstruiert!

Anlässlich dieser Ausleihe wurden die Altartafeln vor kurzem erneut transportiert: Die derzeit umbaubedingt im Depot eingelagerten Gemälde wurden in die Restaurierungswerkstätten gebracht, um dort sämtliche im Rahmen einer Ausleihe notwendigen Arbeiten, wie beispielsweise die Zustandskontrolle und das Anfertigen von Ausleihprotokollen durchzuführen. Obwohl dieser Transport „nur“ innerhalb der Frankfurter Stadtgrenzen stattfand, wurde auch hier mit großer Sorgfalt und Vorsicht geplant, denn die Empfindlichkeit der Holztafeln gegenüber Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen und gegenüber mechanischen Einwirkungen ist während seiner Alterung sowie durch verschiedene, das Materialgefüge verändernde Eingriffe stark gestiegen. Anders als zu Dürers Zeiten stehen dafür heute auf Maß gefertigte, mit modernen Materialien gegen Temperatur- und Luftfeuchteschwankung und Erschütterungen gut isolierte Spezialkisten sowie luftgefederte, klimatisierte Transportfahrzeuge und geschultes Personal zur Verfügung. Die kostbaren Gemälde können so nach Abschluss der Arbeiten – dann wieder sicher verpackt – zur Ausstellung ins Städel transportiert werden.

2 Kommentare zu “Kunsttransporte um 1500 und heute

  1. Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    ein spannender Beitrag! Wir sind ebenfalls mitten in den Vorbereitungen für die große Dürer-Ausstellung und berichten über die vielen Vorbereitungen auf unserem Städel Blog:
    http://blog.staedelmuseum.de/alte-meister/durer-kommt

    Viele Grüße aus dem Städel
    Silke Janßen

  2. Sehr interessanter und informatives blog. Ich schau immer mal wieder gerne rein und nehme mir vor, bald mal wieder Frankfurt einen Besuch abzustatten.

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