Nach Wien reisen und in einer utopischen Stadt ankommen

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, von meiner Tagungsreise nach Wien direkt aus dem Kunsthistorischen Museum zu bloggen. Die Kollegen dort, die uns sehr herzlich aufgenommen haben, verzeihen mir hoffentlich, dass mein Augenmerk auf einer Tour durch Wien auf zwei andere auffällige Aspekte fiel: Dem begehbaren Stadtmodell Hypotopia und dem Mobilen Stadtlabor der TU Wien im Resselpark. Da wir gerade  park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen laufen hatten, musste ich mir das natürlich genauer ansehen.

Hypotopia ist  zweierlei: ein stadtplanerisches und gesellschaftswissenschaftliches Gedankenmodell und eine Form des Protests. Eine selbstorganisierte Gruppe von Studierenden der TU Wien aus den Disziplinen Architektur, Bauingenieurwesen, Raumplanung und Informatik arbeitet seit Anfang Mai 2014 an der Entwicklung dieses Stadtmodells, das kein echtes Stadtzentrum besitzt. Die hypothetische Bau- und Planungskosten entsprechen der Summe Geld, die der Staat Österreich für die Pleitebank Hypo-Alpe-Adria aufbringen muss.

historisches museum frankfurt: Stadtmodell Hypotopia in Wien

historisches museum frankfurt: Stadtmodell Hypotopia in Wien

Durch ein Stadtmodell hindurchgehen zu können,  ist ein besonderes Erlebnis. Hypotopia steht noch bis zum 30.11.14. und ist von vielen Aktionen begleitet.

Das mobile Stadtlabor der Fakultät für Architektur und Raumplanung ist ein zeitlich begrenztes Gebäude aus sechs ausrangierten Containern. Hier konzipierten 30 Studierende im Rahmen des future.lab einen Raum für Seminare, Vorträge, Workshops und Ausstellungen.

historisches museum frankfurt: StadtlaborWien

Zurück nach Frankfurt – wer sich für das Frankfurter Stadtlabor interessiert: zwar ist park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen schon zu Ende, die Debatte geht aber heute abend mit Wir sind die Stadt im historischen museum frankfurt weiter.

Ein Loch ist im Fenster!

Sechs Jahre lang ging es gut, jetzt aber ist’s passiert. Einer meiner Albträume wurde wahr. Eine Scheibe der 28 Meter langen Glasfassade des kinder museums hatte ein kreisrundes Loch. Keiner hat mitbekommen, wie es passiert ist, plötzlich war es da. Was war passiert? Wurde dort ein Ball durchgeschossen? Zum Glück jedoch fiel nicht die ganze Scheibe in sich zusammen. Weil die Glasscheibe so groß ist, konnte leider nicht sofort eine neue einbaut werden. Aber wir mussten nur wenige Tage warten, bis die Glaserei Döll eine neue Scheibe brachte und einbaute.

Da wir mit dem kinder museum in der Zwischenebene der Hauptwache sind, musste die riesige Glasscheibe von drei Männern die Treppe heruntergetragen werden. Innerhalb kurzer Zeit war dann die Scheibe eingesetzt und fixiert.
Die Mitarbeiter der Glaserei haben beim Entfernen der zerstörten Scheibe übrigens eine leere Wodkaflasche gefunden. So können wir erahnen, dass eine der Schnapsdrosseln unsere Glasscheibe auf dem Gewissen hat. Den Übeltäter werden wir wohl nicht mehr ausmachen können, hoffen aber sehr, dass wir das nicht wieder erleben müssen.

An allen Ecken gleichzeitig…./Baustellenbegehung

Während die komplizierten Schalarbeiten hoch oben an den Dachgeschossen des Eingangsgebäudes und Ausstellungshauses ausgeführt werden, wird gleichzeitig der Anschluss des Neubaus an den Saalhof im Westen des Gebäudes vorbereitet. Auf der Ostseite wird tief unten noch ein Stück Bohrpfahlwand zurückgebaut und die mittelalterlichen Mauerreste, die früher schon zu sehen waren, wieder freigelegt.

Bei diesen Arbeiten wurde ein Stück der karolingischen Stadtmauer freigelegt. Eine kleine Sensation, denn diese Mauer ist sehr gut erhalten und es war nicht bekannt, dass dovon hier noch etwas erhalten ist! Der staufische Palas gründet auf dieser Stadtmauer, die hier drei Meter stark ist. Vom späteren Museumscafé aus wird man dieses Stück Mauer sehen, das einzige Stück der noch erhaltenen karolingischen Mauer im Stadtgebiet, das sichtbar sein wird.

Beide Dächer werden im Betonguss ausgeführt und nicht gezimmert, da auch dort eine Bauteilaktivierung eingefügt wird. Dies macht die Schalarbeiten so aufwändig. Ein Rundgang über die Baustelle im obersten Geschoss ist etwas Besonderes, solange das Dach noch nicht ganz geschlossen ist. Hier scheint die umgebende Stadt mit ihren Hochhäusern und dem Dom greifbar nahe zu sein.

 

Kultur-Tipp: Retrogames

Koproduktion mit CAROLINE JANSKY im Rahmen der Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch”

Flipper (Foto: Retrogames e.V.)Racing (Foto: Retrogames e.V.)Arkaden-Automaten (Foto: Retrogames e.V.)

Spielhalle (Foto: Retrogames e.V.)

Outrunners (Foto: Retrogames e.V.)

 

 

 

 

 

 

Tok, tok, tok, unkontrolliert-zäh zuckelt der helle Strich vertikal durch die Nacht des schwarzen Bildschirms. Immer in Bewegung bleiben – tok, tok – mein Schläger pariert den fies über Ecke gespielten weißen Punkt. Um mich herum klingeln Synthesizer und elektronische Stimmen. Die Drehknöpfe haben viel Spiel, so viel, wie sich eben in den letzten 30 Jahren ansammeln konnte. Wer der puristischen Tischtennis-Abstraktion Pong” nichts abgewinnen kann, findet auch die anderen Allstars in greifbarer Nähe: Der nimmersatte Pac-Man wartet direkt neben der Tetris-Baustelle auf Bearbeitung. Weiter hinten präsentiert sich eine exquisite Auswahl an Flippern und Racing Games. Dazwischen alles, was in den Arcade-Spielhallen des späten 20. Jahrhunderts Rang und Namen hatte. Während das Ausmaß unserer Daddeleien damals jedoch stark von der elterlichen Taschengeldregelung kontrolliert wurde, gibt es heute kein Halten; das Saturday Night Fever hat uns erfasst und wir schwitzen um die Wette.

Was sich wie ein Kindheitstraum anhört, ist in Karlsruhe bei Retrogames e.V. möglich. 2002 gegründet, hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, die Kultur der elektronischen Videospiele zu sammeln und zu vermitteln. Über 70 Spielautomaten hat der Verein vor dem Vergessen gerettet und stellt diese in einer wirklich spielbaren Ausstellung, jeden Samstagabend der Öffentlichkeit (für nur drei Euro Eintritt) zur Verfügung. Im Gegensatz zu anderen Museen ist das Anfassen hier ausdrücklich erwünscht.

Die Retrogames-Ausstellung bietet ein museales Erlebnis der besonderen Art: Hier lässt sich beobachten, wie die Vermittlung eines leidenschaftlichen Interesses an der Geschichte einer kulturellen Praxis gelingt. Dass es hier nicht „nur“ ums Daddeln und Unterhalten-Werden geht, machen uns die jedem Automaten zugeordneten „Werkbeschreibungen“ deutlich – sie warten mit Details zu Technik, Datierung, Entwicklung und historischer Bedeutung der jeweiligen Hard- und Software auf. Die Ausstellungsmacher*innen haben in diesem Sinne die Regeln des Spiels „Ausstellen“ verstanden und befolgen sie: Sowohl auf der Produktions- als auch auf der Rezeptionsseite bedeutet es vor allem ein Nachdenken über die, ein Forschen an den Gegenständen.

„Freeplay“ lautet das Motto der samstäglichen Öffnung für Besucher*innen, und hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Die Befreiung der Automaten von ihrem Nutzwert, die Verschiebung der Perspektive, die so charakteristisch ist für die Musealisierung von Gegenständen, lässt sich hier anhand einer technischen Manipulation en Detail nachvollziehen: Statt Geld in den Einwurf der Münzautomaten zu stecken, muss nur ein Startknopf gedrückt werden, damit das Spiel beginnt – und den ökonomischen Zwängen der Kulturindustrie enthoben, können wir uns auf die wirklichen Werte der Werke entsinnen, ohne in die beleidigte Haltung des immer irgendwie betrogenen Konsumenten gedrängt zu werden: Auch wenn die Steuerung für uns Ungeübte nahezu unbeherrschbar scheint, die Schönheit des über den Bildschirm schießenden Kathodenstrahls im Atari-Spiel „Asteroids“ müssen wir anerkennen, und dass wir beim Spielen von Segas „Space Harrier“ die Bewegung der Spielfigur im hydraulischen Sitz miterleben können, ist eine kleine Sensation. Wir sehen den Einzug der 3D-Grafik mit Schaudern und freuen uns, die Lucas-Film-Welt zu durchflippern. Hier werden uns Freispiele und Bonuslevel geschenkt, statt dass wir sie uns mühsam erarbeiten müssen, und das befreit unseren Blick und lenkt ihn auf die Details und Besonderheiten, die Kuriositäten und historischen Zusammenhänge der Spielewelt.

Die Arcade-Automaten sind Tore zu anderen Welten. Sie eröffnen Einblicke in das Lebensgefühl der 1980er und 1990er Jahre, in bezaubernd minimalistische Designs und generationsprägende Soundeffekte, in eine neon-farbene Ästhetik, deren Technik noch widerspenstige Joysticks und ganze Schaltzentralen-Tableaus umfasste, und in die Ikonenwelt der damaligen Popkultur. Im Nebeneinander der Automaten kristallisieren sich unterschiedliche Zeitbilder, die keiner externen Erklärung mehr bedürfen… Ready? 1, 2, 3 – Go!

Eine Reise wert: das vorarlberg museum

Selten hat ein Museumsbesuch so Spaß gemacht wie der Besuch im vorarlberg museum in Bregenz: von außen, von der Seeseite, begrüßt einen schon der Pilz (hier gibt es leckere Milchmixgetränke und ich bin sicher, der Pilz gehört auch irgendeinmal komplett zum Museum), von der anderen Seite lädt das Café vor dem Museum auf einem schönen Platz dazu ein, sich auf den Besuch einzustimmen bzw. sich zwischendurch zu stärken – nachts gibt es Literatur für den Geist…

Es gibt viel zu sehen, zu hören und zu Staunen. Das Gebäude selbst ist ein hoher Genuß – es heisst einen als Besucherin wirklich willkommen und man hält sich gerne hier auf. Immer wieder gibt es schöne Blicke nach außen – auf die Stadt oder etwa auf den Bodensee. Wie gesagt: es gibt viel zu sehen: buchstäblich vorarlberg stellt die Sammlung und nebenbei Vorarlberg vor. Im Vorarlberg. ein making of erfährt man ganz Erstaunliches aus Vorarlberg bzw. manche Dinge wusste man schon, aber die Verbindung zu Vorarlberg fehlte. Schön fand ich auch die Ausstellung zum Hören – Sein & Mein – natürlich für die vielen Hörstationen zuwenig Zeit.

Die Ausstellung Römer oder so mutete mir irgendwie so bekannt an – das lag daran, dass wir auch mit den Gestaltern arge Gillmann Schnegg für Frankfurt Einst? zusammenarbeiten. Es gäbe noch viel mehr zu schreiben – die Bilder erzählen aber auch schon eine ganze Menge. Also:  das Museum ist rundum zu empfehlen!

Frankfurt und das Geld

“Geld regiert die Welt” – diesem Spruch zu Folge müsste unser beschauliches Frankfurt am Main der Nabel der Welt sein – schließlich ist das Geld sozusagen seit je her hier zu Hause. Mit genormten Münzen (siehe Bild), Messe- und Münzprägeprivilegien unter den Frankenkönigen fing es an. Bald folgte die Einführung von Wechselkursen für die vielen verschiedenen Währungsmittel zur Messezeit in Frankfurt – die Börse war geboren. Heute beherbergt Frankfurt neben der größten deutschen Börse bekanntlich eine Vielzahl an Banken- und Finanzunternehmen, nicht zuletzt haben auch die deutsche Bundesbank und die europäische Zentralbank ihren Sitz in der Mainmetropole.

Welchen Einfluss aber hat das auf die Stadt – einmal abgesehen von der Skyline, die maßgeblich durch Bankenbauten geprägt ist? Regiert hier wirklich das Geld? Nun, zumindest die Wohnungsmieten gehören zu den höchsten in der Republik. Nur, sind die hohen Lebenshaltungskosten wirklich auf die hier ansässigen Banken und ihre Mitarbeiter/innen zurückzuführen? Wie steht es um die Zukunft des Finanzplatzes Frankfurt? Wie verändert die Bankenbranche das Leben in der Stadt? Und überhaupt; was ist dran am Klischee von „Bankfurt“?

Über diese und viele weitere Fragen rund um das Image Frankfurts als Geldstadt diskutieren wir in unserem dritten Schneekugelgespräch heute Abend (8.10.14) um 18:30 Uhr im historischen museum mit Gästen vom Fach: Dr. Christine Bortenlänger (Geschäftsführender Vorstand Deutsches Aktieninstitut e.V.), Dr. Benedikt Fehr (langjähriger Finanzkorrespondent der FAZ und Leiter des Zentralbereichs „Ökonomische Bildung“ der Deutschen Bundesbank) und Rainer Voss (Ehemaliger Investmentbanker der Dresdner Bank, Darsteller des Dokumentarfilms „Master of the Universe“). Von unserer Seite moderiert Frank Berger die vielversprechende Runde, deren Erkenntnisse in die geplante Ausstellungseinheit Frankfurt – Stadt mit Eigenschaften einfließen soll.

historisches-museum-frankfurt: Denar von Karl den Großen, frühes 9. Jh, heute im Bodemuseum, Berlin

Was ist Ihre Meinung zur Frankfurter Eigenschaft der Geldstadt? Segen oder Fluch? Wie beeinflusst der Finanzplatz Ihr Leben in Frankfurt? Teilen Sie sich mit, diskutieren Sie mit beim heutigen „Schneekugelgespräch“!

„Gefangene Bilder“: Wenn (fast) alles getan ist

Die Ausstellung ist eröffnet, das Führungspersonal unterrichtet, der Katalog erschienen, die Journalisten informiert. Was macht der Kurator dann? Die Pflicht ist, die Rechnungen der Firmen, die die Ausstellung gebaut und aufgebaut haben, zu prüfen und anzuweisen. In den letzten Wochen sind viele Rechnungen eingegangen und die braven Architekten haben sie schon einmal vorgeprüft. Aber wenn man alles zusammenzählt – hat das Museum auch nicht mehr Geld ausgegeben als es zu Anfang eingeplant hat?

historisches museum frankfurt: Schreibtisch nach Eröffnung der "gefangenen Bilder"Bilder

Die Kür ist, dass ich heute mit zwei Kolleginnen, Yvette Mutumba vom Weltkulturen Museum und Alexandra Karentzos von der TU Darmstadt diskutiere, wie Museen mit ihren „sensiblen Sammlungen“ umgehen. Die Diskussion unter dem Titel Denkräume entkolonisieren. Koloniale Fotografien im Museum zeigen? gehört zum Rahmenprogramm der Ausstellung „Gefangene Bilder“, in deren Zentrum  ja 15 Porträts von französischen Kolonialsoldaten aus West- und Nordafrika stehen, die in einem Gefangenenlager des Ersten Weltkriegs aufgenommen wurden.

Soll man solche „Fotografien-wider-Willen“, von denen es in Museen ganz viele gibt, in Ausstellungen zeigen? Alle – oder nur ausgewählte? Was für Wissen repräsentieren sie? Welchen Interessen entspringen sie? Ich bin gespannt, wie wir morgen darüber sprechen werden: in „kalter Sachlichkeit“ oder „melodramatisch aufgeladen“? Das Begriffspaar entnehme ich dem Aufsatz Vor aller Augen von Cornelia Brink.

Die Diskussion beginnt um 19 Uhr. Bis 21 Uhr kann man sich heute auch noch die Ausstellung anschauen.

 

 

“Stark im Recht”

Das Jahr 1866 war ein sehr einschneidendes für Frankfurt und dessen Bevölkerung. Die Freie Stadt wurde von den Truppen Preußens besetzt und es begann eine Zeit der Unterdrückung und Entbehrungen. Eine Tasse von 1866, die in der engeren Auswahl für „100 x Frankfurt“ der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? steht, erinnert an dieses Ereignis mit der Aufschrift „Zur Erinnerung an die freie Stadt Frankfurt 1866. – stark im Recht“. Um die Tasse in den historischen Kontext einzubetten, möchte ich herausfinden, was genau mit Frankfurt passiert ist.

X.1965.081a-b Innerhalb der Auseinandersetzung um die Vorherrschaft im Deutschen Bund (ein Staatenbund, in dem sich seit 1815 Preußen, Österreich, Dänemark und die Niederlande zusammengeschlossen haben) und in Deutschland, zwischen Preußen und Österreich und deren jeweiligen Verbündeten im Jahr 1866, entschied sich die freie Reichsstadt Frankfurt, die sich für einen Fortbestand des Deutschen Bundes aussprach, Partei für Österreich zu ergreifen. Die Stellung Österreichs war aufgrund einer Finanzkrise geschwächt, Frankreich entschied sich im Falle eines Krieges für Neutralität und Preußen hatte Italien als Bündnispartner gewonnen, womit die Erfolgsaussichten für Preußen sehr günstig standen. Aufgrund eines aus Preußens Sicht begangenen Bruchs mit der Gasteiner Konvention und eines Bruchs des Bundesgesetzes durch Österreich, begann Preußen mobil zu machen.

Obwohl Frankfurt nicht aktiv am Krieg, der im Juni 1866 begann, beteiligt war, marschierte die preußische Armee am 16. Juli unter dem General Vogel von Falckenstein in Frankfurt ein. Der Einmarsch und die darauffolgende Einquartierung der Soldaten in Privathäusern stellte eine große Belastung für die Frankfurter Bevölkerung da, die den Soldaten zusätzlich Verpflegung zur Verfügung stellen musste. Frankfurt musste anfänglich eine Kontributionszahlung von sechs Millionen Gulden an Preußen zahlen, die die Stadt auch rasch auszahlte. Am 20. Juli verlangte Preußen eine weitere Kontributionszahlung von 25 Millionen Gulden, was die Möglichkeiten der Stadt weit überstieg, und eine Proskriptionsliste der angesehenen Bürger. Daraufhin erhängte sich der Bürgermeister Karl Konstanz Viktor Fellner, um die Zahlung zu verhindern. Diese tragische Geste für das Wohl der Stadt, hatte tatsächlich zur Folge, dass die Zahlungen fallen gelassen worden sind. Die Belagerung und Besitznahme Frankfurts, die am 8. Oktober 1866 vorgenommen wurde, war ein schwerer Schlag für die Bevölkerung und die Stadt Frankfurt, die bis dahin immer eine freie Bürgerstadt gewesen war.

Die Devise „Stark im Recht“, die auf der Tasse zusammen mit dem Frankfurter Adler abgebildet ist, bringt das Selbstbestimmungsrecht der Bürger zum Ausdruck und unterstreicht den Willen nach Freiheit. Wichtige Quellen für die Belagerung und Besitznahme sind darüber hinaus zeitgenössische Zeitungsartikel und persönliche Berichte Frankfurter BürgerInnen wie z.B. die Briefe von Clotilde Koch-Gontard.

Digitale Medien im Museum: #AskACurator

Vor einer Woche war mal wieder #AskACurator-Day – einen Tag lang saßen Kuratoren und Kuratorinnen rund um den Globus am PC und plauderten 140-Zeichen-lang aus dem musealen Nähkästchen. Aulöser war eine Vielzahl von Fragen, die die twitter-community per Hashtag #askacurator direkt an Museen richtete (twitter bietet ja grundsätzlich immer die Möglichkeit des direkten Austauschs – an diesem Tag wurde aber besonders die Beziehung zwischen Museum und Besucher*innen in den Fokus gerückt). Das nahm auch die Kollegin @tinowa zum Anlass und fragte nach den digitalen Plänen für die Felder Lernen, Bildung und Wissen im Museum. Mit 140 Zeichen konnten wir da nicht nachkommen, drum gibts hier nachträglich ein paar Gedanken zu den spannenden Fragen:

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich des Wissens (Sammlungen, Publikationen, Forschung etc.)?

stadtmodell-historypinAktuell arbeiten wir an verschiedenen Baustellen. Einerseits sollen die Kernaufgaben des Museums (Sammeln und Forschen) mit digitalen Mitteln für eine breitere Online-Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar gemacht werden. Dazu wollen wir mit Teilen unserer Sammlung bis 2017 online gehen und in Form einer bildlich-intuitiven Datenbank allen Interessierten selbstständiges Forschen, Kommentieren und Browsen ermöglichen. In die gleiche Kerbe schlägt ein vorgelagertes Projekt: die Sammlung Prehn, die in der aktuellen Dauerausstellung Sammler und Stifter gezeigt wird, soll noch in diesem Winter als Mini-Online-Datenbank verfügbar gemacht werden. Auf der anderen Seite bieten die grundsätzlichen Funktionsweisen des Internets, die aktive Communities und kreative User-Praktiken befeuern, viele “Best-Practice-Beispiele” für Crowdsourcing von denen Museen lernen können. Vor allem in der Frage, wie das gegenwärtige Frankfurt ausgestellt werden kann, wollen wir die Online-Gemeinde involvieren. Dafür ist eine interaktive Frankfurt-Karte in Planung, die durch User-Generated-Content zu einer dynamisch-kollektiven Wissenssammlung wachsen soll. Als Testballon experimentieren wir dafür gerade mit historypin

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich der Bildung (Medien in Ausstellungen o.ä., Multimediaprojekte, Vermittlung von Bildung etc.)?

App_Stadtlabor-unterwegs-in-den-Wallanlagen-400x712In der Dauerausstellung Sammlung und Stifter sind bereits eine Vielzahl von Medienstationen integriert, die erweiterte Möglichkeiten in der Interaktion mit den ausgestellten Objekten eröffnen. Zu dieser “Standard”-Ausrüstung kam in der letzten Stadtlabor unterwegs Ausstellung in den Wallanlagen die erste Erfahrung mit einer Smartphone-App hinzu. Für die bewegungsintensive Outdoor-Ausstellung drängte sich ein portables Vermittlungswerkzeug, das jede*r auf dem eigenen Gerät nutzen kann, geradezu auf. Während der Ausstellung konnte die App als Orientierungshilfe und Informationsträger heran gezogen werden. Außerdem konnten hier Geschichten zu den Wallanlagen in Form von Audiotracks abgespielt werden, die, unmittelbarer noch als Texte, die unterschiedlichen Stimmen der Stadtlaborant*innen vermittelten. Nachdem die Ausstellung momentan schon wieder abgebaut wird, erweist sich die App darüber hinaus als kompakte Wissenssammlung, die auch in Zukunft noch zur Tour durch die Wallanlagen einlädt. Download gibt’s hier!

Was sind aktuelle Projekte oder Pläne für den Bereich des Lernens (Medienpädagogik, Online-Kurse, MOOCs, Webinare, Schulkooperationen)?

Im Bereich des Lernens stehen wir im historischen museum noch am Anfang der Planungen. Natürlich wird beispielsweise die Einladung zur Partizipation am interaktiven Stadtmodell von Medien-Werkstätten und Kooperationen begleitet werden. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik, die vermutlich erst mit dem neuen Internetportal zur Aufführung kommen wird. Was Medienpädagogik angeht ist das kinder museum frankfurt schon länger aktiv und bietet nicht nur Werkstätten an, sondern setzt auch in seinen Ausstellungen medienpädagogische Vermittlungsziele um.

 

Tomaten im Museum

Im Museum werden wir ja ständig vor der Frage gestellt: was bewahren wir auf, wie und wo lagern wir es? Neben inhaltlichen und konzeptionellen Aspekten gibt es noch etwas anderes zu berücksichtigen: der Stoff, aus dem die Dinge sind. Vor allem, wenn wir es mit organischen oder anderen nicht berechenbaren Materialien zu tun haben, stossen wir an unsere Grenzen.

So haben wir uns vor einiger Zeit einmal entschieden, die Kreisel aus Schokolade, die den Nachlass Binding begleiteten, nicht aufzubewahren. Aus einem anderen Frankfurter Nachlass haben wir Medikamente entfernt und nur die Verpackungen behalten,  da wir nicht wissen, wie und ob sich Tabletten irgendwann zersetzen oder mit anderen Stoffen in der Umgebung interagieren. Natürlich haben wir auch  sogenannte Care-Pakete in unserem Bestand – also die amerikanischen Dosen mit konservierten Lebensmitteln, über deren Inhalt wir über 70 Jahre später nur spekulieren können – Denn wir öffnen sie vorsichtshalber erst gar nicht.

Umso größer war die Freude, anlässlich einer Tagung im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe in der  Sammlungsausstellung Baden und Europa ein ganz besonderes Stück bewundern zu können:

historisches museum frankfurt: Tomaten im Badischen Landesmuseum

 

In Salzwasser eingelegte Tomaten von 1928, die auch noch schön rot anzusehen und durchaus als Tomaten bzw. als Nahrungsmittel erkennbar waren. Das Einmachglas schaut auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück; es wurde schon 1892 patentiert und ist bis heute im Einsatz – sogar mit einem Zuwachs in den letzten Jahren. So ist es also nicht erstaunlich, dass solch ein Glas, das typisch ist für Alltagspraktiken in deutschen Haushalten, auch seinen Platz in einem kulturhistorischem Museum findet. Auch mit Inhalt!

Was ich am Erstaunlichsten finde: warum wurde das Glas nie aufgemacht? Wurde es aufbewahrt, da vielleicht noch schlimmere Zeiten kommen könnten? Wenn man mal zurückschaut, was nach 1928 alles so passiert ist, dann verwundert das doch sehr: ob  Weltwirtschaftskrise oder Zweiter Weltkrieg – es gab doch viele Zeiten, in denen es um die Ernährung nicht so üppig bestellt war.  Am Tomatenglas gingen all diese Zeiten vorüber, und so sind sie gewissermaßen auch mit bei den Tomaten eingelagert.