Sammeln + Pflegen

Endlich wieder sichtbar! Gitterwände statt Kisten

Vierzehn Jahre – eine unfassbar lange Zeit  – war der Großteil der Gemälde des Historischen Museums in Kisten untergebracht. Im Juli 2007 war begonnen worden, die Sammlung zu verpacken, um die Sanierungsarbeiten der Altbauten am Main, wo die Gemälde damals gelagert waren, zu ermöglichen. Größe, Erhaltungszustand und Bedeutung für die geplanten Ausstellungen gaben die Art der Verpackung vor. Kleinformatige Gemälde wurden zu mehreren in stabile Kunststoffstapelbehälter gepackt, die in verschiedenen Größen angeboten werden. Für größere Gemälde (Mittelformat) wurden passgenaue Holzkisten speziell angefertigt, die als Mehrfachkisten ebenfalls mehrere Gemälde aufnehmen können. Alle groß- und übergroßformatigen Gemälde erhielten Einzelverpackungen, die zum Teil in Holz oder in fester Kartonage ebenfalls in Einzelanfertigung entstanden.

Mit Schaumstoffmanschetten versehen, um die häufig sehr wertvollen Rahmen zu schützen, verschwanden sie in ihren Kisten. Weder Wolfgang Cilleßen, der Kurator der Sammlung, noch Anja Damaschke, die Gemälderestauratorin des Hauses, ahnten damals, was das für die kommende Arbeit mit und an der Sammlung bedeuten und vor allem – wie lange dieser Zustand andauern würde. Kam ein Gemälde für eine Ausstellung in Frage, wurde es für eine externe Ausstellung angefragt oder war eine aktuelle Fotoaufnahme notwendig; stets musste mühsam aufgeschraubt und Verpackungen entfernt werden. Bei größeren Formaten war das nur zu zweit möglich. Viele Stunden haben Wolfgang Cilleßen und Anja Damaschke mit diesen Arbeiten zugebracht; besonders intensiv war das in der Zeit der Vorbereitung für die Meisterstücke-Ausstellung. Nach Abschluss des Prozesses hieß es dann: alles wieder retour. Verpacken, verschrauben, an den Lagerort verbringen.

Seit Oktober gehört dies zumindest für ein Drittel der Sammlung der Vergangenheit an. Die Gemälde konnten in Gruppen, nach Genres sortiert auf Gitterwände gehängt werden. Durch den Umzug und die finanziellen Möglichkeiten, die das Kulturamt der Stadt Frankfurt schuf, sind die Gemälde nun endlich aus ihren Kisten befreit und wieder sichtbar. Da nur ein Teil der Gemälde einen Platz an den Gitterwänden findet, musste im Vorfeld gut geplant werden. Was passt wo hin, welches Gemälde hat Vorrang? Noch 1 ½ Monate nach dem Umzug wird das eine oder andere Objekt umgehängt, eine Entscheidung revidiert und so verschwindet ein Gemälde dann doch wieder in einer Kiste.

Und es wird auch weiter verpackt, um den Depotplatz bestmöglich auszunutzen. Leere Plätze in Kisten werden aufgefüllt und andere Kisten geleert. Denn auch das ist ein Gewinn des Depotumzugs: nun existiert endlich ein Lagerraum für Leerkisten. Das eigentliche Gemäldedepot kann nun besser genutzt werden.

Was für viele Privatumzüge gilt, gilt auch für einen Depotumzug: Neue Räume, neue Strukturen können das Leben und den Alltag erheblich erleichtern.

 

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