Ein Nachmittag zur Geschichte der Fotografie

historisches museum frankfurt: Alte Fotografien von Frankfurt

Die fotografische Sammlung des historischen museums frankfurt ist eine wahre Schatzgrube. Hier sind die Arbeiten zahlreicher namhafter Fotografen aus dem 20. Jahrhundert verwahrt. Daneben gibt es aber auch Kostbarkeiten aus dem 19. Jahrhundert. Frau Caspers, Leiterin der Sammlung, und Herr Dr. Mayer-Wegelin, ein langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Museums, zeigen den freunden & förderern ausgesuchte Arbeiten aus den Anfängen der Fotografie, die nur selten – und wenn, dann auch nur ganz kurz – an das Tageslicht dürfen.
Die ältesten Beispiele wurden ab 1840 mit einer Kamera aufgenommen, wie sie Louis Daguerre aus einer Camera Obscura entwickelt hatte. Die so genannten Daguerreotypien wurden auf teuren versilberten Kupferplatten aufgenommen mit einer Belichtungszeit von mehreren Minuten. Ernst und steif schauen die abgelichteten Personen in die Kamera. Oft stützen sie sich ab, damit sie nur ja nicht wackeln.
Wenige Jahre später entstand das Negativ-Positiv Verfahren, mit ersten Abzügen auf Salzpapier und in den 1850er Jahren Albuminpapier. Damit wurden nun Abzüge desselben Motivs möglich und die Fotografie wurde preisgünstiger. Das war der Beginn der Massenfotografie!
Der Stadtfotograf Carl Friedrich Mylius zog nun durch Frankfurt, ausgerüstet mit seiner Kamera und einem Dunkelkammerwagen und fotografierte den Dom, Kirchen, wichtige Gebäude und ganze Straßenzüge. Häufig waren das Auftragsarbeiten für Privatleute oder Mylius verkaufte die Stadtansichten an Touristen. Für uns heute ist er ein wichtiger Dokumentarist des 19. Jahrhunderts.
Höhepunkt seines gesamten fotografischen Werks und der krönende Abschluss dieses spannenden Vortrags ist „DAS MAIN-PANORAMA“. 32 Fotografien hat Herr Mayer-Wegelin in einer mehrere Meter langen Reihe ausgelegt, auf denen Mylius das Mainufer auf einer Strecke von 2,5 km von der Friedensbrücke bis zum Osthafen, sowie die Sachsenhäuser Seite minutiös abgelichtet hat. Dafür baute er seine Kamera alle 100m wieder auf und hat so das Mainufer in den Jahren 1860/61 lückenlos dokumentiert.

Diese Woche auf twitter: #MuseumWeek für alle!

Vom 23. bis 29. März 2015 ist auf twitter Museumswoche. Unter dem Hashtag #MuseumWeek haben sich mehrere Tausend (aktuell sind es 2207) Museen für die Aktionswoche angemeldet. Einen guten Überblick der internationalen, digitalen Veranstaltung gibt die aktuelle Teilnehmer-Liste mit interaktiver Karte.

Was passiert?
Jeden Tag gibt es ein anderes Thema zu dem wir uns mit allen Interessierten austauschen wollen: wir verraten Geheimnisse aus dem Museum und erzählen Architekturgeschichten, teilen Einnerungen und sammeln neue Ideen für die Museumsarbeit. Am Wochenende gibt’s eine Selfie-Challenge und Familienangebote.

Warum machen die das?
Das Ziel ist es, eine Woche lange verschiedene Aspekte rund ums Museum zu diskutieren, Meinungen auszutauschen und vor allem mit unseren Besucher/innen und Followern neue Kontakte zu knüpfen. Was sind die Lieblingsstücke? Was bleibt in Erinnerung? Und wo können Museen noch mehr Inspiration finden?

Wie kann man mitmachen?
Im Internet können die Tweets von allen Teilnehmer/innen unter #MuseumWeek ganz ohne Anmeldung mitgelesen werden. Alle User mit twitter-Account können an der digitalen Museumswoche auch mit eigenen Beiträgen teilnehmen. Damit im vollgepackten Programm nichts untergeht, empfiehlt es sich alle Tweets mit #MuseumWeek und dem jeweiligen Tages-Hashtag zu versehen!
Wir freuen uns auf ein buntes Tweet-Potpourri und wünschen allen eine aufregende #MuseumWeek 2015 – let’s go!

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Karsten Bott – Gleiche Vielfache #2: Aufbau der Ausstellung

Nach monatelanger Vorbereitung in seinem Depot konnte der Künstler Karsten Bott am 2. März nun endlich seine Objekte ins Museum transportieren lassen. Ein 40-Tonner wurde voll beladen mit hunderten von Bananenkisten, jede von ihnen gefüllt mit Sammlungsstücken aus Karsten Botts Archiv für Gegenwarts-Geschichte. Alle diese Objekte werden nun Tag für Tag ausgepackt und sorgfältig arrangiert. Auf der einen Seite des Ausstellungsraumes befinden sich raumhohe Regale, in die die Objekte nach Begriffen geordnet einsortiert werden. Demgegenüber stehen insgesamt 22 Vitrinen. Darin werden Gleiche Vielfache, wie zum Beispiel Milchkartons, geknackte Fahrradschlösser oder Brillen angeordnet. Jeden Tag kommen Karsten Bott und seine Helfer ein Stück voran. Noch sind etwa noch drei Wochen Zeit bis zur Ausstellungseröffnung am 16.4. – aber es sind auch noch sehr viele Bananenkisten auszupacken.

Berufsstand Volontariat

Sie sind die Zukunft der Museen, Gedenkstätten und Denkmalpflege in Deutschland. Sie bringen neben fachlicher Kompetenz auch Leidenschaft und Kreativität für ihre Arbeit in kulturellen Einrichtungen mit. Sie sind höchstqualifiziert, oft mit eigenen Projekten betraut, aus vielen Museumsbetrieben nicht wegzudenken – und doch an vielen Fronten um Anerkennung bemüht. Die Rede ist von den zahlreichen Volontärinnen und Volontären in Deutschland. Dieser, wenn man so will, Berufsstand irgendwo zwischen Beschäftigungsverhältnis und Ausbildung ist nur schwer zu fassen. Das liegt zum einen an den völlig unterschiedlichen Inhalten und Arbeitsbereichen, in denen Volontär/innen in Deutschland eingesetzt werden. Aber auch die fehlende, rechtlich bindende Definition des Volontariats und die quasi nicht existente politische Lobby sind kaum geeignet, ein einheitliches Bild des Volontariats zu zeichnen. Daher drehte sich bei der 25. Bundesvolontärstagung in Nürnberg auch vieles um die Chancen und Perspektiven der „Generation Volontariat“.

Bei Veranstaltungen dieser Art geht es jedoch im Kern, um den Austausch untereinander – wir haben an dieser Stelle bereits letztes Jahr von der BVT in Hamburg berichtet. Auch dieses Mal spielte das Wetter, im wahrsten Sinne des Wortes, blendend mit. Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg spielte seinerseits die Gastgeberrolle hervorragend und das umfangreiche Rahmenprogramm bot, neben hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen und inhaltlichen Workshops, auch einen geselligen Part. Zwischen Diskussionen um Promotion und Mindestlohn, Exkursionen zu Museen der Umgebung und der allgegenwärtigen Nürnberger Diätküche, hatten die aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten rund 200 Volontär/innen Raum und Zeit genug, neue Bekanntschaften zu schließen.

Damit dieser Austausch nachhaltiger wirken kann, wurde ein „Netzwerk-Volontariat“ ins Leben gerufen, das im Sinne von Alumni-Programmen, die Belange der Volontär/innen im Blick behalten soll. Angestoßen wurde diese Initiative vom Arbeitskreis Volontariat des Deutschen Museumsbunds, der jährlich auf der Bundesvolontärstagung neu gewählt wird. Wir dürfen gespannt sein, welche Themen die Volontär/innen in Deutschland dieses Jahr beschäftigen. Spätestens auf der BVT 2016, die in Leipzig stattfinden wird, werden wir es erfahren.

Nochmals tausend Dank an das diesjährige Orga-Team und das GMN und auf Wiedersehen Nürnberg!
Lesetipp: der AK Volontariat Hessen hat hier und das Landesmuseum in Kassel hat in seinem Blog über die BVT 2015 berichtet.

Merian 3D Werkstattbesuch #6

Am 10. Februar 2015 war es wieder soweit. Ein Besuch in Dreieich war verabredet, um die Baufortschritte der Stadt, wie sie Matthäus Merian d. Ä. (1593-1650) 1628 in Kupfer gestochen hat, in Augenschein zu nehmen. Wie an dieser Stelle berichtet wird der Merianplan, der sich in der Sammlung des historischen museums befindet, dreidimensional nachgebaut. Bereits seit 2012 ist Klaus Grapow dabei, diesen Kupferstich mit Akribie, Detailtreue und unendlicher Geduld plastisch umzusetzen.

An den grünen Markierungen auf der Kopie des Plans (s. Foto) ist der Baufortschritt sofort auszumachen. Jetzt zum Schluss kommt die schönste Aufgabe, freut sich Herr Grapow: Die Alte Brücke und die Schiffe!

Noch einmal besprechen wir die Dimensionen von Dom, Galluswarte, und Brückenturm. Der Dom ist 95 Meter hoch die Galluswarte nur 25 Meter. Das hat Merian auf seinem Plan nicht so genau dargestellt. Die genannten Gebäude sehen zwar nicht gleich groß aus, dass der Unterschied in Wirklichkeit aber so groß ist, ist auf dem Stich nicht zu erkennen. Was tun? Den Dom noch einmal bauen, dann passt er aber vielleicht nicht mehr auf die vorgesehenen Grundfläche.

Und wie soll der Transport der gebauten Stadt von Dreieich ins Museum bewerkstelligt werden. Soll die Grundplatte zerteilt werden oder doch stehend in Einem nach Frankfurt gefahren werden? Passt sie durch die Türen? Im Museum schon, aber in Dreieich?

Auch die Bäume und Gärten der Stadt sind Thema: Wie detailliert sollen sie dargestellt werden? Alle Fragen werden sorgfältig besprochen und abgewogen. Es soll ja alles gut klappen, damit die schöne, aufwändige Arbeit an ihren vorgesehen Platz kommen und gut wirken kann.

Wir freuen uns schon, habe ich doch neulich auf der Baustelle wieder geschaut, wo der Merianplan 3D zu sehen sein wird. – Es wird sehr gut werden.

Danke Klaus Grapow für die wunderschöne Arbeit!

 

Migration und kulturelle Vielfalt am Museum – eine Presseschau

Über 100 Vertreterinnen und Vertreter deutschsprachiger Museen und Hochschulen waren der Einladung des Deutschen Museumsbundes (DMB) nach Berlin gefolgt. In den Räumen des Deutschen Historischen Museums veranstaltete der „Arbeitskreis Migration“ des DMB Ende Februar einen Kongress, um den kontinuierlichen Austausch über die Themen kulturelle Vielfalt und Migration am Museum fortsetzen.

Außerdem wurden Inhalte und Ergebnisse des vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Projekts „Kulturelle Vielfalt im Museum: Sammeln, Ausstellen und Vermitteln“ präsentiert, das nach fast dreijähriger Laufzeit nun seinen Abschluss fand.

Und last but not least wurde der Leitfaden „Museum, Migration und kulturelle Vielfalt“ vorgestellt, die Handreichung für die Museumsarbeit. Dort wird die Wichtigkeit der Themen für die Museumslandschaft unterstrichen: „In einer Einwanderungs­gesellschaft, wie wir sie in Deutschland haben, führt die kulturelle Vielfalt auch in der Museumsarbeit zu einem Perspektivwechsel und einer Neuorientierung. […] Der Weg geht hin zu einem partizipativen Museum, das Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen fördert und Integration als wechselseitigen Prozess versteht.“ (S.7)

Auch VertreterInnen der Presse waren zu diesem wichtigen Ereignis gekommen. Und so fielen ihre Reaktionen aus:

Der „Tagesspiegel“ sieht den Leitfaden als Ausgangspunkt, der für „neue Strategien“ in einer sich im Wandel befindlichen Museumslandschaft werbe: „Eine neue Haltung ist gefragt. Unterschiedliche Blickwinkel repräsentieren, Migration im Querschnitt abbilden, nicht nur in wechselnden Sonderausstellungen. Mit dem Publikum arbeiten, statt für das Publikum.“ Wie das funktionieren soll? „Das Geheimnis scheint mittlerweile darin zu liegen, mit migrantischem und nicht migrantischem Blick auf allgemeine Themen zu schauen – und nicht Migration direkt auszustellen.“

Laut „Rheinischer Post-Online sind „die Schlüsselbegriffe des Leitfadens ‘Partizipation’ und ‘Multiperspektivität’“.

In puncto Leitfaden übt die „Welt“ auch Kritik an der neuen Handreichung: „Im Falle der Migrations-Handreichung gäbe es im Detail gewiss auch manches einzuwenden: Dass ausgerechnet ein Papier der Toleranz dermaßen großspurig das Deutschsein feiert, wirkt mindestens ungeschickt. Mit imperialistischer Penetranz wird die alte deutsche Stärke zur Schau gestellt. […] Trotzdem darf man hoffen, dass von der Handreichung viele wichtige Impulse ausgehen werden.“

Auch die Berliner „tageszeitung“ berichtete über den Kongress und bilanzierte: „Migration als Modeerscheinung? Während mancherorts, etwa am FXHB oder am Historischen Museum Frankfurt, Migration, Teilhabe und Vielfalt dazugehören, ohne immer explizit benannt zu werden, ist es insgesamt noch ein weiter Weg bis zum selbstverständlichen Umgang damit. Bis zu einer Perspektive, die der heutigen Globalisierung und Zusammensetzung der Gesellschaften besser gerecht würde.“

Schließlich meint Deutschlandradio Kultur: „Themen wie Migration und kulturelle Vielfalt kommen nach Ansicht des Deutschen Museumsbunds (DMB) in der Arbeit vieler Museen zu kurz.“ Also wurde das Projekt „Kulturelle Vielfalt“ in Auftrag gegeben: „Auf zwei Säulen basiert die Strategie, auf der Öffnung nach innen und nach außen. Intern sollen die Museumsleute Migranten mehr Gewicht einräumen.“ In diesem Kontext greift Deutschlandradio Kultur auch die Forderung der Vertreterin des historischen museums franfkurt auf, die in Ihrem Vortrag in Berlin sagte, es brauche “viele Vertreter der Gesellschaft, weil nur so können wir Multiperspektivität gewährleisten. Aber natürlich ist es auch wichtig, dass, wenn es um das Thema Migration geht, Menschen mit Migrationshintergrund dabei sind, weil die am eigenen Leib erfahren haben, was Stereotypen ausmachen können, was Diskriminierungsmechanismen sind.“ Und so meint Deutschlandradio Kultur davon ausgehend: „Mit je eigenen Erfahrungen sollen auch Schwule, Lesben und Transgender-Menschen vertreten sein – gar nicht zu reden von sehr unterschiedlichen Migrationsformen, Herkunftsländern und Sprachen. Allzu leicht ist diese schnell dahingesagte Zauberformel der „Multiperspektivität“ nicht zu verwirklichen.“

Neulich auf der Baustelle…

… es ist schon eine Weile her, dass ich auf der Baustelle war und von dort berichtete. Inzwischen ist die Verschalung der Betonarbeiten abgenommen und auch die Baustützen sind entfernt. Der Rohbau ist so gut wie abgeschlossen, es werden schon die Fenster eingesetzt und die Elektrokabel verzogen.

An der Mainseite des Museums ist ein Muster der Fassade aufgebaut, so wie sie jetzt umgesetzt werden soll. Es wird im xxx damit begonnen, die Fassade in Naturstein aufzumauern. Der Basalt stammt aus der Eifel, der Sandstein von Main und Neckar. Bis Oktober soll das Sandsteinkleid des Museums fertig sein. (siehe Foto).

Der Stauferhafen, der 2012 bei den Ausschachtungsarbeiten für den Neubau gefunden wurde, war zwischenzeitlich wieder zugedeckt, um ihn zu schützen. Jetzt wird er wieder Aufgegraben unter Aufsicht der Stadtarchäologen. Ob noch mehr gefunden wird, als 2012? Vielleicht ein Schiff oder Boot – auf der Wasserseite des ehemaligen Hafens?

Auch die Ausgrabungen an der Nord-Westseite des Staufischen Gebäudes haben Grundmauern, ein Stück der Stadtmauer, Brunnen, einen Kanal und Sickergrube zu Tage gefördert. Diese Funde werden alle dokumentiert und anschließend wieder zugedeckt.

Auf dem Weg durch sämtliche Gebäudeteile und Räume konnten wir uns schon gut vorstellen, wo welche Ausstellungsbereiche, Objektensembles und Großobjekte stehen werden. Wir konnten uns auch die Möblierung des Eingangs- und Kassenbereichs, des Cafés, der Garderobe und die Einteilung der Büroräume gut vorstellen. Oben im 2. Geschoss des Ausstellungshauses sind an der Nordseite schon alle 42 Fenster eingesetzt. Im Raum gibt es noch die Möglichkeit von oben in den Austellungsraum von Frankfurt Jetzt! hinein zu schauen. Dort wird dann später das große Frankfurt-Modell zu sehen sein und am anderen Ende des Raumes die Bibliothek der Alten.

 

 

Karsten Bott – Gleiche Vielfache #1

In Kürze (ab 16. April 2015) werden wir bei uns in historischen museums frankfurt eine Ausstellung des Frankfurter Künstlers Kasten Bott zeigen!

Sie ist für uns etwas ganz Besonderes, denn es ist für ein Historisches Museum eine Ausnahme mit einem zeitgenössichen Künstler zusammen zu arbeiten. Seit 1988 baut Karsten Bott ein „Archiv für Gegenwarts-Geschichte“ auf. Er sammelt und archiviert Dinge unseres alltäglichen Lebens, so wie es ein Ethnologe für eine fremde oder ein Archäologe für eine vergangene Zivilisation tut.

Wir werden diese Ausstellung im Sonderausstellungsraum im Saalhof zeigen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Dauerausstellung Frankfurter Sammler und Stifter. Hier sehen wir die Verbindung: Die intensive Beschäftigung mit – und das Sammeln von – Gegenständen haben die Frankfurter Sammler und Stifter, das historische museum frankfurt und der Künstler gemeinsam. Karsten Bott ist als Künstler und Sammler ein kritischer Beobachter unserer Gegenwart und führt uns vor Augen, dass sie niemals vollständig erfasst werden kann. Gleichzeitig spiegelt er uns unsere Alltagswelt, die von einer Anhäufung von Schönem und Nützlichem wie auch von Hässlichem und Nutzlosem gekennzeichnet ist.

Im Zentrum der Ausstellung befinden sich sechs raumhohe Regale mit insgesamt 144 Fächern. Dort werden die Sammlungsstücke, nach material- oder funktionsbezogenen Begriffen geordnet, präsentiert. In den Randbereichen des Raumes befinden sich in Einzelvitrinen die Gleichen Vielfachen, die Variationen eines immer gleichen Alltagsgegenstandes.

Seit Monaten schon sortiert und sichtet Karsten Bott mit Helfern sein großes Depot, in dem das Archiv der Gegenwarts-Geschichte untergebracht ist, für die Ausstellung in unserem Haus. Im Dezember 2014 habe ich ihn dort besucht und einige Fotos mitgebracht.

Diese Woche nun werden alle Objekte mit einem 40-Tonner ins Museum transportiert und ausgeladen. Dann sind sechs Wochen Zeit, um die Ausstellung einzurichten…..

 

Aufspanner zur Geburtshilfe

Als Recherche für die geplante Ausstellung Frankfurt Einst? im Bereich 100 x Frankfurt habe ich mir den “Aufspanner zur Geburtenhilfe” vorgenommen. Seinen Ursprung hat der Aufspanner laut Datierung in der museumseigenen Datenbank und in den Ausstellungskatalogen Ende des 16. Jahrhunderts.

historisches museum frankfurt: Geburtshelfer im Depot, X16631Wie der Geburtshelfer eigentlich funktioniert, konnte ich mir so allmählich erschließen. Durch das Drehen einer Kurbel spreizen drei längliche Stäbe die Körperöffnung, aus der das Baby kommt. Doch hat das chirurgische Instrument seinen Ursprung tatsächlich in der Geburtenhilfe und somit dem altertümlichen Gewerbe der Hebamme? habe ich mich im Laufe der Beschäftigung mit dem Objekt gefragt.

In Nasser Zahedis Erläuterung zur Entwicklungsgeschichte der Geburtszange habe ich ein sogenanntes Specula aus Pompeji entdeckt, das aus dem 1. Jahrhundert stammt. Es diente dem Arzt Hippokrates zur Erweiterung der Gebärmutter, zur Untersuchung des Muttermundes und ebenfalls zur rektalen Untersuchung. Dies ließ mich ein wenig zweifeln, ob der Aufspanner tatsächlich ins 16. Jahrhundert gehört. Ich forschte indessen weiter und wurde fündig:  die geburtshilflich-gynäkologische Sammlung bei der Universitätsmedizin Greifwald lässt sich auch online recherchieren. Dort befindet sich ein ähnliches Pompejisches Speculum aus dem 17. Jahrhundert in der Sammlung. Hier konnte ich tief in das Thema eintauchen und viel zur Geschichte der gynäkologischen Instrumente sowie dem Beruf der Hebamme erfahren. Die Zugehörigkeit des Aufspanners zur Gynäkologie und dessen Datierung erschien mir somit eindeutig.

Die Tätigkeit einer Hebamme ist alt, sollte doch die Mutter bei einer Geburt nicht alleingelassen werden. Entbindungen wurden lange Zeit nur von Frauen durchgeführt. Beliebt waren vor allem die Älteren, da sie die nötige Erfahrung zur Betreuung der Schwangeren hatten. Zahedi beschreibt, dass es eine Hebamme im 16. Jahrhundert nicht besonders leicht hatte. Neben ihrer eigenen übernahm sie die zeitaufwendige Versorgung der Familie der Schwangeren. Das Herrichten des Tauffestes oblag ebenfalls in ihrer Verantwortung. Die feierlichen Ess- und Trinkgelage in den Wochenstuben waren Frauensache. Dank einiger Holzschnitte konnte ich anschauen, wie diese Feste ausgesehen haben.

Doch zu viele Kinder oder Mütter starben, da unglaubliche 20 Geburten im Leben einer Frau keine Seltenheit waren und überall Probleme lauerten. Und sprachen die Hebammen etwa von Verhütung oder Abtreibung, wurden sie als Hexen beschimpft.

Im Laufe der Zeit wurde auch die Geburt Teil wissenschaftlicher Forschungen; so dass die Ärzte hier immer mehr Einfluß gewannen  und die Gefahren bei Geburten durch den medizinischen Fortschritt besser bewältigt werden konnten. Die Geburt war damit zu einer wissenschaftlichen Disziplin geworden, für die immer neue Geräte entwickelt wurden.

Der Ablauf der Geburt wurde in zahlreichen Büchern und Hebammenordnungen beschrieben – in Frankfurt zum Beispiel bereits 1578. Die Hebamme entwickelte sich also zu einem wirklichen Beruf, mit festen Einkommen, eine Altersversorgung sowie eine strikte Auflage für die Entbindung. Die ständige Kontrolle über die Geburtshilfe der Stadt Frankfurt übernahm gemäß der Hebammen-Ordnung von 1703 der allgemeine Almosenkasten. Später erhielten sie zudem eine qualifizierte Ausbildung an Hebammenschulen, die sie in die hohe Kunst der Gynäkologie einführen sollten. Die Anwendung von Geburtszangen und von einem Aufspanner, wie unserem, erlernten sie womöglich ebenfalls an diesen Schulen. Heutzutage ist natürlich alles wieder anders – aber den Hebammenberuf gibt es immer noch.

Ein Puzzle fängt man am Rand an

Das Altstadtmodell der Brüder Treuner ist eines der bekanntesten und – das wird jedem einleuchten, der das Modell im 1. OG des Bernusbaus einmal gesehen hat – eines der größten Exponate des historischen museums. Bei genauem Hinsehen erkennt man allerdings, dass das Modell nicht aus einem Stück besteht, sondern aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist – aus 64 Teilen, um es genauer zu sagen. Für den geplanten Umzug und Transport des Modells in den Neubau, der gerade nebenan entsteht, ist das eine enorme Erleichterung. Gemeinsam mit einigen anderen Stadtmodellen wird das  Treuner-Modell im Kontext des Frankfurter „Altstadt-Drama“ in der neuen Dauerausstellung Frankfurt Einst? zu sehen sein und an seiner jetzigen Stelle im Modellsaal dann Platz für das kinder museum machen.

Damit das Modell ganz leicht wieder in seiner ganzen Pracht aufgestellt werden kann, gibt es nicht nur viele Fotos des kompletten Zustandes, sondern auch eine Art Puzzlevorlage für das Modell. Mittels nummerierter Schablonen, die für die Treuner-Ausstellung in der Sparkasse erstellt und bei der Einbringung in die Vitrine im Modellsaal 2012 zum Einsatz kamen, kann die gewünschte Ausrichtung in der großen Vitrine exakt simuliert werden, um dann Stück für Stück dem Original zu weichen. Auch für die Planung der neuen Vitrine sind diese Schablonen eine große Hilfe. Deshalb kommt die Puzzlevorlage 2017 beim Einbau wahrscheinlich auch wieder zum Einsatz.

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