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„Meine Herren und Damen“

schwarz-weiss-Foto: eine Dame sitzt am Schreibtisch, sie hat einen Stift in der Hand, vor ihr liegt Papier„Meine Herren und Damen!”- so begrüßte die SPD-Abgeordnete  Marie Juchacz an jenem denkwürdigen 19. Januar 1919 ihre Mitstreiterinnen und Kollegen in der Weimarer Nationalversammlung: „Es ist das erste Mal, dass eine Frau als Freie und Gleiche im Parlament zum Volk sprechen darf, und ich möchte hier feststellen, ganz objektiv, dass es die Revolution gewesen ist, die auch in Deutschland die alten Vorurteile überwunden hat.” Juchacz wurde als eine von 37 weiblichen Abgeordneten in die Nationalversammlung gewählt. 82% aller weiblichen Wahlberechtigten hatten hier von ihrem erstmaligen Wahlrecht Gebrauch gemacht.

Die Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin Marie Juchacz (1879-1956) lebte mit ihrer Schwester Elisabeth Kirschmann-Röhl, ihrer engsten Vertrauten und Kampfgefährtin seit 1917 in Berlin. Beide waren alleinerziehende Mütter mit Kindern. Am 13. Dezember 1919 – kurz vor Weihnachten war Juchacz ein zweiter bedeutender Schritt gelungen: die Gründung der Arbeiterwohlfahrt zur Unterstützung der notleidenden armen Bevölkerungsschichten. Gegen massive männliche Bedenken innerhalb der eigenen Partei setzte Juchacz die Einrichtung einer eigenen Wohlfahrtsorganisation innerhalb der SPD durch. Sie wurde zur Gründerin der AWO, die in den folgenden Jahren deutschlandweit aktiv wurde. „Die Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft“ – unter diesem Motto wollte man den verzweifelten Menschen in der schwierigen Nachkriegssituation Unterstützung und Hilfe anbieten.

Auch in Frankfurt nahmen die AWO- Vertreterinnen  ihre Positionen  in den Gremien der Stadtverwaltung ein. Bedeutende Sozialpolitikerinnen wie Meta Quarck-Hammerschlag, Johanna Kirchner, Henriette Fürth, Sophie Ennenbach, Lina Ege und andere gestalteten in Deputationen und Ausschüssen das soziale Leben im Frankfurt der Weimarer Republik mit.

Auf der Seite der Frankfurter Frauenzimmer erfahren Sie mehr über die Protagonistinnen…..

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