Von Angela Jannelli, 21. Mai 2013
Hans Schwert ist heute im Alter von 105 Jahren verstorben. Unser Beileid gilt seiner Tochter Doris Fisch, die gemeinsam mit ihrem Vater einen Beitrag für die Bibliothek der Alten gestalten wollte.

Vor einigen Wochen habe ich Herrn Schwert persönlich kennengelernt. Seine Offenheit, Neugierde und Freundlichkeit haben mich sehr beeindruckt, zumal er durch seine Biografie allen Grund gehabt hätte, zum Menschenfeind zu werden: 1927 war der Maurer und überzeugte Gewerkschafter nach Frankfurt gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Nach dem Sturm der Gewerkschaftshäuser am 2. Mai 1933 durch Nazi-Truppen führte er zusammen mit Kollegen und Genossen die politische Arbeit im Untergrund weiter. 1936 wurde er durch Verrat verhaftet. Wie viele seiner Genossen auch, wurde Hans Schwert im “Klapperfeld” inhaftiert, wo er von der Gestapo über ein Jahr lang immer wieder gefoltert und misshandelt wurde. Trotz aller Schikanen schwieg er. Hans Schwert wurde der “Vorbereitung zum Hochverrat” für schuldig befunden und zu 10 Jahren Haft verurteilt, die er in 14 verschiedenen Gefängnissen und Lagern verbüßte. 1945 wurde er schließlich in Ulm von den amerikanischen Alliierten befreit.
Nach der Befreiung kehrte er zu Fuß und auf abenteuerlichen Wegen nach Frankfurt zurück. Hier gründete er eine Familie und war als städtischer Angestellter und Personalrat tätig. Als Anerkennung für sein politisches Engagement erhielt er 1991 die Johanna-Kirchner-Medaille der Stadt Frankfurt.
Eine ausführliche Biografie sowie ein Videointerview mit Hans Schwert findet sich auf der Seite Klapperfeld. de
Den für die Bibliothek der Alten geplanten Beitrag wird Doris Fisch im Gedenken an ihren Vater gestalten.
Von Angela Jannelli, 6. Februar 2013

Wer möchte, kann jetzt jeden Dienstag zwischen 14 und 18 Uhr direkte Einsicht in die Autorenbeiträge der Bibliothek der Alten nehmen. Seit Januar ist immer jemand vom Team der Bibliothek der Alten vor Ort, um interessierten Besucherinnen und Besuchern Kassetten und Bücher zu zeigen. Bisher war dies – zumindest wenn man Kassetten anschauen wollte – nur nach Voranmeldung möglich, da viele der in die Kassetten gelegten Objekte von großem ideellen Wert sind.
Die bisherigen Reaktionen waren sehr positiv: Viele Besucher – die sonst eher weitergegangen wären – blieben stehen, kamen mit den Mitarbeiterinnen ins Gespräch, schauten sich Beiträge an, entdeckten darunter prominente Frankfurter/innen oder eigene Freunde und Bekannte. Der Blick ins Buch oder in die Kassette brachte dann oft überraschende und aufschlussreiche Informationen zu Tage.
An dieser Stelle möchte ich allen zumeist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus dem Team herzlich dafür danken, dass sie sich Zeit nehmen, den Besucher/innen einen Einblick in die Bibliothek zu ermöglichen! Wir freuen uns darauf, auch vielen weiteren interessierten Besucherinnen Entdeckungen in der Bibliothek der Alten zu bescheren!
Von Angela Jannelli, 7. Dezember 2012
Am Sonntag, den 9. Dezember um 11 Uhr präsentiert Giuseppe Bruno sein neues Buch “Wenn die Fremde zur Heimat wird” bei uns im historischen museum.
“Wenn die Fremde zur Heimat wird” ist das zweite Buch von Giuseppe Bruno, der 1961 als „Gastarbeiter“ aus Sizilien nach Frankfurt am Main kam. In kleinen Geschichten und Anekdoten erzählt er von seinem Gastarbeiterschicksal zwischen den Kulturen, mal nachdenklich, mal ergreifend, mal hinreißend komisch. Wie in seinem ersten Buch Der Zug in die Fremde (2005) hat Bruno auch hier wieder mehr als ein Stück privater Erinnerungsliteratur geschaffen. Das Buch ist ein Stück Zeitgeschichte, erzählt mit unverwüstlichem Humor und bemerkenswerter Offenheit.
Giuseppe Bruno lebt in Frankfurt am Main und ist bekannt für seine Initiativen zur Freundschaft zwischen Migranten und Deutschen, für die Dokumentation der Migrationsgeschichte im historischen museum frankfurt sowie für seine Initiative zur Errichtung eines Gastarbeiterdenkmals am Hauptbahnhof.
Nach der Lesung kann man bei einem Glas Prosecco noch mit Giuseppe Bruno ins Gespräch kommen. Wir freuen uns sehr darüber, dass Giuseppe Bruno sein neues Buch bei uns im Leopold Sonnemann-Saal vorstellt, denn seit kurzem gehört er auch zu den Autoren der Bibliothek der Alten, einem generationenübergreifenden Erinnerungsprojekt der Künstlerin Sigrid Sigurdsson, das seit dem Jahr 2000 bei uns im historischen museum beheimatet ist.

Von Angela Jannelli, 19. Oktober 2012
Wir freuen uns sehr, Gisela Feuerbach als neue Autorin in der Bibliothek der Alten begrüßen zu dürfen! Frau Feuerbach und ihre Familie sind seit Jahrhunderten in und mit Frankfurt, speziell mit Sachsenhausen verbunden. Ihre Vorfahren verdienten ihr Geld als (Wein-) Gärtner und Apfelweinwirte, sie führten die Wirtschaft “Zum Schwarzen Bock”.
Frau Feuerbach wurde 1929 geboren und hat viele dunkle wie strahlende Kapitel der Stadtgeschichte erlebt. Das Leben der gelernten Hauswirtschaftsleiterin ist durch und durch vom sozialen Gedanken geprägt, es war immer selbstverständlich für sie, sich für andere zu engagieren und dort tatkräftig anzupacken, wo Not am Mann war.
Auch Frau Feuerbachs Wohnsituation ist bemerkenswert: In dem Sachsenhäuser Wohnhaus, das seit 1918 im Besitz der Familie ist, lebten immer schon mehrere Generationen unter einem Dach. Das Ehepaar Feuerbach teilt sich heute das Haus mit ihren drei Töchtern, und auch etliche Enkel leben in dieser “Mehrgenerationen-WG”. Aufgrund einer Krankheit ist Frau Feuerbachs Sehvermögen stark eingeschränkt. Ihre Tochter Eva Brendel wird daher gemeinsam mit ihr den Beitrag für die Bibliothek der Alten gestalten. Wir freuen uns schon auf den sicher sehr facettenreichen Beitrag, der ab 2015 in der Bibliothek der Alten gezeigt werden wird.

Von Angela Jannelli, 15. Oktober 2012
Anfang September fand sich unter im Rahmen der “Bibliothek der Alten” eine Gruppe von 16 Personen unterschiedlichen Alters und Herkunft zusammen, die gemeinsam bis zum Jahresende den Workshop “Mapping Frankfurt” bestreiten werden. Ziel dieses von der Psychologin und Sozialarbeiterin Behjat Mehdizadeh konzipierten und geleiteten Biografie- und Erinnerungs-Workshops ist eine “Begegnung mit Frankfurt”, in der die verschiedenen Lebenswege, Erinnerungen und Erfahrungen der Teilnehmer/innen aufscheinen sollen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wie bin ich so geworden, wie ich jetzt bin? Für Behjat Mehdizadeh sind dies zentrale Fragen, die sich jeder immer wieder stellt. Der Workshop richtet sich in erster Linie an Menschen mit Migrationserfahrung, für die sich diese Fragen besonders häufig stellen. Der Workshop soll Raum und Gelegenheit bieten, diese Fragen nachzugehen und zwar in Begegnung mit der Stadt Frankfurt.
Ende des Jahres werden die Ergebnisse in einer Ausstellung und Lesung in der Bibliothek der Alten vorgestellt. Der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Von Sonja Thiel, 29. August 2012
„Der Lotse geht von Bord“ titelt das Presse- und Inofrmationsamt der Stadt Frankfurt (pia) und meint damit Wolf von Wolzogen, der das historische museum frankfurt verlässt und in den Ruhe- und Unruhestand nach Potsdam geht. Wenig schmeichelhaft ist der Vergleich mit Otto von Bismarck, vielleicht eher schon der mit Helmut Schmidt – sehr gelungen dagegen war die große Abschiedsveranstaltung für Wolf von Wolzogen am 28.8. im historischen museum.
„Last orders…“ konnten entgegengenommen werden bei dem höchst amüsanten Gespräch zwischen der Journalistin Ulrike Holler, Wolf von Wolzogen und seinen Weggefährt/innen Sigrid Sigurdsson, Feli Gürsching, seiner Ehefrau Hanna Delf von Wolzogen und weiteren, die Anteil genommen haben an seinem großen Projekt: der Bibliothek der Alten.
Selbst Autor im „offenen Archiv“, drehte sich das Gespräch um die Kassette, die Wolf von Wolzogen in der BdA hinterlässt. Bis zu seiner Studienzeit ist er bisher gekommen, die Kassette enthält seine Reflexionen über die höchst spannende Familie, seine Studienzeit, die politische Sozialisation im Frankfurt der 1960er und 1970er Jahre und seine zahlreichen Ausstellung im historischen museum, an denen er mitarbeitete. Abwechslungsreich und humorvoll erfuhren die Zuhörer/innen von seinen Badevorlieben, Sprechgewohnheiten und seinen Plänen für die Zukunft: Er wird gebraucht im Förderverein des Theodor Fontane Archivs in Potsdam.
Doch es wäre nicht Wolf von Wolzogen, wenn der Abend nicht auch noch viele andere Bedeutungen gehabt hätte: Denn nicht nur Johann Wolfgang von Goethe feiert seinen Geburtstag am 28.8.
Gleichzeitig wurde die Leitung der Bibliothek der Alten übergeben an seine Nachfolgerin Angela Jannelli. Und natürlich wurde gefeiert: ein langes, vielseitiges erfolgreiches Berufsleben im historischen museum frankfurt und die vielen persönlichen Kontakte, die sich im Rahmen der langen Frankfurter Zeit ergeben haben, denn wie Feli Gürsching meinte: „Man muss kein Buch aufschlagen, einfach Wolf fragen“.
Von Nina Gorgus, 29. Mai 2012
Was für ein Wochenende! Über 8.000 BesucherInnen wollten die Reichsinsignien in der unteren Saalhofkapelle sehen oder die Uhr im Rententurm ticken hören. Im Rententurm war es natürlich eher etwas warm – dafür in der Stauferzeit umso kühler. Und wenn die BesucherInnen mit einem großen Umschlag durch das Haus liefen, war klar: da hatte jemand im Bernusgewölbe beim kinder museums-Team Papier geschöpft!
Auch die Bibliothek der Alten war gut besucht, ebenso wie die Modelle: das Treuner-Modell funktionierte wie immer als Besucher-Magnet. Und dass wir richtig liegen, wenn wir die Altstadtdebatte zu einem Thema in Frankfurt Einst? machen, hat sich einmal mehr bestätigt: am neuen Umgebungsmodell, das eigentlich vorrangig unseren geplanten Museums-Neubau zeigt, aber auch die geplanten Rekonstruktionen auf dem Dom-Römer-Areal, wurden hitzige emotionale Diskussionen geführt, wie nun die Altstadt auszusehen hat…. Zum Glück konnte man sich im Café der freunde & förderer etwas abkühlen!
Auch beim mental mapping für Frankfurt Jetzt! haben sich viele mit tollen persönlichen Stadtplänen von Frankfurt verewigt – wir sind schlichtweg begeistert von all unseren BesucherInnen, sagen DANKE und freuen uns über viele weitere Besuche!
Wir haben sehr sehr viele positive Rückmeldungen bekommen – dafür danken wir ganz herzlich! Auch vielen Dank für weitere Anregungen – in der nächsten Zeit werden wir versuchen, diese zu berücksichtigen…
Und nun läuft wieder der ganz “normale” Museumsbetrieb bzw. bereiten wir den Aufbau des Sammler- und Stiftermuseums vor. Davon demnächst mehr!
Von Sonja Thiel, 16. Mai 2012
Nun werden bald die Kisten ausgepackt! Knapp ein Jahr war die Bibliothek der Alten ohne Haus und die Schätze des generationenübergreifenden Projekts in Kisten versteckt. Die Künstlerin Sigrid Sigurdsson und die Mitarbeiterin Jasmin Grünewald stecken in den letzten Vorbereitungen: Regale putzen, Vitrinen inspizieren und warten bis die neue rote Wandfarbe getrocknet ist: dann kann es losgehen mit dem Einräumen.
Einen Vorgeschmack gibt es aber schon: ein Lieblingszitat der Künstlerin gedruckt auf einem T-Shirt – Bert Brecht lässt uns wissen, das “immerfort Vorkommende nicht natürlich zu finden”.
Das finden wir auch und freuen uns schon auf die bald wieder “immerfort vorkommende” Bibliothek der Alten!
Von Dorothee Linnemann, 15. April 2012
In diesem Jahr wird das Buch “Straßen von gestern” der in Frankfurt geborenen Autorin Silvia Tennenbaum in der Reihe Frankfurt liest ein Buch ausführlich gewürdigt.
Da Silvia Tennenbaum persönlich am Donnerstag, den 26. April, um 19:30 Uhr zu einem öffentlichen Gespräch in die Stadtbücherei kommt, wird ihr an diesem Ort auch eine kleine Ausstellung von der “Bibliothek der Alten” des historischen museums in Kooperation mit der Stadtbücherei vom 16. bis 29. April 2012 gewidmet.
Denn Silvia Tennenbaum ist auch Autorin in der Bibliothek der Alten, dem Biografieprojekt der Hamburger Künstlerin Sigrid Sigurdsson im historischen museum. Teilnehmer/innen an diesem Projekt stellen einen biografischen, historischen oder wissenschaftlichen Rückblick auf das vergangene Jahrhundert dar. Sie können mit ihren Beiträgen entweder Kassetten oder Bücher gestalten - z. B. mit historischen oder biografischen Betrachtungen, mit Tagebüchern oder Briefwechseln, wissenschaftlichen Beiträgen oder Fotos, Tonbändern und Filmen. So kann die Geschichte der Stadt Frankfurt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erfahren werden.
Die Ausstellung zu Silvia Tennenbaum zeigt die familiären und biografischen Kontexte, die die Autorin mit Frankfurt verbinden und die ihr schriftstellerisches Werk prägen. Mehr Informationen zur Autorin und zur Ausstellung finden sich im Flyer der Bibliothek der Alten. Ein kleiner Einblick in die Ausstellung im Aufbau ist hier zu sehen.
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