Spuren im Gold

In der Zeit um 1910 wurde in Moordorf in Niedersachsen eine verzierte Goldscheibe gefunden, die als prähistorisch angesehen und im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover aufbewahrt wird.

Neuerdings wird in Fachkreisen darüber diskutiert, ob es sich bei dieser Scheibe um eine Fälschung handelt. Mit der Klärung dieses Sachverhalts beschäftigt sich Prof. Dr. Ernst Pernicka, Leiter des Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie an der Universität Heidelberg. Denkbar ist, dass der Fälscher damals aktuelles Gold verwendete, also deutsche Goldmünzen aus der Zeit um 1900. Generell bestehen diese Münzen aus  90% Gold und 10 % Kupfer. Doch darüber hinaus gibt es kleinste Restbestandteile. Entscheidend sind die Spuren im Gold, vor allem die Anteile von Silber und Wismut.

Zu diesem Zweck analysierte Prof. Pernicka 40 Goldmünzen aus der Zeit zwischen 1871 und 1910, die heute als eine Dauerleihgabe von Evonik Industries im historischen museum aufbewahrt werden. Die Münzen stammen aus den preussischen Münzstätten Berlin und Frankfurt am Main. Die Untersuchung erfolgte absolut zerstörungsfrei mit der Röntgenfluoreszenzmethode. Die Vergleichswerte an den realen Münzen des historischen museums können also helfen, die Echtheit der Scheibe von Moordorf zu klären. Noch aber liegen keine Ergebnisse vor….

 

 

Sparbücher aus aller Welt

Die Älteren unter uns kennen es noch: das Sparbuch, welches man mindestens einmal im Jahr zur Bank trug (am besten zum Weltspartag) und in dem handschriftlich die Beträge vermerkt wurden.

Das Sparbuch weist die Geldbewegungen eines Sparkontos aus: hier werden Einzahlungen, Auszahlungen und Zinsgutschriften notiert. Nach wie vor ist es die beliebteste Geldanlageform der Deutschen und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. In Deutschland (und in Frankreich) gibt es das Sparbuch seit dem Jahr 1818. In Frankfurt ist das Sparbuch mit einer Bank verknüpft: die Frankfurter Sparkasse von 1822. Immerhin besaßen noch 2014  ca. 50 % der Deutschen ein Sparbuch. Die privaten Haushalte hatten zu diesem Zeitpunkt 527 Milliarden Euro an Einlagen. Heute sinkt die Zahl der Sparbuchinhaber. Manche Geldinstitute wickeln alles online ab.

Günther Happel, ein ehemaliger Mitarbeiter der Sparkasse Darmstadt, begann frühzeitig, Sparkassenbücher aus aller Welt zu sammeln. Er schrieb die Sparkassen an und bat sie jeweils um ein Belegexemplar. Auf diese Weise kamen über 300 Sparbücher aus über 50 Ländern der Erde zusammen. Darunter befinden sich so entfernte Länder wie Nigeria, Syrien, Yemen, Libanon, Zaire, Trinidad, Antillen, Togo, Malawi und Afghanistan. Diese Sammlung hat Günther Happel im Jahr 2015 dem historischen museum frankfurt zum Geschenk gemacht. Angereichert wurde die Schenkung noch mit ca. 25 Spardosen verschiedener ausländischer Sparkassen und umfangreiches Schulungsmaterial für die Einführung neuer Banknoten in Deutschland.

Das historische museum legt ein besonderes Gewicht auf das Thema der Geldstadt Frankfurt und ihres internationalen Umfeldes. Dieser Bereich ist durch die Schenkung von Günther Happel nun deutlich vergrößert worden.

historisches museum frankfurt: Sparbücher aus aller Welt

Social Media im historischen museum

Wie in 2016! Blick zurück und Blick nach vorne angekündigt, folgt hier das Kapitel „Social Media“.

2015 gab es viele anregende Beiträge und Diskussionen, in denen es verkürzt gesagt darum ging, wie Museen mit den sozialen Netzwerken umgehen sollten. Teilweise geschah das polemisch und pauschalisierend. Die Statements lösten bei uns Verwirrung aus: Sind Blogs und Twitter tatsächlich out? Können wir als Museum noch ohne Instagram/Snapshot/etc. überhaupt bestehen? Was ist mit Pinterest? Und wie geht man eigentlich mit Blogger Relations um?… waren so Fragen, die wir uns stellten. Die Analyse, was gerade Trend ist, gelingt vielleicht noch irgendwie. Die Hauptfrage bleibt: Wie können wir das in unsere vorhandenen Strukturen einbauen? Wie verwertet man bereits Vorhandenes, ohne redundant zu werden?

Auffällig war auch, dass in den Diskussionen über die Museen die sozialen Netzwerke oft losgelöst von den übrigen musealen Aufgaben diskutiert wird. Doch das ist einfach nicht voneinander zu trennen. Der ganzheitliche Blick fehlte, der berücksichtigt, dass Museen als kulturelle Institutionen öffentliche Aufträge zu erfüllen haben und anders als Wirtschaftsunternehmen funktionieren. Zu den musealen Aufgaben gehören, man kann es gar nicht oft genug sagen, neben dem Sammeln, Bewahren, Erforschen, Ausstellen und Vermitteln. Das ein Teil davon sich auch auf Social Media abspielen kann, ist unbestritten. Es gibt aber einfach insgesamt sehr viel zu tun und das bildet sich oftmals nicht in den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Viele Museen haben keine große Öffentlichkeits- oder Marketing-Abteilung und werden das in absehbarer Zeit auch nicht einrichten können. Apropos: Das ist auch noch eine offene Frage gewesen: Wo siedeln wir was an? Welchen Social-Media-Kanal überlässt man der Öffentlichkeitsarbeit, wo wollen wir selbst (die Kuratorinnen) mitwirken und inhaltliche-diskursive Akzente setzen? Oder ist alles schon längst „nur“ Marketing? Was durch die Diskussionen ganz deutlich wurde: wir benötigen mehr denn je ein stringentes Konzept sowie agile Strukturen und mehr Ressourcen, um einen gewissen Standard zu erreichen und halten zu können.

Auch wenn es sich nicht immer umsetzen lässt, geht es uns Kuratorinnen  wie etwa bei mein FrankfurtModell auch darum, gemeinsam mit vielen anderen etwas zu erarbeiten. Dazu hat das Frankfurt Jetzt!-Team auch Facebook und Twitter genutzt, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. Ist der Wunsch aber, das Internet als Wissensraum zu nutzen, der dann allen zur Verfügung steht, beliebig ergänzt und kommentiert werden kann, mittlerweile zu altmodisch?

Fragen über Fragen, aber alles wird ja bekanntermaßen gut: Hoffentlich kann sich unsere Wunschkandidatin ab März 2016 um die digitale Strategie des Museums kümmern. Dazu gehört auch, unsere Social-Media-Aktivitäten zu überprüfen bzw. neu zu definieren. Das möchten wir als work in progess gestalten: Sie wird hier im Blog ihre Überlegungen vorstellen. Wir sind selbst schon sehr gespannt, was wir 2016 noch  angehen…

Lesetipps (nur eine kleine Auswahl, kein Anspruch auf Vollständigkeit!)
Tanja Praske über Blogger relations

Angelika Schoder, Wera Wecker und Michelle van der Veen über #KulturBlogger United | Statement zu erfolgreichen Kooperationen mit Institutionen

Marlene Hoffmann über Museum und Instagram

Wolfgang Ulrich über Museen und die Sozialen Medien

Anika Meier über Museen und soziale Netzwerke

Christian Gries über Die Kunst zu twittern ist wie Architektur zu tanzen und über Digitale Strategien in Museen

Sabine Jank über Zukunft Partizipation. Museen im Kontext der Digitalisierung

Anke von Heyl über das Stichwort Partizipation

2016! Blick zurück und Blick nach vorne

Bevor das Neue Jahr uns wieder in die Mangel nimmt, noch ein kleiner Rückblick auf 2015 und einen Ausblick auf 2016.

2015 ist in den Augen aller Kolleginnen sooo schnell vorbeigegangen! Wir haben tatsächlich sechs Ausstellungen eröffnet, darunter (wieder mal) ein Stadtlabor unterwegs, und das ohne kinder museum und caricatura. Einige Kolleginnen waren mit dem Rad für mein Frankfurt-Modell unterwegs, haben 43 Stadtteile abgeklappert und 1333 Fragebogen eingesammelt.

Die Neukonzeption hat das Jahr bestimmt. Das neue Ausstellungshaus nimmt immer mehr Form an – innen wie außen. Dank des großen Engagements von allen sind wir auch so richtig weit gekommen – auch wenn wir manchmal nicht wussten, wo uns der Kopf steht – unzählige Besprechungen und workshops haben wir absolviert, Objekte begutachtet, Ausstellungspläne durchgeackert und uns um den Ausstellungs- und Vitrinenbau gekümmert…  das gilt insbesondere für die stadtgeschichtliche Ausstellung Frankfurt Einst?, die ich natürlich besonders im Auge habe.

Auch das Kolleginnen-Karussel hat sich mal wieder gedreht: Die Volontäre Arno Helwig und Franziska Mucha haben sich (fast) verabschiedet, dafür sind Katharina Böttger und Anja Fröhlich gekommen. Franziska Mucha wird künftig die digitale Strategie des Museums koordinieren und ausbauen – dazu bald einmal mehr. Puneh Hennings Stipendium „Kulturelle Vielfalt und Migration“ ist auch leider schon wieder vorbei. Sie kann zum Glück das Projekt „Sammlung divers Sichten: Neue Blicke auf historische Objekte“ betreuen und wird auch hier im Blog davon berichten.

Meine persönliche Highlights waren die workshops mit Gestaltern und Künstlerinnen zur Planung der Schneekugel. Auch die Übergabe der Handpuppen von Liesel Simon im Sommer hat die Museumsarbeit so angenehm bereichert.

Im Blog haben wir es bei all den anderen Dingen 2015 immerhin geschafft, 62 Beiträge zu publizieren – das sind durchschnittlich fünf pro Monat. Sehr schön war es, von Eliska aus Tschechien zu hören, die hier im Museum mal ein Praktikum gemacht hat und nun einen Bericht aus Pilsen schrieb. Wir haben ein Tweetup in der Karsten-Bott-Ausstellung gemacht und Corinna Engel hat eine Bloggerreise organisiert. – Unsere Social-Media-Reflexionen bekommen noch einen eigenen Bogbeitrag  (und wird dann hier verlinkt).

Und wie geht es 2016  weiter: vor mir liegt eine lange Liste: dieses Jahr wird mächtig viel passieren, und wie immer, alles gleichzeitig. Mitte des Jahres wird das neue Ausstellungshaus bezugsfertig – dann wird sich heraustellen, ob wir alles bedacht haben.  Beginnen wollen wir mit einem Leerlauf – dazu auch bald mehr. Ein großer Einschnitt wird auch der Rückzug der Verwaltung an den Museumsstandort sein. Allerdings zieht nur die Hälfte der Belegschaft um – die Werkstätten der Restauratoren bleiben am Westbahnhof. Das kinder museum wird wieder von der Hauptwache in den Saalhof ziehen. Wir müssen also an vieles denken…. da kann einem schon etwas bange werden!

Aber wie heisst es immer so schön: step by step – so konnte ich schon mal das Alphabet aus Holzlettern abhaken, dass mal in Frankfurt Einst? im Bereich „Kommunikation“ eingesetzt wird und uns nun schon vorliegt.

historisches museum frankfurt: Holzlettern für Frankfurt Einst?

 

Carl Theodor von Dalberg – der erste freund & förderer des historischen museums

Für den Frankfurter Weihnachtsmarkt bildet die dem hmf unmittelbar benachbarte Alte Nikolaikirche derzeit eine romantische Kulisse. Dazu hatten der Rat der Stadt und vermutlich auch die damaligen Frankfurter Bürger vor gut 200 Jahren offensichtlich eine andere Meinung: Um 1800 galt die Gotik angesichts des sich langsam in der Architektur durchsetzenden Klassizismus als altmodisch. Der damalige Stadtbaumeister Johann Christian Hess hatte 1803 bereits den Abriss der – allerdings seit 1552 profanierten – Kirche vorgeschlagen. Erst als mit Carl Theodor von Dalberg 1806 in der Jahrhunderte langen reichsstädtischen Geschichte Frankfurts ein (Kirchen)fürst an die Spitze der Stadt gelangte, war der Erhalt der Alten Nikolaikirche gesichert. Dalberg stattete die alte Ratskirche sowie ebenfalls die seit 1792 als Speicher zweckentfremdete gotische Leonhardskirche wieder mit zahlreichen Kunstgegenständen und Gemälden aus, die durch die Aufhebung der Klöster aufgrund der Säkularisation aus kirchlichem in öffentlichen Besitz gelangten.

Der ehemalige Kurfürst von Mainz und nunmehrige Fürstprimas und spätere Großherzog von Frankfurt war zwar ein Mann der Kirche, vertrat aber die Gedanken der Aufklärung. Er verfügte die Emanzipation der Frankfurter Juden, gründete die Handelskammer sowie die – nur wenige Jahre bestehende – „Großherzoglich Frankfurtische Universität“ und unter seiner Regierung entstand das Frankfurter Museum, aus dem auch das später errichtete Historische Museum hervorging. Zahlreiche Kunstgegenstände, die heute zum Bestand des hmf gehören, gehen auf eine Schenkung Dalbergs aus dem Jahre 1809 zurück. Deswegen kann man ihn mit Fug und Recht als ersten freund & förderer des hmf bezeichnen. Im historischen museum ist dem Sammler natürlich ein Kabinett gewidmet. Im öffentlichen Raum erinnert nur eine kleine Straße in dem ehemals kurmainzischen Stadtteil Höchst an den Wohltäter der Stadt.  Zu einem Denkmal wie die im Gemälde von Joseph Chabord abgebildete Büste Dalbergs hat es seit Dalbergs Tod im Jahre 1817 nicht mehr gereicht …

historisches museum frankfurt: Joseph Chabord, Selbstbildnis mit der Büste des Fürstprimas Dalberg, 1810, hmf

 

10 Jahre Webseite „Frankfurter Frauenzimmer“

Die Webseite Frankfurter Frauenzimmer blickt 2015 auf ihr 10 jähriges Bestehen zurück.

Am Ende des Jahres stellen wir Ihnen zwei bedeutende Frankfurterinnen vor, die sich mit enormen persönlichen Einsatz für die Besserstellung und die Rechte der Frauen einsetzten: Jenny Apolant, geb. Rathenau (1874-1925) und Henriette Fürth, geb. Katzenstein (1861-1938).

 

Wie alles begann
2005 startete die besondere Museums-Webseite mit 15 interessanten Biografien aus dem „Jahrhundert der Frauen“. Aus der intensiven Erforschung der Museumssammlungen des 18. Jahrhunderts entstand daraufhin 2007 die Ausstellung „Frankfurter Frauenzimmer um 1800”. Weit über 100 Frankfurterinnen und ihre Verdienste für die Stadtgesellschaft wurden vorgestellt und gewürdigt. Viele Frankfurterinnen waren in ihren jeweiligen Lebens- und Arbeitszusammenhängen bemerkenswert aktiv und ambitioniert.

 

Der Focus erweitert sich 2014
100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs richtet sich der Focus auf Akteurinnen, die mit großer Überzeugungskraft in politischen Parteien, vor allem jedoch in der Frauenbewegung wesentlich zu gesamtgesellschaftlichen Veränderungen beitrugen. Hartnäckig erkämpften sie sich, trotz wiederholter Niederlagen, die Verbesserung ihrer Rechte, Lebenschancen und Handlungsräume. Als Frauenrechtlerinnen, Unternehmerinnen, Stifterinnen und Künstlerinnen leisteten sie wertvolle Beiträge zur Bürgerkultur ihrer Heimatstadt. Sie gründeten Wohltätigkeitsorganisationen und beachtliche Stiftungen. Ihr Werdegang verweist auf die gewichtige Rolle der Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, denn sie prägten das kulturelle Leben Frankfurts auf dem Weg in die Moderne. Viele knüpften dabei an die alte jüdische Tradition der Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit an. Frankfurter Künstlerinnen waren weit über Frankfurt hinaus bekannt. Als gefragte Porträtmalerinnen beeindruckten sie durch ihre ungewöhnliche Lebenspraxis und es gelang ihnen, sich entgegen allen Vorbehalten jener Zeit ihre eigenständige Existenz als Künstlerin zu schaffen.

Im Jahr 2014 und 2015 erinnerten wir an 25 Frankfurterinnen. Vielleicht mag die eine oder der andere unserer geneigten Leser die Zeit zwischen den Jahren nutzen und sich den vielfältigen Biografien annähern – wie die von Johanna Tesch, Ottilie W. Roederstein oder Ethel May von Weinberg.

 

 

 

 

 

 

 

Kunststück: Der Annenaltar und die Heilige Sippe

In der Adventszeit begegnet man allenthalben der Darstellung der Heiligen Familie, bestehend aus Maria und Josef und dem Jesuskind. In den mittelalterlichen Legenden wurde der Kern der Heiligen Familie durch zahlreiche weitere Mitglieder zur Heiligen Sippe erweitert. So zeigt der um 1504 entstandene Annenaltar des „Meisters aus Frankfurt„, eines der prominentesten Objekte des historischen museums frankfurt, neben der Heiligen Anna, der Mutter der Jungfrau Maria, auch die Halbgeschwister der Muttergottes, deren Ehemänner sowie die zahlreichen Cousins und Cousinen Jesu.

historisches museum frankfurt: Meister von Frankfurt, Annenrentabel, Mitteltafel mit Heiliger Sippe, um 1504

Der Kunsthistoriker Rainer Donandt stellte den dreiteiligen Altar und die Hintergründe seiner Entstehung im November den freunden & förderer des hmf vor. Der Vortrag markiert den Beginn der neuen Veranstaltungsreihe „Kunststück“, bei der die Mitglieder des Fördervereins künftig herausragende Objekte des Museums kennenlernen können.

Donandt erläuterte sehr anschaulich den in den Jahren um 1500 vorherrschenden Annen-Kult sowie die damit verbundene Vorstellung der Heiligen Sippe. Die nach den Schiften der Apokryphen dreimal verheiratete Großmutter Christi mit ihren Kindern aus drei Ehen wurde für die Gläubigen des Spätmittelalters zu einem neuen, populären Typus der Heiligen. In der Gedankenwelt der Volksfrömmigkeit bot eine Anrufung dieser Heiligen gleich die dreifache Chance, dass die Bitten auch erhört wurden: Dabei wurde unterstellt, dass auch der Enkel Jesus aus Gehorsam gegenüber Mutter und Großmutter keine ihm angetragene Bitte abschlagen würde.

Bis zur Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts stand der Annenaltar, dessen Klappflügel nur an Feiertagen geöffnet wurden, in der Frankfurter Dominikanerkirche. Die bürgerlichen Eliten der Handelsstadt Frankfurt, die vermutlich den Altar stifteten, sahen in der Heiligen Sippe eine bildliche Umsetzung ihrer eigenen Wertvorstellungen von der Bedeutung der Familie.

Rainer Donandt ging auch auf eine theologisch-historische Diskussion zwischen dem Dominikanerkloster und dem Karmeliterkloster ein, in der der Annenkult und damit auch das Gemälde eine Schlüsselrolle spielte. Dabei ging es um die sogenannte unbefleckte Empfängnis der Muttergottes, wobei in der Auseinandersetzung zwischen den beiden Klöstern auch die Umstände der Schwangerschaft Annas eine Rolle spielten. Die Aufstellung des Annenaltars im Dominikanerkloster kann man in diesem Zusammenhang durchaus als eine bewusste Demonstration der Dominikaner ansehen. Donandt wies jedoch darauf hin, dass der lesbare lateinische Text des von der Halbschwester Marias aufgeschlagenen Buches sehr versöhnlich für beide Seiten der Auslegung des Streitpunkts war. Vielleicht zeigte sich auch hier eine gewisse Frankfurter Fähigkeit zu diplomatischen und pragmatischen Lösungen.

historisches museum frankfurt: Kunsstück mit den freunden & foerderern (Foto: B. Eddigehausen)

Das Stadtlabor Gallus verabschiedet sich

Gemeinsam mit 70 Stadtlaborantinnen und Stadtlaboranten feierten wir am 13.11.15 den Abschluss der Stadtlaborausstellung – Ein Viertel und ein Ganzes im Gallus. Zur Feier des Tages luden wir alle Beteiligten in das historische museum frankfurt ein, wo wahlweise die Wechselausstellung zu Paul Ehrlich oder eine Mundartführung mit Bäppi la Belle durch die aktuelle Dauerausstellung besucht werden konnte. Danach gab es in geselliger Runde im Sonnemann-Saal bei Kaffee und Kuchen eine Rede von Puneh Henning und die Präsentation der Filmdokumentation zur Ausstellung von Jasper Landmann. Zum Abschied erhielten alle Beteiligten ein Exemplar der fertigen Dokumentation, in der die zahlreichen Beiträge rund um die Ausstellung skizziert sind und auch der Film beigelegt ist. (Die Dokumentation gibt es im Museum zu kaufen!)

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal herzlich bei allen Beteiligten für ihr Engagement und ihren Beitrag am Stadtlabor im Gallus bedanken!

 

 

Lessons learned: Frankfurt-Modell 2015

 

Dauerausstellung Frankfurt Jetzt! / Frankfurt-Modell. Sommertour von Juni bis September 2015 -Stop Motion 27.08.15

Im Sommer waren wir 4 Monate lang mit einem Lastenfahrrad auf Stadtteil-Tour. Das Ziel war eine gemeinsame Erforschung Frankfurts, bei der alle 700.000 Einwohner/innen eingeladen wurden, sich zu beteiligen. Stereotypen wurden befragt, wichtige (Un-)Orte mit Klebepunkten markiert und viele Geschichten wurden erzählt. Das gesammelte Wissen soll dem Künstler Herman Helle als „Bauanleitung“ für ein lebendiges Frankfurt-Modell dienen, das ab 2017 in der Dauerausstellung Frankfurt Jetzt! zu sehen sein wird. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Was wir aus der ersten Sommertour gelernt haben, möchten wir schon unterwegs mit euch teilen und weil das Thema auch die #BesucherMacht betrifft, freuen wir uns damit on top zur aktuellen Blogparade von Marta Herford beizutragen.

Zahlen bitte!
Unterstützt durch das kinder museum unterwegs und eine Vielzahl an Keyworkern vor Ort, konnte die partizipative Stadterforschung erfolgreich umgesetzt werden: genau 1333 ausgefüllte Fragebögen aus 43 Stadtteilen, 140 Fotos von Frankfurter Lieblingsorten, 28 markierte Stadtteilkarten und 8 kreative Mental Maps wurden gesammelt. 35 Tour-Termine hat das Team absolviert und dabei sicher mehr als 500 km Fahrradstrecke hinter sich gebracht. Die Projekt-Website wurde seit Juni von 3555 Usern besucht. Unzählbar hingegen sind die Kontakte, die wir dabei zu den Frankfurter/innen geknüpft haben. Sie sind die Grundlage für einen lebendigen Citizen-Science-Austausch und eine kollektive Frankfurt Jetzt! Wissenssammlung.

Warum machen wir das?
Gemeinsam mit Stadtexpert/innen möchte das hmf die Gegenwart und Zukunft der Stadt untersuchen. Als Expert/innen gelten alle 700.000 Frankfurter/innen, die die Stadt durch ihre Wahrnehmung und Nutzung formen. Ihre Expertise tritt in den unterschiedlichsten Formen auf: als implizites Erfahrungswissen, in persönlichen Geschichten oder durch ortsspezifisches Insiderwissen. Und zeigt: Frankfurt ist viele Städte, die sich zudem stetig verändern. Citizen Science ist nicht unsere Erfindung, aber als Museum können wir uns der Erforschung, Sammlung und Vermittlung dieser prozessualen Vielstimmigkeit mit einer eigenen Dauerausstellung widmen. Damit gehen einige Fragen einher: Wie können möglichst viele Frankfurter/innen beteiligt und repräsentiert werden? Welche Formate eignen sich? Und wie können ihre Beiträge in eine ständig wachsende digitale Sammlung eingepflegt werden?

Wie machen wir das?
Bislang haben wir mit der partizipativen Ausstellungsreihe Stadtlabor unterwegs fünf Stadtteile gemeinsam mit vielen Hundert Ko-Kuratoren/innen thematisiert und diskutiert. Hier haben wir mittlerweile eine ausgefeilte Projektstruktur entwickelt. Mit dem Frankfurt-Modell nehmen wir nun die ganze Stadt auf einmal in den Blick und müssen dazu neue Formate und Methoden entwickeln. Partizipative Museumsarbeit ist weiterhin die Grundlage dafür, allerdings wollen wir beim Frankfurt-Modell eine Form der Zusammenarbeit anwenden, die Nina Simon in ihrem Buch über „The Participatory Museum“ als „Contribution“ bezeichnet. Konkret heißt das: wir geben ein Thema vor und sammeln multiperspektivische Beiträge dazu. Bei dieser Sommertour waren unsere Methoden denkbar simpel: ein Fragebogen auf Papier und im Internet, eine Stadtteilkarte mit grünen und roten Klebepunkten, ein Lastenfahrrad mit Sonnenschirm und ein großes Team an Mitarbeiterinnen, ehrenamtichen Helferinnen und Praktikanten/innen. Dazu vereinzelte Aktionen im Internet: ein Foto-Wettbewerb auf Facebook, Austausch mit Stadtteil-Facebook-Gruppen und die Verschlagwortung #FrankfurtModell auf allen Kanälen.

Was haben wir herausgefunden?
Auf diese Art und Weise haben wir vor allem Stimmen und Meinungen über die Stadtteile gesammelt. Wir können durch die zusammengetragene Multiperspektivität besser einschätzen, welche Landmarks für Stadtteile wichtig und welche Probleme virulent sind, wie die Infrastruktur im Alltag erlebt wird, welche Orte wie genutzt werden und wie es sich anfühlt, dort zu leben. So ergeben sich überraschende Nachbarschaften von Stadtteilen, die die gleichen Eigenschaften teilen. Und erstaunliche Erkenntnisse: wie die Dominanz der grünen Farbe in der Wahrnehmung der Stadt und das allgegenwärtige Gefühl: lasst doch das Dorf in der Stadt. Bei der Evaluierung ist deutlich geworden, dass eine Verschränkung von online- und offline-Aktivtäten wichtig ist, um verschiedene Gruppen zu beteiligen und nicht die künstliche Trennung der beiden Ebenen zu befördern. Social Media läuft nicht einfach, sondern braucht Betreuung und auch altmodische Methoden wie Newsletter haben für das Projekt eine große Reichweite erzielt.

Zum Weiterdenken…
Wir sind nicht das Stadtplanungsamt und auch kein Architekturbüro. Unser Anliegen ist die gegenwärtige Stadt gemeinsam mit anderen Wissensträgern zu untersuchen und dadurch relevante Stadtthemen im Dialog zu verhandeln. Frankfurt gilt als Stadt der Superdiversität, in der kein kulturelles Erbe, keine Religion, Sprache oder Herkunft als gegeben angenommen werden kann. Die Stadt ist der einzige gemeinsame Bezugspunkt und das Frankfurt-Modell ist der museale Spiegel dieser Annahme.

In der gegenwärtigen Diskussion um die Rolle der Museen in der Gesellschaft werden vielfältige Ansprüche gestellt: Identitätsstiftung und Sinngebung, sozialer Austausch und digitale Erweiterungen, Niedrigschwelligkeit, Barrierefreiheit und Multiperspektivität, Erlebniswelten und Reflektionsräume, Aura und Bildungsauftrag, Kennzahlen und Evaluierung, etc… . Der Umgang mit diesen Herausforderungen kann nur ein offener sein, der Neues wagt, mit Formaten und Medien experimentiert und dabei die Kernkomptenzen des Museums und seiner Mitarbeiter/innen fruchtbar und in Kooperation mit anderen kreativ einsetzt. Das Frankfurt-Modell ist ein Beispiel für ein solches Unterfangen und wir freuen uns, dass es im Sommer 2016 mit einer zweiten und trotzdem ganz neuen Tour weitergeht!

So grün ist Frankfurt Frankfurter Allerlei Lieblingsorte allerlei-teil2

 

„Winter is coming!“ – und unsere Schneekugeln nehmen Gestalt an

Nachdem im Juli diesen Jahres ein erster Austausch zwischen den Künstler/innen, den Szenograf/innen und dem Museumsteam stattfand, war es am 23. und 24.10 soweit: die Künstler/innen präsentierten erste Entwürfe und Arbeitsproben ihrer Installationen.

Alle waren gespannt, was uns die acht Künstler/innen mitgebracht hatten und wir wurden nicht enttäuscht. Viele spannende Entwürfe, Bilder und erste Arbeitsproben wurden präsentiert und anschließend ausführlich besprochen.

Dabei zeigte sich: 8 Künstler/innen, 8 Frankfurt-Klischees bzw. Eigenschaften, 8 unterschiedliche Herangehensweisen und Materialien? Das klappt! Frankfurt als Baustelle aus Lego, das jüdische Frankfurt fragmentarisch und gleichzeitig vielfältig, Crime-City Frankfurt als bunte Collage… das sind nur drei Entwürfen, die uns einen Vorgeschmack auf unsere Schneekugel boten.

Ein wichtiger Gast war auch unsere Papierrestauratorin Heike Schuler, die den Künstler/innen Hinweise gab, welche Materialien sich besser oder schlechter für unsere Installation eignen. Schließlich wollen wir uns so lange, wie möglich an den einzelnen Werken erfreuen, ohne die Künstler zu sehr in ihrer für sie typischen Materialwahl einzuschränken. Eine intensive und vertiefte Besprechung der Entwürfe der einzelnen Künstler mit „ihren“ Kurator/innen rundete den Workshop ab und lässt uns neugierig auf den nächsten Termin im März blicken: dann werden wir die endgültigen Entwürfe und erste fertige Teile der einzelnen Installationen zu sehen bekommen.

Bis dahin wünschen wir den Künstler/innen frohes Schaffen!