Can we be strangers in the house? Hosts wanted.

Should I take my shoes off? What should I bring to someone’s house the very first time I visit them? As a foreigner I don’t really know how people live in Frankfurt, and you know what else? I don’t really know too many people either, and I would really like to! Erik has been here longer but maybe he also has questions like those. He told me most of his friends are Latin Americans or speak Spanish, so there are still some things he curious about…

The Strangers in the house project is part of the Sommertour program of the Stadtlabor unterwegs this year and the historisches museum Frankfurt’s efforts to incorporate several perspectives of the city by different people. That way, people’s perspectives through our Latin American eyes will promote not only new and interesting views but also interaction among people and integration.

So to get in contact with people, learn about their stories and the many interesting things they can tell us about living in Frankfurt is the main goal of this transcultural visiting program and it fits perfectly my very own curiosity and eagerness to integrate into the city.

We already had some test experiences in Mainz and found out about how foundation memberships can help people with housing in Germany, how some people have specific family housing traditions, how German bathrooms can be beautiful, or they can have serious mold problems and how wine festivals and beauty contests can also be an interesting experience. So what else do Frankfurters have to tell us about their way of living through their own houses? If you feel like sharing with us and also having a taste of our culture and participating at a private exhibition in September, just get in touch with us at erica.deabreu@stadt-frankfurt.de and let’s all be strangers in the house!

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Lass uns zusammen Tee trinken!

„Birlikte çay içelim – Lass uns zusammen Tee trinken!“

Was machen 60 Autorinnen und Autoren der Bibliothek der Alten an einem sonnigen Samstagmittag im Historischen Museum Frankfurt? Na logo! Gemeinsam Tee trinken!

Der Bundesverand der Migrantinnen e.V. hatte zu dieser Teestunde und Projektpräsentation eingeladen. Rund 45 Frauen waren gekommen, um einen Einblick in ihre Projekte für die Bibliothek der Alten zu geben. Sie präsentierten zum Beispiel die Ausstellung „Das ABC des Bundesverbandes der Migrantinnen e. v. Ein weibliches Wörterbuch“, die Frauen aus Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Geislingen, Göppingen, Hamburg, Köln, Nürnberg, Rüsselsheim und Stuttgart erarbeitet hatten: Eine doppelsprachige (auf Türkisch und Deutsch) partizipative Ausstellung für die Bibliothek der Alten, kuratiert von Elif Çiğdem Artan anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Bundesverbandes der Migrantinnen e.V.

Neunundzwanzig Buchstaben für neunundzwanzig Begriffe. Darf man sich für einen entscheiden? Ich entscheide mich für den Buchstabe „U“: UMUT / DIE HOFFNUNG: „Wir Frauen tragen die Hoffnung in uns, denn wir bringen Leben auf die Welt. Wenn wir heute unsere Töchter und Söhne gleich behandeln, schaffen wir Hoffnung für die Frauen von morgen“.

Angela Jannelli, Kuratorin der Bibliothek der Alten, begrüßte alle Gäste und unterstrich das Potenzial des künstlerischen Erinnerungsprojekts von Sigrid Sigurdsson als Raum für Begegnungen. Im Gespräch mit Angela Jannelli skizzierte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Migrantinnen Zehra Ayyildiz die vielfältigen Aktivitäten des Verbandes und erklärte die Motivation der Frauen, eine Autorenschaft in der Bibliothek der Alten zu übernehmen. Vor allem ist es den Frauen des Verbandes wichtig, Migrationsgeschichte aus ihrer Sicht zu erzählen und den zukünftigen Generationen zu zeigen, dass soziales Engagement wichtig ist.

Zum Beitrag gehört auch ein Kurzfilm über Ziele und Aufgaben des Bundesverbands der Migrantinnen. Er wird zukünftig in der Bibliothek der Alten für alle Besucher/innen des Museums zugänglich sein.

In die Bibliothek der Alten soll auch eine CD eingehen mit Liedern des Frauenchores. 9 Frauen präsentierten am Samstag unter der Leitung von Jusuf Sönmez auf der Bühne des Sonnemann-Saals türkische und kurdische Lieder. Es wurde getanzt, geschlemmt (die Frauen hatten türkische Spezialitäten zum Tee gereicht!), diskutiert, gefragt und viel gelacht! Auf ein Wiedersehen freue ich mich schon jetzt!

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Vor über 150 Jahren – Frankfurts Ende als freie Reichstadt

Das Königreich Preußen führte 1866 einen Krieg gegen den Deutschen Bund unter Führung des Bundesstaats Österreich. Mit dem Sieg der Preußen am 3. Juli 1866 war der Krieg entschieden.

Die preußische Avantgarde erreichte Frankfurt am 16. Juli um 19 h. Zwei Stunden später übergab das Frankfurter Linienbataillon kampflos die Hauptwache an die Sieger. Drei Tage später verlangten die Preußen eine Kontribution von 6 Mio Gulden, die tags drauf vormittags in zwölf Fäßchen mit Gold bezahlt wurde. Unmittelbar danach verlangte General Mantteuffel weiterere 25 Mio Gulden binnen 24 Stunden. Die gesetzgebende Versammlung der Stadt verweigerte die Zahlung. Die Besatzer fuhren auf dem Mühlberg 24 Kanonen auf und drohten mit Beschießung der Stadt.

Die Preußen verlangten von Bürgermeister Fellner eine Namens- und Adressliste aller Senatsmitglieder, um diese haftbar zu machen. Daraufhin erhängte sich Bürgermeister Fellner am 23. Juli spätabends in seinem Garten in der Seilerstraße. Die Beerdigung erfolgte auf Befehl der Preußen am 26. Juli um 4.30 Uhr morgens. Es erschienen zu früher Stunde 6000 Menschen. Ein Verwandter übergab dabei den Preußen eine leere Namensliste und den Strick, mit dem Fellner sich aufhängte.

Carl Constanz Victor Fellner gilt deshalb als Märtyrer der Frankfurter Freiheit. An seinem Todesort befindet sich eine Gedenkplatte. Im Bestand des Historischen Museums befinden sich sein Verlobungsring (mit Jeannette Bansa) und seine Totenmaske. Die aktuell im Sammlermuseum ausgestellte Waffensammlung Fellner ist ein Geschenk seines älteren Bruders Christian Alexander Feller an das Museum.

An die für Frankfurt traurige Epoche erinnert eine Führung im Sammlermuseum um 17 Uhr und ein Vortrag von Andreas Fahrmeir am 13.7. um 18.00 Uhr im Historischen Museum. Titel: 16.7. 1866. Frankfurt wird preußisch.

 

Totenmaske von Bürgermeister Fellner im Viertelprofil, Frankfurt am Main, getönter Gipsabguß

Totenmaske von Bürgermeister Fellner im Viertelprofil, Frankfurt am Main, getönter Gipsabguß

Lisbet Windsor zeigt die Highlights im HMF

von Elisabeth Jung

Der Kabarettist Bäppi La Belle gibt regelmäßig Führungen im historischen museum frankfurt. Dabei schlüpft er in die Rolle Ihrer Majestät Lisbet Windsor – das ist wirklich immer ein Erlebnis. Während meines Praktikums konnte ich an einer Führung teilnehmen.

Im Juni begann die Führung im Bernusgewölbe aus der Staufer Zeit. Lisbet Windsor empfing die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung persönlich und hieß jeden einzelnen willkommen. Von Beginn an brachte Lisbet Windsor die Besucher mit seinem hessischen Charme zum Lachen. Inhaltlich lag der Schwerpunkt der Führung auf „Fun-Facts“ und interessanten Geschichten über Frankfurt und seine Umgebung. Bäppi La Belle berichtete etwa über die Wanderkaiser, die mit ihrem gesamten Hof und Bediensteten nach Frankfurt reisten.

Besonders gut gefiel mir die starke Einbindung der Besucher in die  Führung. Ihre Majestät stellte immer wieder direkte Fragen an die Teilnehmer. Dadurch entstand ein kontinuierlicher Dialog zwischen „Bäppi“ und den Besuchern, der Funke sprang sofort über. Ein Höhepunkt der Führung waren das interaktive Stadtmodell zur Stauferzeit und die Repliken der Reichsinsignien. Hierbei nahm Lisbet besonders Rücksicht auf die jüngsten Gäste: Warum hat die Reichskrone einen so großen Umfang? Hatten die Menschen früher größere Köpfe? In der Rekonstruktion der mittelalterlichen Küche stellte uns Lisbet Windsor vor ein Rätsel: Welcher typisch-hessische Gegenstand fehlt? Natürlich handelte es sich um den Bembel und das Äppelwoi Gerippte!

Danach führte uns Lisbet ein Stockwerk höher zu den Frankfurter Altstadtmodellen. Zunächst betrachteten wir das Modell der Brüder Treuner, das die Altstadt vor der Zerstörung des Zweiten Weltkrieges zeigt. Beeindruckend – wie prachtvoll einst die Frankfurter Altstadt war! Bäppi stellte viele Bezüge zu der aktuellen Innenstadt Frankfurts auf und erklärte, welche Gebäude heute die Innenstadt prägen. Besonders spannend waren Bäppis persönliche Anekdoten aus seiner Kindheit. Wer hätte gedacht, dass der Römerberg in den 1960er Jahren ein Parkplatz war?

Die letzte Station waren die „Frankfurter Sammler und Stifter“. Die Familienspur bietet hier interaktive Elemente an. Unter anderem konnten wir eine Ritterrüstung anziehen und abschätzen, wie viel ein Ritterhelm wiegt. Besonders mit Fragen wie: Was ist das wertvollste Objekt im Raum? – gelang es Bäppi, die vollständige Aufmerksamkeit seiner Gäste zu bekommen. Jeder konnte einen Tipp abgeben, alle waren beteiligt!

Bäppis Führungen heben sich besonders ab durch seinen lebhaften und begeisternden Charakter. Neben seinen humorvollen Geschichten ist er aber auch ein kritischer Betrachter Frankfurts und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Da fällt auch mal ein Kommentar zum Ex-Bischof aus Limburg, der nach Rom zwangsversetzt wurde. Doch genau das macht seine Führung so authentisch und einmalig! Bäppi eröffnet viele unterschiedliche Perspektiven auf die Stadt am Main und es macht richtig Spaß, dabei zuzuhören.

historisches museum frankfurt: Lisbet Windsor führt während des Museumsuferfestes 2015, Foto: P. Welzel

 

Digitale Museumspraxis #4 – dear audience…

Und wieder neigt sich der Monat dem Ende zu und ich schaffe es nur knapp mein monatliches Postingpensum aufrecht zu erhalten. Dabei habe ich schon seit Anfang Juni ein ganz fantastisches Thema im Hinterkopf auf das ich, zugegebenermaßen, nicht ganz alleine gekommen bin, sondern erst durch eine Anfrage. Und die ging so:

„…ich wende mich auf diesem Wege mit einer Interviewanfrage an Sie. Ich bin über die sehr innovative ‚digitale Museumspraxis‘ der historischen Museen Frankfurt auf Sie aufmerksam geworden und würde mich sehr freuen, wenn ich Sie für ein Interview gewinnen könnte. In einer Interviewreihe befrage ich aktuell verschiedene Stakeholder, die sich mit digitaler Kulturvermittlung befassen. Dabei interessiere ich mich vor allem dafür, inwieweit Nutzer und ihre Anforderungen in Design-Projekten berücksichtigt werden, welche Methoden warum und warum gerade nicht genutzt werden.“

Vor lauter Freude über die positiven Worte habe ich sofort zugesagt und erst als der Interviewtermin  näher rückte, wurde mir der hintere Teil der Anfrage mit allen Implikationen deutlich: user-centred-design, was können wir als Museum da bieten? Und eine weitere Frage schloss sich sofort an: gibt es im Museum User oder wie nennen wir die Leute überhaupt, für die wir das alles tun? Gutgut, ich muss gar nicht so weit in die Ferne schweifen, hab ich mir die Suppe ja selbst eingebrockt als ich im ersten Blogpost von „usability“ und dem magischen Sich-Hinein-Versetzen in User schrieb. Und tatsächlich beobachte ich, dass auf Tagungen, in Workshops und Literatur immer häufiger Methoden aus der nutzerorientierten Gestaltung für die Museumsarbeit entdeckt werden:

Das Gute daran ist: endlich steht das Publikum im Mittelpunkt. „Denn Museumsmitarbeiter schätzen die Besucher und ihre Bedürfnisse fast schon notorisch falsch ein.“ (Zollberg, 1994). Das Schlechte daran ist: es ist schwierig, klar zusehen in den Begriffen, die zumeist aus dem wirtschaftlichen und gestalterischen Feld entlehnt wurden. Die Schwierigkeit besteht also darin aus dieser Methodenvielfalt sinnvolle Anwendungen zu generieren, die zum eigenen Museum passen.

In Fall des Historischen Museums können wir uns einerseits auf die partizipative Museumsarbeit stützen, die als offener Prozess und in enger Zusammenarbeit mit Ko-Kurator/innen durchgeführt wird. In Workshops mit Gruppen und Einzelpersonen testen wir gemeinsam Settings und Formate (ein Blogpost mit konkretem Beispiel folgt bald!). Als Moderatorinnen vor Ort bekommen wir so direktes Feedback zu unseren Konzepten und können das neu gewonnene Wissen sofort in den weiteren Entwicklungsprozess einspeisen. Andererseits beherbergen wir im Museum in der Mehrzahl auch Ausstellungsformate, die interessierte Besucher/innen adressieren. Hier gibt es durchaus noch Handlungsbedarf, was die Methoden der Evaluierung betrifft und wir hoffen mit der Eröffnung des Neubaus und technischem Support unsere Annahmen über das Besuchsverhalten in Zukunft besser überprüfen zu können.

Ungefähr so fiel auch mein Beitrag zum Interview am Ende aus und ich bin gespannt auf das Ergebnis: die Studierende möchte eine Guideline für den Einsatz von user-centred-design-Methoden im Kulturbereich entwickeln. Sie könnte sicher helfen, ein bisschen mehr Licht in die Sache zu bringen. Damit nun dieser Blogpost nicht die Lesegewohnheiten der User überfordert, breche ich an dieser Stelle ab und schiebe die zweite Frage nach dem grundsätzlichen Konzept vom Besucher/User/Publikum/Partizipienten/Zielgruppe in den nächsten Monat. Als Vorbereitung für uns alle kann ich bis dahin empfehlen:

Und natürlich die Gesprächsmöglichkeiten mit den User zu nutzen, die sich schon jetzt anbieten (z.B. die tollen Blogkommentare und Twittergespräche)!

Personas_Digital-Engagement-Framework_hmf_2016 Methodenkoffer_hmf_2016 Democratising-the-Museum_hmf_2016

 

Sommer. Jetzt!

Was haben Bügel, Passivhaus, Wohnwagenstandplatz, Stadtführer, Albert Schweitzer, die Dürerstraße und Steinlestraße, WohnRaumSuche, Strangers, Rödelheim, Hausgemeinschaft und Bewohner des Howard-Philipps Hauses gemeinsam?

Sie alle geben Antworten auf die Frage: Wer wohnt wie in Frankfurt?

Und wenn man Probenraum, Stadt-Halten, Konspirieren 1-5, Fachwerkbrutalismus, neue alte Stadt, die Gründung der Frankfurter Botschaft, Frankfurt`s Colonial Amnesia, Straßenblick, Stadt und Krise, Friedhofsführung zu Frankfurter Frauen, Zurück in die Zukunft, Skizzenspaziergänge durch Frankfurt, Geschichten der Stadt hörbar machen und ich sehe was, was du dazu nimmt?

Einen wunderbaren Mix aus Methoden & Themen, um die Stadt zu erforschen.

Denn: Sie startet, endlich, unsere Sommertour 2016. Ab kommendem Sonntag ist das Stadtlabor unterwegs mit künstlerischen Interventionen, Workshops, Stadtspaziergängen, Lesungen und elf Antworten auf die Frage: Wer wohnt wie in Frankfurt? An 37 Tagen sind wir mit 42 Aktionen an 25 Orten und mit 25 beteiligten Gruppen in der Stadt unterwegs und fragen uns: Was ist Frankfurt, Wer macht Stadt, Welche Perspektiven gibt es auf und welche Positionen zur Stadt?

Wir starten am 26.6. mit dem Künstler Kai Söltner und spazieren durch die Stadt, um Proben von Frankfurter Orten zu entnehmen, die hinterher in Globuli transformiert werden und in zwei Shows (am 17.7 und 28.7.) von Teilnehmer/innen eingenommen werden können. Mit dabei ab 14:30 Uhr im koreanischen Garten des Grüneburgparks ist unser Stadtlaborfahrrad –  als Kuchen- und Willkommensfahrrad. Am 8.7. gibt es dann ab 18 Uhr eine große Eröffnungsfeier mit der ersten mobilen GPS-Bar zum Thema Konspirieren 1 – agitieren und propagieren von Red Park, Aktionen vom Museum und den Kooperationspartnern von Frankfurt deine Stadt. Wo? Das wird 48 h vorher hier veröffentlicht. Am 31.7. gibt es ein Special zum Thema: Lesung, Live-Feed, Stadt. Erstmalig probieren wir Whatsapp als Live-Ticker aus. Klassische literarische Stadterkundung trifft somit auf digitalen Lebensstil: Zwei befreundete Autoren, er aus Frankfurt, sie stadtfremd, spazieren durch die Straßen und schicken sich per Handy ihre Beobachtungen in Form von Notizen, Bildern, Zitaten, Audioaufzeichnungen. Dabei werden sie selbst beobachtet: Die „Zuschauer/innen“ können auf dem Projektblog oder per Whatsapp direkt mitlesen und den Weg verfolgen. Daraus entsteht ein Text, den die beiden Autoren dem Frankfurter Publikum bei einer Lesung im Museum präsentieren. Um am 31.7. per Whatsapp live dabei zu sein, sind drei Schritte nötig: 1. Legen Sie für die Rufnummer +491711757260 einen Kontakt an. 2. Senden Sie an diesen Kontakt eine Nachricht mit „live“. 3. Verfolgen Sie die multimediale Stadterkundung am 31.7. live mit.

Mit auf Forschungstour gehen bei den Aktionen auch Kamera, Audiogerät, Block und Stift, um fleißig Beiträge für unsere digitale Stadtkarte zu sammeln, die im Herbst online gehen wird und alle einlädt, ihr Wissen über Frankfurt zu teilen. Über die Aktionen der Sommertouren berichten wir auch auf unseren Social-Media-Kanälen Instagram, Twitter und Facebook mit dem Hashtag #stadtlaborhmf.

Eine intensive Planungszeit, spannende Workshops, kuratorische Beratungen und individuelle Treffen im Café, Museum, Stadtteilbüro am Bügel, Malerviertel und, und, und liegen hinter uns. Nun freuen wir uns die Projekte an vielen Orten in Frankfurt umzusetzen, zu begleiten und zu sehen: Frankfurt ist viele Städte! Mehr zum Programm  und aktuelle News über die Sommertour finden sie hier.

Bis zum 17. September 2016 laden wir alle herzlich ein, mit uns die Stadt zu erforschen und viele Perspektiven auf Frankfurt kennenzulernen!

 

138 Jahre jung – und noch viel vor!

Wenn es bei der Generalprobe eine Panne gibt, kann die spätere Aufführung nur gelingen: Als Jan Gerchow die Gäste des 138jährigen Museumsgeburtstags begrüßte, der immer um den 13. Juni herum gefeiert wird, versagte der Beamer (der am nächsten Tag wieder einwandfrei funktionierte, Anm. der Red….) . So konnte er das noch im Bau befindliche neue Haus nur verbal beschreiben. Ebenso wie der Kuratoriumsvorsitzende Roland Gerschermann nutzte er die Veranstaltung im vollen Sonnemann-Saal zum Dank für das wundervolle „Geburtstagsgeschenk“. Dabei wurde vor allem der scheidende Kulturdezernent Felix Semmelroth für seinen Einsatz bei der Verwirklichung des Neubaus mit Beifall bedacht. Auch den Unterstützern des Museums im Frankfurter Römer und in der Landeshauptstadt Wiesbaden sowie den zahlreich anwesenden Freunden und Förderern der Stadtgemeinde für ihre stetigen Zuwendungen galt der Dank .

Dass in dem neuen Museum nicht einfach die bisherigen Exponate in neuen Räumen aufgestellt, sondern auch neue Wege im wörtlichen Sinne gegangen werden, wurde bei den Ausführungen von Anne Gemeinhardt deutlich. Sie stellte ein beeindruckendes Konzept für Inklusion vor, nach der sich möglichst alle Museumsbesucher und -besucherinnen – mit und ohne Behinderung der unterschiedlichsten Art – selbstständig die künftigen Ausstellungen erschließen können. Dafür hat das Museum ein Leitbild erarbeitet, das auch während einer Tagung im Dezember diskutiert werden soll.

Der Ehrengast der diesjährigen Geburtstagsfeier, Lene Floris, Director History & Art der Stadt Kopenhagen, berichtete aus ihrer Tätigkeit als Chefin von vier kulturellen Institutionen, darunter zwei Kunstmuseen.  Mit den Worten „In einer Beziehung sind Sie in Frankfurt weiter als wir“, bezog sie sich auf den Neubau am Römerberg. „Wir werden bis 2018 von einem nicht dafür geeigneten historischen Gebäude in ein anderes historisches, aber ebenfalls nicht ideales Gebäude umziehen – dafür aber inmitten der Stadt“. „Und wir träumen von einer neuen Ausstellungshalle auf einer Insel“ fügte sie hinzu. Ansonsten zeigte sie deutliche Parallelen für die Aufgabenstellung der Häuser in Kopenhagen und Frankfurt auf: Dazu gehören die Erschließung neuer Besuchergruppen, die Digitalisierung der Bestände, um ihren Zugang zu erleichtern („access is a democratic issue“) und die Kooperation mit anderen, auch ausländischen Häusern. Das Stadtmuseum von Kopenhagen und das Frankfurter Museum gehen manchmal ähnliche Wege, gerade was das Thema Partizipation anbelangt. Floris verwies hier auf das große digitales Projekt, das partizipative Strategien integriert. „The Wall“ ist eine interaktive und erweiterbare Bilder-Plattform von Kopenhagen, die man seit 2010 an wechselnden Orten im Stadtraum besuchen kann. Die Kopenhagner können hier ihre Sicht auf die Stadt einbringen und kommentieren. Solche Beispiele zeigen, dass das bisher eher negativ aufgeladene Wort „museal“ künftig im Sinne von „innovativ“ gebraucht werden sollte.

Auf die Frage aus dem Publikum, ob die Zusammenführung von vier durchaus unterschiedlichen Institutionen (Thorvaldsen-Museum, Nikolaj-Kunsthalle, Stadtarchiv und  Stadtmuseum) nicht problematisch sei, antwortete die studierte Europäische Ethnologin unverblümt: „Natürlich wurde dieses Konzept intensiv diskutiert und sicher werden hier Synergieeffekte erwartet. Aber ohne den Zusammenschluss wäre kein Geld geflossen.“ Abschließend fügte sie augenzwinkernd hinzu: „Vielleicht wird es hilfreich für meine Aufgabe sein, dass ich erst kürzlich meinen Master in Public Governance  an der Copenhagen Business School erworben habe“.

 

Brazil meets Germany at Akademiestation in Halle / Leipzig

Brazilian Researcher but world citizen, I will be working in the Historisches Museum Frankfurt as an international fellow for 18 months together with the Frankfurt Jetzt! team to bring new perspectives from brazilian and portuguese theories and experiences.

The program Fellowship Internationales Museum by the Kulturstiftung des Bundes (German Federal Cultural Foundation) is now on its second round and for 18 months in 2016 and 2017, 18 curators and researchers from foreign countries challenge 18 German museums in an internationalization endeavor on the pursuit for new methods, themes and new forms of cooperation and network establishment with other countries.

Being a researcher in museology, to be part of the program, has not only allowed me so far to experience a nice and fruitful working environment and learning place at the Historisches Museum Frankfurt, but also to follow the interesting program’s mobile Akademie Fellow-me! The first station Ethics – Über das Richtige, das Falsche und das Dazwischen (Ethics – About right and wrong and what is in-between) took place in Halle (Saale) and Leipzig from the 19th to the 21st of May.

It was a sunny and rather pleasant morning when my mentor Angela Jannelli and I arrived in Halle (Saale) after a train ride full of discussions and conversations along with interesting sights and her insightful comments, which somehow also translated to me some of the History of Germany. After a reception at the beautiful building of the German Federal Cultural Foundation, coffee and interesting talks were shared among the fellows and their mentors about their projects. Little did I know that many important questions and challenges about ethics in museums were to rise in the course of the event. Learning about other people’s past and current experiences and having a glimpse of their cultures allowed me to also reflect upon my own expectations. During the first speeches given by the organization members it became clear how new perspectives brought by people from other countries were important to the program, but side by side with the risk they would imply.

At the beginning of the program, the possibility to witness one of the ancestors of the museum as we know it today, a cabinet of curiosities at the Franckesche Stiftungen (Franckesche Foundation) was followed by a lecture about ethics by the president of the Deutscher Museumsbund (German Museums Association), Professor Dr. Eckart Köhne. The ICOM (International Council of Museums) and its Code of Ethics were the mains subjects of the presentation, which focused on collections, collecting and repatriation and the difficulties to have an international standard, for many problems still derive from stately laws and even specific museum guidelines regarding the recommended practices on the matter. Interventions by questioning fellows gave a hint of the post-colonial matters that would later be a highly debated subject.

The next days’ events were held in the city of Leipzig. At the Deutsche Nationalbibliothek Deutsches Buch- und Schriftmuseum (National Library of Germany and German museum of Books and Writing) a presentation and tour at the beautiful old and new buildings were given by paper specialist Dr. Frieder Schmidt; also a conference about iconography by international fellow Helena Doudova that was followed by a workshop: Picto Talk – Grafisches Zeichnen als gemeinsame Sprache (Graphic design as a common language), by illustrator Johanna Benz. There we were able to draw our colleagues but also our own subjectivity. The results were amazing!

In the afternoon, off we went to the Leipziger Baumwollspinnerei, an area of old cotton factory buildings reconditioned and transformed into amazing cultural places such as the HALLE 14 Zentrum für zeitgenössische Kunst (Contemporary Art Center). There the colonial and post-colonial issues emerged as main topics. Should we close ethnographical collections and museums after all, in order to make justice to those affected by the processes? How could it be possible to promote awareness regarding this dark past, but also targeting concrete actions?

The director of Staatliche Ethnographische Sammlungen Sachsen (Saxony State Ethnographical Collections) Nanette Jacomijn Snoep spoke about an “imagined museum” in which ethical matters would be properly and carefully observed. This lecture was followed by a World Café where the conclusions about professionalism, ethics, the possible end of collecting and by whom, for whom and with whom museums should work for, were presented and the experience proved to be really enriching and clarifying, corroborating that collective thinking and plural perspectives work for the best in most of the cases.
During the last day and the very last activity at the Grassi Museum für Völkerkunde (Grassi Museum of Ethnology), fellows, mentors and other participants were invited by Dr. Benjamin Meyer-Krahmer, visiting professor at the MA program Kulturen des Kuratorischen (Cultures of the Curatorial), held by the Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Leipzig Academy of Visual Arts), to go through the permanent exhibition in order to identify possible problems of displaying ethnographical collections. Afterwards he presented a recent experience that took place in the museum, which tried to subvert some of the established traditions of ethnography and ethnographic exhibitions when a group of art students was allowed to do interventions in the permanent collections’ rooms. Even though controversial, this approach can be an interesting way of updating the role of museums to make it fit better to today’s societies’ needs and contexts.

One last point that still remained unanswered was the ethical problem regarding the instrumentalization of museums and the use of its authority and symbolic power to legitimize specific private interests, some political ideologies or still stereotyped and even oppressing points of views. This and other questions will probably be discussed in the next sessions of the „Akademie“. While waiting for them, I shall continue to bring ethics to my own work trying to relate to the projects at the Historisches Museum Frankfurt. It already presents an important approach with many participative methods and activities, which were even given as examples sometimes during the event. Those projects make the museum to be an alive and representative museological institution that I can hopefully incorporate in my own work, but where I can also contribute with different perceptions from my own previous knowledge and experiences. These are the challenges in the next few months in the Historisches Museum Frankfurt and I look forward to it!

It’s important to conclude that within the framework of post-colonialism but also contemporary global crisis situations regarding people and culture, Germany and Frankfurt have found a good way of promoting the efforts of decolonization of thoughts and museums by taking into consideration the voices of those that many times in the past did not have this opportunity. This is a big step towards ethics in museums. Many countries of the Global South are represented among the 18 fellows such as South Africa, Jamaica, Turkey, Iran and Indonesia, and me as a Brazilian, along with other European colleagues. They all have already demonstrated that they want indeed to bring new and challenging perspectives to German museums, so I’m eager to the next session of the „Akademie“ in August to find more about them!

Architektur-Metamorphosen

Vor 200 Jahren ließ der Bankier Simon Moritz von Bethmann die von dem Stuttgarter Bildhauer Johann Heinrich Dannecker geschaffene Skulptur „Ariadne auf dem Panther“ in seinem kurz zuvor neben seinem Landhaus vor dem damaligen Friedberger Tor errichteten Gebäude aufstellen. Der bungalowartigen Behausung für die Großskulptur, die heute im Frankfurter Liebieghaus ausgestellt wird, gab er den Namen „Ariadneum“. Das 1853 in den Besitz der Stadt gelangte und noch heute bestehende klassizistische Gebäude ist damit der  erste Museumsbau in Frankfurt und zog Tausende von Besuchern an. Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte u.a. als Café („Kurhaus Milani“), Tanzlokal,  Disco und Nachtclub („Odeon“) hinter sich und soll nach Pressemeldungen unter dem Namen „Le Panther“ und der branchentypischen Bezeichnung „Event Location“ nach Renovierungsarbeiten wieder eröffnet werden.

Nun ist eine neue Nutzung von Gebäuden in Zeiten der Umwandlung von Fabriketagen in Lofts und des Umbaus  nicht mehr genutzter Kirchen in Museen und Architekturbüros nicht ungewöhnlich. Schließlich befinden sich heute Hörsäle der Goethe-Universität in dem früheren Bürogebäude der I.G. Farben, die ehemalige Großmarkthalle wurde in den Neubau der Europäischen Zentralbank integriert, das alte Straßenbahndepot in Bockenheim ist eine Theaterspielstätte und in dem für die deutsche Parlamentsgeschichte wichtigsten Gebäude der Stadt, der Paulskirche, wurden bis Kriegsende Gottesdienste abgehalten. Was den ältesten Frankfurter Museumsbau betrifft, so ist es eine kuriose Vorstellung, dass in dem Gebäude, in dem zur Biedermeierzeit fein gewandete Kunstliebhaber mit wohligem Schauer die nackte Ariadne bewunderten, heute leger angezogene Paare unter Stroboskoplicht Hip-Hop tanzen…..

historisches museum frankfurt: Ariadne von Dannecker. Aquarell von Johann Adam Ackermann 1817

Digitale Museumspraxis #3 – Take-Home-Messages

Als wir im Sommer 2015 den Förderantrag für die Stelle „Digitale Museumspraxis” schrieben, war klar, dass zur Projektstelle ein guter Teil Forschung, Vernetzung und Austausch gehört. Nachdem ich im letzten Blogpost aus dem internen Vernetzungskästchen berichtet habe (und der Prozess ist ongoing), geht es diesmal um den externen Austausch und die Frage: wie lassen sich die Erfahrungen und Inspirationen, die in locker-leichten Get-Togethers abroad gewonnen werden, wieder in die Institution zurückspielen?

Na klar, bin ich „proud to be a catalyst for creative culture in the world“ – das Poster habe ich gemeinsam mit Booklet, Fotos und Notizen von der letzten Fortbildungsreise mitgebracht. Vom 18. bis 20. April habe ich auf der MuseumNext Konferenz in Dublin über die Zukunft der Museen nachgedacht, diskutiert, getrunken und geträumt. Die englischsprachige Konferenz wurde 2009 wegen des anstehenden digitalen Transformationsprozess ins Leben gerufen und widmet sich seitdem den veränderten Erwartungshaltungen der Besucher/innen: „we saw that museums needed to embrace change, or risk extinction.“, sagt der Gründer Jim Richardson im Interview. Catchy Dino-Analogie, abgesehen davon schwören die Dagewesenen auf die inspirierende Kraft der Veranstaltung. Um dem Vorwurf esoterischer Dienstreiserechtfertigungen direkt vorzubeugen: der Fokus auf digitale Entwicklung war natürlich ausschlaggebend für meine Teilnahme.

Einen Monat später sitze ich hier, habe das Poster an die Wand gehängt, meine Kolleg/innen mit einer Präsentation ganz gut unterhalten und frage mich: was bleibt? Was habe ich gelernt? Und was machen wir im Museum daraus? Hier einige Vorschläge:

  • Für das nächste Konferenzbingo sollten folgende Begriffe unbedingt auf dem Zettel stehen: Millenial, Credibility, Social Change, Audiences, Responsibility, Community, Collaboration, EdgeEffect, Strategy, Mission, Vision, Interactive Experiences
  • Mehr über Menschen nachdenken – z.B. über Zielgruppen (die am liebsten nach Alter oder Herkunft fein ausgesiebt und mit Angeboten bedient werden), Communities (die in komplizierten Workshopzyklen zum Austausch eingeladen werden) und schließlich auch über Museumsmitarbeiter/innen (die als Ressourcen motiviert, mitgenommen oder diversifiziert werden sollten, #bestquote dazu war „Why don’t you open your front door for staff?“)
  • Kreativ werden, wenn es um Finanzierungsmodelle geht: ob Eintrittspreis, Cultural-Entrepreneurship oder Sponsoring durch Firmen, die ihre Corporate-Social-Responsibility wahrnehmen möchten, die Geldnot ist ein Thema das Museen umtreibt.
  • Never forget the Power of Pizza! Mögliche Kooperationspartner und Leidensgenossen finden sich am einfachsten im sozialen Miteinander, das bei MuseumNext seinen Höhepunkt im Science-Gallery-Get-Together fand: zwischen Jelly-Fish-Tasting, Geburtstags-Twin-Suche, Ping Pong und Failure-Pecha-Kucha war es wirklich unmöglich keine Kontakte zu knüpfen.
  • Neben neuen und alten Kontakten, habe ich auch Formate mitgebracht, die zum Nachmachen einladen: z.B. Museomix, Kids-Takeoverday und Blikopeners.
  • Egal, ob sich das Museum als politischer Akteur, als kreativer Katalyst, als kulturelle Identitätsmaschine oder emotionaler Auraort versteht – das Branding und das CD sind die halbe Miete zur internen und externen Kommunikation. Den Preis für die schönsten Folien hat diesmal mit Sicherheit das Natural History Museum London bekommen.
  • Und schließlich, der Digital-Diskurs ist erst mal gesättigt: digital wurde in ein paar wenigen Nebensätzen erwähnt, als Werkzeug, Vermittlungshilfe, evtl. auch als neue Objektgattung, aber viel Raum hat das Digitale in Dublin nicht bekommen. Die einzigen, die wirklich nicht aufhören konnten davon zu sprechen, waren die Firmenvertreter/innen, die vor allem „Interactive Experiences“ im Angebot hatten.

Viele Beiträge gibt es auch online zum Nachschauen. Um zum Abschluss die Antwort auf die gestellte Frage nicht ganz schuldig zu bleiben: je mehr Kolleg/innen von den Ideen erfahren, um so besser. Am besten funktioniert das natürlich, wenn man schon gemeinsam an der Veranstaltung teilnehmen kann. Da das aber besonders bei internationalen Konferenzen eine erhebliche finanzielle und zeitliche Belastung bedeuten würde, gilt es in der Nachbereitung die Ideen in handliche „Take-Home-Messages“ zu packen, zu visualisieren und im Gespräch am Leben zu halten. Check, fertig, Feierabend? Nein, nein, natürlich wird das Gespräch am Montag wieder aufgenommen, diesmal bei der MAI-Tagung in Hamburg…

Die Fahne oben halten_hmf2016Was sind eigentlich Millenials_hmf2016Die schönsten Folien_hmf2016Was wissen wir eigentlich ueber unsere Besucher_hmf2016proud to be a catalyst for creative culture_hmf2016