Ebay oder Museum?

In den 1980er Jahren fand ich auf dem Dachboden meines Elternhauses einige Schmalfilme, die mein Großvater um die vorletzte Jahrhundertwende aufgenommen hatte. Da sich darunter nicht nur familiäre Szenen, sondern auch dokumentarische Aufnahmen befanden – beispielsweise von der Trauerfeier Kaiserin Victorias, der Ehefrau des 99-Tage-Kaisers Friedrich III., die 1901 an ihrem Witwensitz in Kronberg gestorben war – konnte ich ein öffentliches Interesse an diesen frühen Filmen voraussetzen. Also wandte ich mich an einen Kurator des HMF, Jürgen Steen, mit der einzigen „Bedingung“, dass ich nach einer Übergabe mir einmal das damals für die Öffentlichkeit noch nicht zugängliche  Prehnsche Cabinett  ansehen dürfe.

Einige Jahre später konnte ich einen weiteren Kurator, Wolfgang Cilleßen, dazu bewegen, eine Tischdecke sowie einige Fotos des früheren Russischen Hofes auf der Zeil in den Bestand des Museums zu übernehmen. Der Hotelier des im späten 19. Jahrhundert führenden Frankfurter Hotels war der Schwager meines Großvaters. Meiner Entscheidung für das Museum lag die Überlegung zugrunde, dass ich in meinem Reihenhaus keine Gelegenheit finden würde, einen Esstisch für 24 Personen zu decken. Andererseits hätte ich bei Ebay kaum einen nennenswerten Betrag dafür erzielt, so dass der Stolz überwog, ein altes Familienstück im Museum zu wissen, das irgendwann vielleicht  für eine Ausstellung  aus dem Depot hervorgeholt werden würde.

Bei der Auflösung einiger familiärer Haushalte habe ich noch andere Museen und vor allem kommunale Archive mit Dokumenten und Fotos, darunter Programme von Theateraufführungen und Konzerten, beglücken können. In der Regel wurde ich von den Empfängerinstitutionen – darunter das Deutsche Historische  Museum im Berliner Zeughaus – mit freundlichen Dankesworten belohnt. Nur einmal fiel die Eingangsbestätigung  – von Dank war keine Rede –  sehr kurios und kabarettreif aus: In diesem Fall hatte ich einen handschriftlichen Bericht eines Soldaten, der in einem deutschen Fürstenregiment an der Schlacht von Waterloo teilgenommen hatte, an ein Landesarchiv gesandt. Ich erhielt als Antwort eine Mail, in der auf einen Anhang verwiesen wurde. Dieser Anhang war nicht nur ganz unverständlich, sondern galt einem anderen Empfänger. Meine ironische Antwort an das Archiv war entsprechend: Ich schrieb, ich hätte mittlerweile auch noch ein Exemplar der Goldenen Bulle von Kaiser Karl IV. aus dem Jahr 1356 auf meinem Dachboden gefunden, hätte mich aber entschlossen, dieses Dokument dem Stadtarchiv meiner Heimatstadt Kronberg zu überlassen…….

Von Abriss bis Zukunft! Das Stadtlabor 2016 & 2017

Kaum ist die Dokumentation des Stadtlabors unterwegs – Sommertour 2016 gedruckt und der Film dazu auf unserem Youtube-Kanal zu sehen, geht es auch schon wieder weiter mit den nächsten Stadtlaborprojekten für 2017.

Ende Januar haben wir mit vielen alten und neuen Bekannten des Stadtlabors den Abschluss der Sommertour 2016 und den Start der Projekte für 2017 gefeiert. Das Fahrrad (unser treuer Begleiter) diente als Ausgabestelle für die gedruckte Broschüre, auf einer großen Leinwand war der Film „Frankfurt erforschen“ von Jasper Landmann zu sehen und an drei runden Tischen wurden die Projekte für 2017 vorgestellt. Franziska Mucha präsentierte das Stadtlabor-Digital, unsere partizipative und interaktive Stadtkarte, bei der jede/r Beiträge über Frankfurt in Form von Audio, Film, Text oder Fotos hochladen kann. Somit kann die subjektive und gefühlte Stadt aus der Perspektive ihrer Bewohner/innen erzählt werden. Aikaterini Dori präsentierte den Sammlungscheck Migration. Gemeinsam mit Interessierten sollen hier Fragen und Objekte diskutiert werden z.B.: Was ist ein Migrationsobjekt? Warum sammeln? Wie sammeln? Was sammeln? und mit wem sammeln? An einem weiteren Tisch präsentierte Erica DeAbreu Goncalvez den Stadtlabor Frankfurt-Film. Im Stadtlabor 2017 drehen wir sechs Filme über die persönliche und subjektive Erfahrung von Stadt. Es kann noch mitgemacht werden!

Als weitere Rauminstallation diente an diesem Abend der Sommertour 2016 – Setzkasten. Aus 60 Weinkisten bauten wir uns die temporäre Ausstellungsarchitektur zusammen und zeigten Objekte die wir auf der Sommertour 2016 unter dem Motto „Frankfurt erforschen“ gesammelt haben. Da gab es zum Beispiel die Texte zu alten Arbeiterliedern, die wir mit dem Performancekollektiv red park vor den Cassella Werken im Chor gesungen haben, es gab Audioaufnahmen zu hören, die im Rahmen des Workshops „die Stadt hörbar machen“ mit Tine Nowak entstanden sind und das Studieren im ehemaligen AfE-Turm thematisieren, es gab einen Film zur Lebenswirklichkeit Frankfurter Familienzirkusse zu sehen, kaputte Turnschuhe die zurück geblieben sind von den vielen Kilometern, die wir im Sommer hinter uns gelassen haben, verschiedene thematische Stadtpläne zu postkolonialen Spuren in der Stadt, bekannten Frankfurter Frauen oder zum neuen Frankfurt und vieles vieles mehr!

Aus der Sommertour 2016 ist eine schöne Sammlung aus Fragestellungen, Formaten und Methoden entstanden, die es ermöglichen Stadt greifbarer zu machen. Es zeigt sich: Das Wissen über Frankfurt findet sich auf vielen Ebenen und steckt in vielen Räumen.

Jetzt heißt es aber erst mal Endspurt für die Dauerausstellung Frankfurt Jetzt! und das Making-Off.

Oh Sommer, komm doch bald wieder!

 

Abgehakt: 2016. 2017 kann kommen!

„Und wie geht es 2016  weiter: vor mir liegt eine lange Liste: dieses Jahr wird mächtig viel passieren, und wie immer, alles gleichzeitig.“ Das hatte ich vor ca. einem Jahr geschrieben und das hat sich als eine ziemlich realistische Einschätzung herausgestellt. Ziel ist es ja immer noch, im September/Oktober 2017 das neue Ausstellungshaus zu eröffnen und dafür wurde auf sehr vielen Ebenen gewirbelt. Auf einige Meilensteine möchte ich gerne hinweisen.

Zunächst eine kleine Blogstatistik: 2016 haben wir 55 Blogartikel veröffentlich. Neu dabei ist, dass wir mit den Überlegungen zur digitalen Museumspraxis von Franziska Mucha, der Kuratorin für digitale Strategien, nun eine fortlaufende Rubrik eingeführt haben – das letzte Mal hier. Und wir können auch englisch: Erica DeAbreu Goncalves berichtet regelmäßig über die Akademiestationen des Fellowship Internationales Museum. Und bald gibt es noch was Neues in Sachen Blog….

Alle Formate im neuen Ausstellungshaus wachsen kontinuierlich: Im März hatten wir einen intensiven Workshop mit den Künstler_innen für die Schneekugel, die zum dritten Mal die Modelle präsentierten . Auch das Konzept für die Projektion wurde vorgestellt und hat so richtig Lust gemacht, bald alle fertigen Modelle entdecken zu können.

Für das Stadtmodell in Frankfurt Jetzt! koordinierte Katharina Böttger  an  37 Tagen 42 Aktionen an 25 Orten. 25 beteiligten Gruppen beteiligten sich und beschäftigten sich mit den Fragen: Was ist Frankfurt, Wer macht Stadt, Welche Perspektiven gibt es auf und welche Positionen zur Stadt?  Mehr dazu hier.

Für Frankfurt Einst? haben wir im Frühjahr/Sommer die Schreibfeder geschwungen und nicht geruht, bis wir alle Ausstellungstexte fertig hatten.Über 450 Manuskriptseiten für über 4.000 Objekte haben wir erstellt….

Dann gab es noch die neue Homepage, die Vorbereitung des Online-Katalogs mit allen Exponaten, die tolle Tagung zur Inklusion, die Planung der Medienstationen, die Planung des didaktischen Materials……

Mein persönliches Highlight 2016 war zweifellos die Einbringung des Adler Autobahn . Lange hatten wir mit den Kollegen vom Deutschen Technikmuseum Berlin die komplizierte Einbringung geplant und dann hat tatsächlich alles geklappt, wie wir es ausgetüftelt hatten: Das Auto konnte mit einem Spezialkran auf die provisorische Rampe gehoben werden, es passte problemlos in den Aufzug, um damit eine Etage höher zu fahren. Nun wartet das Auto im Ausstellungsraum, auf die Fertigstellung der Ausstellung. Wir glauben: das ist ein gutes Omen für das Eröffnungsjahr!

Die Anmeldung zum Tag der Regionalgeschichte 2017 läuft!

Es ist wieder so weit: Der Dritte Tag der Regionalgeschichte kommt. Thema des Tages: Die Reformation in Frankfurt und Rhein-Main.

Am 11. März 2017 begrüßen wir Sie ab 9:30 im Historischen Museum. Am Vormittag wird es wieder den beliebten Dialog-Vortrag aus zwei verschiedenen Perspektiven geben.

Am Nachmittag, von 14 Uhr an, stehen fünf Workshops zur Auswahl. Themen sind Aspekte der jüdischen Gemeindegeschichte, die katholische Reaktion auf die Reformation in der Region, die evangelische Frömmigkeit und die Geschichte Frankfurter Stiftungen in den Zeiten der Reformation. Ein Workshop wird im Bibelhaus Erlebnis Museum in der Metzlerstraße stattfinden. Dort wird es um die Reformation als Medienereignis der Frühen Neuzeit gehen.

Anmeldungen sind ab sofort möglich; am besten wenden Sie sich per Mail an Oliver Ramonat (ramonat@ramonatkom.de). Bitte geben Sie auch den Workshop an, den Sie besuchen möchten (Stichwort genügt).

Digitale Museumspraxis #8 – das war 2016, hallo 2017!

Die ersten zehn Monate der Aventis Foundation Projektförderung für digitale Museumspraxis im Historischen Museum sind vorbei. Das ist knapp ein Drittel des Förderzeitraums – Anlass genug für einen kleinen Rückblick. Im Kick-Off-Artikel zur neuen Stelle habe ich als wichtigste Grundlage für den neuen Arbeitsbereich die digital-affine Haltung definiert: Alle Plattformen, Großprojekte und Superkampagnen sind sinnlos, wenn kein Verständnis für die digitale Kultur und ihre Userpraxis vorhanden ist. Diese Meinung vertrete ich nach wie vor, allerdings stellt sie mich vor einige Probleme: 1. Haltungen ändern sich nur langsam. 2. Haltungen sind unsichtbar. Wir können also viel über unsere Grundwerte reden – die Verankerung in der täglichen Arbeitskultur und die Demonstration in der Praxis sind die wirklichen Herausforderungen. Trotz aller Unterstützung der Kolleg/innen und Direktion braucht diese Arbeit jeden Tag sehr viel Energie und ein bisschen Sturheit. Damit wir 2017 das ganze Museum mitnehmen und einschwören können, werden wir mit internen und externen Workshops unsere digitale Strategie ausarbeiten und verschriftlichen.

Die andere große Baustelle, mit der wir hoffentlich bald schon ein bisschen Haltung sichtbar machen können, ist das Projekt „Museumsportal“. Ende Januar wird eine erste Version als neue Museumswebseite online gehen. Sie umfasst noch nicht die neuen Anwendungen, wie Stadtlabor Digital und Online Sammlung, aber sie bildet die technische Grundlage dafür. Nach einem langen Prozess der Kommunikation, kleinteiliger CMS-Architektur und kompliziertem Inhaltstransfer, konnten wir schließlich die Webseite von Usern auf ihre Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit prüfen lassen. Mein persönlicher Höhepunkt war der Feedback-Workshop, bei dem Gestalter, Programmierer und das Museumsteam auf Usability- und Inklusionsexperten trafen. Interessant war, dass sich die Ergebnisse der blinden und sehenden Tester/innen auf ähnliche Kernpunkte bezog: Farbigkeit, Menü-und Seitennavigation waren für alle Testteilnehmer/innen noch nicht ganz barrierefrei.  Im interdisziplinären Team konnten wir die Kritikpunkte produktiv diskutieren und teilweise auch mit guten Lösungsansätzen verbessern. Von den Optimierungen profitieren am Ende alle User und wir haben durch die direkte Auseinandersetzung mit unterschiedlichen User-Bedürfnissen sehr viel gelernt. Ein echter Perspektivenwechsel, der nur durch die Anwesenheit der verschiedenen Expert/innen möglich war. 2017 sollten wir diese Möglichkeit noch mehr in Anspruch nehmen: es wird Zeit, dass wir die User sprechen lassen, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und die arbeitsreichen Konsequenzen aus dem Feedback ziehen. Es ist eine weitere Chance „to walk the talk“ – also unsere viel formulierten Ansprüche in die Tat umzusetzen.

Aber auch die kleinen Schritte will ich nicht unterschlagen (und jetzt wird’s additiv): 2016 haben wir einen Whatsapp-Live-Ticker ausprobiert und einen Social Media Weekly eingeführt. Zumindest protokollarisch wurde festgehalten, dass wir unsere Online-Sammlung unter Creative Commons Lizenzen veröffentlichen werden und die Arbeiten an der Vereinheitlichung der Datenbank haben begonnen. Für den Multimedia-Guide haben wir eine tolle Mitarbeiterin auf Zeit gewonnen und den Projektpartner zur Umsetzung gewählt. Und aus „mein-frankfurt-modell“ ist das Stadtlabor Digital geworden, das als Digital-Storytelling-Projekt schon bei der Stadtlabor Sommertour 2016 fleißig Beispiel-Inhalte gesammelt hat.

In diesem Jahr werden wir weiter daran arbeiten, die digitale Kompetenz des Museums auszubauen und anschlussfähige Projekte zu verwirklichen: mit dem Multimedia-Guide, der Online-Sammlung und dem Stadtlabor Digital entwickeln wir drei ganz unterschiedliche Werkzeuge. Allen gemein ist jedoch ihre Flexibilität – die Veröffentlichung wird nur der Startschuss sein, um weiter kreativ zu werden. Wir freuen uns auf ein produktives und partizipatives Jahr!

 

Preis der Regionalgeschichte 2017

Am 11. März 2017 findet im Historischen Museum Frankfurt und im Haus am Dom der Dritte Tag der Regionalgeschichte statt. Dazu wird der Preis der Regionalgeschichte ausgeschrieben.

Wir suchen beispielgebende Projekte, in denen die Geschichte unserer Region ehrenamtlich und unter Beteiligung der Menschen vor Ort erforscht wird. Es geht uns um originelle Themen, möglichst (aber nicht zwingend) im Zusammenhang mit dem Leitthema des kommenden Tages der Regionalgeschichte „Die Reformation in Frankfurt und Rhein-Main“, um sachgerechte und innovative Methoden, um neue Ergebnisse. Uns interessiert insgesamt ein breites Fundament und nachhaltige Wirkung. Bitte bewerben Sie sich mit einer schriftlichen Skizze (per Mail/Brief an das Büro des Regionaltages) von maximal 2 DIN A4-Seiten, in der Sie die wesentlichen Punkte im Sinne der Ausschreibung darlegen.

Eine Jury entscheidet über die Preisvergabe.

Alle eingesandten Projekte haben die Chance, während des Tages der Regionalgeschichte am 11. März 2017 mit Flyern und ähnlichen Materialien auf sich aufmerksam zu machen. Denn der Tag der Regionalgeschichte soll auch dazu beitragen, vorhandenes Engagement in der Region sichtbar zu machen. Es geht also auch um Vernetzung und Kommunikation regionaler Themen, Forschungen und Initiativen.

Einsendeschluss dafür ist der Freitag, 17. Februar 2017

Einsendungen bitte an Dr. Oliver Ramonat, ramonat@ramonatkom.de

historisches museum frankfurt: Tag der Regionalgeschichte 2017

Die Künstlerin Else Luthmer (1880-1961)

historisches museum frankfurt: Else Luthmer, Ecke Sternstraße-Unterweg, Stadtansicht, Öl auf Leinwand, 1934, B1541, hmf

Else Luthmer schuf mit diesem Blick auf die fast menschenleere Sternstraße 14 mit Vorgarten eine nicht alltägliche Stadtansicht. Meine Neugier auf die Künstlerin war geweckt: wer war diese Künstlerin, die auf den ersten Blick wenig bekannt schien.

Else Luthmer (1880-1961) wuchs in einem kunstliebenden Haushalt auf und erhielt ihre erste Ausbildung durch ihren Vater Ferdinand Luthmer (1842-1921), dem Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums (heute Museum für Angewandte Kunst) in Frankfurt. Außerdem wurde sie von dem Künstler und Architekten Heinz Wetzel (1882-1945) unterrichtet, der ebenfalls als Lehrer an der Kunstgewerbeschule tätig war.

Mit 16  Jahren erhielt sie am Städelschen Kunstinstitut bis 1899 Unterricht durch den von ihr sehr verehrten Maler Wilhelm Trübner (1851-1917), der bis 1903 hier als Professor lehrte. Um 1900 brach Luthmer nach Paris auf, wo sie an der Académie Julian ihre Ausbildung erweiterte und 1909 im Salon des Indépendants ihre Werke ausstellte. Die Künstlerin beteiligte sich seit 1903 auch an zahlreichen Jahresausstellungen von Frankfurter Künstlern. So etwa 1916 im „Kunstsalon Ludwig Schames“ und andernorts wie 1906 in Weimar oder etwa 1909 in Paris.

In den Sommermonaten hielt sie sich gerne im Odenwald auf, nach 1940 wurde Lindenfels zu ihrem ständigen Wohnort. Von da an widmete sich die Künstlerin schwerpunktmäßig der Stillleben-Malerei. Sie schuf zahlreiche Landschaftsbilder mit Motiven aus dem Odenwald. Ihr ist nun der neueste Beitrag bei den Frankfurter Frauenzimmern gewidmet.

Für alle, die neugierig geworden sind, gibt es darüber hinaus nun ein Gesicht zu der Künstlerin. Ihr Selbstporträt von 1903 ist in „Kommen und Gehen – Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt/RheinMain“ in der Abteilung „Wilhelm Trübner in Frankfurt 1896 bis 1903“ zu sehen. Die sehr sehenswerte Ausstellung  wird noch bis zum 22. Januar 2017 im Museum Giersch der Universität Frankfurt gezeigt.

Zum Nachlesen gibt es ein äußerst lesenswertes Buch zur Ausstellung: „Kommen und Gehen – von Courbet bis Kirkeby. Künstleraufenthalte in der Region Frankfurt/RheinMain“. Hg. Museum Giersch der Goethe- Universität Frankfurt a. M., 2016

Laufkundschaft

Immobilienfachleute pflegen auf die Frage, welche Faktoren den Wert eines Wohn- oder Geschäftshauses bestimmen, häufig zu antworten: 1. Lage, 2. Lage, 3.Lage. Am Beispiel des Einzelhandels lässt sich dies leicht nachvollziehen: Vor allem Warenhäuser mit einem breiten Sortiment erzielen einen großen Teil ihres Umsatzes mit der so genannten Laufkundschaft, die möglicherweise erst durch das bequem zu erreichende Angebot in guter Lage zu einem Spontankauf ermuntert wird.

Hier gibt es durchaus Parallelen zu den Museumsangeboten: Wer ein Haus wie das Historische Museum betritt, weiß vielleicht beim Kartenkauf an der Pforte noch nicht immer, welche Exponate sein Interesse wecken werden. Das gilt auch und vielleicht gerade für die etwas museumsuntypische Bibliothek der Alten: Deren Besucherinnen oder Besucher, die dienstagnachmittags den zweiten Stock im Bernusbau aufsuchen, lassen sich erfahrungsgemäß in verschiedene Gruppen einteilen: Entweder kommen sie ganz gezielt zur Präsentation des Beitrags einer immer wöchentlich vorgestellten Autorin oder eines Autors. Oder sie möchten mehr über das erst in rund 90 Jahren beendete Projekt wissen und sich darüber informieren, wie man mit einem eigenen Beitrag neu in diesen Kreis aufgenommen werden kann. Aber es gibt natürlich auch die „Laufkundschaft“. Diese Besucherinnen und Besucher – und hier kommt die oben erwähnte „Lage“ ins Spiel – stoßen eher zufällig auf die Bibliothek: Beispielsweise während einer Führung zu den benachbarten attraktiven Stadtmodellen oder beim Gang zur Toilette, die nur beim Durchqueren des Bibliotheksraums zu erreichen ist. Das ist die Chance der ehrenamtlichen, aus Autorinnen und Autoren der Bibliothek der Alten bestehenden Dienstagsaufsicht, etwas Überredungskunst oder eine bisher unentdeckte  Verkaufstaktik mit den Worten anzuwenden: „Darf ich Ihnen diese Abteilung des Museums etwas näher erklären?“.  Wer weiß, vielleicht wird ja aus dem einen oder anderen Laufkunden ein Stammkunde…..

Historisches Museum Frankfurt: Die Bibliothek der Alten

 

 

A digital higher perspective

The participation at a conference is a great opportunity for discussing topics and collectively finding new answers, but not exclusively. It is also a place where more questions and provocations trigger more quest for knowledge and solutions. When going to the “Lost and Transformed cities: a digital perspective” conference in Lisbon on the 17th and 18th of November, Katharina Böttger and I knew that our talk was not only about presenting the new Stadtlabor Digital platform, but most definitely trying to look for some reactions. Little did we know that more interrogations, but also interesting insights would help us come back to Frankfurt with new experiences and new motivation to understand and make the best out of the experience the Historisches Museum Frankfurt and our digital curator Franziska Mucha are preparing for the visitors in 2017.

Our questions revolved the possibility of integrating the many perspectives of Frankfurters in the museum with this new digital platform. The consequences of such an endeavor are also among the inquiries that once in a while make us reflect upon new museological practices and the use of digital technologies. We were happy to present our paper in a very interesting afternoon with the main topic of virtual museums, but that also approached topics such as “gamefication” and interactive experiences in museums. We heard of some examples of other countries that, similarly to museums around Germany, are already implementing similar systems to involve its visitors. It was possible to participate at a very interesting discussion afterwards, together with the other speakers and the moderation of Lisbon Museum director Joana Sousa Monteiro.

Among the aspects worth retaining from the conference and consequently applying to our own work, some may reside in stretching even further the limits of providing places of wonder and creativity. Places where people can create freely, be activated and engaged, with the intention not only to increase their number of visits and time spent in the museum, but also making meaningful learning and empowering experiences. Another insight to be retained is the need to provoke people. In museums, the intention should be not only the transferring of knowledge but also to incite people to make decisions, whether it is by taking part in games, storytelling or other interactive activities, making a sort that the visitor’s own sense of action may be responsible for his particular and rewarding experience.

Furthermore, it’s also important to stress the need of interaction among people in the museum. Communication is one of the best ways of learning, which can be completed by the fact that knowledge is more democratic and plural when created together by people. Consequently, this dialogical approach between the museum and its public but also among the visitors, especially through participatory activities can have an impact on the museum’s relevance, affecting people’s experience of the space, the city, creating shared knowledge about a specific place, but also sense of ownership and empowerment.

The use of digital technologies was highly explored during the conference. Especially as a way of creating virtual representation of lost ancient cities, but also revealing a potential that such immersive experiences combined with the embodiment of once fully inhabited places of which today no more than archeological traces remain, are able to provide learning experiences whether it is inside museums or not. Nevertheless, the uses of such technologies were constantly questioned during the conference. What’s the role of these technologies after all?

Digital technologies and the internet as a virtual space are then instruments to reach more goals regarding the scope of action of museums, but also helping shape this creative space filled with enormous potential to connect people. It was stated nevertheless that not only by using screens and smartphones in museums, for example, it is possible to create experiences. Also by sound and other physically based activities, individuals are encouraged to explore a territory or a city; not only in museums but also in parks and other public spaces, by using Wi-Fi in and exploring an app, people can find tools that inspire them to actively participate in the decision-making process concerning the design of such places; that recorded and shared performances of occupying urban spaces are a way of rethinking and re-appropriating the city. Finally, that it is possible to use a digital platform in a museum as virtual social theater and an approach of modifying the way people perceive the city and the relevant place the museum intend to be for them. For these and many other inspirations we would like to thank the many speakers that were at the conference, hoping to meet them again and hear their new experiences whether it’s in a digital or a concrete space.

Wie man Kulturinteressierte und Follower anspricht

historisches museum frankfurt: die freunde & foerderer zu Gast bei derPresse- und Oeffentlichkeitsarbeit

„Kürzlich konnten wir von der Aufstellung der Kopie von Karl dem Großen an der Alten Brücke profitieren. Die interessierten Journalisten konnte ich darauf hinweisen, dass der „echte Karl“, nämlich die Original-Statue, bei uns steht und mit der Eröffnung des neuen Ausstellungshauses in der Dauerausstellung Frankfurt Einst? zu sehen sein wird.“

Mit diesen Worten gab Corinna Engel vor den freunden & förderern des Museums ein Beispiel ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die sie seit drei Jahren verantwortet. Zu ihren klassischen Aufgaben, bei denen sie von zwei Praktikantinnen unterstützt wird, gehören Pressemitteilungen – bis Mitte November haben immerhin schon 271 davon ihr Büro verlassen –, die Organisation von Pressekonferenzen und Pressegesprächen sowie das Pflegen der Webseite mit einem Veranstaltungskalender, aus dem alle, die sich dafür interessieren, Termine entnehmen können. Die Anlässe für Presseaktivitäten sind Ausstellungseröffnungen, Vortragsveranstaltungen, besondere Aktionen wie die des „Stadtlabors unterwegs“ sowie – und dies dürfte im kommenden Jahr ein ausgesprochener Schwerpunkt für die Öffentlichkeitsarbeiterinnen sein – die Eröffnung des neuen Ausstellungshauses. Im Übrigen bezieht sich die Arbeit Corinna Engels und ihres kleinen Teams auf die gesamte Museumsfamilie, also einschließlich Kinder Museum und Porzellan Museum in Höchst. Das Caricatura Museum nimmt an den zentral koordinierten Verteilaktionen teil.

Zur Museumskommunikation gehört auch die Redaktion und – in Zusammenarbeit mit einer Grafik-Agentur – die Gestaltung von Periodika, wie das alle vier Monate erscheinende Programm, die Postkarten für Musikveranstaltungen und die Jahresgabe Aura. Natürlich muss auch ein Historisches Museum mit der Zeit gehen und zur Ansprache neuer und jüngerer Zielgruppen die Möglichkeiten der sozialen Medien nutzen. Bereits jetzt enthält die Empfänger-Datei des 14-tägigen Newsletters 2000 E-Mail-Adressen und künftig dürfte auch das neu entwickelte Online-Museumsportal mit der Möglichkeit der individuellen Kommunikation durchaus attraktiv auf jüngere „User“ wirken. Auf die Frage aus dem Kreis der freunden & förderern, ob es nicht vergeblich sei, mit dem ebenfalls eingesetzten Medium Facebook auf jüngere Besuchergruppen zu schielen, antwortete Corinna Engel mit der überaschenden Feststellung, dass von über 4200 „Followern“ auf Twitter und den 2000 „Likes“ auf Facebook die Mehrzahl zwischen 30 und 60 Jahre alt sei. Von einer in einem Arbeitskreis des Kuratoriums des Museums entwickelten Bekennerkampagne mit dem Slogan „Es ist mein Museum weil…“ und der Möglichkeit, Selfies zusammen mit einer Aussage über das Museum ins Netz zu stellen, erwartet man eine weitere kreative – und kostengünstige – Werbung für das neue Haus am Saalhof.