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Modelle und Debatten zur Frankfurter Altstadt

Die Auseinandersetzung um Bebauung, Funktion und Gestalt der Frankfurter Altstadt ist ein Drama. Gemeint sind damit nicht (nur) die jüngsten Kontroversen zum aktuellen Dom-Römer-Projekt. Nein, die Altstadt bot weit über hundert Jahre Anlass für endlose Debatten zwischen Bürger, Lokalpolitiker, Architekten und Städteplaner. Herausgekommen ist ein bühnenreifes Drama in mehreren Akten.

Die ganze Entwicklung der Altstadt und der sich darum rankenden Debatten kann ab 2017 in der neuen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ nachvollzogen werden; in Bildern und Dokumenten sowie durch Zitate der Akteure und einer medialen Inszenierung. Eine zentrale Rolle dabei spielen natürlich auch diverse Modelle aus der Sammlung des hmf. Sie illustrieren markante Zeitpunkte in der städtebaulichen Entwicklung der Altstadt. Allerding wäre es fatal, die Darstellung in den Modellen als Dokumentation zu sehen. Modelle sind häufig ideologisch aufgeladen und stellen selbst eine Aussage dar oder spiegeln eine Intention wieder. So kann beispielsweise das übertrieben dargestellte Zerstörungsmodell als „Argumentationshilfe“ für eine Modernisierung der Altstadt gewertet werde. Auch das berühmte Treunermodell ist eher romantisiertes Sinnbild der mittelalterlichen Altstadt als eine exakte Wiedergabe der Wirklichkeit.

Im Rahmen der neuen Dauerausstellung wird, neben den derzeit im 1. OG des Museums gezeigten Modellen, ein weiteres ausgestellt, auf das der Aspekt der Instrumentalisierung besonders zutrifft. Es zeigt am Beispiel des ehemaligen Handwerkerhöfchens eine Entkernungsmaßnahme aus dem Jahr 1936; mittels einer Kurbel wird der Abbruch einiger Häuser in der eng stehenden Altstadtstruktur angedeutet, der Platz für eine großzügigere und damit verbesserte Wohnsituation machen soll.

Entkernungen und Sanierungen zur Steigerung der Lebensqualität in der Altstadt waren bereits Teil der umfangreichen Planungen Ernst Mays in den 1920er Jahren. Unter den Nationalsozialisten erhielten solche Maßnahmen allerdings eine andere Konnotation. In den Begrifflichkeiten der Zeit ging es um eine „Gesundung der Altstadt und des Volkes“, was auch die „Beseitigung asozialer Elemente“ (gemeint sind in der Altstadt lebende Menschen!) oder die Errichtung von Brandschneisen für den Kriegsfall mit einschloss. Das Entkernungs-Modell von 1936 aus dem damaligen Amt für kommunale Gesamtentwicklung und Stadtplanung hatte auch den Zweck, dafür zu werben.

Mit Blick auf die Ausstellungsplanungen bildet dieses, intern gerne auch „Kurbelmodell“ genannte, Objekt eine Besonderheit; nicht nur die Altstadthäuser sondern auch der Sockel ist historisch. Um das Modell samt Unterbau zu bewahren, wird das Exponat nun als Ganzes unter eine Glashaube gestellt. Dazu wurde es im Depot ausgepackt und exakt vermessen. Damit sollte es die Zeit in den künftigen Ausstellungsräumen des Historischen Museums gut überstehen – selbst wenn zwischen den Besuchern von „Frankfurt Einst?“ erneute, hitzige Debatten zur Frankfurter Altstadt entbrennen sollten.

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