Der Säbel im Main

Es ist nicht das erste Mal, dass der Wasserrettungsdienst  der Feuerwache 40 Funde von historischer Bedeutung aus dem Main geborgen haben. Vor gut einem Jahr wurde ein Seitengewehr aus dem Ersten Weltkrieg von Grund des Mains geholt. Die Feuer- und Rettungswache 40 befindet sich in der Franziusstrasse im Osthafen und hat 36 ausgebildete Taucher. Diese üben routinemäßig im Main, dessen Wasser sehr trüb ist. Daher muss der Grund vorsichtig abgetastet werden. Dies erklärte uns Frank Z., einer der Rettungstaucher, dem wir diesen interessanten Säbel verdanken.

Im Main auf der Sachsenhäuser Seite auf Höhe der Jugendherberge wurde der Säbel der Zeit um 1880 gefunden. Er besteht aus einem gut erhaltenen Messinggriff, dessen Holzkern weitgehend vergangen ist. Die Klinge ist vollständig erhalten, aber stark rostig. An diesem Säbel klebte nie Blut, denn er diente als Accessoire der Kleidung höherer Staatsbeamten bei festlichen Anlässen.

historisches museum frankfurt: Säbel aus dem Main

historisches museum frankfurt: Säbel aus dem Main

Die Stimmen der Gefangenen

110 Schülerinnen und Schüler kamen am letzten Donnerstag ins Gallus Theater (und mehr als 40 “Erwachsene” am Abend davor), um zu hören, wie afrikanische Kolonialsoldaten den Ersten Weltkrieg erlebten. Drei Schauspieler – Barbara Englert, Natanael Lienhardt und Nenad Smigoc – lasen Briefe, Verhörprotokolle und Erinnerungen von, an und über die vielen Soldaten, die im üblichen Bild dieses Krieges nicht vorkommen.

historisches museum frankfurt: im Gallus Theater. Foto: Manfred Rößmann

historisches museum frankfurt: im Gallus Theater. Foto: Manfred Rößmann

Aziz Kuyateh,historisches museum frankfurt: im Gallus Theater. Foto: Manfred Rößmann

Und es war nicht langweilig — der Regisseur Ulrich Meckler dramatisierte die Textsammlung, die das Team des historischen museums frankfurt und des Institut francais d’histoire en Allemagne  zusammengestellt hatte, und der westafrikanische Griot Aziz Kuyateh sang und spielte auf seiner Kora dazu.

historisches museum frankfurt: im Gallus Theater, mit Cora (Harfenlaute). Foto: Manfred Rößmann

Die szenische Lesung gehörte zu Begleitprogramm der Ausstellung Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg, die noch bis zum 15. Februar im historischen museum zu sehen ist.

Frankfurter Kuriosität: Der Atomreaktor am Rebstock

Im Jahr 1957 wurde am Rebstock ein Forschungsreaktor für das Institut für Kernphysik der Universität Frankfurt gebaut. Der Reaktor war eine Spende der Farbwerke Hoechst und der Stadt Frankfurt an die Universität. Schon 1958 konnte der Siedewasserreaktor bei einer Nennleistung von 50 kW eingeschaltet werden. Sein Betrieb geschah mit bis zu 20 % angereichertem Uran. Er lief 10 Jahre und wurde dann wegen technischer Probleme abgeschaltet.

In den letzten Wochen des Jahres 2014 bekam das historische museum eine kleine Sachspende durch Herrn N. B. aus Darmstadt. Alle Stücke stammten aus dem Besitz seines Vaters K. B., der zunächst als Betriebselektriker bei Voigt und Häffner in der Hanauer Landstr. 172 arbeitete und dann bei deren Nachfolgebetrieb Siemens Abteilung Prüffeld. Außer einer Verdienstmedaille, die er zum Ruhestand von Siemens erhielt, befanden sich auch Postkarten aus fernen Ländern und acht kleine schwarz-weiß Fotos in diesem Bestand.

Zwei dieser Fotos zeigen die „Kuhwaldsiedlung Atomversuchsmeiler, Baubeginn“. Mit diesen beiden seltenen Bildern, welche die Baustelle des Frankfurter Versuchsreaktors zeigen, hat auch die Fotosammlung des historischen museums eine spannenden Zuwachs bekommen.

historisches museum frankfurt: atomreaktor

 

Altstadtspolien

Die Gestaltung der Frankfurter Altstadt weist zwei markante Baustellen auf; die Bebauung des Dom-Römer-Areals und den Neubau des historischen museums frankfurt. Beide Vorhaben werden im Jahr 2017 abgeschlossen sei und beide die Altstadt neu prägen. Und noch eine Verbindung gibt es zwischen beiden Projekten; beide werden Teile und Überreste früherer Altstadtbauten integrieren. Das hmf wird einen Teil der Spolien aus seinem Bestand in Fenstern und Nischen des Neubaus präsentieren. Beim Dom-Römer Projekt könnte es darüber hinaus auch zur baulichen Integration solcher Altstadtspolien kommen.

Ursprünglich folgte der Einsatz von Spolien pragmatischen Beweggründen. Heute dienen sie meist als historische Referenz oder werden in künsterlischer Absicht verbaut. So auch in Frankfurts Altstadt; schon in den 1950er Jahren wurden beispielsweise am Römerberg Teile des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Salzhauses reanimiert und für die moderne Fassadengestaltung des Nachfolgerbaus verwendet. Die geplanten Altstadtrekonstruktionen im Rahmen des Dom-Römer-Projekts bieten eine große Fläche für ähnliche Überlegungen. Derzeit wird geprüft, ob und welche Steine aus dem Bestand des historischen museums frankfurt eine Wiederverwendung in der Altstadt finden könnten. Dafür wurden ein paar ausgewählte Stücke für den Abtransport aus dem Depot des hmf vorbereitet.

historisches museum frankfurt: Spolientransport historisches museum frankfurt: Altstadtspolien

Im Hintergrund wartet die bekannte Karl der Große-Statue ebenfalls auf ihren Einsatz – allerdings nicht als Altstadtspolie, sondern als Exponat der künftigen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“.

“Adler 7″ – Die erste deutsche Schreibmaschine kam aus Frankfurt

Während man in den USA bereits seit 1874 serienmäßig Schreibmaschinen produzierte, begann in Deutschland erst mit der Zunahme der Büroarbeit in den 1890er Jahren eine Entwicklung hin zur Arbeit mit Schreibmaschinen. Vor allem in Handel und Verwaltung hatte sich vorher die Auffassung gehalten, dass ein handgeschriebener Brief höflicher sei als ein maschinell gefertigter Brief.

Umso erstaunlicher ist vor diesem Hintergrund die Geschichte der „Adler 7“. Sie war um 1900 die erste Schreibmaschine deutscher Produktion, die national und international zum Verkaufsschlager wurde. Und das trotz ihres stolzen Einführungspreises von 300 Goldmark! Die Summe entspricht heute umgerechnet etwa 1551 Euro. Der hohe Preis schien die Kunden allerdings nicht von einem Kauf abzuschrecken, denn die „Adler Fahrradwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG“ erreichten mit diesem technisch brillanten Modell den kommerziellen Durchbruch in diesem Verkaufssegment. Ende 1905 waren bereits 20.000 „Adler 7“ verkauft und die Schreibmaschine avancierte zum neuen Massenartikel. Gründe für den großen Erfolg waren sicher die für damalige Verhältnisse technische Brillanz, Zuverlässigkeit und Robustheit der Büromaschine, weniger das beachtliche Gewicht von 10,8 kg.

Ein Modell dieser Schreibmaschine soll auch im Rahmen der geplanten Dauerausstellung Frankfurt Einst? gezeigt werden, um an die bemerkenswerte Geschichte der „Adler Fahrradwerke, vorm. Heinrich Kleyer AG“ erinnern. Im Folgenden möchte ich daher kurz erläutern, welche Bedeutung die Adlerwerke für Frankfurt hatten.

Der Darmstädter Fabrikantensohn Heinrich Kleyer (1853-1932) eröffnete am 1. März 1880 eine „Maschinen- und Velocipedhandlung“ mit Fahrradproduktion in der Bethmann-Straße 8 in Frankfurt am Main. 1889 entstand im Frankfurter Gallusviertel zwischen Höchster Straße (heutige Kleyerstraße) und Weilburger Straße eine Fabrik mit 600 Arbeitsplätzen auf einem Areal von etwa 18.000 Quadratmetern. Nach der Umwandlung in die Aktiengesellschaft „Adlerwerke Fahrradwerke, vorm. H. Kleyer AG“, begann die Firma im Jahr 1898 auch mit der serienmäßigen Herstellung von Schreibmaschinen. Kleyer hatte zu diesem Zweck bereits 1896 die Patente an der kanadischen „Empire“- Schreibmaschine von Wellington P. Kidder erworben. Er verbesserte dessen Konstruktion und produzierte von 1898 bis 1900 eine „deutsche Empire“ (etwa 3000 Stück). Mit der Änderung der Schreibmaschinen-Bezeichnung in „Adler 7“ im Jahr 1901 begann die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte in diesem Segment. Da es zu dieser Zeit noch keinen professionellen Büromaschinenhandel gab, wurden die ersten Schreibmaschinen sogar noch über die Adler Fahrradhändler verkauft.

Rein technisch gesehen, handelte es sich hierbei um eine mechanische Stoßstangenschreibmaschine. Mittels Vorderaufschlag und doppelter Umschaltung war es erstmals möglich, 90 verschiedene Zeichen mit den 30 Tasten zu schreiben. Optisch auffällig war vor allem die Verzierung durch das in Goldschrift gehaltene Firmendekor auf der Abdeckhaube. Dort prangte die Aufschrift „ADLER“ sowie „Adlerwerke vorm. Heinrich Kleyer Aktiengesellschaft Frankfurt a/M.“. Um den Ursprung als Fahrradwerke zu betonen, wurde über dieser Schrift ein goldfarbiger Adler mit einem Rad abgebildet.


Die „Adler 7“ im Bestand des historischen museum frankfurt wurde laut Seriennummer im Jahr 1924 gefertigt. Das legendäre Grundmodell wurde bis weit in die 1930er Jahre in großen Stückzahlen produziert. Neben Schreibmaschinen fertigen die Adlerwerke aber vor allem auch Motorräder (zwischen 1902-1908 und 1949-1958) und verschiedene Automobile (1900-1940).

Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle allerdings auch die Verstrickung der Adlerwerke als großer Rüstungsbetrieb im Dritten Reich. So wurden in den letzten Kriegsjahren auch KZ-Häftlinge auf dem Gelände im Werk I an der Weilburger Straße untergebracht. Insgesamt mussten zwischen August 1944 und März 1945 rund 1.600 Menschen im KZ-Adlerwerke als einem Außenlager des KZ Natzweiler mit dem Decknamen „Katzbach“ arbeiten. Nur wenige Menschen überlebten. Am 24. März 1945 wurden etwa 400 Zwangsarbeiter auf einem Todesmarsch zum KZ Buchenwald getrieben. Das dunkelste Kapitel in der Firmengeschichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Adlerwerke die Automobilproduktion ein und fokussierten sich auf den Bau von Fahrrädern, Büromaschinen, Motorrädern und Werkzeugmaschinen. Nach der Übernahme durch Grundig und weiterer Eigentümerwechsel wurden seit 1958 bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 1998 aber nur noch Büromaschinen produziert. Seit 2002 sind die einstigen Adlerwerke als „Adler Real Estate“ in der Immobilienprojektentwicklung tätig.

Der historische Firmensitz in der Kleyerstrasse in Frankfurt-Gallus ist heute ein beeindruckendes Industriedenkmal, von dem noch der westliche und östliche Teil erhalten sind. Besonderns markant ist der östliche Backsteinbau von 1907. Zu den derzeitigen Mietern gehört unter anderem das Gallus Theater.

Was 2015 so alles bei uns ansteht

Es ist ja kaum zu glauben, dass 2014 schon wieder vorbei ist –  so vieles stand noch auf der to do-Liste. 2015 ist aber ja noch ganz frisch, und da wir nun ausgeruht aus den Ferien zurückgekommen sind, geht alles noch leicht von der Hand….

Denn so wie das neue Ausstellungshaus wächst und wächst, nimmt auch die Arbeitsbelastung irgendwie zu – vielleicht liegt das daran, dass nun alles so schön konkret wird?

Das Highlight 2014 war natürlich das Richtfest im Dezember, das wir quasi schon in Frankfurt Einst? verbrachten: ich weiß nicht, was Sie hier sehen, aber ich sehe rechts an der Wand schon die Bilder von “Porträts der Stadt” hängen, auf der linken Seite stehen die Objekte von “100 x Frankfurt”  und ganz hinten kann ich sogar die Gemälde, Grafiken und Fotografien… der “Frankfurter Gesichter” erkennen. Da 2017 gar nicht mehr so weit weg ist, haben wir theoretisch fast alles eingerichtet…

historisches museum frankfurt: Blick in "Frankfurt Einst?", 17.12.2014

Auch die anderen Teile im neuen Ausstellungshaus nehmen langsam, aber sicher Gestalt an: Hinter dieser Rundung etwa wird die Schneekugel zu den Eigenschaften Frankfurts mit den Modellen zum Einsatz kommen.

historisches museum frankfurt:ich werde einmal eine Schneekugel

Auf dem Bild ist aber auch zu sehen, dass noch so einige kleinere Arbeiten zu tun sind…. Es bleibt also weiterhin spannend und wir werden wie immer versuchen, möglichst viele Einblicke in unsere Tätigkeiten zu geben. Wenn es hier also auf dem Blog ab und zu ruhig wird, sind wir in der Arbeits versunken….aber keine Sorge: wir tauchen immer wieder auf!

 

Tanzen, Schlemmen, Werkeln: Weihnachten im hmf

Nicht nur das Flackern des virtuellen Kaminfeuers machte das Bernusgewölbe wieder einmal zu einem bezaubernden Ort für die diesjährige Weihnachtsfeier des hmf. Das Gewölbe und die Tische waren hübsch dekoriert. Selbstgebastelte Sterne (zum Teil recycelt vom letzten Jahr) und Stiefel waren neben Tannenzweigen und –zapfen, Schoko-Nikoläusen sowie Walnüsse zu finden. Auch das Buffet war wie immer selbstgemacht. Nicht nur der Schokobrunnen sorgte für Begeisterung, sondern auch Köstlichkeiten aus Italien, Deutschland, der Türkei und Slowenien. Nach einer Ansprache von Museumsdirektor Jan Gerchow gab es Geschenke für die Aufsichten und ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Und im Anschluss entführte uns Frank Berger in die Welt des Abenteurers Theodor Lerner. Er berichtete über dessen Expeditionen und seinen eigenen Segeltörn zur Bäreninsel – ein unbewohntes Eiland im Nordpolarmeer.

Dann durfte sich bewegt werden: Die Tanzlehrer Roland und Saskia gaben eine Einführungen in den Lindy Hop. Die Tanzfläche war schnell gefüllt – Let’s swing! Wer es etwas ruhiger angehen wollte, konnte sich im Basteln versuchen. Es gab wunderschöne mit Stoff bespannte Buttons zu pressen und mit etwas mehr Geduld Origami-Kraniche zu falten. Wer 1000 dieser  Glücksboten herstellt, bekommt nach japanischem Volksglauben einen Wunsch erfüllt. Das sollte  Ansporn genug sein…Viel zu schnell ging die Feier vorüber und vom Kaminfeuer blieb nur noch ein abgeschalteter Beamer übrig.

Mit einigen Bildern von der Feier wünschen wir allen schöne Feiertage sowie einen guten Rutsch ins Neue Jahr! Erholt Euch und lasst das Jahr gemütlich ausklingen, so wie wir während unserer Weihnachtsfeier….

Meta Quarck-Hammerschlag hat heute Geburtstag!

historisches museum frankfurt: Meta Quarck-Hammerschlag, Porträt von Ottilie W. Roederstein,  hmf
In diesem Jahr jährt sich heute zum 150. Mal der Geburtstag der bedeutenden Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin Meta Quarck-Hammerschlag (1864-1954).

Als erste weibliche Stadträtin, die ab 1919 in den Magistrat berufen wurde, würdigte der Frankfurter Oberbürgermeister Ludwig Landmann sie mit großer Wertschätzung: „ Uns ist Ihr Wesen, Ihre Eigenart, Ihr warmes Empfinden für alle Bedrückten und Beladenen, Ihr mitfühlendes Interesse für die Frau und das Frauenwesen aus ihrer früheren Tätigkeit bekannt […] Ihr Eintreten, das immer wohltuend und fördernd auf die Interessen der Stadt eingewirkt hat.“ Anna Schnädelbach hat ihre Lebensgeschichte für unsere Website Frankfurter Frauenzimmer festgehalten.

Eine nicht minder spannende Biografie der engagierten Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (1859-1936) präsentiert uns Dr. Sabine Hock.

Bertha Pappenheim (1859-1936), Fotografie, 1882, Institut für Stadtgeschichte

Die Website Frankfurter Frauenzimmer stellt regelmäßig innovative und bemerkenswert ambitionierte Frauen der Frankfurter Stadtgesellschaft vor. Neben Frauenrechtlerinnen, Sozialpolitikerinnen und Aktivistinnen der Frauenbewegung finden Sie Lesenswertes über Künstlerinnen, Unternehmerinnen, Architektinnen und Märzeninnen.

Der eine oder andere Feiertag birgt vielleicht ungeahnte Möglichkeiten, etwas mehr über eindrucksvolle Frankfurterinnen zu erfahren – wie etwa über die überzeugte Pazifistin und Frauenrechtlerinnen Anna Edinger (1863-1929) oder die SPD-Politikerin Johanna Tesch (1875-1945), eine Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung und eine der ersten Frauen im Berliner Reichstag. Oder wie wäre es mit der Biografie von Margarete Schütte-Lihotzky

Viel Spaß beim (Wieder-)Entdecken der Frankfurterinnen!

Richtfest!

Auch wenn heute so manche Traditionen nicht mehr gelten: ein Richtfest muss einfach sein. Vielleicht nicht bei strömenden Regen, wie wir ihn am 17.12.2014  – genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung – genießen durften – aber dafür mit sehr vielen Menschen, die alle am Bau beteiligt sind – von  Bauarbeiter und Poliere, Architekten, Politiker, Kollegen…. – es war ein sehr schönes Programm: Erst Reden von Oberbürgermeister, Baubürgermeister,  Kulturdezernent, Architekt, Direktor, dann der Richtspruch, zerbrochenes Glas und Kranz und schließlich ein zünftiges Essen. Eine runde Sache! Hier ein paar sehr atmosphärische Fotos…und hier der link zum twitter-storify.

 

COMCOL zu Gast in Celje, Slowenien

Selten habe ich eine so intensive und inspirierende Tagung erlebt wie die COMCOL-Tagung in Celje, Slowenien. COMCOL (International Committee for Collecting) ist das jüngste Komitee bei ICOM, und vielleicht ist deshalb noch eine dynamische Aufbruchstimmung zu beobachten. Als weltweit agierendes Komitee beschäftigt es sich jenseits der Museumssparten mit Sammeln und Sammlungen. Chairman von COMCOL ist Léontine Meijer-van Mensch, die am Museum Europäischer Kulturen stellvertretende Direktorin ist.

Dieses Jahr war das jährliche Treffen dem Thema  Collecting and collections in times of war or political and social change gewidmet, dem nicht alle der über 30 ReferentInnen aus Asien, Amerika und Europa folgten. Doch so oder so ergab sich ein bunter Reigen mit Einblicken in musealen Praktiken und Forschungsarbeiten. Die europäische Dominanz mit einem Schwerpunkt auf Slowenien, Kroatien und Serbien war der geographischen Lage des Tagungsortes geschuldet; je nach Tag und Session kamen zwischen 40 und 85 TeilnehmerInnen zusammen und knapp dreißig Vorträge wurden gehalten.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: es wird getagt

Die bunte Mischung bringt es  und so bot die Tagung einen museologischen Trip von Korea mit einer bewegenden Vorstellung des Museums of Sexual Slavery by Japanese Military  über Sammlungspraktiken der Gegenwart im schwedischen Armeemuseum zum Museum der Yugoslawischen Geschichte in Belgrad, das den ehemaligen Staatschefs Tito huldigt. Mein Beitrag beschäftigte sich mit der Ersten Weltkriegssammlung des hmf, wie sie als “time capsule” die Zeit überdauerte und welche Bedeutung sie heute hat.

Lehrreich  war auch die Exkursion nach Vitanje in das Cultural Center of European Space Technologies. In diesem Dorf scheint ein Raumschiff gelandet zu sein, in der eine Ausstellung an den Militäringenieur und Raumfahrttheoretikers Herman Potočnik erinnert und die europäische Raumfahrt mit Blick auf Slowenien thematisiert. Very strange!

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: Ausflug nach Vitanje, Ksevt

Natürlich hatten wir auch die Gelegenheit, mehr über die Institution zu erfahren, bei der wir in Celje zu Gast waren – im  Museum of Recent History. Das 1963 gegründete Museum beschäftigt sich mit der jüngeren Geschichte der Stadt. Die Dauerausstellung blickt auf die Stadt seit 1900 es geht also um die zunehmende Industrialisierung, um das k.u.k.-Reich und das Zusammenbrechen, um die beiden Weltkriege. Wir besuchten insebsondere die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg und das in situ gebliebene Fotoatelier von Jossip Pelikan.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: The Museum of Recent History

International hat das Museum mit Projekten wie  „Don’t throw pots away“ auf sich aufmerksam gemacht – die Einwohnerinnen waren aufgefordert, aus ihrem persönlichen Besitz Erzeugnissen der örtlich ansässigen Email-Warenfabrik Emo ins Museum zu bringen. Dem folgte eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Töpfen und eine Diskussion über Sammeln in der Gegenwart.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: The museum for recent history

Bei diesen Treffen spielt natürlich auch das socializing eine große Rolle, ist ein  Ziel von COMCOL doch das Networking.Das klappte auch sehr gut, tauchen doch allüberall die gleichen Herausforderungen auf, gleich ob man im Västerbottoms Museum in Umea oder im Stadtmuseum von Helsinki arbeitet.

Die Abende waren belegt von kulturellen Veranstaltungen: der Einstieg brachte uns das Thema Wasser näher: der Filmemacher Andrej Zdarvič machte mit Ausschnitten aus seinem Film Riverglass den Beginn – das Thema Wasser geleitete uns durch die Tagung, regnete es doch ununterbrochen. Beim Empfang des Bürgermeisters erhielten wir einen Einblick in die politischen Zusammenhänge der Stadt. Im Museum for Recent History   stellten Studierende aus Museologie Studiengang in Ljubljana ein Projekt vor, bei dem es darum ging,  das Konzept des Écomusee für die Kohlmine in Laško anzupassen.

historisches museum frankfurt: Projektvorstellung

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: im Museum for Recent History

Zum Ausklang gab es noch eine Performance mit den Musikern Goran Bojčevkski und Stane Špegel und zu später Stunde wurde sogar noch das Tanzbein geschwungen – ein wirklich beschwingter Abschluss.

Ein herzliches Dankeschön an das Museum of Recent History in Velje, an die Direktorin Tanja Roženbergar und die beiden Katjas und v.a. an Léontine Meijer-van Mensch – it was a great pleasure being in Celje and a really fresh and innovative museological event.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: Gruppenbild im Fotostudio Pelikan