Sammeln + Pflegen

Mein persönliches Alltagsverlustobjekt oder #dailyvanish

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Dinge, die aus unserem Alltag verschwinden, im Museum bzw. im Depot ihren Platz gefunden haben. In dieser Hinsicht können wir für die Blogparade der aus dem Alltag entschwundenen Dinge von Sebastian Hartmann aus dem Vollen schöpfen!
Doch was aus dieser Vielfalt der dem Alltag entschwundenen Dinge nehmen?
Ich hatte zwei Favoriten: den Plattenspieler und die Schreibmaschine. Da der Plattenspieler doch noch in vielen Haushalten (auch in meinem) steht, habe ich mich nun für die Schreibmaschine entschieden – obwohl auch davon noch ein Exemplar im heimischen Wohnzimmer steht. Allerdings wird sie im Gegensatz zum Plattenspieler nicht mehr benutzt und ist damit aus den Alltagspraktiken verschwunden.

Für das verschwundene Objekt habe ich eine besonders schöne machine aus unserem Museumsbestand ausgewählt. Die Adler 7 ist eine sogenannte Stoßstangenschreibmaschine. Elegant steht sie da: sie ist natürlich aus Metall, mit einem schwarz lackiertem Gehäuse. Der Herstellername ist mit goldener Farbe aufgebracht: Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer Aktiengesellschaft Frankfurt a. Main. Die erste deutsche Stoßstangenschreibmaschine wurde von einem Fahrradhersteller herausgebracht. Kleyer gründete 1885/86 die Firma, die später Adlerwerke hieß, die zunächst Maschinen, Fahrräder, dann Schreibmaschinen und Automobile produzierten. Die Adler 7 wurde ab 1901 gebaut. Unsere Maschine stammt aus den 1920er Jahren – u.a. sichtbar an der Seriennummer. Einer der Werbesprüche dazu lautete: „Sichtbare Schrift vom ersten bis zum letzten Buchstaben“.

Und dazu ist ja das Museum da: authentische Objekte erinnern an die eigene Geschichte. Man sieht ein Ding und schon spulen sich die Geschichten im Kopf dazu ab, die man eigentlich schon längst vergessen hatte…

Meine persönliche Erinnerung an Schreibmaschine reicht weit zurück: In der Schule war die mechanische gelb-grüne Kunststoff-Schreibmaschine meiner Mutter äußerst wichtig, wurden darauf doch die Artikel für die Schülerzeitschrift verfasst. Meine Textbeiträge waren auch noch in der fertigen Zeitung gut zu erkennen, da das Schreibbild doch insgesamt eher farblos war und die Seiten eins zu eins übernommen wurden. Auch ein neues Farbband änderte nichts daran: der Maschine fehlte es einfach an Kraft! Nicht besser war es um die Schreibmaschine eines Freundes bestellt, auf der ich an der Uni meine erste Seminararbeit verfasste: hier waren die Tüpfelchen der Umlaute etwas schwach, so dass hier immer manuell nachgebessert werden musste. Das Ergebnis war auch nicht wirklich zufriedenstellend. Später ging es etwas besser, als die elektrische Schreibmaschine von Triumpf-Adler ins Haus kam, denn mit ihr konnte man in einer Zeile unproblematisch mit einem automatischem Korrekturband die Fehler ausbessern. Hier schließt sich ein Kreis: als Max Grundig die Nürnberger Triumph-Werke kaufte, erwarb er auch die Aktienmehrheit bei den Adlerwerken. Das Geschäft wurde zunehmend auf Büromaschinen verlagert und in Frankfurt wird schon lange nichts mehr produziert. Aber das ist eine andere Geschichte.

Auch wenn die Schreibmaschinen äußerst nützlich waren, wenig Platz brauchten und immer zum Einsatz bereit, bin ich doch froh, dass sich der PC für alle durchsetzen konnte.  An die Anfänge mit dem Neun-Nadeldrucker erinnere ich mich aber indessen noch gut: jede Seite wollte eine eigene Bestätigung für den Druck haben. Das erinnerte schon sehr an eine Schreibmaschine!

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