#AskACurator

Happy Ask-a-Curator-Day! Heute ist es wieder soweit: aktuell warten über 649 Museen aus 41 Ländern auf Fragen!

Mit der Aufforderung: ask a curator oder auf deutsch: Frag den Kurator! oder die Kuratorin! sind alle Interessierten herzlich eingeladen, Fragen rund ums Museum loszuwerden. Alle Fragen werden auf Twitter gestellt und beantwortet, zu finden unter dem hashtag #askacurator

Um Fragen stellen zu können, muss man bei Twitter registriert sein; man kann sich aber auch einfach auf unserer Twitter-Seite die Fragen und natürlich die Antworten anschauen. Eine Frage an uns stellen geht so: Frage +  #askacurator + @histmus

Wir legen dieses Jahr den Fokus auf den wachsenden Neubau, der sich mittlerweile am Römerberg schon bis ins Dachgeschoss “beton-türmt”. Was wird darin zu sehen sein? Wann eröffnen wir den Neubau? Und was ist daran überhaupt neu? Natürlich werden aber auch andere Fragen beantwortet. Wenn man zum Beispiel wissen möchte, aus welchem Material Konditormeister Prehn seine Rahmen anfertigte oder welches die ältesten Stücke in der Ausstellung sind, dann einfach mal fragen. Wir freuen uns!

Auf der Seite Follow a museum kann man sich die Liste aller teilnehmenden deutschsprachigen Museen anschauen.

askacurator

 

Zurück in die Zukunft

“C… what it takes to change” war das Motto des diesjährigen Ars Electronica Festivals. Grund genug für ein Museum, das sich im Umbruch befindet einen Ausflug in die Zukunft zu wagen. Dafür bietet die Ars Electronica in Linz seit 35 Jahren immer wieder ein spartenübergreifendes Programm an Ausstellungen, Performances und Diskussionsforen, die den Einfluss von neuen Technologien auf Kunst und Gesellschaft befragen. Zwischen Science Fiction, Medienkunst und Trendforschung schafft das Festival so vor allem einen lebendigen Austausch von Ideen und Menschen. Kunstfans, Techniknerds und Spielkinder treffen aufeinander und suchen eine gemeinsame Sprache, das große Staunen oder schlichtweg interaktive Unterhaltung.

Ein grandioser Ort also, um die Digitalisierung der „city“, „crowd“ und äh „communication“ zu untersuchen und so begab ich mich in den Nachtzug, der mich von Frankfurt Jetzt! direkt in das Festival katapultierte. Mit im Gepäck eine Vielzahl von Fragen, die das historische museum umtreiben: Wie soll das neue Internetportal des Museums gestaltet werden? Mit welchen spielerischen/künstlerischen Formen kann Stadt erforscht werden? Was braucht es für eine belebte digitale Stadtkarte? Und wie können digitale Sammlungen am besten gepflegt und geteilt werden?

Nach vier Tagen Festivalmarathon und einer Woche Verarbeitung der Eindrücke, sind weniger Antworten als vielmehr Fragen aufgetaucht. Es gibt viel zu tun! So wurden bei der Archivia14 (gibt’s auch hier zum Nachhören) und im Austausch mit den Verantwortlichen des AEC-Archivs ganz grundsätzliche Fragen zum digitalen Sammeln gestellt:

  • Der Umgang mit nativ digitalen Objekten (z.B. Bild-, Video-, Audio- oder Textdateien) stellt museologische Grundsätze auf die Probe: Das Original kann mit copy+paste unendlich oft vervielfältigt werden, was die Frage aufwirft, welche Datei eigentlich als Original eingestuft werden kann und spielt das überhaupt noch eine Rolle?
  • Dazu kommt eine wachsende Menge an Digitalisaten (greifbare Objekte, die digitalisiert wurden), die zumeist im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden (sollen).
  • Der Bildungs- und Vermittlungsauftrag der Kulturinstitutionen könnte somit ganz anders umgesetzt werden, wären da nicht rechtliche Unsicherheiten und Einschränkungen, die bislang in Europa am besten von der skandinavischen „erweiterten kollektiven Lizenz“ gehandhabt wird.

Einen bunten Strauß an Ideen, die vor allem Lust auf mehr machen, pflückte ich bei meiner Suche nach Stadtprojekten und digitalen Plattformen zusammen:

Beim Festival wurden besondere „Digital Communities“ mit einem Preis hervorgehoben. Im Mittelpunkt steht immer das Empowerment, sagt die Stellvertreterin der spanischen Plattform goteo.org: “As communication platform it’s all about engagement and to be common-based. it’s a tool, that wouldn’t be anything without the people. Our aim is to be a community of communities.“

Weitere spannende Projekte, die unterschiedliche Zielgruppen zum Mitmachen einladen:

  • Youth Ki Awaaz (Indiens größte unabhängige Blog-Platform für junge Menschen)
  • iFixit (do-it-yourself Community)
  • #techmums (Technik-Support für Mütter)

Und wer selbst aktiv werden will, dem kann ich nur wärmstens das Future Innovator Summit empfehlen. Bei der Ideenwerkstatt, wurden in Kleingruppen kreative Fragestellungen entwickelt und mit eigenen Projektvorschlägen gelöst: How can we inspire natural inborn curiosity? Mit einem Curiosity Trigger!

das vergerät. boris petrowsky looks like music. yuri suzuki 2014-09-06_11-43-50_995 Umbrella Radio urban armor. kathleen mcdermott urban games digitale arbeitshilfen Stadtwerkstatt Schranke play linz 2014-09-05_09-10-14_736 nintendo

Über jüdische Brautgürtel und ewige Verbundenheit

Wie eine christliche Hochzeit abläuft, weiß ich eigentlich ganz gut. Das liegt daran, dass ich in einer christlichen Kultur aufgewachsen bin und auch schon ein paar Mal auf einer Hochzeit war. Ich war auch schon einmal auf einer türkischen Hochzeit, bei der ich mit muslimischen Hochzeitstraditionen in Kontakt gekommen bin. Aber welche Traditionen gibt bzw. gab es eigentlich bei einer jüdischen Hochzeit? Mit dieser Frage habe ich mich auseinander gesetzt, als ich für einen jüdischen Brautgürtel aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts recherchierte. Er wurde von Peter de Mont hergestellt und soll in „100 x Frankfurt“ in der geplanten Dauerausstellung Frankfurt Einst? seinen Platz finden.

historisches museum frankfurt: der jüdische Braugürtel, Peter de Mont,  ca. 1660, X22783

In der Literatur bin ich auf einige sehr interessante Hinweise bezüglich jüdischer Hochzeitstraditionen, insbesondere des Gürtels, gestoßen: Nach jüdischer Tradition wurden vor einer Hochzeit Geschenke ausgetauscht. Der Bräutigam sendete der Braut am Vorabend der Hochzeit einen Gürtel, der von einem Rabbiner oder Vorsteher überbracht wurde. Dieser übergab den Gürtel mit den Worten: „Es sendet euch euer Bräutigam einen Gürtel, dass er nach geschehener Copulation euer sein solle.“ Daraufhin ließ die Braut dem Bräutigam durch die gleiche Person einen Gürtel übersenden, der meist von der Mutter der Braut hinzugefügt wurde. Der Brautgürtel war traditionsgemäß mit goldenen, der Bräutigamsgürtel mit silbernen Schnallen ausgestattet. Der Gürtel wurde außerdem manchmal von der Gemeinde bis zum Austausch der Gürtel aufbewahrt und nur an Jungfrauen übergeben. Er galt als soziales Ehrenzeichen, das durch seine Position auf den „Zustand des Unterleibes“ verwies. Am Tag der Hochzeit trug das Paar die sogenannten Siwlones-Gürtel bei der Trauung, die unter einem Traubaldachin (Chuppa) stattfand. Dabei wurde auch die Ketubba, ein Ehevertrag, der im Vorfeld geschlossen wurde, laut vorgelesen. Am Ende der Trauung wurden die Ösen der jeweiligen Gürtel zum Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit ineinander verhakt. Im Ablauf und Inhalt der Traditionen gibt es aber auch regionale und zeitliche Unterschiede.
Die Gürtel hatten nicht nur eine symbolische sondern auch eine praktische Funktion. Beim Gehen und Tanzen sollte der Gürtel die Kleidung zusammenhalten, so dass das Unterkleid nicht auseinanderflatterte. Der Gürtel galt natürlich auch als ein Schmuckstück, der oft zusätzlich mit Diamanten besetzt war, der die Person hervorheben sollte. Häufig war es der Großvater, der in seinem Testament Geld für seine Enkelin hinterließ, damit sie sich einen Brautgürtel anschaffen konnte.
Ich finde es immer wieder interessant, kleine neue Dinge aus dem Alltag und der sozialen Umgebung von Menschen aus vergangenen Zeiten zu erfahren, über die ich vorher so gut wie nichts wusste. Am Schönsten finde ich das symbolische Verhaken der beiden Gürtel – sehr romantisch.

Die Frankfurterinnen Johanna Tesch und Hertha Riese

Die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts erinnern sich in diesem Jahr besonders an die großen Gründer der Stifter-Universität und an die Zeit vor, nach und während des „Großen Krieges”. Das hmf nimmt mit der Website Frankfurter Frauenzimmer diese Zeit in den Blick und erinnert an große Frankfurterinnen, die in ihren jeweiligen Lebens- und Arbeitszusammenhängen bemerkenswert aktiv und ambitioniert waren.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts kämpften Frauenrechtlerinnen und Friedensaktivistinnen unerschütterlich um öffentliche Einflussnahme für die Verbesserung der Rechte und Lebenschancen von Frauen, wie die Ärztin und Sozialpolitikerin Dr. Hertha Riese und die SPD-Politikerin Johanna Tesch, eine Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung und eine der ersten Frauen im Berliner Reichstag. Dem aktiven politischen Leben von Johanna Tesch ist ab 2017  ein biografisches Kabinett im Bereich “Lebensläufe” in der “Bürgerstadt” von Frankfurt Einst? gewidmet.

Wir schließen den Blog zum partizipativen Museum

Im Februar 2011 haben wir unser Blog zum partizipativen Museum online gestellt. Wir haben uns nun entschieden, das Blog zu schließen, da es nun genau ein Jahr her ist, dass der letzte Post online gestellt wurde.
Vor drei Jahren war die Diskussion um das “partizipative Museum” im vollen Gange. Man hatte den Eindruck, dass kaum ein anderes Thema die Museumswelt so stark beschäftigte, wie die Frage, wer am Museum beteiligt werden soll und wie das am besten geht. Heute ist die Euphorie abgeflaut und es scheint fast so, als ob sich die Aufregung rund um das “P-Wort” gelegt hat, ja, dass es vielmehr eher ein müdes Gähnen hervorruft. Zeit für eine Bilanz!

Im Team von “Frankfurt Jetzt!” diskutieren wir viel über Partizipation. Wir beobachten, dass Partizipation mittlerweile vielerorts zum festen Bestandteil der Museumsarbeit gehört. Häufig bleibt sie aber auf die Vermittlungsarbeit beschränkt, z.B. als lustiges Mitmachangebot für Kinder, benachteiligte Jugendliche oder Migranten. Partizipation als “Zuckerle” für Randgruppen, für alle, denen das “wissenschaftliche” Museum nicht zugemutet werden kann, die man aber trotzdem irgendwie ansprechen muss??? Damit ist Partizipation zwar in der Institution Museum angekommen, sie ist aber weit davon entfernt, den Kern der Museumsarbeit zu berühren oder gar das Selbstverständnis der Institution zu verändern. Auf diese Weise kann man den Forderungen nach Mitbestimmung mit müdem Lächeln und generösem Abwinken begegnen: “Wenn Sie mitreden wollen, wenden Sie sich bitte an unsere Museumspädagogik.”

Unserem Verständnis nach umfasst Partizipation mehr. Sie zielt auf ein neues Verhältnis zwischen Museum und “Besuchern” (die wir ja lieber als “Nutzer” bezeichnen), ein Verhältnis, das auf Augenhöhe spielt, das den Dialog sucht und an den Meinungen und Erfahrungen all der anderen Experten da draußen interessiert ist. Dafür haben wir bereits Formate, wie zum Beispiel das Stadtlabor, die Bibliothek der Alten oder das Sammlungsprojekt zur “Occupy-Bewegung”. Und wir arbeiten derzeit an der Entwicklung neuer Formate und Andockmöglichkeiten, so dass Partizipation auf allen Ebenen der Museumsarbeit stattfinden kann. Partizipation soll im historischen museum frankfurt nicht nur ein “Vermittlungstool” sein, sondern die Institution verändern, sie soll menschlich, ansprechbar und nahbar für ihre “Nutzer” sein. Daher sind wir gar nicht so traurig darüber, dass wir jetzt den Blog zum partizipativen Museum schließen, schließlich findet sie bei uns im Herzen der Institution statt. Partizipationsthemen sind daher letztendlich auch viel besser auf diesem Blog aufgehoben als auf einer extra-Seite!

Ein #tweetup mit dem neuen hashtag #histweets

Wenn man es zum dritten Mal macht, ist es ja schon fast eine Tradition geworden:

am 16. Oktober findet unser 3. Tweetup statt – dieses Mal in der Ausstellung Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg.

Der Kurator der Ausstellung, Benedikt Burkhard, führt uns durch die Ausstellung, die um  15 fotografischen Porträts von zehn Personen aus Nord- und Wstafrika kreist. Das Besondere an den Fotografien ist: sie entstanden in einem Kriegsgefangenenlager in Deutschland und beleuchten den Ersten Weltkrieg und die Erinnerung daran auf eine bislang unbekannte Weise. Die Ausstellung ist unser Beitrag zu 100 Jahre Erster Weltkrieg und zu 100 Jahre Goethe-Universität, da sie in Kooperation mit dem Frobenius-Institut entsteht und mit Institut français d’histoire en Allemagne.

Es erwartet Euch also ein spannender Abend  – jetzt schon vormerken und anmelden, der Oktober kommt bald! Dieses Mal ganz neu: wir weihen dann unseren neuen Hashtag ein – damit die Tweets sich gut wiederfinden lassen, sollte immer der Hashtag #histweets dabei sein.

Eingeladen sind alle mit einem funktionstüchtigen Smartphone oder einem Tablet. Vorher/Hinterher gibt es einen kleinen Umtrunk. Der Eintritt ist für alle TwitterInnen wie immer frei!

Danke für eine Anmeldung via Twitter (www.twitter.com/histmus) oder per Mail socialmedia@stadt-frankfurt.de

Alles auf einen Blick:

Tweetup in der Ausstellung “Gefangene Bilder.Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg” mit dem Kurator Benedikt Burkhard

Termin: 16. Oktober, 19 Uhr

Ort: historisches museum frankfurt, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt am Main

Twitter-Account historisches museum: www.twitter.com/histmus

Hashtag: #histweets
storify: http://storify.com/histmus

historisches museum frankfurt: Der Gefangene Lusáni Tsisé um 1914, aus der Region Dédougou (Burkina Faso). Foto: Frobenius Institut

Ein Geldwechslerbeutel für das Kindermuseum

In einigen der stadtgeschichtlichen Führungen des Kindermuseums (z.B.  “Zusammenleben im mittelalterlichen Frankfurt” für 4. bis 7. Klasse, nähere Infos hier) behandeln wir auch die Bedeutung der Stadt als Messe- und Handelsstadt. Wichtiges Thema dabei ist immer das Geld. Händler und Käufer aus allen Richtungen der bekannten Welt trafen sich zu Messezeiten in Frankfurt. Jeder brachte sein eigenens Geld mit. Ein wichtiger Beruf war der des Geldwechslers. Ein Lederbeutel, am Gürtel getragen, mit Seitentaschen für die unterschiedlichen Währungen war nicht nur für Geldwechsler ein wichtiges Utensil.

Wir erklären, wie das Geldwechseln funktionierte und was dabei zu beachten war. Toll ist, dass wir nun – dank der Spenden unserer Museumsbesucher – einen Lederbeutel mit sechs Seitentaschen nähen lassen konnten. Dies erledigte für uns in akribischer Handarbeit ein Lederer. Er benutzte dafür sämisch gegerbtes Hischleder und handgemachte Glasperlen. Das Vorbild dafür stammt aus der Zeit um 1600 und gehört dem Städtischen Museum in Braunschweig. Dieser tolle Lederbeutel löst nun unseren auf der museumspädagogischen Nähmaschine selbstgemachten Stoffbeutel ab.

Wir danken an dieser Stelle all unseren Spendern für die Möglichkeit, uns dieses besondere museumspädagogischen Material herstellen zu lassen.

Im Trüben fischen

„Im Trüben fischen“ –  so könnte man die praktischen Übungen der Frankfurter Rettungstaucher beschreiben. Im Wasserrettungsdienst der Frankfurter Feuerwehr arbeiten 47 Feuerwehrtaucher. Sie retten verunglückte Schwimmer, bergen Fahrräder, Einkaufswagen und Munition aus den Gewässern und suchen manchmal auch nach Leichen. Jeden Dienstag übt eine Dienstgruppe das Tauchen, um auf einen plötzlichen Einsatz vorbereitet zu sein. Die Taucher sind immer zu zweit unter Wasser;  eine gelbe Leine verbindet sie mit den Kollegen an der Oberfläche.

Regelmäßig suchen die Taucher auch den Grund des Mains ab. Dabei können sie nichts sehen, dann das Wasser ist sehr trüb. Scheinwerfer helfen hier nichts, statt dessen wird der Grund regelrecht ertastet, und manchmal treten interessante Fundstücke zu Tage. Beim Abtasten fanden die Taucher jetzt ein Seitengewehr (Bajonett) aus dem 19. Jahrhundert – am südlichen Main in der Nähe des Frankensteiner Platzes in Sachsenhausen.

Wer wollte diese Waffe loswerden? Etwa ein entlassener Soldat, der vom Krieg und von Waffen genug hatte und dann die Waffe einfach in den Fluss warf? Wir können das heute nicht mehr sagen.  Auf alle Fälle haben uns die Rettungstaucher nun den interessanten Fund  für die Sammlung übergeben.

historisches museum frankfurt: Seitengewehr aus dem Main

historisches museum frankfurt: taucheranzuege des Frankfurter Wasserrettungsdienstes

Der “Wasserhahn des Mittelalters”

Als ich das erste Mal den Begriff „Lavabokessel“ gehört habe, habe ich mich erst mal gefragt, was das denn überhaupt sein sollte. Auch als ich das Objekt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, das in „100 x Frankfurt“ für die neue Dauerausstellung Frankfurt Einst? ausgewählt wurde, zum ersten Mal gesehen habe, war mir dessen Funktion immer noch nicht ganz klar. Doch ich war neugierig geworden und wollte mehr wissen. Also habe ich wieder Bücher zu Rate gezogen und das große Fragezeichen in meinem Kopf ist immer kleiner geworden.

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Ein Lavabokessel, der hauptsächlich aus Messing, eine Kupfer-Zink- Legierung, hergestellt wurde, wurde hauptsächlich zum Händewaschen benutzt. Dafür hing er an einer Aufhängevorrichtung. Unter ihm befand sich meistens ein Becken oder eine Schale und oft konnte man neben dem Kessel noch ein Handtuch finden. Gerne wird er auch „der Wasserhahn des Mittelalters“ genannt. In der Kirche benutzten Priester den Kessel vor und manchmal auch nach der Messe. Aber auch im bürgerlichen Haushalt fand man den Kessel im Schlafzimmer oder im Wohnraum.

Benutzt wurden die Lavabokessel, deren Name vom lateinischen „lavabo – ich werde waschen“ kommt, schon in der Antike, jedoch ist die zeitliche Einordnung, wie auch der Verbreitungsraum nicht ganz eindeutig. Der Ausguss und die Henkelösen waren häufig durch tierische oder menschliche Figuren verziert. An den Henkelösen finden sich oft bärtige Frauen- oder Männerköpfe und an den Ausgüssen Tierköpfe, z.B. Hundeköpfe, wie auch bei unserem Exemplar. Diese Ausführungen dienten wohl aber nur als Verzierung und haben keine weitreichendere Bedeutung. Messing wurde im Mittelalter wegen seines goldenen Glanzes geschätzt, teilweise auch als Prestigeobjekte gesehen, und daher oft, auch wegen seiner Pflegeleichtheit, für Gebrauchsgegenstände verarbeitet und gehandelt.
Auch der Lavabokessel ist ein Fernhandelsgut und wurde auf den Frankfurter Messen gehandelt. Seit dem Hochmittelalter kann man davon sprechen, dass Metalle als ein Massengut in Handel und Gewerbe auftraten, was auch durch die natürlichen Vorkommen in der Stadtnähe begünstigt wurde. Großhandel und Ausweitung des Metallgewerbes wurden durch einen Fortschritt in Transport, Abbau und Gewinnung der Materialien möglich. Warum der Lavabokessel nun zwei Ausgüsse hat (es gibt nämlich auch Exemplare mit nur einem Ausguss) leuchtet mir immer noch nicht ganz ein, aber ich könnte mir vorstellen, dass es wegen des Gleichgewichtes sein könnte oder einfach damit von beiden Seiten Wasser ausgegossen werden konnte.

Mir kommt die Vorstellung in den Sinn, wie es wohl wäre auf den heutigen Wasserhahn zu verzichten und auf einen Lavabokessel umzusteigen und entscheide mich dann doch für den Wasserhahn. Aber trotzdem ist es doch toll zu wissen, wie sich viele Menschen im Mittelalter die Hände gewaschen haben.

Was im Museum einem so passieren kann

Nach dem Beitrag über SchülerpraktikantInnen im hmf, nun ein Beitrag von einer Schülerpraktikantin selbst:

Mein Name ist Klaudia. Ich bin 16 Jahre alt und habe diesen Sommer ein dreiwöchiges berufsorientierendes Praktikum im historischen museum frankfurt gemacht.

Neulich, als ich im Museum war und eine Besucherbefragung nach dem Mittagskonzert machen sollte, kam eine sympathische Touristenfamilie auf mich zu und bat mich darum, ihnen etwas ins Englische zu übersetzen. Als ich mit dem Übersetzen fertig war, fragten sie mich, ob ich sie noch im Museum herumführen könnte. Das habe ich dann getan. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben alle viel gelacht.

Der Familienvater entdeckte die orangenen Ecken im Sammler- und Stiftermuseum für sich, die eigentlich für Kinder und Jugendliche sind. Dort kann man spielen und Sachen ausprobieren. Mir scheint es auch so, als hätte ihnen die Sonderausstellung Holzhausen sehr gut gefallen. Sie zeigten sich sehr interessiert an den tollen Kleidern auf den Bildern und fragten interessiert nach. Lange Zeit habe ich mit den freundlichen Touristen aus Indien auch in der Stauferzeit verbracht. Die Familie war richtig begeistert von meiner spontanen Begleitung  und zum Schluss haben wir noch ein gemeinsames Foto als Erinnerung gemacht.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und es ist ein tolles Gefühl, der Familie geholfen zu haben.

Ich hätte mir kein angenehmeres Praktikum vorstellen können!                                                                                                                   Klaudia Streich