Wir schließen den Blog zum partizipativen Museum

Im Februar 2011 haben wir unser Blog zum partizipativen Museum online gestellt. Wir haben uns nun entschieden, das Blog zu schließen, da es nun genau ein Jahr her ist, dass der letzte Post online gestellt wurde.
Vor drei Jahren war die Diskussion um das “partizipative Museum” im vollen Gange. Man hatte den Eindruck, dass kaum ein anderes Thema die Museumswelt so stark beschäftigte, wie die Frage, wer am Museum beteiligt werden soll und wie das am besten geht. Heute ist die Euphorie abgeflaut und es scheint fast so, als ob sich die Aufregung rund um das “P-Wort” gelegt hat, ja, dass es vielmehr eher ein müdes Gähnen hervorruft. Zeit für eine Bilanz!

Im Team von “Frankfurt Jetzt!” diskutieren wir viel über Partizipation. Wir beobachten, dass Partizipation mittlerweile vielerorts zum festen Bestandteil der Museumsarbeit gehört. Häufig bleibt sie aber auf die Vermittlungsarbeit beschränkt, z.B. als lustiges Mitmachangebot für Kinder, benachteiligte Jugendliche oder Migranten. Partizipation als “Zuckerle” für Randgruppen, für alle, denen das “wissenschaftliche” Museum nicht zugemutet werden kann, die man aber trotzdem irgendwie ansprechen muss??? Damit ist Partizipation zwar in der Institution Museum angekommen, sie ist aber weit davon entfernt, den Kern der Museumsarbeit zu berühren oder gar das Selbstverständnis der Institution zu verändern. Auf diese Weise kann man den Forderungen nach Mitbestimmung mit müdem Lächeln und generösem Abwinken begegnen: “Wenn Sie mitreden wollen, wenden Sie sich bitte an unsere Museumspädagogik.”

Unserem Verständnis nach umfasst Partizipation mehr. Sie zielt auf ein neues Verhältnis zwischen Museum und “Besuchern” (die wir ja lieber als “Nutzer” bezeichnen), ein Verhältnis, das auf Augenhöhe spielt, das den Dialog sucht und an den Meinungen und Erfahrungen all der anderen Experten da draußen interessiert ist. Dafür haben wir bereits Formate, wie zum Beispiel das Stadtlabor, die Bibliothek der Alten oder das Sammlungsprojekt zur “Occupy-Bewegung”. Und wir arbeiten derzeit an der Entwicklung neuer Formate und Andockmöglichkeiten, so dass Partizipation auf allen Ebenen der Museumsarbeit stattfinden kann. Partizipation soll im historischen museum frankfurt nicht nur ein “Vermittlungstool” sein, sondern die Institution verändern, sie soll menschlich, ansprechbar und nahbar für ihre “Nutzer” sein. Daher sind wir gar nicht so traurig darüber, dass wir jetzt den Blog zum partizipativen Museum schließen, schließlich findet sie bei uns im Herzen der Institution statt. Partizipationsthemen sind daher letztendlich auch viel besser auf diesem Blog aufgehoben als auf einer extra-Seite!

Ein #tweetup mit dem neuen hashtag #histweets

Wenn man es zum dritten Mal macht, ist es ja schon fast eine Tradition geworden:

am 16. Oktober findet unser 3. Tweetup statt – dieses Mal in der Ausstellung Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg.

Der Kurator der Ausstellung, Benedikt Burkhard, führt uns durch die Ausstellung, die um  15 fotografischen Porträts von zehn Personen aus Nord- und Wstafrika kreist. Das Besondere an den Fotografien ist: sie entstanden in einem Kriegsgefangenenlager in Deutschland und beleuchten den Ersten Weltkrieg und die Erinnerung daran auf eine bislang unbekannte Weise. Die Ausstellung ist unser Beitrag zu 100 Jahre Erster Weltkrieg und zu 100 Jahre Goethe-Universität, da sie in Kooperation mit dem Frobenius-Institut entsteht und mit Institut français d’histoire en Allemagne.

Es erwartet Euch also ein spannender Abend  – jetzt schon vormerken und anmelden, der Oktober kommt bald! Dieses Mal ganz neu: wir weihen dann unseren neuen Hashtag ein – damit die Tweets sich gut wiederfinden lassen, sollte immer der Hashtag #histweets dabei sein.

Eingeladen sind alle mit einem funktionstüchtigen Smartphone oder einem Tablet. Vorher/Hinterher gibt es einen kleinen Umtrunk. Der Eintritt ist für alle TwitterInnen wie immer frei!

Danke für eine Anmeldung via Twitter (www.twitter.com/histmus) oder per Mail socialmedia@stadt-frankfurt.de

Alles auf einen Blick:

Tweetup in der Ausstellung “Gefangene Bilder.Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg” mit dem Kurator Benedikt Burkhard

Termin: 16. Oktober, 19 Uhr

Ort: historisches museum frankfurt, Fahrtor 2 (Römerberg), 60311 Frankfurt am Main

Twitter-Account historisches museum: www.twitter.com/histmus

Hashtag: #histweets
storify: http://storify.com/histmus

historisches museum frankfurt: Der Gefangene Lusáni Tsisé um 1914, aus der Region Dédougou (Burkina Faso). Foto: Frobenius Institut

Ein Geldwechslerbeutel für das Kindermuseum

In einigen der stadtgeschichtlichen Führungen des Kindermuseums (z.B.  “Zusammenleben im mittelalterlichen Frankfurt” für 4. bis 7. Klasse, nähere Infos hier) behandeln wir auch die Bedeutung der Stadt als Messe- und Handelsstadt. Wichtiges Thema dabei ist immer das Geld. Händler und Käufer aus allen Richtungen der bekannten Welt trafen sich zu Messezeiten in Frankfurt. Jeder brachte sein eigenens Geld mit. Ein wichtiger Beruf war der des Geldwechslers. Ein Lederbeutel, am Gürtel getragen, mit Seitentaschen für die unterschiedlichen Währungen war nicht nur für Geldwechsler ein wichtiges Utensil.

Wir erklären, wie das Geldwechseln funktionierte und was dabei zu beachten war. Toll ist, dass wir nun – dank der Spenden unserer Museumsbesucher – einen Lederbeutel mit sechs Seitentaschen nähen lassen konnten. Dies erledigte für uns in akribischer Handarbeit ein Lederer. Er benutzte dafür sämisch gegerbtes Hischleder und handgemachte Glasperlen. Das Vorbild dafür stammt aus der Zeit um 1600 und gehört dem Städtischen Museum in Braunschweig. Dieser tolle Lederbeutel löst nun unseren auf der museumspädagogischen Nähmaschine selbstgemachten Stoffbeutel ab.

Wir danken an dieser Stelle all unseren Spendern für die Möglichkeit, uns dieses besondere museumspädagogischen Material herstellen zu lassen.

Im Trüben fischen

„Im Trüben fischen“ -  so könnte man die praktischen Übungen der Frankfurter Rettungstaucher beschreiben. Im Wasserrettungsdienst der Frankfurter Feuerwehr arbeiten 47 Feuerwehrtaucher. Sie retten verunglückte Schwimmer, bergen Fahrräder, Einkaufswagen und Munition aus den Gewässern und suchen manchmal auch nach Leichen. Jeden Dienstag übt eine Dienstgruppe das Tauchen, um auf einen plötzlichen Einsatz vorbereitet zu sein. Die Taucher sind immer zu zweit unter Wasser;  eine gelbe Leine verbindet sie mit den Kollegen an der Oberfläche.

Regelmäßig suchen die Taucher auch den Grund des Mains ab. Dabei können sie nichts sehen, dann das Wasser ist sehr trüb. Scheinwerfer helfen hier nichts, statt dessen wird der Grund regelrecht ertastet, und manchmal treten interessante Fundstücke zu Tage. Beim Abtasten fanden die Taucher jetzt ein Seitengewehr (Bajonett) aus dem 19. Jahrhundert – am südlichen Main in der Nähe des Frankensteiner Platzes in Sachsenhausen.

Wer wollte diese Waffe loswerden? Etwa ein entlassener Soldat, der vom Krieg und von Waffen genug hatte und dann die Waffe einfach in den Fluss warf? Wir können das heute nicht mehr sagen.  Auf alle Fälle haben uns die Rettungstaucher nun den interessanten Fund  für die Sammlung übergeben.

historisches museum frankfurt: Seitengewehr aus dem Main

historisches museum frankfurt: taucheranzuege des Frankfurter Wasserrettungsdienstes

Der “Wasserhahn des Mittelalters”

Als ich das erste Mal den Begriff „Lavabokessel“ gehört habe, habe ich mich erst mal gefragt, was das denn überhaupt sein sollte. Auch als ich das Objekt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, das in „100 x Frankfurt“ für die neue Dauerausstellung Frankfurt Einst? ausgewählt wurde, zum ersten Mal gesehen habe, war mir dessen Funktion immer noch nicht ganz klar. Doch ich war neugierig geworden und wollte mehr wissen. Also habe ich wieder Bücher zu Rate gezogen und das große Fragezeichen in meinem Kopf ist immer kleiner geworden.

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Ein Lavabokessel, der hauptsächlich aus Messing, eine Kupfer-Zink- Legierung, hergestellt wurde, wurde hauptsächlich zum Händewaschen benutzt. Dafür hing er an einer Aufhängevorrichtung. Unter ihm befand sich meistens ein Becken oder eine Schale und oft konnte man neben dem Kessel noch ein Handtuch finden. Gerne wird er auch „der Wasserhahn des Mittelalters“ genannt. In der Kirche benutzten Priester den Kessel vor und manchmal auch nach der Messe. Aber auch im bürgerlichen Haushalt fand man den Kessel im Schlafzimmer oder im Wohnraum.

Benutzt wurden die Lavabokessel, deren Name vom lateinischen „lavabo – ich werde waschen“ kommt, schon in der Antike, jedoch ist die zeitliche Einordnung, wie auch der Verbreitungsraum nicht ganz eindeutig. Der Ausguss und die Henkelösen waren häufig durch tierische oder menschliche Figuren verziert. An den Henkelösen finden sich oft bärtige Frauen- oder Männerköpfe und an den Ausgüssen Tierköpfe, z.B. Hundeköpfe, wie auch bei unserem Exemplar. Diese Ausführungen dienten wohl aber nur als Verzierung und haben keine weitreichendere Bedeutung. Messing wurde im Mittelalter wegen seines goldenen Glanzes geschätzt, teilweise auch als Prestigeobjekte gesehen, und daher oft, auch wegen seiner Pflegeleichtheit, für Gebrauchsgegenstände verarbeitet und gehandelt.
Auch der Lavabokessel ist ein Fernhandelsgut und wurde auf den Frankfurter Messen gehandelt. Seit dem Hochmittelalter kann man davon sprechen, dass Metalle als ein Massengut in Handel und Gewerbe auftraten, was auch durch die natürlichen Vorkommen in der Stadtnähe begünstigt wurde. Großhandel und Ausweitung des Metallgewerbes wurden durch einen Fortschritt in Transport, Abbau und Gewinnung der Materialien möglich. Warum der Lavabokessel nun zwei Ausgüsse hat (es gibt nämlich auch Exemplare mit nur einem Ausguss) leuchtet mir immer noch nicht ganz ein, aber ich könnte mir vorstellen, dass es wegen des Gleichgewichtes sein könnte oder einfach damit von beiden Seiten Wasser ausgegossen werden konnte.

Mir kommt die Vorstellung in den Sinn, wie es wohl wäre auf den heutigen Wasserhahn zu verzichten und auf einen Lavabokessel umzusteigen und entscheide mich dann doch für den Wasserhahn. Aber trotzdem ist es doch toll zu wissen, wie sich viele Menschen im Mittelalter die Hände gewaschen haben.

Was im Museum einem so passieren kann

Nach dem Beitrag über SchülerpraktikantInnen im hmf, nun ein Beitrag von einer Schülerpraktikantin selbst:

Mein Name ist Klaudia. Ich bin 16 Jahre alt und habe diesen Sommer ein dreiwöchiges berufsorientierendes Praktikum im historischen museum frankfurt gemacht.

Neulich, als ich im Museum war und eine Besucherbefragung nach dem Mittagskonzert machen sollte, kam eine sympathische Touristenfamilie auf mich zu und bat mich darum, ihnen etwas ins Englische zu übersetzen. Als ich mit dem Übersetzen fertig war, fragten sie mich, ob ich sie noch im Museum herumführen könnte. Das habe ich dann getan. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben alle viel gelacht.

Der Familienvater entdeckte die orangenen Ecken im Sammler- und Stiftermuseum für sich, die eigentlich für Kinder und Jugendliche sind. Dort kann man spielen und Sachen ausprobieren. Mir scheint es auch so, als hätte ihnen die Sonderausstellung Holzhausen sehr gut gefallen. Sie zeigten sich sehr interessiert an den tollen Kleidern auf den Bildern und fragten interessiert nach. Lange Zeit habe ich mit den freundlichen Touristen aus Indien auch in der Stauferzeit verbracht. Die Familie war richtig begeistert von meiner spontanen Begleitung  und zum Schluss haben wir noch ein gemeinsames Foto als Erinnerung gemacht.

Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und es ist ein tolles Gefühl, der Familie geholfen zu haben.

Ich hätte mir kein angenehmeres Praktikum vorstellen können!                                                                                                                   Klaudia Streich

 

Baustellenbegehung, August 2014

Am vergangen Montag, den 4. August haben wir wieder eine kleine Baustellenbegehung durchgeführt, um uns von den Baufortschritten persönlich und vor Ort ein Bild zu machen. Die Museumsgebäude sind nun im obersten Geschoss angekommen: Die West- und Ostgiebel des Ausstellungshauses werden zur Zeit gegossen wie auch die Nord- und Südwand mit den insgesamt 84 Fenstern. Dieser Raum wird später die Dauerausstellung Frankfurt Jetzt! mit dem Stadtlabor beherbergen. Von dort aus hat man einen phantastischen Blick auf die Stadt von heute. Ein idealer Raum, um gemeinsam über die Stadt und wer oder was sie ist, zu verhandeln.

Auch vom Aussichtspunkt, der etwas aus dem Gebäude herausragt, ist schon die Bodenplatte gegossen. Ich habe mich hinausgewagt und den Ausblick fotografiert. Ein schönes herausragendes Fenster in die Stadt und auf den Fluss. Sehr toll!

Im Eingangsbäude sind unsere Büros mit untergebracht. Damit wir möglichst nah am Geschehen sind – das wünschen wir uns sehr – gibt es auch dort viele Fenster, Ein- und Ausblicke.

Der Teil der Bohrpfahlwand im Osten, vor dem staufischen Bau, der nun nicht mehr benötigt wird und sogar im Weg ist, wird derzeit zurückgebaut. Dort entsteht später ein kleiner Innenhof und das Museumscafé bekommt dort seinen Platz.

Es ist so motivierend, den Baufortschritt zu sehen! Gleichzeitig wissen wir alle, dass wir uns mit unseren Planungen sputen müssen, damit nicht nur das Gebäude, sondern auch die Inhalte fertig werden.

Schüler im Museum – einmal anders

Dass Schüler/innen gelegentlich ein Museum besuchen, ist eine weit verbreitete Tatsache. Zweimal jährlich jedoch laden wir Schüler/innen im Rahmen eines Schülerpraktikums in die Häuser und Büros des historischen museums frankfurt ein und ermöglichen einen Einblick in die vielfältige Arbeit in und an einem Museum. Für die Teenager ist das Praktikum in einem Betrieb Teil ihrer Berufsorientierung und uns gibt es die Möglichkeit, unsere Tätigkeiten vorzustellen und sie für die Museumsarbeit zu begeistern.

Dass Museumsarbeit sich nicht nur innerhalb der Ausstellungsflächen abspielt, wird den Schülerpraktikant/innen meist schnell klar. Allein durch unsere große Museumsfamilie – historisches museum, kinder museum, caricatura museum, porzellan museum – gibt es bei uns einiges zu entdecken. Darüber hinaus beteiligen sich die Schüler/innen an den verschiedensten Aufgaben, die das Museum und seine unterschiedlichen Berufsfelder bereithält: Ausstellungen, Sammlungsorganisation, Veranstaltungsvorbereitungen, Forschungsarbeiten, Restaurierungsarbeiten, Archivrecherchen, Objekttransporte, Verwaltungsaufgaben, Postangelegenheiten, Depotbesuche…..

Die letzten beiden Praktikanten konnten nun sogar ein bei uns relativ neues Aufgabenfeld genauer unter die Lupe nehmen; nämlich den Bereich „Digitale Ressource und Medien“. Die Verbindung von musealer Vermittlung und moderner EDV ist seit Jahren auf dem Vormarsch und schlägt sich immer mehr in den Tätigkeitsfeldern der Museumsmitarbeiter/innen wieder. Es ist vielleicht ein Bereich, den die wenigsten spontan mit Museum assoziiert hätten, der aber bei unseren beiden Schülerpraktikanten eine gewisse Begeisterung ausgelöst hat.

historisches museum frankfurt: Schülerpraktikum

Merian 3D Werkstattbesuch #5

Die Stadt wächst und wächst: Jetzt ist sogar Sachsenhausen fast fertig gestellt! Zwei weitere, etwas entferntere Stücke der Stadt warten noch auf die Bebauung. Die Alte Brücke, die Festungsmauern, Maininseln und die Schiffe kommen ganz zum Schluss. Es handelt sich übrigens dabei um die Stadt Frankfurt 1628, gebaut nach der Grafik von Matthäus Merian.

Wie schon verschiedentlich berichtet ( 8.12.13, 3.10.1225.9.12), baut ein Freund des Museums mit einer sagenhaften Geduld und Ausdauer den Merianplan in 3 D für das Museum. Filigranstes Kunsthandwerk – alles in detailreicher Handarbeit  – entsteht an seinem kleinen Tisch in Dreieich – über Jahre hinweg.

Am 18. Juli habe ich die Freude gehabt, die “Baustelle” selbst wieder einmal in Augenschein zu nehmen. Ein paar sehr nette Stunden habe ich dort verbracht. Wir haben über die Größe des Doms gesprochen, ob und wie die Grundplatte zum Transport geteilt werden muss, ob die Gärten eine Farbigkeit erhalten oder nicht, wie detailliert die Umgebung dargestellt wird und einiges Weitere. Die Teile der Stadt, die bereits fertig gestellt wurden, sind auf dem Merianplan grün markiert. Die winzigen fertigen Bauwerke sind bereits handlich verpackt, ordentlich numeriert und platzsparend deponiert. Ich durfte einen Blick in die große Kiste werfen und freute mich, wenn ich Gebäude, wie z.B. den Römer, erkannte.

Immer wieder komme ich ganz begeistert von einen Besuch der Stadt-Werkstatt zurück und freue mich schon darauf, wenn der große, eindrückliche dreidimensionale Merianplan von 1628, gebaut von Klaus Grapow im Museum zu sehen sein wird. Zur besseren Anschauung habe ich wieder einige Fotos mitgebracht.

 

Der Brief im Fass und die Büchse an der Brust II

In meinem letzten Blogeintrag habe ich über die Entwicklung des Botenwesens und der Post seit dem späten Mittelalter berichtet. Jetzt werde ich erzählen, was ich speziell über das Stadtbotenzeichen herausgefunden habe.

Um mehr über das Stadtbotenzeichen Frankfurts und dessen Bedeutung zu erfahren, musste ich die allgemeine Literatur zur Seite legen und mich auf die Suche nach Speziellerem begeben. Und ich wurde fündig: Eine Botenbüchse, ein an einem Gürtel oder Schulterriemen befestigtes Gefäß war das Erkennungsmerkmal der Boten. Die anfängliche Funktion dieses Brieffasses war es, die Sendung zu transportieren. Später fungierte es auch als Abzeichen, dass das Wappen des Dienstherrn abbildete, mit dem sich die Boten legitimierten. Bei Frankfurt war es das Frankfurter Wappen mit dem Adler, wie bei unserem Objekt auch zu sehen ist. Das Abzeichen oder die sogenannte „Botenbüchse“ wurde den Boten in der Amtseinführung feierlich übergeben. Aus dem Patent, mit dem der Frankfurter Bote ausgestatten wurde, ist z.B. 1519 zu entnehmen:

Wir der Rath zu Franckenfurth an dem Mayn gelegen, thun kunt allermenniglich….dass wir diesen gegenwertigen Jacob Bedern zu einem unserm des Raths und Stadt Franckenfurth gelobten und geschworenen Botten uffgenommen, denselben zu Anzeige mit unserem Stadt Wappen und Botten-Büxschen versehen, und unser Bottschaft zu werben befohlen haben….

Das Material der Büchse variierte von Holz über Leder zu Kupfer und Silber und brachte gleichzeitig auch den Rang des Boten zum Ausdruck – kupferne und silberne Abzeichen standen höher im Rang. Die Botenbüchse wurde auf der linken Brustseite unter dem Mantelkragen getragen und war an mehreren Ketten befestigt. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Botenbüchse zu einem Botenschild. Um sich vorstellen zu können, wie das ausgesehen haben konnte, suchte ich nach Abbildungen in der Graphischen Sammlung des Museums und stieß dabei auf den „jauchzenden Bothen“ aus der Zeit um 1600. Hierbei handelt es sich um eine Graphik von 1631 zur Zeit des 30-jährigen Kriegs. Der Bote trägt bereits ein Botenschild mit dem Frankfurter Adler. Der auf der Abbildung zu sehende Botenspieß oder Botenstab verhalf bei der Reise um schwierige Wege zu begehen.

historisches museum frankfurt: der jauchzende Bote aus der grafischen Sammlung_N42741

1579 ernannte Rudolf II. Leonhard von Taxis zum Reichsgeneralpostmeister und erklärte die Post zum kaiserlichen Regal, d.h. zu einem Hoheitsrecht. Das Postrecht war dem Haus Thurn und Taxis übertragen worden, was zur Folge hatte, dass die sogenannten „Nebenboten“, also die Boten des bisherigen Systems, verboten wurden. Aus diesem Verbot resultierten Konflikte, die sogar Verhaftungen nach sich zogen. Das Haus Thurn und Taxis konnte seinen Monopolanspruch nicht durchsetzen, da sich so viele Landesherren und Städte widersetzten und ihre fest etablierten Boteneinrichtungen weiterführten. Die Konflikte endeten mit der Durchsetzung von Taxis’schen Postämtern in den Reichsstädten und mit einem Kompromiss in Bezug auf die städtischen Botenanstalten.

Es ist wirklich faszinierend, wie viel Informationen und Geschichte in so einem Gegenstand stecken können und wie viel Neues man davon lernen kann. Mich hat die Geschichte des Frankfurter Stadtbotenzeichens sehr bereichert und es wird mit Sicherheit auch viele andere Menschen, die die Ausstellung besuchen werden, begeistern.