Sommer. Jetzt!

Was haben Bügel, Passivhaus, Wohnwagenstandplatz, Stadtführer, Albert Schweitzer, die Dürerstraße und Steinlestraße, WohnRaumSuche, Strangers, Rödelheim, Hausgemeinschaft und Bewohner des Howard-Philipps Hauses gemeinsam?

Sie alle geben Antworten auf die Frage: Wer wohnt wie in Frankfurt?

Und wenn man Probenraum, Stadt-Halten, Konspirieren 1-5, Fachwerkbrutalismus, neue alte Stadt, die Gründung der Frankfurter Botschaft, Frankfurt`s Colonial Amnesia, Straßenblick, Stadt und Krise, Friedhofsführung zu Frankfurter Frauen, Zurück in die Zukunft, Skizzenspaziergänge durch Frankfurt, Geschichten der Stadt hörbar machen und ich sehe was, was du dazu nimmt?

Einen wunderbaren Mix aus Methoden & Themen, um die Stadt zu erforschen.

Denn: Sie startet, endlich, unsere Sommertour 2016. Ab kommendem Sonntag ist das Stadtlabor unterwegs mit künstlerischen Interventionen, Workshops, Stadtspaziergängen, Lesungen und elf Antworten auf die Frage: Wer wohnt wie in Frankfurt? An 37 Tagen sind wir mit 42 Aktionen an 25 Orten und mit 25 beteiligten Gruppen in der Stadt unterwegs und fragen uns: Was ist Frankfurt, Wer macht Stadt, Welche Perspektiven gibt es auf und welche Positionen zur Stadt?

Wir starten am 26.6. mit dem Künstler Kai Söltner und spazieren durch die Stadt, um Proben von Frankfurter Orten zu entnehmen, die hinterher in Globuli transformiert werden und in zwei Shows (am 17.7 und 28.7.) von Teilnehmer/innen eingenommen werden können. Mit dabei ab 14:30 Uhr im koreanischen Garten des Grüneburgparks ist unser Stadtlaborfahrrad –  als Kuchen- und Willkommensfahrrad. Am 8.7. gibt es dann ab 18 Uhr eine große Eröffnungsfeier mit der ersten mobilen GPS-Bar zum Thema Konspirieren 1 – agitieren und propagieren von Red Park, Aktionen vom Museum und den Kooperationspartnern von Frankfurt deine Stadt. Wo? Das wird 48 h vorher hier veröffentlicht. Am 31.7. gibt es ein Special zum Thema: Lesung, Live-Feed, Stadt. Erstmalig probieren wir Whatsapp als Live-Ticker aus. Klassische literarische Stadterkundung trifft somit auf digitalen Lebensstil: Zwei befreundete Autoren, er aus Frankfurt, sie stadtfremd, spazieren durch die Straßen und schicken sich per Handy ihre Beobachtungen in Form von Notizen, Bildern, Zitaten, Audioaufzeichnungen. Dabei werden sie selbst beobachtet: Die „Zuschauer/innen“ können auf dem Projektblog oder per Whatsapp direkt mitlesen und den Weg verfolgen. Daraus entsteht ein Text, den die beiden Autoren dem Frankfurter Publikum bei einer Lesung im Museum präsentieren. Um am 31.7. per Whatsapp live dabei zu sein, sind drei Schritte nötig: 1. Legen Sie für die Rufnummer +491711757260 einen Kontakt an. 2. Senden Sie an diesen Kontakt eine Nachricht mit „live“. 3. Verfolgen Sie die multimediale Stadterkundung am 31.7. live mit.

Mit auf Forschungstour gehen bei den Aktionen auch Kamera, Audiogerät, Block und Stift, um fleißig Beiträge für unsere digitale Stadtkarte zu sammeln, die im Herbst online gehen wird und alle einlädt, ihr Wissen über Frankfurt zu teilen. Über die Aktionen der Sommertouren berichten wir auch auf unseren Social-Media-Kanälen Instagram, Twitter und Facebook mit dem Hashtag #stadtlaborhmf.

Eine intensive Planungszeit, spannende Workshops, kuratorische Beratungen und individuelle Treffen im Café, Museum, Stadtteilbüro am Bügel, Malerviertel und, und, und liegen hinter uns. Nun freuen wir uns die Projekte an vielen Orten in Frankfurt umzusetzen, zu begleiten und zu sehen: Frankfurt ist viele Städte! Mehr zum Programm  und aktuelle News über die Sommertour finden sie hier.

Bis zum 17. September 2016 laden wir alle herzlich ein, mit uns die Stadt zu erforschen und viele Perspektiven auf Frankfurt kennenzulernen!

 

138 Jahre jung – und noch viel vor!

Wenn es bei der Generalprobe eine Panne gibt, kann die spätere Aufführung nur gelingen: Als Jan Gerchow die Gäste des 138jährigen Museumsgeburtstags begrüßte, der immer um den 13. Juni herum gefeiert wird, versagte der Beamer (der am nächsten Tag wieder einwandfrei funktionierte, Anm. der Red….) . So konnte er das noch im Bau befindliche neue Haus nur verbal beschreiben. Ebenso wie der Kuratoriumsvorsitzende Roland Gerschermann nutzte er die Veranstaltung im vollen Sonnemann-Saal zum Dank für das wundervolle „Geburtstagsgeschenk“. Dabei wurde vor allem der scheidende Kulturdezernent Felix Semmelroth für seinen Einsatz bei der Verwirklichung des Neubaus mit Beifall bedacht. Auch den Unterstützern des Museums im Frankfurter Römer und in der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie den zahlreich anwesenden Freunden und Förderern der Stadtgemeinde für ihre stetigen Zuwendungen galt der Dank .

Dass in dem neuen Museum nicht einfach die bisherigen Exponate in neuen Räumen aufgestellt, sondern auch neue Wege im wörtlichen Sinne gegangen werden, wurde bei den Ausführungen von Anne Gemeinhardt deutlich. Sie stellte ein beeindruckendes Konzept für Inklusion vor, nach der sich möglichst alle Museumsbesucher und -besucherinnen – mit und ohne Behinderung der unterschiedlichsten Art – selbstständig die künftigen Ausstellungen erschließen können. Dafür hat das Museum ein Leitbild erarbeitet, das auch während einer Tagung im Dezember diskutiert werden soll.

Der Ehrengast der diesjährigen Geburtstagsfeier, Lene Floris, Director History & Art der Stadt Kopenhagen, berichtete aus ihrer Tätigkeit als Chefin von vier kulturellen Institutionen, darunter zwei Kunstmuseen.  Mit den Worten „In einer Beziehung sind Sie in Frankfurt weiter als wir“, bezog sie sich auf den Neubau am Römerberg. „Wir werden bis 2018 von einem nicht dafür geeigneten historischen Gebäude in ein anderes historisches, aber ebenfalls nicht ideales Gebäude umziehen – dafür aber inmitten der Stadt“. „Und wir träumen von einer neuen Ausstellungshalle auf einer Insel“ fügte sie hinzu. Ansonsten zeigte sie deutliche Parallelen für die Aufgabenstellung der Häuser in Kopenhagen und Frankfurt auf: Dazu gehören die Erschließung neuer Besuchergruppen, die Digitalisierung der Bestände, um ihren Zugang zu erleichtern („access is a democratic issue“) und die Kooperation mit anderen, auch ausländischen Häusern. Das Stadtmuseum von Kopenhagen und das Frankfurter Museum gehen manchmal ähnliche Wege, gerade was das Thema Partizipation anbelangt. Floris verwies hier auf das große digitales Projekt, das partizipative Strategien integriert. „The Wall“ ist eine interaktive und erweiterbare Bilder-Plattform von Kopenhagen, die man seit 2010 an wechselnden Orten im Stadtraum besuchen kann. Die Kopenhagner können hier ihre Sicht auf die Stadt einbringen und kommentieren. Solche Beispiele zeigen, dass das bisher eher negativ aufgeladene Wort „museal“ künftig im Sinne von „innovativ“ gebraucht werden sollte.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Zusammenführung von vier durchaus unterschiedlichen Institutionen (Thorvaldsen-Museum, Nikolaj-Kunsthalle, Stadtarchiv und  Stadtmuseum) nicht problematisch sei, antwortete die studierte Europäische Ethnologin unverblümt: „Natürlich wurde dieses Konzept intensiv diskutiert und sicher werden hier Synergieeffekte erwartet. Aber ohne den Zusammenschluss wäre kein Geld geflossen.“ Abschließend fügte sie augenzwinkernd hinzu: „Vielleicht wird es hilfreich für meine Aufgabe sein, dass ich erst kürzlich meinen Master in Public Governance  an der Copenhagen Business School erworben habe“.

 

Brazil meets Germany at Akademiestation in Halle / Leipzig

Brazilian Researcher but world citizen, I will be working in the Historisches Museum Frankfurt as an international fellow for 18 months together with the Frankfurt Jetzt! team to bring new perspectives from brazilian and portuguese theories and experiences.

The program Fellowship Internationales Museum by the Kulturstiftung des Bundes (German Federal Cultural Foundation) is now on its second round and for 18 months in 2016 and 2017, 18 curators and researchers from foreign countries challenge 18 German museums in an internationalization endeavor on the pursuit for new methods, themes and new forms of cooperation and network establishment with other countries.

Being a researcher in museology, to be part of the program, has not only allowed me so far to experience a nice and fruitful working environment and learning place at the Historisches Museum Frankfurt, but also to follow the interesting program’s mobile Akademie Fellow-me! The first station Ethics – Über das Richtige, das Falsche und das Dazwischen (Ethics – About right and wrong and what is in-between) took place in Halle (Saale) and Leipzig from the 19th to the 21st of May.

It was a sunny and rather pleasant morning when my mentor Angela Jannelli and I arrived in Halle (Saale) after a train ride full of discussions and conversations along with interesting sights and her insightful comments, which somehow also translated to me some of the History of Germany. After a reception at the beautiful building of the German Federal Cultural Foundation, coffee and interesting talks were shared among the fellows and their mentors about their projects. Little did I know that many important questions and challenges about ethics in museums were to rise in the course of the event. Learning about other people’s past and current experiences and having a glimpse of their cultures allowed me to also reflect upon my own expectations. During the first speeches given by the organization members it became clear how new perspectives brought by people from other countries were important to the program, but side by side with the risk they would imply.

At the beginning of the program, the possibility to witness one of the ancestors of the museum as we know it today, a cabinet of curiosities at the Franckesche Stiftungen (Franckesche Foundation) was followed by a lecture about ethics by the president of the Deutscher Museumsbund (German Museums Association), Professor Dr. Eckart Köhne. The ICOM (International Council of Museums) and its Code of Ethics were the mains subjects of the presentation, which focused on collections, collecting and repatriation and the difficulties to have an international standard, for many problems still derive from stately laws and even specific museum guidelines regarding the recommended practices on the matter. Interventions by questioning fellows gave a hint of the post-colonial matters that would later be a highly debated subject.

The next days’ events were held in the city of Leipzig. At the Deutsche Nationalbibliothek Deutsches Buch- und Schriftmuseum (National Library of Germany and German museum of Books and Writing) a presentation and tour at the beautiful old and new buildings were given by paper specialist Dr. Frieder Schmidt; also a conference about iconography by international fellow Helena Doudova that was followed by a workshop: Picto Talk – Grafisches Zeichnen als gemeinsame Sprache (Graphic design as a common language), by illustrator Johanna Benz. There we were able to draw our colleagues but also our own subjectivity. The results were amazing!

In the afternoon, off we went to the Leipziger Baumwollspinnerei, an area of old cotton factory buildings reconditioned and transformed into amazing cultural places such as the HALLE 14 Zentrum für zeitgenössische Kunst (Contemporary Art Center). There the colonial and post-colonial issues emerged as main topics. Should we close ethnographical collections and museums after all, in order to make justice to those affected by the processes? How could it be possible to promote awareness regarding this dark past, but also targeting concrete actions?

The director of Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen (Saxony State Ethnographical Collections) Nanette Jacomijn Snoep spoke about an “imagined museum” in which ethical matters would be properly and carefully observed. This lecture was followed by a World Café where the conclusions about professionalism, ethics, the possible end of collecting and by whom, for whom and with whom museums should work for, were presented and the experience proved to be really enriching and clarifying, corroborating that collective thinking and plural perspectives work for the best in most of the cases.
During the last day and the very last activity at the Grassi Museum für Völkerkunde (Grassi Museum of Ethnology), fellows, mentors and other participants were invited by Dr. Benjamin Meyer-Krahmer, visiting professor at the MA program Kulturen des Kuratorischen (Cultures of the Curatorial), held by the Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Leipzig Academy of Visual Arts), to go through the permanent exhibition in order to identify possible problems of displaying ethnographical collections. Afterwards he presented a recent experience that took place in the museum, which tried to subvert some of the established traditions of ethnography and ethnographic exhibitions when a group of art students was allowed to do interventions in the permanent collections’ rooms. Even though controversial, this approach can be an interesting way of updating the role of museums to make it fit better to today’s societies’ needs and contexts.

One last point that still remained unanswered was the ethical problem regarding the instrumentalization of museums and the use of its authority and symbolic power to legitimize specific private interests, some political ideologies or still stereotyped and even oppressing points of views. This and other questions will probably be discussed in the next sessions of the „Akademie“. While waiting for them, I shall continue to bring ethics to my own work trying to relate to the projects at the Historisches Museum Frankfurt. It already presents an important approach with many participative methods and activities, which were even given as examples sometimes during the event. Those projects make the museum to be an alive and representative museological institution that I can hopefully incorporate in my own work, but where I can also contribute with different perceptions from my own previous knowledge and experiences. These are the challenges in the next few months in the Historisches Museum Frankfurt and I look forward to it!

It’s important to conclude that within the framework of post-colonialism but also contemporary global crisis situations regarding people and culture, Germany and Frankfurt have found a good way of promoting the efforts of decolonization of thoughts and museums by taking into consideration the voices of those that many times in the past did not have this opportunity. This is a big step towards ethics in museums. Many countries of the Global South are represented among the 18 fellows such as South Africa, Jamaica, Turkey, Iran and Indonesia, and me as a Brazilian, along with other European colleagues. They all have already demonstrated that they want indeed to bring new and challenging perspectives to German museums, so I’m eager to the next session of the „Akademie“ in August to find more about them!

Architektur-Metamorphosen

Vor 200 Jahren ließ der Bankier Simon Moritz von Bethmann die von dem Stuttgarter Bildhauer Johann Heinrich Dannecker geschaffene Skulptur „Ariadne auf dem Panther“ in seinem kurz zuvor neben seinem Landhaus vor dem damaligen Friedberger Tor errichteten Gebäude aufstellen. Der bungalowartigen Behausung für die Großskulptur, die heute im Frankfurter Liebieghaus ausgestellt wird, gab er den Namen „Ariadneum“. Das 1853 in den Besitz der Stadt gelangte und noch heute bestehende klassizistische Gebäude ist damit der  erste Museumsbau in Frankfurt und zog Tausende von Besuchern an. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte u.a. als Café („Kurhaus Milani“), Tanzlokal,  Disco und Nachtclub („Odeon“) hinter sich und soll nach Pressemeldungen unter dem Namen „Le Panther“ und der branchentypischen Bezeichnung „Event Location“ nach Renovierungsarbeiten wieder eröffnet werden.

Nun ist eine neue Nutzung von Gebäuden in Zeiten der Umwandlung von Fabriketagen in Lofts und des Umbaus  nicht mehr genutzter Kirchen in Museen und Architekturbüros nicht ungewöhnlich. Schließlich befinden sich heute Hörsäle der Goethe-Universität in dem früheren Bürogebäude der I.G. Farben, die ehemalige Großmarkthalle wurde in den Neubau der Europäischen Zentralbank integriert, das alte Straßenbahndepot in Bockenheim ist eine Theaterspielstätte und in dem für die deutsche Parlamentsgeschichte wichtigsten Gebäude der Stadt, der Paulskirche, wurden bis Kriegsende Gottesdienste abgehalten. Was den ältesten Frankfurter Museumsbau betrifft, so ist es eine kuriose Vorstellung, dass in dem Gebäude, in dem zur Biedermeierzeit fein gewandete Kunstliebhaber mit wohligem Schauer die nackte Ariadne bewunderten, heute leger angezogene Paare unter Stroboskoplicht Hip-Hop tanzen…..

historisches museum frankfurt: Ariadne von Dannecker. Aquarell von Johann Adam Ackermann 1817

Digitale Museumspraxis #3 – Take-Home-Messages

Als wir im Sommer 2015 den Förderantrag für die Stelle „Digitale Museumspraxis” schrieben, war klar, dass zur Projektstelle ein guter Teil Forschung, Vernetzung und Austausch gehört. Nachdem ich im letzten Blogpost aus dem internen Vernetzungskästchen berichtet habe (und der Prozess ist ongoing), geht es diesmal um den externen Austausch und die Frage: wie lassen sich die Erfahrungen und Inspirationen, die in locker-leichten Get-Togethers abroad gewonnen werden, wieder in die Institution zurückspielen?

Na klar, bin ich „proud to be a catalyst for creative culture in the world“ – das Poster habe ich gemeinsam mit Booklet, Fotos und Notizen von der letzten Fortbildungsreise mitgebracht. Vom 18. bis 20. April habe ich auf der MuseumNext Konferenz in Dublin über die Zukunft der Museen nachgedacht, diskutiert, getrunken und geträumt. Die englischsprachige Konferenz wurde 2009 wegen des anstehenden digitalen Transformationsprozess ins Leben gerufen und widmet sich seitdem den veränderten Erwartungshaltungen der Besucher/innen: „we saw that museums needed to embrace change, or risk extinction.“, sagt der Gründer Jim Richardson im Interview. Catchy Dino-Analogie, abgesehen davon schwören die Dagewesenen auf die inspirierende Kraft der Veranstaltung. Um dem Vorwurf esoterischer Dienstreiserechtfertigungen direkt vorzubeugen: der Fokus auf digitale Entwicklung war natürlich ausschlaggebend für meine Teilnahme.

Einen Monat später sitze ich hier, habe das Poster an die Wand gehängt, meine Kolleg/innen mit einer Präsentation ganz gut unterhalten und frage mich: was bleibt? Was habe ich gelernt? Und was machen wir im Museum daraus? Hier einige Vorschläge:

  • Für das nächste Konferenzbingo sollten folgende Begriffe unbedingt auf dem Zettel stehen: Millenial, Credibility, Social Change, Audiences, Responsibility, Community, Collaboration, EdgeEffect, Strategy, Mission, Vision, Interactive Experiences
  • Mehr über Menschen nachdenken – z.B. über Zielgruppen (die am liebsten nach Alter oder Herkunft fein ausgesiebt und mit Angeboten bedient werden), Communities (die in komplizierten Workshopzyklen zum Austausch eingeladen werden) und schließlich auch über Museumsmitarbeiter/innen (die als Ressourcen motiviert, mitgenommen oder diversifiziert werden sollten, #bestquote dazu war „Why don’t you open your front door for staff?“)
  • Kreativ werden, wenn es um Finanzierungsmodelle geht: ob Eintrittspreis, Cultural-Entrepreneurship oder Sponsoring durch Firmen, die ihre Corporate-Social-Responsibility wahrnehmen möchten, die Geldnot ist ein Thema das Museen umtreibt.
  • Never forget the Power of Pizza! Mögliche Kooperationspartner und Leidensgenossen finden sich am einfachsten im sozialen Miteinander, das bei MuseumNext seinen Höhepunkt im Science-Gallery-Get-Together fand: zwischen Jelly-Fish-Tasting, Geburtstags-Twin-Suche, Ping Pong und Failure-Pecha-Kucha war es wirklich unmöglich keine Kontakte zu knüpfen.
  • Neben neuen und alten Kontakten, habe ich auch Formate mitgebracht, die zum Nachmachen einladen: z.B. Museomix, Kids-Takeoverday und Blikopeners.
  • Egal, ob sich das Museum als politischer Akteur, als kreativer Katalyst, als kulturelle Identitätsmaschine oder emotionaler Auraort versteht – das Branding und das CD sind die halbe Miete zur internen und externen Kommunikation. Den Preis für die schönsten Folien hat diesmal mit Sicherheit das Natural History Museum London bekommen.
  • Und schließlich, der Digital-Diskurs ist erst mal gesättigt: digital wurde in ein paar wenigen Nebensätzen erwähnt, als Werkzeug, Vermittlungshilfe, evtl. auch als neue Objektgattung, aber viel Raum hat das Digitale in Dublin nicht bekommen. Die einzigen, die wirklich nicht aufhören konnten davon zu sprechen, waren die Firmenvertreter/innen, die vor allem „Interactive Experiences“ im Angebot hatten.

Viele Beiträge gibt es auch online zum Nachschauen. Um zum Abschluss die Antwort auf die gestellte Frage nicht ganz schuldig zu bleiben: je mehr Kolleg/innen von den Ideen erfahren, um so besser. Am besten funktioniert das natürlich, wenn man schon gemeinsam an der Veranstaltung teilnehmen kann. Da das aber besonders bei internationalen Konferenzen eine erhebliche finanzielle und zeitliche Belastung bedeuten würde, gilt es in der Nachbereitung die Ideen in handliche „Take-Home-Messages“ zu packen, zu visualisieren und im Gespräch am Leben zu halten. Check, fertig, Feierabend? Nein, nein, natürlich wird das Gespräch am Montag wieder aufgenommen, diesmal bei der MAI-Tagung in Hamburg…

Die Fahne oben halten_hmf2016Was sind eigentlich Millenials_hmf2016Die schönsten Folien_hmf2016Was wissen wir eigentlich ueber unsere Besucher_hmf2016proud to be a catalyst for creative culture_hmf2016

Erna Wilhelmine Pinner (1890-1987) – Künstlerin, Naturwissenschaftlerin und Weltreisende

Die Künstlerin Erna Pinner war eine äußerst vielseitige Persönlichkeit. Dank ihrer kreativen künstlerischen Art sowie ihrer lebendigen, kritischen Persönlichkeit wurde sie rasch über ihre Heimatstadt hinaus bekannt. Mit ihrem Lebensgefährten bereiste sie ab Mitte der 1920erJahre Südeuropa und Nordafrika, Südamerika und Afrika. Ihre Reiseerfahrungen verarbeitete sie in zahlreichen Publikationen.

Als ihre künstlerische Arbeit immer stärker werdenden Einschränkungen durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten unterlag, entschied sich Erna Pinner 1935 für die Emigration nach England. Hier gelang es ihr, sich eine neue Karriere als Wissenschaftlerin und Buchillustratorin aufzubauen. Ihrem Lebensweg gilt ein neuer Artikel bei den Frankfurter Frauenzimmer.

historisches museum frankfurt: Erna Pinner, um 1925

Internationaler Museumstag 2016 – #paintmuseum #imt16

Bald ist es wieder soweit: Der Internationale Museumstag 2016 findet am 22. Mai auch im Historischen Museum Frankfurt statt!

Wie auch schon letztes Jahr, können alle Twitterati, Blogger und Instagrammer… am 22. Mai bei Vorzeigen ihres Smartphones oder Internetfähigen Tablets kostenlos das Museum besuchen. Mit den Hashtags #IMT16, @histmus und für dieses Jahr auch #PaintMuseum sind wir alle miteinander vernetzt.

#PaintMuseum ist dieses Jahr das digitale Motto des Museumtages. Jede/r kann und soll unter diesem Motto das Lieblingsobjekt, das Museum und die Menschen im Museum zu malen. Ob mit dem Finger auf dem Touch-Screen des Smartphones oder mit einem Bleistift auf einem Blatt Papier spielt dabei keine Rolle. Unter #PaintMuseum können die entstandenen Werke mit der Welt geteilt werden. Bei den Kulturkonsorten kann man das auch noch einmal nachlesen und sich ein hübsches Youtube-Video ansehen. Vorab gibt es am 19. Mai einen Live-Chat ab 17 Uhr. Für die digitalen Zeichner gibt es hier ein paar Vorschläge für Zeichen-Apps.

Übrigens: Alle Fans des Analogen bekommen bei uns an der Kasse einen Block und Bleistift, um sich austoben zu können.

Bei der Führung durch den Rententurm von ganz oben den Blick auf den Main zu Papier bringen? Oder sich doch lieber im Miniaturenkabinett der Morgensterns oder der Sammlung Prehn inspirieren lassen? Wir freuen uns auf den zahlreichen Besuch von allen Kreativen, Künstlern und solche, die es werden wollen und bitte alle, die kreativen Ergebnisse mit uns zu teilen.

Die Ökonomie und ihre Grenzen –

Schulterblick in die Werkstatt des Holzrestaurators

Das Historische Museum ohne das Gontardsche Puppenhaus – das ist ebenso undenkbar wie das Städel ohne Tischbeins Gemälde „Goethe in der Campagna“. So war es eine schöne Geste, dass Christoph Wenzel bei seinem „Schulterblick“ in die Werkstatt des Holzrestaurators für die Freunde und Förderer seine Arbeit am Beispiel des berühmten Puppenhauses aus dem 18. Jahrhundert vorstellte. Ursprünglich spielten damit wahrscheinlich die Mädchen der Bankiersfamilie Gontard; 1879 wurde es von deren Nachkommen dem Historischen Museum geschenkt. Im Rahmen der Vorbereitung der Dauerausstellung im Neubau des Museums zeigte Christoph Wenzel einige der unzähligen Einrichtungsgegenstände, die derzeit gut verpackt im Depot liegen und auf ihre Vollständigkeit und ihren Zustand überprüft werden. Allein diese Auswahl an Einzelteilen, ein Kaminsims aus dem Salon des Puppenhauses, eine Kommode mit Elfenbeinintarsien sowie Silbergegenstände zeigen, dass ein Holzrestaurator auch über Kenntnisse von anderen Werkstoffen verfügen oder sich darüber mit seinen jeweiligen Fachkollegen austauschen muss. So gibt es in der geräumigen Holzwerkstatt neben einer – selten benutzten – Hobelbank und Schraubzwingen von beeindruckender Größe auch eine UV-Leuchte, um Lacke zu bestimmen.
historisches museum frankfurt: Das Gontardsche Puppenhaus
Das Gontardsche Puppenhaus wird in der künftigen Dauerausstellung des Museums einen Platz im Bereich „Geschichten vom Geld“ einnehmen und das Grundprinzip der Ökonomie repräsentieren, das auch für einen Haushalt gilt. Dass dieses Prinzip des effizienten Einsatzes von Material und Zeit für einen Museumsrestaurator nicht immer einzuhalten ist, zeigte Christoph Wenzel am Beispiel der Reparatur eines Barockstuhls. An diesem Stuhl, der zur Sammlung des Museums gehört, aber gegenwärtig im Römer denjenigen Besuchern der Stadt als Sitzgelegenheit dient, die sich ins Goldenen Buch eintragen dürfen, musste eines der gedrechselten Beine repariert werden.

„Ein normaler Schreiner hätte in das defekte Stuhlbein mit zwei Dübeln ein neues Holzstück eingesetzt und durch eine neue Lackierung die Reparatur nahezu unsichtbar gemacht. Das wäre für den Kunden preisgünstig gewesen,“ erläuterte der Museumsrestaurator das Vorgehen, das für ihn nicht in Frage kommt. Nach seinem Berufsethos steht das Bewahren des Museumsstücks in seinen originalen Teilen und in der originalen Verarbeitung mit der Folge eines in der Regel größeren Zeitaufwands im Vordergrund. Vielleicht sollte das Protokoll des Römers künftig ein kleines Schild neben das Goldene Buch stellen: „Bitte nicht mit dem Stuhl kippeln“……

 

historisches museum frankfurt: freunde und foerderer in der Holzrestaurierung, Foto: E. Neubronner

Ludwig Börne und der bildgewordene Freiheitskampf

Zeugnisse eines künstlerischen Austauschs zwischen Deutschland und Frankreich aus den 1830er Jahren sind ziemlich selten. Überspannte deutsche Nationalromantiker hatten Frankreich nach den Befreiungskriegen zum „Erbfeind“ erklärt und damit den intellektuellen Dialog zwischen den beiden Nationen nachhaltig erschwert. Dass hinter einem der eindrucksvollsten und sprechendsten Börne-Porträts in der Sammlung des hmf der große französische Bildhauer David d’Angers steht, ist daher zunächst überraschend. Wie kam es zur Entstehung dieses bronzenen Medaillons aus dem Jahr 1836?

historisches museum frankfurt: Ludwig-Börne-Plakette von 1836

Frankreich hatte im Leben Ludwig Börnes früh eine wichtige Rolle gespielt, denn Napoleon und seine Truppen hatten dem 25-jährigen Frankfurter Juden im Jahr 1811 nicht nur die lang ersehnten Bürgerrechte gebracht, sondern ihm auch eine Verwaltungskarriere als Polizeiaktuar in seiner Heimatstadt eröffnet. Ludwig Börne hieß damals noch Löw Baruch und hatte gerade sein Studium der Kameralwissenschaften hinter sich gebracht. Kaum drei Jahre später, 1814 also, waren seine Bürgerrechte und seine Karriere aber schon wieder dahin, denn mit dem Ende der französischen Besatzung war auch das Ende des liberalen Klimas in der Freien Stadt Frankfurt gekommen.

Für den jungen „Louis“ Baruch war diese Erniedrigung ein Erweckungserlebnis und der Ausgangspunkt seines journalistischen Kampfes für Freiheit und Bürgerrechte in Deutschland. Er legte Namen und Konfession ab und geißelte fortan als Ludwig Börne in politischen Glossen und provokanten Theaterkritiken die politisch-kulturelle Trägheit in den Staaten des Deutschen Bundes. Die reaktionären Regierungen, die die Bildung einer unabhängigen öffentlichen Meinung um jeden Preis verhindern wollten, sahen das mit Entsetzen und trieben Börne durch Schikane und Repression bald nach Paris. Hier, im „Mekka der gläubigen Liberalen“ (Heinrich Laube) lebte Börne seit den 1820er Jahren zunächst meist in den Sommermonaten. Erschöpft von den ewigen Auseinandersetzungen mit den Hochverrat-schnüffelnden Polizisten und Zensoren nahm er nach dem Ausbruch der Julirevolution 1830 endgültig seinen Wohnsitz in einer kleinen Wohnung unweit des Boulevard des Italiens.

In Paris bewegte Börne sich viel in den Kreisen der emigrierten polnischen Freiheitskämpfer und in den politischen Salons der Linken. Hier kam es wahrscheinlich zu der ersten Begegnung mit David d’Angers, der in den Zirkeln der revolutionären High Society stets nach neuen Modellen für seine „Galerie des contemporains“ suchte. Sein Projekt einer enzyklopädischen Porträt-Sammlung hatte der französische Bildhauer im Jahr 1827 begonnen und als ein Pantheon der Heroen des Fortschritts und der Freiheit angelegt. Bis zum Jahr 1854 verfertigte er über 500 Bildnis-Medaillons von Schriftstellerinnen, Künstlern, Historikern und Naturwissenschaftlern, insbesondere aber von politischen Autoren und Oppositionellen aus ganz Europa. Der durch die „Briefe aus Paris“ (1832) berühmt gewordene deutsche Schriftsteller und Dissident passte perfekt in das Portfolio progressiver Zeitgenossen.

Doch Börne war für David d’Angers nicht nur eine weitere Trophäe in seiner Sammlung. Die beiden verband eine gemeinsame liberale und republikanische Überzeugung. Der Franzose hatte sich während der Revolutionstage im Juli 1830 aktiv am Barrikadenkampf beteiligt und war während seiner Studienzeit ein Mitglied der Carbonari gewesen, des bedeutendsten Geheimbundes in den italienischen Staaten mit ihrem Ziel der nationalen Einheit und Unabhängigkeit Italiens. Börne und David d’Angers verfolgten mit unterschiedlichen Mitteln ganz ähnliche, kosmopolitische Ziele und traten im Sinne ihrer freiheitlichen Ideen für einen Austausch zwischen den Nationen Europas ein. Während der Frankfurter Autor diesen Austausch über die journalistische Etablierung einer deutsch-französischen Öffentlichkeit vorantrieb, verfolgte David d’Angers mit seiner „Galerie des contemporains“ auf der künstlerischen Ebene das Ziel einer Vernetzung der großen Geister Europas über alle Nationalgrenzen hinweg.

Sein idealisiertes Porträt von Ludwig Börne ist daher nicht nur ein ungewöhnliches und seltenes Zeugnis eines deutsch-französischen Kulturaustauschs, es ist zugleich als bildgewordenes Manifest des europäischen Freiheitskampfes in den Jahrzehnten vor der Märzrevolution zu verstehen.

Wer mehr über das David d’Angers Börne-Medaillon erfahren möchte, muss sich noch ein wenig gedulden: Im September 2017 wird es als Bestandteil der Galerie „100 x Frankfurt“ in der neuen Dauerausstellung „Frankfurt Einst?“ zu sehen sein.

Zu Besuch bei Freunden: Führung durch das Museum Judengasse

Letzte Woche haben wir zusammen mit Kolleg/innen aus dem Archäologischen Museum das am 20. März neu eröffnete Museum Judengasse besucht und eine VIP-Führung von Sabine Kößling bekommen. Sie hat als Kuratorin an der Neukonzeption maßgeblich mitgewirkt und führte uns durch die gelungene, sehr informative und kurzweilige Ausstellung. Auch konnten wir einige Stücke aus der eigenen Museumssammlung bewundern, die sich in der Ausstellung viel besser als im Depot machen.

Auch wenn unsere Planungen für die Dauerausstellung bereits abgeschlossen sind und wir im Moment an der Ausführung feilen, ist es doch immer wieder spannend zu sehen, wie die Kolleg/innen aus anderen Häusern Geschichte(n) erzählen.  Zum Beispiel auch mit Hilfe einer App, die man sich für einen Individual-Besuch herunterladen kann, wenn mal keine nette Kollegin zur Hand ist, die einem die Ausstellung zeigt.

Die Kinderstationen nahmen wir ebenfalls ganz genau unter die Lupe und wir können sagen, dass auch Erwachsene daran durchaus ihren Spaß haben.

Für alle war klar: Ein Wiederkommen ist Pflicht! Und dann auch mit der entsprechenden App im Gepäck.