Richtfest!

Auch wenn heute so manche Traditionen nicht mehr gelten: ein Richtfest muss einfach sein. Vielleicht nicht bei strömenden Regen, wie wir ihn am 17.12.2014  – genau ein Jahr nach der Grundsteinlegung – genießen durften – aber dafür mit sehr vielen Menschen, die alle am Bau beteiligt sind – von  Bauarbeiter und Poliere, Architekten, Politiker, Kollegen…. – es war ein sehr schönes Programm: Erst Reden von Oberbürgermeister, Baubürgermeister,  Kulturdezernent, Architekt, Direktor, dann der Richtspruch, zerbrochenes Glas und Kranz und schließlich ein zünftiges Essen. Eine runde Sache! Hier ein paar sehr atmosphärische Fotos…und hier der link zum twitter-storify.

 

COMCOL zu Gast in Celje, Slowenien

Selten habe ich eine so intensive und inspirierende Tagung erlebt wie die COMCOL-Tagung in Celje, Slowenien. COMCOL (International Committee for Collecting) ist das jüngste Komitee bei ICOM, und vielleicht ist deshalb noch eine dynamische Aufbruchstimmung zu beobachten. Als weltweit agierendes Komitee beschäftigt es sich jenseits der Museumssparten mit Sammeln und Sammlungen. Chairman von COMCOL ist Léontine Meijer-van Mensch, die am Museum Europäischer Kulturen stellvertretende Direktorin ist.

Dieses Jahr war das jährliche Treffen dem Thema  Collecting and collections in times of war or political and social change gewidmet, dem nicht alle der über 30 ReferentInnen aus Asien, Amerika und Europa folgten. Doch so oder so ergab sich ein bunter Reigen mit Einblicken in musealen Praktiken und Forschungsarbeiten. Die europäische Dominanz mit einem Schwerpunkt auf Slowenien, Kroatien und Serbien war der geographischen Lage des Tagungsortes geschuldet; je nach Tag und Session kamen zwischen 40 und 85 TeilnehmerInnen zusammen und knapp dreißig Vorträge wurden gehalten.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: es wird getagt

Die bunte Mischung bringt es  und so bot die Tagung einen museologischen Trip von Korea mit einer bewegenden Vorstellung des Museums of Sexual Slavery by Japanese Military  über Sammlungspraktiken der Gegenwart im schwedischen Armeemuseum zum Museum der Yugoslawischen Geschichte in Belgrad, das den ehemaligen Staatschefs Tito huldigt. Mein Beitrag beschäftigte sich mit der Ersten Weltkriegssammlung des hmf, wie sie als “time capsule” die Zeit überdauerte und welche Bedeutung sie heute hat.

Lehrreich  war auch die Exkursion nach Vitanje in das Cultural Center of European Space Technologies. In diesem Dorf scheint ein Raumschiff gelandet zu sein, in der eine Ausstellung an den Militäringenieur und Raumfahrttheoretikers Herman Potočnik erinnert und die europäische Raumfahrt mit Blick auf Slowenien thematisiert. Very strange!

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: Ausflug nach Vitanje, Ksevt

Natürlich hatten wir auch die Gelegenheit, mehr über die Institution zu erfahren, bei der wir in Celje zu Gast waren – im  Museum of Recent History. Das 1963 gegründete Museum beschäftigt sich mit der jüngeren Geschichte der Stadt. Die Dauerausstellung blickt auf die Stadt seit 1900 es geht also um die zunehmende Industrialisierung, um das k.u.k.-Reich und das Zusammenbrechen, um die beiden Weltkriege. Wir besuchten insebsondere die Ausstellung über den Ersten Weltkrieg und das in situ gebliebene Fotoatelier von Jossip Pelikan.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: The Museum of Recent History

International hat das Museum mit Projekten wie  „Don’t throw pots away“ auf sich aufmerksam gemacht – die Einwohnerinnen waren aufgefordert, aus ihrem persönlichen Besitz Erzeugnissen der örtlich ansässigen Email-Warenfabrik Emo ins Museum zu bringen. Dem folgte eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Töpfen und eine Diskussion über Sammeln in der Gegenwart.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: The museum for recent history

Bei diesen Treffen spielt natürlich auch das socializing eine große Rolle, ist ein  Ziel von COMCOL doch das Networking.Das klappte auch sehr gut, tauchen doch allüberall die gleichen Herausforderungen auf, gleich ob man im Västerbottoms Museum in Umea oder im Stadtmuseum von Helsinki arbeitet.

Die Abende waren belegt von kulturellen Veranstaltungen: der Einstieg brachte uns das Thema Wasser näher: der Filmemacher Andrej Zdarvič machte mit Ausschnitten aus seinem Film Riverglass den Beginn – das Thema Wasser geleitete uns durch die Tagung, regnete es doch ununterbrochen. Beim Empfang des Bürgermeisters erhielten wir einen Einblick in die politischen Zusammenhänge der Stadt. Im Museum for Recent History   stellten Studierende aus Museologie Studiengang in Ljubljana ein Projekt vor, bei dem es darum ging,  das Konzept des Écomusee für die Kohlmine in Laško anzupassen.

historisches museum frankfurt: Projektvorstellung

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: im Museum for Recent History

Zum Ausklang gab es noch eine Performance mit den Musikern Goran Bojčevkski und Stane Špegel und zu später Stunde wurde sogar noch das Tanzbein geschwungen – ein wirklich beschwingter Abschluss.

Ein herzliches Dankeschön an das Museum of Recent History in Velje, an die Direktorin Tanja Roženbergar und die beiden Katjas und v.a. an Léontine Meijer-van Mensch – it was a great pleasure being in Celje and a really fresh and innovative museological event.

historisches museum frankfurt: COMCOL-Celje: Gruppenbild im Fotostudio Pelikan

Tristesse!

„Tristesse!“ Das war das Gefühl, das Elikia M’Bokolo überkam, als er sich am 3. Dezember mit 40 weiteren Besuchern die zehn Porträts der kriegsgefangenen Soldaten in unserer derzeitigen Ausstellung Gefangene Bilder ansah. Prof. Dr. M‘Bokolo, geboren im DR Kongo, unterrichtet an der renommierten Pariser Hochschule  École des hautes études en sciences sociales. Außerdem ist er Produzent der Radiosendung „Mémoire d’un continent“, die sich mit der Geschichte des afrikanischen Kontinents beschäftigt.

Den Ausstellungsbesuch und die Diskussion organisierten wir gemeinsam mit dem Institut français d’histoire en Allemagne (IFHA). Der Leiter, Prof. Pierre Monnet, moderierte und übersetzte.

Die Inszenierung der Ausstellung hat Elikia M‘Bokolo besonders beeindruckt: einmal die Visualisierung des Eingeschlossenseins in der Rotunde, der Trennung vom Heimat und Familie, zum anderen die Konzentration auf die Fotografien. Das Konzept, wie er es ausdrückt, den „pädagogischen Anhang“ von den Fotografien radikal zu trennen, sei aufgegangen: emotionale Last und wissenschaftliche Zurückhaltung. Niemals hatte er solche Bilder gesehen.

Problematisch sei für ihn dennoch das Ungleichgewicht von Betrachter und Betrachteten und das Risiko, dass die Besucher eine ethnographische Interpretation der Bilder reproduzieren – vielleicht hätte man den vergrößerten Foto-Ausschnitt mit der Pupille des Gefangenen, in der sich der Fotograf spiegelt, in einer Art eigener kleiner Rotunde zeigen sollen? Das könnte ein Tribut an die postkoloniale Perspektive sein.

M’Bokolo hat selbst gerade eine Ausstellung über Kolonialfotografie in Brüssel kuratiert: Notre Congo/Onze Kongo. La propagande coloniale belge dévoilée  in Brüssel. Hier sei das Problem gewesen, dass die Besucher die Propaganda-Fotos ohne große Reflexion angesehen hätten – und das Medium Fotografie habe es ihnen leicht gemacht zu denken: „Aber so ist es doch gewesen…!“

Auch in afrikanischen Staaten mangelt es an Interesse an der Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte, denn hier müsste man eine übernationale und globale Perspektive einnehmen, statt eine nationalstaatliche Teleologie zu präsentieren – für die Kolonialsoldaten, die Gefangenen unserer Ausstellung, gelte das ebenso. Der Erste Weltkrieg, nimmt M’Bokolo an, habe eine Art „kranke“ Globalisierung hervorgebracht. Die Gewalterfahrungen des von Europäern geführten Krieges seien nach Afrika exportiert worden. Das Militär in den afrikanischen Staaten will keine zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema – weil sie mit der Frage nach Gewalt in Afrika heute zu tun hat.

Die Gefangenen Bilder könnten allerdings den französischen Blick verändern, meint M’Bokolo, weg von den üblichen Mustern, sei es die Heroisierung der Soldaten, die Auseinandersetzung über die lange verweigerten Pensionszahlungen oder die Probleme der Dekolonisierung. In der Tat hat „Le Monde“ bereits über die Ausstellung berichtet und es kam sogar schon eine Anfrage aus Paris, die Ausstellung auch dort zu zeigen.

 

historisches museum frankfurt: Die Soldaten aus Slg-Stei-Anh03

 

Riskieren Sie das Scheitern!

historisches museum frankfurt: Schilder Stadtlabor

historisches museum frankfurt: Diskussionsrunde

historisches museum frankfurt: volles Haus

historisches museum frankfurt: Wanderkarten

 

 

 

 

 

 

Was eine Stadt ist, wird durch die Alltagspraktiken der Städter*innen dynamisch inszeniert. Kollektiv wird ein Netz an Bedeutungen gestrickt, das sinn- und identitätsstiftend ist und damit die gefühlte Stadt manifestiert und repräsentiert. Dieses Wissensnetz ist die Grundlage des städtischen Selbstverständnisses und damit ein verheißungsvoller How-To-Wissensschatz für Museen. Besonders Stadtmuseen haben mit diesem flüchtigen Untersuchungsgegenstand zu kämpfen und entwickeln unterschiedliche Strategien im Umgang mit den performativen Akten der Sinngenerierung. Dabei stehen sie einer Vielzahl neuer urbaner Artikulationsformen und Akteur*innen gegenüber, die zunehmend als wichtige „Quellen“ erkannt werden. Partizipation ist in dieser Konstellation ein Schlüsselbegriff in doppelter Hinsicht, da das Phänomen der städtischen Selbstorganisation nach kreativer Teilhabe strebt und Museen zunehmend an diesem Punkt ansetzen.

Am 29. Oktober 2014 diskutierten im historischen museum frankfurt die Stadtlabor- Kuratorinnen und -Partizipienten zusammen mit dem Journalisten Hanno Rauterberg das spannungsreiche Aufeinandertreffen von Museen und urbaner Kultur. Beteiligt waren Cornelia F.C. Heier, Sybille Fuchs, Frank Paulun, Sonja Thiel, Angela Jannelli und Susanne Gesser.

Ausgangspunkt waren die Gedanken, die Hanno Rauterberg in seinem 2013 erschienen Buch „Wir sind die Stadt!“ entwickelt hat. Guerilla Gardening, Urban Gaming und Guerilla Knitting sind Phänomene, die das Aufkommen einer neuen urbanen Kultur verkörpern. Sie ist von einem gesteigerten Verlangen nach Kollektivität gekennzeichnet. Die Rückeroberung des urbanen Raums ist von den Auswirkungen der digitalen Moderne geprägt: nicht mehr Automobil, sondern Smartphone gewährleisten Mobilität. Mit diesen Kommunikationsmitteln erreichen kleine Initiativen ungeahnte katalysierende Effekte im Sozialen, sind jedoch temporär beschränkt und fluide.

Rauterbergs Thesen wurde mit den Erfahrungen aus dem partizipativen Ausstellungsformat „Stadtlabor unterwegs“ des historischen museums frankfurt kurzgeschlossen. Seit 2010 entwickelt das Stadtlabor-Team Ausstellungen, die sich dem gegenwärtigen Frankfurt widmen. Um die gefühlte, lebendige, erlebte Stadt auszustellen, bedarf es vieler Stimmen und Blicke, die in Zusammenarbeit mit Stadtlaborant*innen artikuliert werden. Diese sind als Co-Kurator*innen in den Ausstellungsprozess von Anfang an involviert, bestimmen ihre Inhalte, Thema, Anmutung und Orte. Das Museum ist für die Ausstellungsexpertise zuständig, organisiert und moderiert den Prozess. Nach einjähriger Zusammenarbeit löst sich die Gruppe wieder auf. In dem jährlichen Projektzyklus bot die Veranstaltung eine kurze Pause zum Luftholen und reflektierten Rückblick: Wie verschieben sich die Rollen der Beteiligten? Was ist die Motivation der Stadtlaborant*innen? Welche Konflikte und Konsequenzen sind zu beobachten?

 Soziale Skulptur, soziale Anerkennung, Social Curator

Also Zoom: hinein in die Meinungen der Beteiligten. Wie unterscheidet sich der Blick von außen und innen?

Die Stimmen der Stadtlaborant*innen spiegeln ihre verschiedenen Hintergründe wider: während die Künstlerinnen Cornelia F.C. Heier und Gabriele Juvan die Verbindung von künstlerischer Tätigkeit und sozialer Kommunikation betonen, findet der Sozialarbeiter Frank Paulun gerade den Kontakt mit der brodelnd-kreativen Szene beim Stadtlabor ansteckend. Die Naturwissenschaftlerin Sybille Fuchs spricht vom Katalysator, der dafür sorgt, dass zwei Elemente miteinander reagieren. In allen Aussagen wird deutlich: das Stadtlabor ist ein Experimentierfeld für alle mit offenen Strukturen. Trotzdem kann in den letzten Stadtlabor-Projekten ein deutlicher Zuwachs an beteiligten Künstler*innen beobachtet werden. Dass das Stadtlabor trotzdem nicht zu einer „Kunsthandwerksmesse“ wird, liegt an dem gemeinsamen Prozess, der alle Teilnehmer*innen zusammenführt. Die einzelnen Beiträge werden als Teil einer gemeinsamen Ausstellung entwickelt und sind in der Mehrzahl „Gruppenarbeiten.“ „In diesem Labor lernen alle Beteiligten“, sagt die Künstlerin Gabriele Juvan und hebt auf ihre Frustrationstoleranz ab, die sie in der Zusammenarbeit mit den Parkreinigern der integrativen Drogenhilfe FriedA e.V. erst aufbauen musste. Die Kuratorinnen sehen sich immer anderen Konstellationen ausgesetzt, in denen die richtige Kommunikation erst im Prozess miteinander entsteht. Die Beteiligten lernen durch die große Bandbreite der Biografien und Motivationen der anderen eine offene Auseinandersetzung auf Augenhöhe und werden in eine Form der emanzipativen Arbeit eingeführt.

Stadtlabor unterwegs: hybride Struktur zwischen Museum und urbaner Bewegung

„Der organisatorische Quatsch (das Beantragen von Genehmigungen beispielsweise) wird einem abgenommen ohne, dass ein Eingriff/Übergriff auf die Inhalte vorgenommen wird.“, sagt Cornelia F.C. Heier. Ist das Museum also Ermöglicher? Oder findet hier eine Domestizierung wilder Urbanität statt? Wir haben es beim Stadtlabor ja nicht mit Urbanismus von unten zu tun und alle scheinen so auffällig friedlich und harmonisch. Da wird schnell die Frage nach den Konflikten laut: wie wird denn in diesem Rahmen mit kritischen Themen umgegangen? Es wird auf eine Darstellung verschiedener Meinungen abgezielt, dabei bewegt sich das Museum als städtische Institution in einer Grauzone, in der es leicht mit anderen Ämtern Schnittmengen entwickelt. Die administrativen Zuständigkeiten in der Stadt überschneiden sich mit den Themen der Ausstellung – das Stadtlabor und seine wichtigste Ressource, das implizite Stadtwissen, sind interdisziplinär und halten sich nicht an Ämter und Bereiche. Hier ist die innerstädtische Vernetzung und Integration anderer Ämter die Grundlage für ein Gelingen. Konflikte zeigten sich bei der letzten Ausstellung „park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen“ auch in der Auseinandersetzung mit anderen Stadtbewohner*innen: die Outdoor-Ausstellung in der Grünanlage war den Besucher*innen 24/7 zugänglich, Vandalismus fand vielfältig statt. Konflikte im Team wurden nicht beschrieben. Wichtig ist die Balance: produktive Konflikte sollten zugelassen werden.

Was bleibt und wie ist der Erfolg messbar?

Ein Stadtlaborant beschreibt seine persönliche Erfahrung so: „Ich habe begriffen, dass die Stadt mein Raum ist und der muss nicht so bleiben wie er ist.“ Im besten Falle wird durch das Format also ein aktiver Zustand vermittelt, der die Stadtbewohner*innen „empowert“. Die Stadtlaborantin Helga Franke nennt das: kleine Agoren schaffen. Sie geht davon aus, dass Städter*innen beispielsweise nicht mehr gewohnt sind, sich im öffentlichen Raum zu artikulieren. Sie könnten nur durch Projekte wieder daran heran geführt werden. Mit dem LeseSchreibKollektiv trägt sie den Empowering-Anspruch weiter, wird zum Keyworker, verlängert und potenziert das Stadtlabor. Auf der anderen Seite wird die Flüchtigkeit des Stadtlabors durch die Dauerhaftigkeit des Museums aufgefangen, woraus verschiedene Möglichkeiten der Repräsentation und Sammlung des Stadtlabors erwachsen. So wird im Neubau des Museums ab 2017 eine ganze Dauerausstellung dem Frankfurt Jetzt! gewidmet sein und auf die Stadtlabor-Inhalte aufbauen. Auch die Vernetzung unter den Stadtlaborant*innen und das Wissen um die grundsätzliche Gestaltungsfreiheit ihrer Stadt bleiben. Oft entstehen im Projekt ungewöhnliche Allianzen, lang schon angedachte Ideen können endlich verwirklicht werden und haben dann auch weiter Bestand (z.B. Kirchplatzgärtchen e.V.). Die Mitarbeit am Stadtlabor regt neue Ideen an und bereichert den Alltag ungemein. Der Blick auf die Stadt ist plötzlich von einer Vielstimmigkeit inspiriert, die dazu anstiftet, unsere eigene Geschichte in die große Erzählung einzupflegen. Und darin sind Museen ja nun mal wirklich gut. In diesem Sinne wünscht die Diskussionsrunde den zukünftigen Stadtlaborant*innen: utopistisch zu denken und die dargebotene Plattform ohne Ängste zu nutzen – „Riskieren Sie das Scheitern, denn das ist das Format dazu! Viel Glück.“

Zinnfiguren, die Frankfurter Geschichte zeigen

Der Sommer des Jahres 1862 bot ein ganz besonderes Ereignis für die Stadt Frankfurt und dessen Bevölkerung: Vom 13. bis 21. Juli fand auf der Bornheimer Heide das Frankfurter Schützenfest mit 100 Schießständen und 8.000 Schützen aus 9 Nationen statt. Das auch als das 1. Bundesschießen bekannte Ereignis gilt wegen seiner danach nicht mehr übertroffenen Teilnehmerzahl und der enormen öffentlichen und politischen Beachtung als das bedeutendste deutsche Schützenfest überhaupt. 202 bemalte Zinnfiguren, die einen Teil der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? bilden sollen, erinnern daran. Um die Figuren in den historischen Kontext einzubetten, möchte ich erläutern, was genau in diesen Tagen in Frankfurt stattfand.

Nachdem im Jahre 1861 der bis heute bestehende Deutsche Schützenbund in Erinnerung an die gescheiterte Revolution 1848 in Gotha gegründet wurde, beschloss man, in regelmäßigen Abständen ein allgemeines Deutsches Bundesschießen abzuhalten. Das erste Treffen fand daraufhin 1862 in Frankfurt am Main statt und wurde offiziell noch als Schützenfest bezeichnet. Erst bei den darauffolgenden Bundesschießen wurde auf den Medaillen und anderen Souvenirs das Wort Bundesschießen vermerkt. Der einstige Festplatz erstreckte sich damals von der Friedberger Landstraße (nördlich) bis zur Fahrstraße nach Bornheim (westlich). 25 Morgen, d.h. umgerechnet 50625 m² nutzbares Ackerland, zum größten Teil im Besitz der Familie Rothschild, wurden an das Fest-Comité vermietet. Der Festplatz entsprach somit etwa einer Größe von 7 Fussballfeldern! Neben der Schießhalle, zwei großen Bierhallen und den Räumen der verschiedenen Comités befand sich unter anderem auch die Hauptwache der Turner und die Redaktion der Festzeitung auf dem Gelände. Auch heute noch sind die damals ausgegebenen Pokale und Medaillen begehrte Sammlerstücke. Von Adel, Industrie und Handel wurden wertvolle Preise gestiftet, die der Preisträger stolz mit nach Hause nahm. Die täglich herausgegebenen Festzeitungen mit Geschichten rund um die Schützenveranstaltung und den Ergebnislisten bieten bis heute interessante Belege für das historische Schützenwesen in Deutschland.

Die 202 bemalten Zinnfiguren über den „Frankfurter Schützenzug vom Jahre 1862“ gelangten im November 1934 durch Ankauf aus Berlin in den Bestand des historischen museums frankfurt. Der Hersteller der Zinnfiguren war die Firma J.C. Allgeyer, die im 19. Jahrhundert eine bedeutende Fabrik in Fürth betrieb. Der dazugehörigen Spanschachtel und dem Etikett zufolge müssten die Zinnfiguren zwischen 1862 und 1867 von Johann Friedrich Allgeyer, dem Sohn des Firmengründers und Erben, produziert worden sein.

Nach Recherchen von Abbildungen des Schützenfestes in Lithographien und Festzeitungen  lassen sich viele der 202 Zinnfiguren zuordnen. Von den damals teilnehmenden 9 Nationen finden sich unter den Figuren zwar nicht alle, aber doch einige wieder: Neben den “Tyrolern” lassen sich zum Beispiel auch Französische und Schweizer Schützen erkennen. Weitere Gruppen sind die “scharlachroth” gekleideten “Zeiger” mit ihren Scheiben und Zeigerstäben, sowie ein auffällig großes “Blumen-Bouquet” mit Mädchen und Knaben. Dazu gesellen sich unter anderem sogenannte „Alte Deutsche“ (Figuren mit braunen und schwarzen Tierfellen), sowie zahlreiche Bogen-, Armbrust- und Luntenschützen. Nicht zu übersehen sind aber auch die Reiter mit dem Frankfurter Stadtbanner, die ebenfalls am Festzug teilnahmen. Erkennbar sind auch  die Gruppe der „bewaffneten Turner von 1848″ sowie die “Landsknechte des 17. Jahrhunderts” als Vertreter des Dreißigjährigen Kriegs.

2017 marschieren dann alle durch die neue Dauerausstellung…

Neu: die Lese-Lounge im Bernusgewölbe

Im Bernusgewölbe können BesucherInnen ab sofort ein lauschiges Plätzchen finden, ihren Museumsrundgang planen und die Angebote auf den Wanderkarten studieren.

Platz nehmen sie dabei auf echten Zeitzeugen der 1970er Jahre: Der schwarze Dreisitzer aus Leder und die eleganten Sessel auf einem drehbaren Chromfuß wurden dem Museum der Filiale der Dresdner Bank in Kulmbach überlassen. Das Design ist ein Entwurf aus der bekannten Hochschule für Gestaltung Ulm, genauer von Otl Aicher, der in den 1970er die Piktogramme für die Olympischen Spiele und den Frankfurter Flughafen entwarf .

Nach der Schließung der Filiale gelangten 20 Objekte in das historische museum. Darunter ist auch der sechseckige Tresen, der im Ausstellungsbereich „Geldstadt“ von Frankfurt Einst? ab 2017 im neuen Ausstellungshaus des Museums in einem Diorama zu sehen sein wird.

historisches museum frankfurt: Lese-Lounge im Bernusgewölbe

Frankfurts rastlose Altstadt oder aus neu mach alt!?

Das städtebauliche Selbstverständnis Frankfurt ist gefühlt in einer permanenten und rastlosen Selbstfindungsphase. Insbesondere Frankfurts Innen- bzw. Altstadt war in den vergangenen Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten, immer wieder großen Veränderungen unterworfen. In der jüngsten Zeit sorgte vor allem das Dom-Römer-Projekt für viele Diskussionen innerhalb von Politik und Stadtgesellschaft.

An der Stelle, wo Anfang der 1970er Jahre das inzwischen wieder abgerissene Technische Rathaus stand, befindet sich derzeit eine große Baustelle. Hier wird bis 2017 entlang des alten Krönungswegs zwischen Dom und Römer ein Ensemble aus rund 35 Gebäuden errichtet. Einige davon modern, andere in Material und Gestaltung den Vorkriegsbauten nachempfunden – eine “neue Altstadt” entsteht. Das Stadthaus, welches den Archäologischen Garten überspannen wird, feierte sogar schon Richtfest.

Auch auf der Baustelle des historischen museums frankfurt in unmittelbarer Nähe kann demnächst der Abschluss des Rohbaus des künftigen Ausstellungsgebäudes vermeldet werden. Was läge also näher, also sich einmal gegenseitig auf der Baustelle zu besuchen?! Den Anfang machte die DomRömer GmbH und lud zur Baustellenbesichtigung und in das künftige Stadthaus ein.

historisches museum frankfurt: Der Krönungsweg begann am Dom

historisches museum frankfurt: In mittelalterlichen Dimensionen historisches museum frankfurt: Der Krönungsweg führte bis zum Römerhistorisches museum frankfurt: Stadthaus-Bausstelle mit Blick auf die Stadt historisches museum frankfurt: Stadthaus-Bausstelle mit Ausgrabungen

Wir erfuhren viel über die Konzeption und Umsetzung der neuen alten Gebäude, über die Herausforderungen bei den Rekonstruktionen und wir entdeckten im wahrsten Sinne des Wortes viele historische Schichten. Auch konnten wir uns einen guten Überblick über die Dimension des Projektes verschaffen und einen ersten Eindruck vom Verlauf der Wege und Plätze gewinnen, die genauer gesagt eher Gassen und Plätzchen sein werden; denn der historische Krönungsweg war aus heutiger Sicht nicht mehr als ein schmales mittelalterliches Sträßchen.

Einen Überblick über den baulichen Wandel der Frankfurter Altstadt und der damit verbundenen Auseinandersetzungen gibt dann ab 2017 die Galerie „Stadtbilder“ der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst?

Urban Diversity and City Museums

und JAN GERCHOW

Tagung am 29./30. September 2014, Antwerpen, im Red Star Line Museum und im MAS (Museum aan de Stroom)

Die gemeinsame Themenstellung zur heutigen „Diversität“ oder „Superdiversity“ (Stephen Vertovec) in Städten und mögliche Strategien von Stadtmuseen im Umgang mit diesem „Gegenüber“ standen im Fokus der Tagung „Urban Diversity and City Museums“. Ein bereits existierendes Netzwerk niederländischer und belgischer Stadtmuseen wurde zu dieser Tagung um deutsche Stadtmuseen erweitert. Zwei halbe Konferenztage – je ein halber Tag im Red Star Line Museum Antwerpen und im MAS – wurden mit einer Keynote eingeleitet und hatten vier kurze 15-minütige Praxisbeispiele von teilnehmenden Museen zum Inhalt. Vervollständigt wurden diese mit einer jeweils einstündigen Diskussion. Einleitend und abschließend wurden in beiden Museen Führungen von den belgischen Kollegen angeboten. Hier ein inhaltlicher Überblick über die Ausstellungen und einen Teil der Vorträge:

 Red Star Line Museum

Ein Aufbruch voll Hoffnung, Ungeduld und Enge – im Red Star Line Museum Antwerpen lässt sich ein Hauch dieser Aufregung spüren, wenn man durch die Ausstellung über europäische Auswanderer des 19 Jahrhundert wandert. Thematisiert wird hier die Geschichte der ersten amerikanischen Passagierfähre, die zwischen 1873-1934 zwei Millionen Menschen zu einem neuen Leben in Amerika führte. Einleitend wird das Phänomen Migration in einer videoanimierten metallenen Weltkugel inszeniert, die Bilder von frühester Migration bis zu aktuellen Flucht- und Vertreibungsbewegungen zeigt.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Wanderouten und Einzelschicksale werden in der Ausstellung über Briefwechsel auf Touchscreen Stationen erfahrbar. Eine Riechmuschel, die den Geruch von Essig verbreitet, erinnert an die Desinfektionsduschen für Auswanderer und an die hygienischen Vorbereitungen für eine transatlantische Überfahrt auf der Red Line Company. Auch der wirtschaftliche Faktor für die Stadt Antwerpen steht im Fokus. Antwerpen – frühes Migrationszentrum – wies unzähligen Hotels und Bars auf, in denen Migrant*innen wochenlang auf ihre Ausreise warteten.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Die Ausstellung schließt mit einer Multimediastation, auf der zeitgenössischen Porträts und Interviews mit Antwerpenern mit Migrationshintergrund, aufrufen lassen. Konzept ist hierbei ein möglichst umfassendes Spektrum an Alterspannen, Migrationsgründen und Typen aktueller Zuwanderer in Antwerpen erfahrbar zu machen. Die 10 Videos wurden aus 400 Aufnahmebeiträgen ausgewählt.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Keynotes und Vorträge

 Die Keynote von Ching Lin Pang (kath. Univ. Leuven) bemühte sich um eine theoretische Ausleuchtung des Feldes, in dem Städte und Museen mit dem Thema Migration und Diversität agieren. Sie beschrieb Städte als Orte, die von Arbeitsstätten zu „places of consumption“ mutiert sind mit Museen, die von „places of learning“ ebenfalls zu „Konsumstätten“ geworden sind „museum visitors become consumers“. Der zweite Vergleich griff James Cliffords Diktum des Museums als „contact zone“auf: ein „third place, where celebration of togetherness happens“.

Jacques Borger, Museum of Rotterdam

Momentan hat das Museum Rotterdam keinen festen Ort, da das alte Stadtmuseum aufgeben wurde, daher spielt das Museum an verschiedenen temporären Locations. Im Jahr 2016 wird es im urbanistischen Projekt hinter dem Stadthuis eine Etage belegen. Das Ziel ist, verschiedene Besuchergruppen anzusprechen und neue kulturelle Angebote zu machen. Vor allem soll eine Gruppe, die „colourful strivers“ genannt werden, gewonnen werden: Rotterdamer, die häufig einen Migrationshintergrund haben, und die Stadt als Erlebnisraum benutzen. Sie kommen nicht selbstständig in Museen, es sei denn, sie finden dort viel Ansprache: ein persönliches Willkommen, Begleitung, Gespräche über die Ausstellung, eine gute Bar oder gutes Essen, Musik und eine Nachbereitung. Sie bringen viel Zeit mit und sind anspruchsvoll in der Betreuung. Borger bezeichnet sie aber als das Publikum der Zukunft. Das Museum muss für sie „useful“ sein („Useum“). Vielleicht müsste sogar der Name geändert werden, weil der Titel Museum zu abschreckend ist (museum = white, rich, academic, old people). Der neue Name soll im Prozess der Neu-Einrichtung gefunden werden.

Sophie Perl, FHXB (Friedrichshein-Kreuzberg-Museum Berlin)

1991 eröffnet, eines von 12 Berliner Bezirksmuseen mit einem kleinen Team von drei Personen. Martin Düspohl, ein Aktiver aus der Geschichtswerkstatt-Bewegung der 1980er Jahre, leitet seit den 1990 das Museum mit den Schwerpunkten Stadtentwicklung, Sozial- und Migrationsgeschichte Berlins sowie Erwachsenenbildung im Museum. Im Jahr 2013 wurde die Ausstellung „Ortsgespräche“ in Zusammenarbeit mit Stadtbewohner/innen Berlins und den Kuratorinnen Frauke Miera und Lorraine Bluche realisiert. Sechs Orte im Bezirk wurden dabei auf ihren Migrationsaspekt untersucht und eine Karte des Bezirks mit Audiobeiträgen generiert, die über 100 Geschichten zu Orten im Bezirk sammelte und präsentiere. Die Ausstellung ist noch bis Ende 2014 zu sehen.

Lieve Willekens und Nadia Babazia , MAS

Das MAS initiierte 2013 ein „Spurensucher“-Projekt (spoortreker) in Kooperation mit Bewohner*innen Antwerpens, im Sinne des key worker Modells. Der Anlass war „40 Jahren Einwanderung“ aus Marokko und der Türkei nach Belgien, im Zuge der Arbeitsmigration. Die „Spurensucher*innen“ untersuchten türkische und marokkanische Spuren in Antwerpen und verarbeiteten diese zu eigenen Installationen und Geschichten z.B. in Form von Interviews, Fotoserien oder Objektinstallationen.

Ein zweites Projekt, das in seiner Umsetzung jedoch auf Schwierigkeiten stieß, war „Home Sweet Home“, welches im Sommer 2014 initiiert wurde. Ziel war eine fotografische und filmische Dokumentation von familiären Heimaturlauben in Marokko, durch die Künstlerin: Nadia Babazia. Bestimmte Familien mit marokkanischem Hintergrund sollten bei ihrer Reise begleitet werden. Das Projekt stieß jedoch nur auf wenig Zustimmung.

Keynote von Joachim Baur

Joachim Baur verwies in seiner Keynote auf die MELA-Publikationen: Placing Migration in European Museums, von 2012. Er berichtete über den Vergleich dreier Immigrations-Museen aus seiner Dissertation: Ellis Island und Melbourne. Er bezeichnete die Museen als Institutionen die, der inklusionistischen Master-Narrative unterstellt sind, die von der Staats-Doktrin gefordert wird: dem nationalen Überbau „methodological nationalism“. Überall spielen die Orte, Grenzen, Schiff-Reisen und der Koffer eine Rolle. Bauer sprach von einer Cornucopia (Füllhorn)-Inszenierung: viele bunte Dinge, die mitgebracht wurden, werden nebeneinander ausgestellt und ergeben ein folkloristisches Bild einer Migrationsgesellschaft, einer „boutique multiculturalism“. Diese Museen schreiben somit ein Plädoyer für den Koffer als „Super-Semiophore“ (K. Pomian), als Gefäß für Erinnerungen und Bedeutungen. Baur verweist anschließend auf Hinweis auf verschiedene europäische Projekte zu Migration: etwa auf  Migropolis Untersuchung von Venedig als Ort der Migration) oder die  Route der Migration.

Jozefien De Bock, STAM Ghent

„Sticking Around. 50 years of migration to Ghent“ Die Ausstellung untersuchte verschiedene Orte in der Stadt, die von Migrationsgeschichte geprägt sind. 35 Orte (Cafés, Läden Plätze etc.) wurden durch Plakate oder Litfaßsäulen als Migrationsorte gekennzeichnet. Dort wurden Geschichten von Einwanderern erzählt, die teilweise auch auf einer APP hörbar waren. Ein mehrsprachiger Blog zum Projekt machte die existiert noch, wurde dort jedoch kaum aufgerufen.

 Annemarie de Wildt, Amsterdam Museum

Bei der Kabra Maske aus Surinam handelt es sich um ein Sammlungsobjekt, das im Rahmen der Ausstellungen zur Abschaffung der Sklaverei vor 200 Jahren ausgestellt wurde. Die Ausstellung umschrieb die dunkle Seite des „Goldenen Zeitalters“ von Amsterdam. Mit einer Nachbildung der Maske wurde in Kooperation mit einer Winti-Priesterin eine „Keti Koti“ („zerbrochene Kette“) Zeremonie inszeniert, die an die Abschaffung der Sklaverei in Surinam erinnerte. Zu der Zeremonie erschien sogar das Königspaar von Surinam. Die Maske wurde somit wieder in den aktuellen Winti-Kult eingeführt, da unter der Kolonialherrschaft der Niederländer die Benutzung dieser Objekte verboten war. Diese Kopie der Maske soll nun durch das Amsterdam Museum angekauft werden, um einerseits einen Platz in der Ausstellung zu erhalten, aber auch um wieder ausgeliehen werden zu können. Diesen Akt des postkolonialen Gedenkens wird von der Kuratorin Annemarie de Wildt als „cultural healing“ bezeichnet.

Ausstellung im MAS

historisches museum frankfurt: das MAS in Antwerpen

Die Ausstellung „In Antwerpen. 50 Jahre Migration aus Marokko und der Türkei“ beleuchtet anhand von Gegenständen (Liebesbriefen, Familienfotografien, alten Filmen) persönliche Geschichten über Arbeitsmigration und von einem neuen Leben in der Wahlheimat. Das Thema ist aus der Sicht von Bewohner*innen Antwerpens mit türkischem oder marokkanischem Migrationshintergrund dargestellt. Die Geschichten handeln von der Arbeit beim Glashersteller Verlipack, von Liebe, Trennungsschmerz und einer transkulturellen zweiten Generation. Zu sehen sind auch begehrte Mitbringsel – die bei jedem Heimatbesuch importiert oder exportiert werden. Alle ausgestellten Objekte wurden von Antwerpener Spurensucher*innen gesammelt und von Einzelpersonen an das Museum verliehen. Das Ziel der Ausstellung ist es, den kulturellen Zuwachs in Antwerpen, durch die Diversität der Stadtbevölkerung aufzuzeigen. Die Ausstellung konnte in Kooperation mit migrantischen Communities realisiert werden und erhielt folglich einen hohen Zulauf von Rezipient*innen mit Migrationshintergrund.

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

Die zweite Ausstellung „Heilige Stätten, Heilige Bücher. Rom, Mekka und Jerusalem in Antwerpen“ thematisiert die Bedeutung heiliger Orte und heiliger Schriften für Gläubiger der drei größten Weltreligionen. Die Ausstellungsbesucher*innen werden eingeladen, über eine Karte sowie persönlichen Pilgergeschichten, den Pfaden zu heiligen Stätten des Islams, des Christentums und des Judentums zu folgen. Religiöse und kunsthistorische Exponate (Manuskripten, historischen Karten, Gemälde, Teppiche, Surensteine) verdeutlichen die jahrhundertealte Tradition und Intensität religiöser Suche. In Zusammenarbeit mit Antwerpener Initiativen und Bürger*innen, die ihre persönlichen Kontakte und Einflüsse spielen ließen, konnte die Ausstellung realisiert werden. Das erfolgreiche Konzept der Ausstellung ist es, die Gemeinsamkeiten und die Verbundenheit der Religionen aufzuzeigen und somit religiöse Konkurrenzen zu vermeiden. Die wertvollen Exponate besitzen teilweise selbst „heiligen“ Wert und schaffen durch die ebenbürtige Inszenierung eine besondere Atmosphäre.

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

Zum Schluss

Geplant ist, dass sich das Netzwerk alle zwei Jahre zu einem neuen Austausch wiedertrifft. Für 2016 wurde von Seiten der belgischen Museen das historische museum frankfurt als Tagungsort vorgeschlagen, was noch zur Diskussion steht. Themen könnten möglicherweise “contact zone – conflict zone: new roles of museums” und die Untersuchung der Sammlungen sein (collections, inside/outside).

 

 

Es gibt wieder etwas über Frankfurterinnen zu lesen

Die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts erinnern sich in diesem Jahr besonders an die großen Gründer der Stifter-Universität und an die Zeit des „Großen Krieges”.

Unsere Website Frankfurter Frauenzimmer stellt daher regelmäßig innovative und bemerkenswert ambitionierte Frauen der Frankfurter Stadtgesellschaft vor. So erinnerten wir im Oktober an die überzeugte Pazifistin und Frauenrechtlerinnen Anna Edinger (1863-1929) und die SPD-Politikerin Johanna Tesch (1875-1945), eine Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung und eine der ersten Frauen im Berliner Reichstag.

Lesen Sie jetzt die interessante Lebensgeschichte der Margarete Schütte-Lihotzky, die in erster Linie als Erfinderin der Frankfurter Küche bekannt ist. Sie war die erste Architektin im Frankfurter Hochbauamt und entwarf gemeinnützige Siedlungsbauten. Mit ihren Projekten setzte sie sich für Arbeiterfamilien und vor allem für berufstätige Frauen und für Kinder ein. Das hier abgebildete Modell einer Frankfurter Küche wird auch wieder in der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? zu sehen sein.

historisches museum frankfurt: Frankfurter Küche in Grün, Foto hmf/Ziegenfusz

Der Migration ein Denkmal setzen

Soviel hatte ich schon darüber gelesen, in Vorträgen davon gesprochen, viele Bilder angeschaut – in der Hand hatte ich es noch nie gehalten.  Letzte Woche war es dann soweit: das Englische Monument, dass hier schon einmal vorgestellt wurde, wurde aus seiner Holzkiste befreit und stand für einen kurzen Moment vor mir.

Das, was so aussieht wie eine kleine Säule, ist eigentlich ein Prunkgefäß – aus vergoldeten Silber. Das Gefäß wurde 1558/59 in Antwerpen hergestellt. Wie das Stück nach Frankfurt war, gut belegt: Maria I. Tudor, die erste englische Königin, wollte zwischen 1553 und 1558 wieder den Katholizismus einführen und ließ deshalb Protestanten verfolgen. Aus diesem Grund fanden Wallonen und Flamen, die zuvor nach England geflüchtet waren, sowie englische Protestanten 1554/55 in Frankfurt Asyl. Während die Wallonen und Flamen in Frankfurt blieben und Gemeinden gründeten, kehrten die englischen Protestanten nach dem Tod der Königin wieder nach England zurück. Als Dank für die Gastfreundschaft schenkten sie der Stadt das zierliche Gefäß, das zunächst in der Stadtbiblithek aufbewahrt wurde und dann in die Sammlung des historischen museums überging. Es steht dafür, dass Migration und kulturelle Diversität nicht nur ein Thema der Gegenwart ist. 2017 wird es in Frankfurt Einst? in der Galerie 100 x Frankfurt gezeigt.

Ich habe es dann doch nicht in der Hand gehalten  – das machte dann doch unsere neue Metallrestauratorin Sabine Lorenz, die demnächst einmal hier ganz im Bild ist.