Frankfurts rastlose Altstadt oder aus neu mach alt!?

Das städtebauliche Selbstverständnis Frankfurt ist gefühlt in einer permanenten und rastlosen Selbstfindungsphase. Insbesondere Frankfurts Innen- bzw. Altstadt war in den vergangenen Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten, immer wieder großen Veränderungen unterworfen. In der jüngsten Zeit sorgte vor allem das Dom-Römer-Projekt für viele Diskussionen innerhalb von Politik und Stadtgesellschaft.

An der Stelle, wo Anfang der 1970er Jahre das inzwischen wieder abgerissene Technische Rathaus stand, befindet sich derzeit eine große Baustelle. Hier wird bis 2017 entlang des alten Krönungswegs zwischen Dom und Römer ein Ensemble aus rund 35 Gebäuden errichtet. Einige davon modern, andere in Material und Gestaltung den Vorkriegsbauten nachempfunden – eine “neue Altstadt” entsteht. Das Stadthaus, welches den Archäologischen Garten überspannen wird, feierte sogar schon Richtfest.

Auch auf der Baustelle des historischen museums frankfurt in unmittelbarer Nähe kann demnächst der Abschluss des Rohbaus des künftigen Ausstellungsgebäudes vermeldet werden. Was läge also näher, also sich einmal gegenseitig auf der Baustelle zu besuchen?! Den Anfang machte die DomRömer GmbH und lud zur Baustellenbesichtigung und in das künftige Stadthaus ein.

historisches museum frankfurt: Der Krönungsweg begann am Dom

historisches museum frankfurt: In mittelalterlichen Dimensionen historisches museum frankfurt: Der Krönungsweg führte bis zum Römerhistorisches museum frankfurt: Stadthaus-Bausstelle mit Blick auf die Stadt historisches museum frankfurt: Stadthaus-Bausstelle mit Ausgrabungen

Wir erfuhren viel über die Konzeption und Umsetzung der neuen alten Gebäude, über die Herausforderungen bei den Rekonstruktionen und wir entdeckten im wahrsten Sinne des Wortes viele historische Schichten. Auch konnten wir uns einen guten Überblick über die Dimension des Projektes verschaffen und einen ersten Eindruck vom Verlauf der Wege und Plätze gewinnen, die genauer gesagt eher Gassen und Plätzchen sein werden; denn der historische Krönungsweg war aus heutiger Sicht nicht mehr als ein schmales mittelalterliches Sträßchen.

Einen Überblick über den baulichen Wandel der Frankfurter Altstadt und der damit verbundenen Auseinandersetzungen gibt dann ab 2017 die Galerie „Stadtbilder“ der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst?

Urban Diversity and City Museums

und JAN GERCHOW

Tagung am 29./30. September 2014, Antwerpen, im Red Star Line Museum und im MAS (Museum aan de Stroom)

Die gemeinsame Themenstellung zur heutigen „Diversität“ oder „Superdiversity“ (Stephen Vertovec) in Städten und mögliche Strategien von Stadtmuseen im Umgang mit diesem „Gegenüber“ standen im Fokus der Tagung „Urban Diversity and City Museums“. Ein bereits existierendes Netzwerk niederländischer und belgischer Stadtmuseen wurde zu dieser Tagung um deutsche Stadtmuseen erweitert. Zwei halbe Konferenztage – je ein halber Tag im Red Star Line Museum Antwerpen und im MAS – wurden mit einer Keynote eingeleitet und hatten vier kurze 15-minütige Praxisbeispiele von teilnehmenden Museen zum Inhalt. Vervollständigt wurden diese mit einer jeweils einstündigen Diskussion. Einleitend und abschließend wurden in beiden Museen Führungen von den belgischen Kollegen angeboten. Hier ein inhaltlicher Überblick über die Ausstellungen und einen Teil der Vorträge:

 Red Star Line Museum

Ein Aufbruch voll Hoffnung, Ungeduld und Enge – im Red Star Line Museum Antwerpen lässt sich ein Hauch dieser Aufregung spüren, wenn man durch die Ausstellung über europäische Auswanderer des 19 Jahrhundert wandert. Thematisiert wird hier die Geschichte der ersten amerikanischen Passagierfähre, die zwischen 1873-1934 zwei Millionen Menschen zu einem neuen Leben in Amerika führte. Einleitend wird das Phänomen Migration in einer videoanimierten metallenen Weltkugel inszeniert, die Bilder von frühester Migration bis zu aktuellen Flucht- und Vertreibungsbewegungen zeigt.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Wanderouten und Einzelschicksale werden in der Ausstellung über Briefwechsel auf Touchscreen Stationen erfahrbar. Eine Riechmuschel, die den Geruch von Essig verbreitet, erinnert an die Desinfektionsduschen für Auswanderer und an die hygienischen Vorbereitungen für eine transatlantische Überfahrt auf der Red Line Company. Auch der wirtschaftliche Faktor für die Stadt Antwerpen steht im Fokus. Antwerpen – frühes Migrationszentrum – wies unzähligen Hotels und Bars auf, in denen Migrant*innen wochenlang auf ihre Ausreise warteten.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Die Ausstellung schließt mit einer Multimediastation, auf der zeitgenössischen Porträts und Interviews mit Antwerpenern mit Migrationshintergrund, aufrufen lassen. Konzept ist hierbei ein möglichst umfassendes Spektrum an Alterspannen, Migrationsgründen und Typen aktueller Zuwanderer in Antwerpen erfahrbar zu machen. Die 10 Videos wurden aus 400 Aufnahmebeiträgen ausgewählt.

historisches museum frankfurt: red star line museum

Keynotes und Vorträge

 Die Keynote von Ching Lin Pang (kath. Univ. Leuven) bemühte sich um eine theoretische Ausleuchtung des Feldes, in dem Städte und Museen mit dem Thema Migration und Diversität agieren. Sie beschrieb Städte als Orte, die von Arbeitsstätten zu „places of consumption“ mutiert sind mit Museen, die von „places of learning“ ebenfalls zu „Konsumstätten“ geworden sind „museum visitors become consumers“. Der zweite Vergleich griff James Cliffords Diktum des Museums als „contact zone“auf: ein „third place, where celebration of togetherness happens“.

Jacques Borger, Museum of Rotterdam

Momentan hat das Museum Rotterdam keinen festen Ort, da das alte Stadtmuseum aufgeben wurde, daher spielt das Museum an verschiedenen temporären Locations. Im Jahr 2016 wird es im urbanistischen Projekt hinter dem Stadthuis eine Etage belegen. Das Ziel ist, verschiedene Besuchergruppen anzusprechen und neue kulturelle Angebote zu machen. Vor allem soll eine Gruppe, die „colourful strivers“ genannt werden, gewonnen werden: Rotterdamer, die häufig einen Migrationshintergrund haben, und die Stadt als Erlebnisraum benutzen. Sie kommen nicht selbstständig in Museen, es sei denn, sie finden dort viel Ansprache: ein persönliches Willkommen, Begleitung, Gespräche über die Ausstellung, eine gute Bar oder gutes Essen, Musik und eine Nachbereitung. Sie bringen viel Zeit mit und sind anspruchsvoll in der Betreuung. Borger bezeichnet sie aber als das Publikum der Zukunft. Das Museum muss für sie „useful“ sein („Useum“). Vielleicht müsste sogar der Name geändert werden, weil der Titel Museum zu abschreckend ist (museum = white, rich, academic, old people). Der neue Name soll im Prozess der Neu-Einrichtung gefunden werden.

Sophie Perl, FHXB (Friedrichshein-Kreuzberg-Museum Berlin)

1991 eröffnet, eines von 12 Berliner Bezirksmuseen mit einem kleinen Team von drei Personen. Martin Düspohl, ein Aktiver aus der Geschichtswerkstatt-Bewegung der 1980er Jahre, leitet seit den 1990 das Museum mit den Schwerpunkten Stadtentwicklung, Sozial- und Migrationsgeschichte Berlins sowie Erwachsenenbildung im Museum. Im Jahr 2013 wurde die Ausstellung „Ortsgespräche“ in Zusammenarbeit mit Stadtbewohner/innen Berlins und den Kuratorinnen Frauke Miera und Lorraine Bluche realisiert. Sechs Orte im Bezirk wurden dabei auf ihren Migrationsaspekt untersucht und eine Karte des Bezirks mit Audiobeiträgen generiert, die über 100 Geschichten zu Orten im Bezirk sammelte und präsentiere. Die Ausstellung ist noch bis Ende 2014 zu sehen.

Lieve Willekens und Nadia Babazia , MAS

Das MAS initiierte 2013 ein „Spurensucher“-Projekt (spoortreker) in Kooperation mit Bewohner*innen Antwerpens, im Sinne des key worker Modells. Der Anlass war „40 Jahren Einwanderung“ aus Marokko und der Türkei nach Belgien, im Zuge der Arbeitsmigration. Die „Spurensucher*innen“ untersuchten türkische und marokkanische Spuren in Antwerpen und verarbeiteten diese zu eigenen Installationen und Geschichten z.B. in Form von Interviews, Fotoserien oder Objektinstallationen.

Ein zweites Projekt, das in seiner Umsetzung jedoch auf Schwierigkeiten stieß, war „Home Sweet Home“, welches im Sommer 2014 initiiert wurde. Ziel war eine fotografische und filmische Dokumentation von familiären Heimaturlauben in Marokko, durch die Künstlerin: Nadia Babazia. Bestimmte Familien mit marokkanischem Hintergrund sollten bei ihrer Reise begleitet werden. Das Projekt stieß jedoch nur auf wenig Zustimmung.

Keynote von Joachim Baur

Joachim Baur verwies in seiner Keynote auf die MELA-Publikationen: Placing Migration in European Museums, von 2012. Er berichtete über den Vergleich dreier Immigrations-Museen aus seiner Dissertation: Ellis Island und Melbourne. Er bezeichnete die Museen als Institutionen die, der inklusionistischen Master-Narrative unterstellt sind, die von der Staats-Doktrin gefordert wird: dem nationalen Überbau „methodological nationalism“. Überall spielen die Orte, Grenzen, Schiff-Reisen und der Koffer eine Rolle. Bauer sprach von einer Cornucopia (Füllhorn)-Inszenierung: viele bunte Dinge, die mitgebracht wurden, werden nebeneinander ausgestellt und ergeben ein folkloristisches Bild einer Migrationsgesellschaft, einer „boutique multiculturalism“. Diese Museen schreiben somit ein Plädoyer für den Koffer als „Super-Semiophore“ (K. Pomian), als Gefäß für Erinnerungen und Bedeutungen. Baur verweist anschließend auf Hinweis auf verschiedene europäische Projekte zu Migration: etwa auf  Migropolis Untersuchung von Venedig als Ort der Migration) oder die  Route der Migration.

Jozefien De Bock, STAM Ghent

„Sticking Around. 50 years of migration to Ghent“ Die Ausstellung untersuchte verschiedene Orte in der Stadt, die von Migrationsgeschichte geprägt sind. 35 Orte (Cafés, Läden Plätze etc.) wurden durch Plakate oder Litfaßsäulen als Migrationsorte gekennzeichnet. Dort wurden Geschichten von Einwanderern erzählt, die teilweise auch auf einer APP hörbar waren. Ein mehrsprachiger Blog zum Projekt machte die existiert noch, wurde dort jedoch kaum aufgerufen.

 Annemarie de Wildt, Amsterdam Museum

Bei der Kabra Maske aus Surinam handelt es sich um ein Sammlungsobjekt, das im Rahmen der Ausstellungen zur Abschaffung der Sklaverei vor 200 Jahren ausgestellt wurde. Die Ausstellung umschrieb die dunkle Seite des „Goldenen Zeitalters“ von Amsterdam. Mit einer Nachbildung der Maske wurde in Kooperation mit einer Winti-Priesterin eine „Keti Koti“ („zerbrochene Kette“) Zeremonie inszeniert, die an die Abschaffung der Sklaverei in Surinam erinnerte. Zu der Zeremonie erschien sogar das Königspaar von Surinam. Die Maske wurde somit wieder in den aktuellen Winti-Kult eingeführt, da unter der Kolonialherrschaft der Niederländer die Benutzung dieser Objekte verboten war. Diese Kopie der Maske soll nun durch das Amsterdam Museum angekauft werden, um einerseits einen Platz in der Ausstellung zu erhalten, aber auch um wieder ausgeliehen werden zu können. Diesen Akt des postkolonialen Gedenkens wird von der Kuratorin Annemarie de Wildt als „cultural healing“ bezeichnet.

Ausstellung im MAS

historisches museum frankfurt: das MAS in Antwerpen

Die Ausstellung „In Antwerpen. 50 Jahre Migration aus Marokko und der Türkei“ beleuchtet anhand von Gegenständen (Liebesbriefen, Familienfotografien, alten Filmen) persönliche Geschichten über Arbeitsmigration und von einem neuen Leben in der Wahlheimat. Das Thema ist aus der Sicht von Bewohner*innen Antwerpens mit türkischem oder marokkanischem Migrationshintergrund dargestellt. Die Geschichten handeln von der Arbeit beim Glashersteller Verlipack, von Liebe, Trennungsschmerz und einer transkulturellen zweiten Generation. Zu sehen sind auch begehrte Mitbringsel – die bei jedem Heimatbesuch importiert oder exportiert werden. Alle ausgestellten Objekte wurden von Antwerpener Spurensucher*innen gesammelt und von Einzelpersonen an das Museum verliehen. Das Ziel der Ausstellung ist es, den kulturellen Zuwachs in Antwerpen, durch die Diversität der Stadtbevölkerung aufzuzeigen. Die Ausstellung konnte in Kooperation mit migrantischen Communities realisiert werden und erhielt folglich einen hohen Zulauf von Rezipient*innen mit Migrationshintergrund.

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

Die zweite Ausstellung „Heilige Stätten, Heilige Bücher. Rom, Mekka und Jerusalem in Antwerpen“ thematisiert die Bedeutung heiliger Orte und heiliger Schriften für Gläubiger der drei größten Weltreligionen. Die Ausstellungsbesucher*innen werden eingeladen, über eine Karte sowie persönlichen Pilgergeschichten, den Pfaden zu heiligen Stätten des Islams, des Christentums und des Judentums zu folgen. Religiöse und kunsthistorische Exponate (Manuskripten, historischen Karten, Gemälde, Teppiche, Surensteine) verdeutlichen die jahrhundertealte Tradition und Intensität religiöser Suche. In Zusammenarbeit mit Antwerpener Initiativen und Bürger*innen, die ihre persönlichen Kontakte und Einflüsse spielen ließen, konnte die Ausstellung realisiert werden. Das erfolgreiche Konzept der Ausstellung ist es, die Gemeinsamkeiten und die Verbundenheit der Religionen aufzuzeigen und somit religiöse Konkurrenzen zu vermeiden. Die wertvollen Exponate besitzen teilweise selbst „heiligen“ Wert und schaffen durch die ebenbürtige Inszenierung eine besondere Atmosphäre.

historisches museum frankfurt: Ausstellung im MAS

Zum Schluss

Geplant ist, dass sich das Netzwerk alle zwei Jahre zu einem neuen Austausch wiedertrifft. Für 2016 wurde von Seiten der belgischen Museen das historische museum frankfurt als Tagungsort vorgeschlagen, was noch zur Diskussion steht. Themen könnten möglicherweise “contact zone – conflict zone: new roles of museums” und die Untersuchung der Sammlungen sein (collections, inside/outside).

 

 

Es gibt wieder etwas über Frankfurterinnen zu lesen

Die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts erinnern sich in diesem Jahr besonders an die großen Gründer der Stifter-Universität und an die Zeit des „Großen Krieges”.

Unsere Website Frankfurter Frauenzimmer stellt daher regelmäßig innovative und bemerkenswert ambitionierte Frauen der Frankfurter Stadtgesellschaft vor. So erinnerten wir im Oktober an die überzeugte Pazifistin und Frauenrechtlerinnen Anna Edinger (1863-1929) und die SPD-Politikerin Johanna Tesch (1875-1945), eine Aktivistin der proletarischen Frauenbewegung und eine der ersten Frauen im Berliner Reichstag.

Lesen Sie jetzt die interessante Lebensgeschichte der Margarete Schütte-Lihotzky, die in erster Linie als Erfinderin der Frankfurter Küche bekannt ist. Sie war die erste Architektin im Frankfurter Hochbauamt und entwarf gemeinnützige Siedlungsbauten. Mit ihren Projekten setzte sie sich für Arbeiterfamilien und vor allem für berufstätige Frauen und für Kinder ein. Das hier abgebildete Modell einer Frankfurter Küche wird auch wieder in der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? zu sehen sein.

historisches museum frankfurt: Frankfurter Küche in Grün, Foto hmf/Ziegenfusz

Der Migration ein Denkmal setzen

Soviel hatte ich schon darüber gelesen, in Vorträgen davon gesprochen, viele Bilder angeschaut – in der Hand hatte ich es noch nie gehalten.  Letzte Woche war es dann soweit: das Englische Monument, dass hier schon einmal vorgestellt wurde, wurde aus seiner Holzkiste befreit und stand für einen kurzen Moment vor mir.

Das, was so aussieht wie eine kleine Säule, ist eigentlich ein Prunkgefäß – aus vergoldeten Silber. Das Gefäß wurde 1558/59 in Antwerpen hergestellt. Wie das Stück nach Frankfurt war, gut belegt: Maria I. Tudor, die erste englische Königin, wollte zwischen 1553 und 1558 wieder den Katholizismus einführen und ließ deshalb Protestanten verfolgen. Aus diesem Grund fanden Wallonen und Flamen, die zuvor nach England geflüchtet waren, sowie englische Protestanten 1554/55 in Frankfurt Asyl. Während die Wallonen und Flamen in Frankfurt blieben und Gemeinden gründeten, kehrten die englischen Protestanten nach dem Tod der Königin wieder nach England zurück. Als Dank für die Gastfreundschaft schenkten sie der Stadt das zierliche Gefäß, das zunächst in der Stadtbiblithek aufbewahrt wurde und dann in die Sammlung des historischen museums überging. Es steht dafür, dass Migration und kulturelle Diversität nicht nur ein Thema der Gegenwart ist. 2017 wird es in Frankfurt Einst? in der Galerie 100 x Frankfurt gezeigt.

Ich habe es dann doch nicht in der Hand gehalten  – das machte dann doch unsere neue Metallrestauratorin Sabine Lorenz, die demnächst einmal hier ganz im Bild ist.

Museumsshop auf Abwegen

Wo ist nur der Museumsshop geblieben? Wer in letzter Zeit das hmf besucht hat, hat sich diese Frage wohl gestellt. Bücher, Postkarten und weitere Artikel mussten zur Einhaltung von Brandschutzauflagen weichen. Für den Neubau wurde die außen liegende Fluchttreppe des Saalhofs abgebaut. So wurde das Foyer zum Fluchtweg und alles Brennbare musste verschwinden. Ein Museum ohne Shop? Äußerst ungewöhnlich! Aber keine Angst, Ausstellungskataloge, Begleitbücher, Plakate und kleinen Erinnerungen sind auch weiterhin im Museum erhältlich. Der Shop ist in den ersten Stock des Saalhofs umgezogen – in Vitrinen, die schon einmal für die Ausstellung Frühe Kunststoffe aufgestellt waren. Nun können Besucher in aller Ruhe neben den Stadtmodellen und der Bibliothek der Alten auch die Shopartikel erforschen.

Und, auch ganz neu: PublikumsbetreuerInnen betreuen den Verkauf. Sie können nicht nur Auskunft über aktuelle Publikationen und Preise geben, sondern sind auch Experten für die Altstadtmodelle der Brüder Treuner. Auch wissen sie mehr zu den Umgebungsmodellen von 1985 – noch mit dem Betonbau des Museums – und das von 2012, das den Neubau und den Saalhof en minature zeigt.  Zum aktuellen Stand der Arbeiten für den Neubau, welchen man von dort aus sehr gut betrachten kann und zum Erinnerungsprojekt der Künstlerin Sigrid Sigurdsson, der Bibliothek der Alten, können sie ebenfalls sachkundig Auskunft geben. Selbstverständlich werden auch Fragen nach dem Weg und zur Orientierung in den Ausstellungen des Saalhofs mit den Wanderkarten beantwortet. Einfach mal hingehen und testen!

Nach Wien reisen und in einer utopischen Stadt ankommen

Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, von meiner Tagungsreise nach Wien direkt aus dem Kunsthistorischen Museum zu bloggen. Die Kollegen dort, die uns sehr herzlich aufgenommen haben, verzeihen mir hoffentlich, dass mein Augenmerk auf einer Tour durch Wien auf zwei andere auffällige Aspekte fiel: Dem begehbaren Stadtmodell Hypotopia und dem Mobilen Stadtlabor der TU Wien im Resselpark. Da wir gerade  park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen laufen hatten, musste ich mir das natürlich genauer ansehen.

Hypotopia ist  zweierlei: ein stadtplanerisches und gesellschaftswissenschaftliches Gedankenmodell und eine Form des Protests. Eine selbstorganisierte Gruppe von Studierenden der TU Wien aus den Disziplinen Architektur, Bauingenieurwesen, Raumplanung und Informatik arbeitet seit Anfang Mai 2014 an der Entwicklung dieses Stadtmodells, das kein echtes Stadtzentrum besitzt. Die hypothetische Bau- und Planungskosten entsprechen der Summe Geld, die der Staat Österreich für die Pleitebank Hypo-Alpe-Adria aufbringen muss.

historisches museum frankfurt: Stadtmodell Hypotopia in Wien

historisches museum frankfurt: Stadtmodell Hypotopia in Wien

Durch ein Stadtmodell hindurchgehen zu können,  ist ein besonderes Erlebnis. Hypotopia steht noch bis zum 30.11.14. und ist von vielen Aktionen begleitet.

Das mobile Stadtlabor der Fakultät für Architektur und Raumplanung ist ein zeitlich begrenztes Gebäude aus sechs ausrangierten Containern. Hier konzipierten 30 Studierende im Rahmen des future.lab einen Raum für Seminare, Vorträge, Workshops und Ausstellungen.

historisches museum frankfurt: StadtlaborWien

Zurück nach Frankfurt – wer sich für das Frankfurter Stadtlabor interessiert: zwar ist park in progress. Stadtlabor unterwegs in den Wallanlagen schon zu Ende, die Debatte geht aber heute abend mit Wir sind die Stadt im historischen museum frankfurt weiter.

Ein Loch ist im Fenster!

Sechs Jahre lang ging es gut, jetzt aber ist’s passiert. Einer meiner Albträume wurde wahr. Eine Scheibe der 28 Meter langen Glasfassade des kinder museums hatte ein kreisrundes Loch. Keiner hat mitbekommen, wie es passiert ist, plötzlich war es da. Was war passiert? Wurde dort ein Ball durchgeschossen? Zum Glück jedoch fiel nicht die ganze Scheibe in sich zusammen. Weil die Glasscheibe so groß ist, konnte leider nicht sofort eine neue einbaut werden. Aber wir mussten nur wenige Tage warten, bis die Glaserei Döll eine neue Scheibe brachte und einbaute.

Da wir mit dem kinder museum in der Zwischenebene der Hauptwache sind, musste die riesige Glasscheibe von drei Männern die Treppe heruntergetragen werden. Innerhalb kurzer Zeit war dann die Scheibe eingesetzt und fixiert.
Die Mitarbeiter der Glaserei haben beim Entfernen der zerstörten Scheibe übrigens eine leere Wodkaflasche gefunden. So können wir erahnen, dass eine der Schnapsdrosseln unsere Glasscheibe auf dem Gewissen hat. Den Übeltäter werden wir wohl nicht mehr ausmachen können, hoffen aber sehr, dass wir das nicht wieder erleben müssen.

An allen Ecken gleichzeitig…./Baustellenbegehung

Während die komplizierten Schalarbeiten hoch oben an den Dachgeschossen des Eingangsgebäudes und Ausstellungshauses ausgeführt werden, wird gleichzeitig der Anschluss des Neubaus an den Saalhof im Westen des Gebäudes vorbereitet. Auf der Ostseite wird tief unten noch ein Stück Bohrpfahlwand zurückgebaut und die mittelalterlichen Mauerreste, die früher schon zu sehen waren, wieder freigelegt.

Bei diesen Arbeiten wurde ein Stück der karolingischen Stadtmauer freigelegt. Eine kleine Sensation, denn diese Mauer ist sehr gut erhalten und es war nicht bekannt, dass dovon hier noch etwas erhalten ist! Der staufische Palas gründet auf dieser Stadtmauer, die hier drei Meter stark ist. Vom späteren Museumscafé aus wird man dieses Stück Mauer sehen, das einzige Stück der noch erhaltenen karolingischen Mauer im Stadtgebiet, das sichtbar sein wird.

Beide Dächer werden im Betonguss ausgeführt und nicht gezimmert, da auch dort eine Bauteilaktivierung eingefügt wird. Dies macht die Schalarbeiten so aufwändig. Ein Rundgang über die Baustelle im obersten Geschoss ist etwas Besonderes, solange das Dach noch nicht ganz geschlossen ist. Hier scheint die umgebende Stadt mit ihren Hochhäusern und dem Dom greifbar nahe zu sein.

 

Kultur-Tipp: Retrogames

Koproduktion mit CAROLINE JANSKY im Rahmen der Blogparade „Mein Kultur-Tipp für Euch”

Flipper (Foto: Retrogames e.V.)Racing (Foto: Retrogames e.V.)Arkaden-Automaten (Foto: Retrogames e.V.)

Spielhalle (Foto: Retrogames e.V.)

Outrunners (Foto: Retrogames e.V.)

 

 

 

 

 

 

Tok, tok, tok, unkontrolliert-zäh zuckelt der helle Strich vertikal durch die Nacht des schwarzen Bildschirms. Immer in Bewegung bleiben – tok, tok – mein Schläger pariert den fies über Ecke gespielten weißen Punkt. Um mich herum klingeln Synthesizer und elektronische Stimmen. Die Drehknöpfe haben viel Spiel, so viel, wie sich eben in den letzten 30 Jahren ansammeln konnte. Wer der puristischen Tischtennis-Abstraktion Pong” nichts abgewinnen kann, findet auch die anderen Allstars in greifbarer Nähe: Der nimmersatte Pac-Man wartet direkt neben der Tetris-Baustelle auf Bearbeitung. Weiter hinten präsentiert sich eine exquisite Auswahl an Flippern und Racing Games. Dazwischen alles, was in den Arcade-Spielhallen des späten 20. Jahrhunderts Rang und Namen hatte. Während das Ausmaß unserer Daddeleien damals jedoch stark von der elterlichen Taschengeldregelung kontrolliert wurde, gibt es heute kein Halten; das Saturday Night Fever hat uns erfasst und wir schwitzen um die Wette.

Was sich wie ein Kindheitstraum anhört, ist in Karlsruhe bei Retrogames e.V. möglich. 2002 gegründet, hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, die Kultur der elektronischen Videospiele zu sammeln und zu vermitteln. Über 70 Spielautomaten hat der Verein vor dem Vergessen gerettet und stellt diese in einer wirklich spielbaren Ausstellung, jeden Samstagabend der Öffentlichkeit (für nur drei Euro Eintritt) zur Verfügung. Im Gegensatz zu anderen Museen ist das Anfassen hier ausdrücklich erwünscht.

Die Retrogames-Ausstellung bietet ein museales Erlebnis der besonderen Art: Hier lässt sich beobachten, wie die Vermittlung eines leidenschaftlichen Interesses an der Geschichte einer kulturellen Praxis gelingt. Dass es hier nicht „nur“ ums Daddeln und Unterhalten-Werden geht, machen uns die jedem Automaten zugeordneten „Werkbeschreibungen“ deutlich – sie warten mit Details zu Technik, Datierung, Entwicklung und historischer Bedeutung der jeweiligen Hard- und Software auf. Die Ausstellungsmacher*innen haben in diesem Sinne die Regeln des Spiels „Ausstellen“ verstanden und befolgen sie: Sowohl auf der Produktions- als auch auf der Rezeptionsseite bedeutet es vor allem ein Nachdenken über die, ein Forschen an den Gegenständen.

„Freeplay“ lautet das Motto der samstäglichen Öffnung für Besucher*innen, und hier lohnt es sich, genauer hinzusehen. Die Befreiung der Automaten von ihrem Nutzwert, die Verschiebung der Perspektive, die so charakteristisch ist für die Musealisierung von Gegenständen, lässt sich hier anhand einer technischen Manipulation en Detail nachvollziehen: Statt Geld in den Einwurf der Münzautomaten zu stecken, muss nur ein Startknopf gedrückt werden, damit das Spiel beginnt – und den ökonomischen Zwängen der Kulturindustrie enthoben, können wir uns auf die wirklichen Werte der Werke entsinnen, ohne in die beleidigte Haltung des immer irgendwie betrogenen Konsumenten gedrängt zu werden: Auch wenn die Steuerung für uns Ungeübte nahezu unbeherrschbar scheint, die Schönheit des über den Bildschirm schießenden Kathodenstrahls im Atari-Spiel „Asteroids“ müssen wir anerkennen, und dass wir beim Spielen von Segas „Space Harrier“ die Bewegung der Spielfigur im hydraulischen Sitz miterleben können, ist eine kleine Sensation. Wir sehen den Einzug der 3D-Grafik mit Schaudern und freuen uns, die Lucas-Film-Welt zu durchflippern. Hier werden uns Freispiele und Bonuslevel geschenkt, statt dass wir sie uns mühsam erarbeiten müssen, und das befreit unseren Blick und lenkt ihn auf die Details und Besonderheiten, die Kuriositäten und historischen Zusammenhänge der Spielewelt.

Die Arcade-Automaten sind Tore zu anderen Welten. Sie eröffnen Einblicke in das Lebensgefühl der 1980er und 1990er Jahre, in bezaubernd minimalistische Designs und generationsprägende Soundeffekte, in eine neon-farbene Ästhetik, deren Technik noch widerspenstige Joysticks und ganze Schaltzentralen-Tableaus umfasste, und in die Ikonenwelt der damaligen Popkultur. Im Nebeneinander der Automaten kristallisieren sich unterschiedliche Zeitbilder, die keiner externen Erklärung mehr bedürfen… Ready? 1, 2, 3 – Go!

Eine Reise wert: das vorarlberg museum

Selten hat ein Museumsbesuch so Spaß gemacht wie der Besuch im vorarlberg museum in Bregenz: von außen, von der Seeseite, begrüßt einen schon der Pilz (hier gibt es leckere Milchmixgetränke und ich bin sicher, der Pilz gehört auch irgendeinmal komplett zum Museum), von der anderen Seite lädt das Café vor dem Museum auf einem schönen Platz dazu ein, sich auf den Besuch einzustimmen bzw. sich zwischendurch zu stärken – nachts gibt es Literatur für den Geist…

Es gibt viel zu sehen, zu hören und zu Staunen. Das Gebäude selbst ist ein hoher Genuß – es heisst einen als Besucherin wirklich willkommen und man hält sich gerne hier auf. Immer wieder gibt es schöne Blicke nach außen – auf die Stadt oder etwa auf den Bodensee. Wie gesagt: es gibt viel zu sehen: buchstäblich vorarlberg stellt die Sammlung und nebenbei Vorarlberg vor. Im Vorarlberg. ein making of erfährt man ganz Erstaunliches aus Vorarlberg bzw. manche Dinge wusste man schon, aber die Verbindung zu Vorarlberg fehlte. Schön fand ich auch die Ausstellung zum Hören – Sein & Mein – natürlich für die vielen Hörstationen zuwenig Zeit.

Die Ausstellung Römer oder so mutete mir irgendwie so bekannt an – das lag daran, dass wir auch mit den Gestaltern arge Gillmann Schnegg für Frankfurt Einst? zusammenarbeiten. Es gäbe noch viel mehr zu schreiben – die Bilder erzählen aber auch schon eine ganze Menge. Also:  das Museum ist rundum zu empfehlen!