Stephanie H. E. Reimann

Als das Historische Museum Frankfurt im März 2020 seinen Corona-Sammlungsaufruf erstmals veröffentlichte, war das Ausmaß der Pandemie nicht abzusehen. Nun, über ein halbes Jahr später, nähern sich die Weihnachtsfeiertage und das Virus hält uns immer noch in Atem. Corona ist zum festen Bestandteil unserer alltäglichen Lebenswelt geworden und prägt das Stadtbild Frankfurts sowie auch dessen Bewohner*innen nachhaltig. Wie vielseitig die Eindrücke von der Pandemie und der Umgang damit ausfallen, zeigt der aktuelle Bestand der Corona-Sammlung, welche ich im Rahmen meines Praktikums im Historischen Museum betreue. Mit einem traumhaften Fensterblick auf den Main geht es hierbei für mich primär darum, zusammen mit den Kuratorinnen Dorothee Linnemann und Dr. Nina Gorgus die (digitalen) Objekte und deren Geschichten aufzunehmen, zu kategorisieren und gemeinsam zu überlegen, wie es damit weitergehen soll.

Blick aus einem Fenster: vorne ist der Main, dahinter Sachsenhausen

Die Einsendungen sind zahlreich und verhandeln ganz unterschiedliche Themenbereiche. Neben dem Schicksal von Einzelhandel und Gastronomie oder den verschiedenartigen Schutzmaßnahmen werden so beispielsweise neu entdeckte Formen der Freizeitgestaltung, die Erfahrungen in Bezug auf Homeoffice/Homeschooling oder die kreative Verarbeitung des Themas aufgegriffen. Vom selbsterrichteten Maskenverkaufsstand über das gehäkelte Virus bis hin zur spontanen Umfunktionierung des häuslichen Balkons zum Sandkasten – dem Erfindungsreichtum scheinen keine Grenzen gesetzt. Einen sich abzeichnenden Sammlungsschwerpunkt bildet u.a. der Aspekt der Gemeinschaft und des Zusammenhalts. Liederblätter und Tonaufnahmen zeugen vom abendlichen Nachbarschaftssingen, ein Kochlöffel von der familiär betriebenen „home canteen“ und bunte Kreidebotschaften auf Frankfurts Straßen dienen als Mittel der Kommunikation. Neben gebastelten Plakaten sollen Briefe an Frankfurter Seniorenheime für Freude und Beschäftigung sorgen.

Ich persönlich freue mich trotz der widrigen Umstände über jeden neuangelegten Beitrag und natürlich sind Einsendungen an das Museum weiterhin herzlich willkommen! Die Corona-Sammlung ist ein Spiegel einer außergewöhnlichen Zeit der Frankfurter Geschichte und ein Beispiel dafür, wie erfolgreich partizipatives Sammeln sein kann.

 

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