Eine Schatzkammer im Terminal 2

Wer den Frankfurter Flughafen nur als Ort des Ankommens und Abreisens sieht, der unterschätzt nicht nur die Kapazitäten, sondern auch die Geheimnisse. Im Untergeschoss von Terminal 2, wo der normale Reisende nicht hinkommt, gibt es einiges Kurioses zu sehen. Hier befindet sich die Schätze von Hector Cabezas, genauer gesagt das Airline-Archiv.

historisches museum frankfurt: Zu Gast in der Sammlung Cabezas

Hector Cabezas, der 1958 von Argentinien nach Europa kam, ist das, was man einen leidenschaftlichen Sammler nennt: er fing früh damit an, alles rund um das Thema Fliegen zu horten. Natürlich ergriff er einen Beruf, der mit Fliegen zu tun hatte: erst war er Pilot, dann auf dem Boden für verschiedene Fluggesellschaften tätig. Auf diese Weise ist er auch zu vielen seiner Objekte gekommen, die nun in den Kellerräumen unter Terminal 2 zu finden sind. Ob Uniformen, Wimpel, Geschirr, Postkarten, Embleme…aus der Vergangenheit und der Gegenwart, und das von vielen Fluglinien der Welt – es gibt eigentlich nichts, das nicht in der Sammlung ist. Hector Cabezas und seine Frau Paula, die die Leidenschaft teilt, wissen, wo sich jedes einzelne Stück der Sammlung befindet.

historisches museum frankfurt: Zu Gast in der Sammlung Cabezas
historisches museum frankfurt: Zu Gast in der Sammlung Cabezas

Aus der Sammlung haben wir schon vor einiger Zeit Objekte ausgeliehen, die in der ehemaligen Dauerausstellung Mainmetropole im Betongebäude zu sehen waren – wie etwa das Modell des Luftbrückendenkmals. Wir hoffen sehr, dass wir für Frankfurt einst? wieder einige Stücke ausleihen können. Übrigens: nach Anmeldung sind auch BesucherInnen im Airline-Archiv willkommen!

P.S. wer prüfen möchte, ober er oder sie auch vom Sammelvirus angesteckt ist, kann das in der Ausstellung Sammelfieber in unserem kinder museum in Frankfurt an der Hauptwache tun.

Die kleinen Funde im Depot, die soviel Spaß machen

Jeder Depotbesuch erweitert das Wissen um unseren Museumsschatz. Auch wenn ich die Sammlung – eher kleine Teile der Sammlung – aus der Datenbank oder aus Katalogen kenne, ist es immer noch einmal ein nachhaltigeres Erlebnis, die Museumsobjekte selbst im Depot zu betrachten. Gerne “finde” ich auf der Suche nach bestimmten Stücken andere Objekte, die mich auch sehr interessieren und die ich mir gerne näher anschaue. So auch beim letzten Depotbesuch:

historisches museum frankfurt: Schulranzen gibt es auch in der Papeterie

In dieser Kiste befindet sich das Zubehör zu einer sehr seltenen Papeterie – also einer Papierwarenhandlung. Sie kam 1931 mit einem größeren Konvolut ins Museum. Die Papierwarenhandlung selbst besteht aus einem Holzgehäuse, das mit Buntpapier überzogen ist. Dazu gehört natürlich eine Theke und viele Wandregale, die man hier im Bild gut sehen kann.

historisches museum frankfurt: Die Papeterie im Depot

Die leeren Wandregale und Schränke wollen natürlich alle befüllt werden. Und das Material dazu befindet sich in der Kiste – natürlich alles sorgsam verpackt. Jedes Päckchen hält eine Überraschung bereit und es juckt in den Fingern, diese doch gleich mal einzuräumen (was ich aber natürlich nicht mache).

historisches museum frankfurt: Einzelteile der Papeterie

historisches museum frankfurt: allerhand Schreibbedarf

Wir wissen sogar, wer mit diesem Schreibwarenladen einmal spielte  – eine Tochter der Familie Gontard, die 1859 geboren wurde, hatte den Laden hier in Frankfurt aufgebaut und ihn dann weitervererbt. Sicherlich spielten einige weitere Generationen damit und sicherlich wurde der Inhalt immer wieder aufgestockt. Wohl geblieben ist der Ladeninhaber, dessen Kopf, Hände und Füße  aus Porzellan sind.

historisches museum frankfurt: der Chef der Papeterie

Und hier kann man den Laden in einem älteren Foto eingeräumt sehen. So oder so ähnlich soll er auch wieder in Frankfurt Einst? im Bereich Kommunikation stehen.

historisches museum frankfurt: die Papeterie ausgestellt

„Die Theorie braucht die Praxis, um eine Mauer zu durchbrechen.“

Ein Kongress über transdisziplinäre Zusammenarbeit

Wie kann man etwas zeigen ohne es auszustellen? Mit welchen Mitteln lässt sich die Wissensproduktion über Objekte und das Nichtvorhandene sichtbar machen? Was passiert, wenn KünstlerInnen kritische und reflexive Fragen in nicht-künstlerischen Museen stellen?

Der Workshop „Jenseits des Disziplinären Horizonts. Neue Formen der Recherche und Wissensproduktion“, der Museumsakademie Joanneum warf viele solcher Fragen auf. Fragen zur Identitätskonstruktion und Repräsentation, zur Aneignung anthropologischer Bilder mithilfe künstlerischer Methoden sowie zur Zusammenarbeit mit ExpertInnen außerhalb des wissenschaftlichen Kontextes. Das Münchner Stadtmuseum bot mit der Ausstellung „Asyl Stadtmuseum“ einen angemessenen Veranstaltungsort, um diese Fragen am praktischen Beispiel zu diskutieren.

Plakatmotiv der Ausstellung "Asyl Stadtmuseum" Entwurf: Matthias Weinzierl

Plakatmotiv der Ausstellung “Asyl Stadtmuseum” Entwurf: Matthias Weinzierl

Die Ausstellung zeigt zum ersten Mal afrikanische Theaterfiguren, die über den Kunsthandel nach Europa gekommen waren und sich bis dahin in der Sammlung des Museums befanden. Aufgrund des Mangels an Dokumentationen über die einzelnen Objekte, wählte das Stadtmuseum zur Kuration der Ausstellung Künstlerinnen als Kooperationspartnerinnen. Die Künstlerinnen Stefanie Oberhoff mit dem Schwerpunkt Figurentheater und Pélagie Gbaguidi, die sich in ihren Arbeiten mit postkolonialen Themen auseinandersetzt, rekonstruierten in einem Prozess der künstlerischen Erkenntnisforschung die politische, kulturelle und persönliche Brisanz der Objekte. Die beiden Expertinnen für Strategien des transdisziplinären Arbeitens und der postkolonialen Repräsentation entwickelten eine künstlerische Installation, die von der De- und Neukonstruktion anthropologischer Bilder durchdrungen ist.

Detail der künstlerischen Installation von Pélagie Gbaguidi und Stefanie Oberhoff im Münchner Stadtmuseum Foto: Münchner Stadtmuseum

Detail der künstlerischen Installation von Pélagie Gbaguidi und Stefanie Oberhoff im Münchner Stadtmuseum
Foto: Münchner Stadtmuseum

Das Depot der Sammlung erklärten die Künstlerinnen zu einer Art provisorischem Asyl für die afrikanischen Puppenfiguren. Ein Ort des Stillstandes und der Reflexion, in dem koloniale sowie postkoloniale Geschichte aufeinander trifft.

Dieser Ansatz zeigt sich im gesamten Ausstellungskonzept: Auf reflexive und affirmative Weise integriert die künstlerische Installation Themen der kolonialen Repräsentation im europäischen Alltag, der Unabhängigkeitsbewegung in Dakar, der politische Repression des Kolonialismus sowie des Themas Asyl in Deutschland. Für die RezipientInnen erfahrbar wird auch die persönliche Betroffenheit der beiden Kuratorinnen über die Gewalt der kolonialen Geschichte. Indem sie das „kuratorisches Ich“ und ihre emotionale Involviertheit in die Ausstellung einbeziehen,  offenbaren sie den RezipientInnen vielschichtige Erfahrungsebenen und Zugänge zur den Objekten.

Die in der Installation deutlich zu sehenden afrikanisch anmutenden Puppenspielfiguren stammen von europäischen Figurenbauern und geben einen Einblick in die vielfältigen Stereotype zu afrikanischen Repräsentationen aus kolonialer Blicktradition. Die original in Afrika erschaffenen Puppen bleiben hingegen hinter Kakteen, in ihren aufwändigen konservatorischen Verpackungen vor voyeuristischen Blicken geschützt. Dies wird den BetrachterInnen jedoch erst im zweiten Blick deutlich. Im Moment des Erkennens der Täuschung wird die eigene Reproduktion eurozentrischer Blicktradition entlarvt.

Detail der künstlerischen Installation von Pélagie Gbaguidi und Stefanie Oberhoff im Münchner Stadtmuseum Foto: Münchner Stadtmuseum

Detail der künstlerischen Installation von Pélagie Gbaguidi und Stefanie Oberhoff im Münchner Stadtmuseum
Foto: Münchner Stadtmuseum

Elke Krasny, Kuratorin und Senior Lecturer an der Akademie der bildenden Künste Wien, beschrieb an diesem und anderen Ausstellungsbeispielen die Chancen der künstlerischen Praxis und der transdisziplinären kuratorischen Arbeit. Neben der rein wissenschaftlichen Forschung zu einem Objekt, öffnet die künstlerische Erkenntnisproduktion Ebenen, in denen vielschichtige Wissensfelder integriert werden können. Die Kunst bewegt sich seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen Trans- und Interdisziplinarität, weist also eine inhaltliche und methodische Hybridität auf. Diese Hybridität bietet die Möglichkeit, mit der De- und Neukonstruktion von Objekten und anthropologischen Repräsentationen zu „spielen“. Beispielsweise können Gegenbilder oder Gegenobjekte zu „sensiblen“ Objekten künstlerisch erschaffen und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Auf diese Weise wird die Reproduktion repressiver oder rassisierender Repräsentation sichtbar.

Die kuratorische Zusammenarbeit mit ExpertInnen jenseits eines „disziplinären Horizonts“, eröffnen daher nach Krasny Räume für neue, authentische Blickweisen und Fragestellungen zu sensiblen Sammlungen. In diesem Kontext wird sowohl dem Recht auf Einsicht als auch dem Recht auf Verweigerung von Repräsentation “No representation about us, without us.” Respekt verliehen.

Zu Besuch bei “Sowa Hurzlmeier Kahl”

Der Untertitel dieser Ausstellung lautete „Die Jahrhundertausstellung“. Zugegeben, das klingt ein wenig vollmundig! Gleich zu Beginn der Führung erläutert Thomas Kronenberg, Kurator dieser Schau im caricatura museum frankfurt, sehr einleuchtend wie es dazu kam.

Seit der Eröffnung in 2008 wollte das Museum diese drei Karikaturisten gemeinsam zeigen. Lange schien es aber ein Ding der Unmöglichkeit sie unter einen Hut zu bringen. Sechs Jahre hat man daran gearbeitet – nun ist es gelungen!! – Und die Ausstellung war ein riesiger Erfolg!

Michael Sowa, Rudi Hurzlmeier und Ernst Kahl unterscheiden sich von ihren Karikaturisten-Kollegen darin, dass sie nicht kleinformatige Zeichnungen anfertigen, sondern mit Pinsel und Acrylfarben große Bilder malen. Die hängen nun in richtig hübschen Rahmen an den Wänden des caricatura museums.

Die „Seestücke“ von Sowa wirken auf den ersten Blick so traditionell, dass man sie in Gedanken schon über das Sofa in einer bürgerlichen Wohnstube verweisen möchte. Tritt man jedoch an diese Bilder näher heran, gibt es viele Details zu entdecken – und die haben es in sich! Michael Sowa ist ein Könner, nicht nur als Karikaturist sondern auch als Maler. In Frankfurt hat er unlängst sogar auch die Opernbesucher regelrecht verzaubert. Für die letzte Inszenierung der „Zauberflöte“ hat er das wunderschöne Bühnenbild und die phantasievollen Kostüme entworfen.

Wir gehen weiter durch die Ausstellung. Schmunzelnde Gesichter allenthalben.

historisches museum frankfurt: freunde & foerderer im caricatura museum zu Besuch

Das Blogstöckchen will weiter wandern!

Wir haben, aus München kommend, von Tanja Praske ein Blogstöckchen gefangen. Nicht irgendeines, sondern da war ein “Best Blog Blog award” mit dran. Dafür danken wir Tanja recht herzlich -  wir haben uns allerdings auch 11 Fragen  eingehandelt, die wir nun beantworten möchten.

 

historisches museum frankfurt: bestblogaward

Und es geht los:

1. Wer bist du? Und was reizt dich an deinem Job?
Ich bin Kuratorin und bin für die Sammlungen Alltagskultur (zum Teil)  und Spielzeug im historischen museum frankfurt zuständig. Hauptsächlich arbeite ich aber für die Neukonzeption des Museums. Ich wollte eigentlich schon immer in einem (kulturgeschichtlichen) Museum arbeiten. Über einige Stationen bin ich nun seit 2010 am historischen museum tätig: es ist soo vielfältig und spannend, auch wenn in den letzten Jahren die Organisation und Koordination die inhaltliche Arbeit zurückdrängt. Den Blog habe ich 2011 iniitiert und betreue ihn seitdem.

historisches museum frankfurt: Schnappschuss  Schreibtisch

2. Wie lange plantet ihr die aktuelle Ausstellung/Projekt? Was war die größte Herausforderung dabei und wie wurde diese gelöst?
Wir planen noch! Ich arbeite an der Neukonzeption des Museums mit, die für 2017 geplant ist. Die Planung an der Ausstellung Frankfurt Einst?, die ich koordinatorisch und zum Teil kuratorisch betreue, begann vor vier Jahren. Das hört sich lange an – es geht aber auch um 2.000 qm, und meine KollegInnen und ich arbeiten ja auch nicht ununterbrochen daran, sondern wir haben zwischendurch die Dauerausstellung Sammler und Stifter eröffnet und die Neukonzeption umfasst ja auch noch einige weitere Bereiche….
Wir sind ständig dabei, Herausforderungen zu lösen… ein paar stehen noch bevor. Spannend wird etwa die Frage: passen auch wirklich alle Objekte wie das riesige Adler-Automobil oder die Karls-Statue, überhaupt  in den Aufzug, um dann prächtig in der Ausstellung zu stehen?

historisches museum frankfurt: das neue Ausstellungshaus entsteht

3. Was ist das oder eines der kleinsten Objekte eurer Sammlung?
Eines der kleinsten Objekte in unserer Sammlung ist eine eingefasste goldene Münze mit einer Stadtansicht von Frankfurt von 1611. Sie ist gerade mal 15 x 14mm groß. Sie wurde von Lorenz Schilling gefertigt – wir wissen sogar, dass er dafür 32 Gulden bekommen hat. Die Münze gehörte zum Stadtsschatz von Frankfurt und durfte nicht veräußert werden.  (noli me tangere) Sie ist in der Dauerausstellung Sammler und Stifter in der Sammlung Waldschmidt zu sehen.

historische museum frankfurt: Stadtansicht in miniature

4. Gibt es eine kuriose Geschichte/Erlebnis um ein Objekt/Ausstellung? Erzähle sie uns. Es kann auch einfach ein kurioses Objekt aus der Sammlung sein.
Ich bin immer noch fasziniert von diesem Schirm, auch wenn die Geschichte irgendwie traurig ist: er gehörte Henriette Zobel, die während des Septemberaufstandes 1848 wohl sehr oft in die Paulskirche lief. Während des Aufstandes wurden zwei Abgeordnete ermordet. Henriette Zobel wurde verhaftet, da sie an den Morden beteiligt gewesen sein soll. Der Schirm wurde als Beweismittel ins Gericht gebracht und kam später ins historische museum. Mit dem Schirm hätte sie, so der Vorwurf, tätlich agiert und zum Tode des einen Abgeordneten beigetragen. 1853 wurde H. Zobel zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Urteil wurde aber wieder aufgehoben, die Strafe verringerte sich aber nicht wesentlich. Henriette Zobel kam  1865  aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Zustandes frei.

historisches museum frankfurt: der Schirm von Henriette Zobel

5. Hast du ein Lieblingsstück? Warum?
Diese Frage hat mich lange beschäftigt, schließe ich doch soo viele Objekte in mein großes Kuratorinnen-Herz! Ich mag vor allem Objekte der Alltagskultur, die doch die große Geschichte widerspiegeln. Gerade begeistere ich mich für ein Speisegeschirr für Kinder, das wahrscheinlich von 1914 stammt,: auch Kinder hatten so Teil an der Kriegspropaganda. Vielleicht findet das Geschirr sogar Aufnahme in die Ausstellung Gefangene Bilder. Wissenschaft und Propaganda im Ersten Weltkrieg, die mein Kollege Benedikt Burkhard gerade für September vorbereitet.

historisches museum frankfurt: Kindergeschirr mit Kriegsdekor

6. Welches Objekt habt ihr zuletzt warum restauriert bzw. restaurieren lassen und nach welchen Kriterien?
Für Frankfurt Einst? lassen wir gerade mehrere Objekte restaurieren, und auch für unsere Sonderausstellungen werden die Objekte sozusagen auf Hochglanz poliert. Eines der letzten Stücke war hier das Gemälde für die Holzhausen-Ausstellung, Das Gemälde Die Holzhausen-Oed. Darum hatte sich die Gemälderestauratorin Anja Damaschke gekümmert.

7. Welchen Stellenwert besitzt das Blog für das Haus?
Ich sehe ihn als Rückgrat unserer social media-Aktivitäten; das Blog lässt alle an unseren Aktivitäten teilhaben und legt offen, was für Tätigkeiten in einem Museum überhaupt anfallen und wer sie ausführt.  Manche KollegInnen vom Haus benutzen es gerne zur Recherche – auch mir dient es zuweilen als Archiv – andere sind manchmal verwundert über die Auswahl der Themen – wie die Geschichten über Betriebsausflüge oder Weihnachtsfeiern. Die steigenden Besucherzahlen und das positive Feedback von (externen) KollegInnen zeigen, dass auch (oder gerade?) Interesse an den vermeintlich “banalen” Geschichten bestehen.

8. Hast du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum?
Ich mag viele Artikel: gut finde ich etwa die Geschichten rund um Objekte, das macht mir immer wieder bewusst, was unsere Basis ist. Ich mag auch Beiträge, die erlauben, über unsere Arbeit zu reflektieren – wie etwa das Fazit zu der Ausstellungsblogparade, zum Tweetup oder zu diesem Blogstöckchen.

9. Was bedeutet dir Kultur?
Gibt es noch etwas anderes?

10. Wenn du kulturell „fremdgehst“ (außerhäusliche Aktivitäten), was machst du?
Kino, Theater aber viel öfter: Museen oder Ausstellungen  besuchen. Dafür fahre ich auch ziemlich weit, verpasse aber so manche Ausstellung in Frankfurt. Sonst pflege ich meine diversen Gartenkulturen…

11. Du hast drei Wünsche frei, welche sind das?
Zeit, Zeit, Zeit.

 

So, wir reichen das Blogstöckchen und den best blog award weiter – in Frankfurter Manier an sieben (grie Sos!)  BloggerInnen, die kreuz und quer über Kulturelles bloggen: FrankfurterInnen, alte Hasen, Newcomer, Institutionen – alles mit dabei. Eben eine typische Frankfurter Mischung…

 

Die Fragen lauten

1. Worüber schreibst Du in Deinem Blog?

2. Erinnerst Du Dich an Deinen ersten Blogartikel?

3. Hast du einen Artikelfavoriten im Blog? Wenn ja, warum?

4. Gibt es ein Leben außerhalb des Blogs?

5. Was sind Deine liebsten kulturellen Aktivitäten?

6. Was findest Du an Ausstellungen/Museen gut?

7. Was findest Du an Ausstellungen/Museen nicht so gut?

8. Dein Ausstellungstipp für den Frühling?

9. Dein liebstes Museumscafe?

10. Möchtest Du uns sonst noch etwas sagen?

11.Du hast drei Wünsche frei, welche sind das?

 

Wir bitten um Antworten von:

@TanjaNeumann  -  Museums(t)raum und hier steht der Blogstöckchenbeitrag

@FrankfurterBlog –  FrankfurterBlog  

@SoNurInFFM –  So Nur in Frankfurt  und hier steht der Blogstöckchenbeitrag

@KulturWelt -  Kulturelle Welten

@Domid_MigMus – Virtuelles Migrationsmuseum und hier steht der Blogstöckchenbeitrag

@juedischemuseum – Jüdisches Museum München – DAS BLOG

Susanne Breuss -  Alltagsdinge

Darum geht’s: (so ungefähr, es kann alles passend gemacht werden)

  1. Baut das Best Blog Award-Bildchen ein und verlinkt es mit unserem Artikel.
  2. Verfasst elf neue Fragen, spielt damit und reicht das Best Blog Blogstöckchen an zehn oder weniger Blogger eurer Wahl weiter..
  3. Gebt hier im Kommentar Bescheid, wenn der Beitrag fertig ist.

Gemütlichkeit in Frankfurt (Vorsicht: leicht zu übersehen!)

Am 6. März lud das historische museum frankfurt ein zu einer gemeinschaftlichen Suche nach der Gemütlichkeit in Frankfurt. Obwohl oder gerade weil dies nach einer absurd-witzigen und beinahe unlösbaren Aufgabe klingt, kamen etliche Ur-, Teils- und NeufrankfurterInnen, um sich daran zu beteiligen. Dazu, ob die Suche letztlich erfolgreich war, später mehr…

Den Anlass für diese Art der Bürgerbefragung liefert die Neukonzeption des historischen museums für 2017. Es ist geplant, zentrale Eigenschaften der Stadt Frankfurt in künstlerisch gestaltete Modelle in einer überdimensionierten Schneekugel zu fassen. Dafür holt das historische museum Meinungen und Ansichten von Frankfurter Bürgern ein und lässt diese in die vorbereitenden Arbeiten einfließen. Ausgerufen werden Eigenschaften wie Frankfurt als Stadt der Banken, als infrastruktureller Knotenpunkt, als kriminelle Stadt, jüdische Stadt, Industriestadt, kritische und Bücherstadt sowie als heimliche Hauptstadt. Den Auftakt machte, wie erwähnt, eine Veranstaltung zu Frankfurt als gemütliche Stadt.

Gleich zu Beginn der Diskussion wurde deutlich, welch schwieriges Unterfangen hier stattfindet, als nämlich Podiumsgast und Stadtsoziologe Peter Noller postulierte: „Frankfurt ist nicht gemütlich!“ Dennoch entfaltete sich unter den Gästen auf dem Podium – neben Peter Noller, der Schauspieler und Regisseur Michael Quast, der Fanbeauftragte der Eintracht Marc Francis – und den Gästen im Bernusgewölbe bald eine regelrechte Tauschbörse für Gemütlichkeitsinseln in Frankfurt. Ob dies an dem ausgeschenkten “Ebbelwoi“, den bereitliegenden Frankfurter Würsten mit Senf oder der besonderen Atmosphäre des Bernusgewölbes lag, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls förderte die Diskussion neben einigen gemütlichen Orten und beschaulichen Plätzen vor allem auch Erkenntnisse darüber zu Tage, wie sich Frankfurter mit ihrer Stadt arrangieren und sie schätzen lernen. Klar ist: die Gemütlichkeit in Frankfurt zeigt sich nicht Gestalt bayrischer Beständigkeit, nordischer Ruhe oder schwäbischer Heimeligkeit. Nein. Frankfurt ist eine Metropole, die sich ständig neu erfindet und daher hat Gemütlichkeit im städtischen Raum etwas von Arbeit; man muss sie suchen, sie liegt im Genuss der Veränderungen und Gegensätze, der Offenheit und Durchmischung der Stadt und ihrer Menschen. Oder wie sonst kann man Gemütlichkeit in einer Stadt definieren, die meist kalt, hektisch und mitunter abweisend wirkt und in der sich wohl nur der stete Wandel immer schon zu Hause gefühlt hat?! Vorschläge?!

historisches museum frankfurt: gemütlicher Abend zu BigEbbel

Übrigens: am 9.7. geht die Diskussion über die Eigenschaften Frankfurts weiter. Thema wird sein: “Frankfurt als kriminelle Stadt?”

“Die Oed” wird restauriert

In wenigen Wochen wird die Ausstellung Die Holzhausen eröffnet. Die Vorbereitungen laufen schon lange auf Hochtouren. Das Gemälde „Die Holzhausen-Oed“, eine Ansicht des Holzhausenschlösschens aus dem 18. Jahrhundert, soll einen zentralen Platz in der Ausstellung einnehmen. Für diesen großen Auftritt wurde es jetzt extern fachgerecht restauriert.

Anja Damaschke, Restauratorin des hmf, erläutert für die freunde & förderer den schwierigen Prozess der Wiederherstellung, für den es viel Sachkenntnis und Fingerspitzengefühl braucht.

Zur Vorgeschichte: „Die Oed“ ist seit 1954 im Besitz des Museums. Bisher konnte leider nicht eindeutig geklärt werden, wer es gemalt hat und wann es entstand. Frau Damaschke erklärt uns Zuhörern die Indizien, welche zumindest neue Antworten auf diese offenen Fragen liefern können.

Das Gemälde befand sich bis vor kurzer Zeit in keinem guten Zustand. Es hatte Beschädigungen und Ausbrüche in der Malschicht. Die Oberfläche war verschmutzt und unter dem vergrauten Firnis wirkte das Bild milchig trüb und blass.

Ganz vorsichtig muss bei der Restaurierung zu Werke gegangen werden. Frau Damaschke zeigt uns Fotos der einzelnen Arbeitsschritte. Zunächst wurde die Oberfläche gereinigt und der Firnis mit einer speziellen Lösung abgenommen. Zwei Flicken sind jetzt entfernt und neue Fäden in die beschädigten Partien der Leinwand eingewebt. Die Malschichtausbrüche wurden mit Kitt überarbeitet. Erst danach folgte die mühevolle und viel Geduld erfordernde Retusche. Sehr behutsam ist die Restauratorin vorgegangen und hat möglichst zurückhaltend einzelne Bildpartien überarbeitet.

Die Vorher–Nachher–Fotos beeindrucken. An vielen Stellen genügten winzige Pünktchen, die sich von der originalen Malerei nur mit der Lupe unterscheiden lassen, um defekte Stellen auszubessern. Die Restaurierung will nichts beschönigen, sondern das Gemälde in einen lesbaren und präsentationsfähigen Zustand versetzen. In der Ausstellung wird die Ansicht des Holzhausenschlösschens nun als wertvolles historisches Dokument gezeigt und viele Besucher erfreuen. Von dem mühevollen Restaurierungsprozess werden sie nicht unbedingt etwas ahnen, aber der aufmerksame Betrachter wird noch Spuren der wechselvollen Geschichte des über drei Jahrhunderte alten Gemäldes erkennen können. So soll es sein!

 

 

Das „Englische Monument“ geht auf Reisen – eine Migration nach Bregenz

Migration gibt es schon immer. Migration von Menschen – und von Objekten – prägt die Geschichte. Dabei verändert Migration nicht nur Gesellschaften, sondern ist auch selbst einem Wandel unterzogen: Heute zeigt sich ihre Auswirkung in der kulturellen Vielfältigkeit einer vernetzten, globalisierten Welt. Stetig nimmt die Transnationalität von Objekten und Subjekten zu. Grenzen werden porös, zumindest virtuell, der nationale Rahmen verliert an Bedeutung. Menschen sind vielen kulturellen Einflüssen ausgesetzt und werden somit zu transkulturellen Individuen. Migration wird zum alltäglichen Phänomen.

Museen sind in diesem Kontext gefordert, Migration und transkulturelle Vielfalt nicht nur als geschichtsinhärentes Phänomen darzustellen, sondern auch diese Darstellung kritisch zu reflektieren: Wer spricht? Wer wird gehört? Wer kommentiert? Wie objektiv wird Geschichte dargestellt? Und wie gelingt es, Multiperspektivität in Ausstellungen zu integrieren, ohne die Label „Exotisch – Anders – Fremd“ zu reproduzieren?

Dieser Ansatz wurde in verschiedenen Ausstellungskonzepten seit Ende der 1990er-Jahre erprobt. Möglichkeiten der musealen Umsetzung wurden auch auf der Tagung „Migration sammeln. Pluralität ausstellen“ diskutiert, zu der das Universalmuseum Joanneum Ende Februar nach Bregenz geladen hatte. Im Fokus der Veranstaltung standen neben theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema auch praktische Beispiele aus verschiedenen Ausstellungsprojekten und Museen.

Als Teil dessen wurden mitgebrachte Migrationsobjekte aus den jeweiligen Museen vorgestellt und ihre Wirkung sowie ihre Präsentation als Ausstellungsobjekt diskutiert. Aus dem historischen museum frankfurt machte sich ein Foto des „Englischen Monuments“ auf die Reise an den Bodensee. Es kam die Frage auf, wie heutige Flüchtlinge ein solches Geschenk englischer Glaubensflüchtlinge an die Stadt Frankfurt betrachten würden. Auch die ökonomischen Zusammenhänge von Flucht und Asyl wurden an dieser Stelle erörtert.

historisches museum frankfurt: Das Englische Monument

historisches museum frankfurt: Das Englische Monument

Vorgestellt wurde auf der Tagung außerdem der Handreichung für die Museumsarbeit  vom Arbeitskreis Migration des Deutschen Museumsbundes sowie beispielhaft das sich in Planung befindende „Virtuelle Migrationsmuseum“ des „Dokumentationszentrums und Museum über die Migration in Deutschland“.

Als innovatives Beispiel für eine multiperspektivische Ausstellung diente die bis vor kurzen im Münchener Stadtmuseum zu besichtigende „Decolonize Munich“. In Kooperation mit der Berliner Wanderausstellung „Freedom Roads“, den Gruppen „München Postkolonial“ und „Schwarze Frauen in Deutschland“, wurde die koloniale Geschichte Münchens anhand von Straßennamen und Objekten aus der Sammlung des Stadtmuseums, unter hegemoniekritischem Blickwinkel diskutiert und ausgestellt. Durch die Einbeziehung diverser Perspektiven in die Konzeption der Ausstellung konnten so eurozentrische und hegemoniale Sichtweisen gebrochen werden.

In Bregenz war man sich einig: Um Multiperspektivität zu verwirklichen, müssen verschiedenste Menschen die Möglichkeit haben, in die Konzeption von Ausstellungen einzuwirken. Hierfür ist ein Rahmen notwendig, in dem sich alle wahrgenommen und repräsentiert fühlen. Die Erfahrung zeigt: Dies erfordert Engagement, Kooperation – und eine wertschätzende Zusammenarbeit.

 

Zum Feierabend nach der Tagung „Migration sammeln. Pluralität ausstellen“: Vorarlberger Bier. Auch im Bregenzer Alltag sind noch koloniale Spuren zu finden.

Zum Feierabend nach der Tagung „Migration sammeln. Pluralität ausstellen“: Vorarlberger Bier. Auch im Bregenzer Alltag sind noch koloniale Spuren zu finden.

 

FrankfurterInnen im Blick: Ottilie W. Roederstein (1859-1937)

Heute geht es wieder um eine innovative Frau, die die Frankfurter Stadtgesellschaft im 19. Jahrhundert prägte. 100 Jahre nach dem Ausbruch des „Großen Krieges“ nehmen wir nun die Zeit vor dem und während des Ersten Weltkriegs in den Blick. Und erinnern an Frankfurter Künstlerinnen wie Ottilie W. Roederstein (1859-1937).

Wenn Frauen um 1900 Künstlerinnen werden wollten, hatten sie erhebliche gesellschaftliche wie familiäre Schwierigkeiten zu überwinden. Wer es sich leisten konnte, ging nach Paris, da die dortigen Akademien und Ateliers Frauen als Schülerinnen aufnahmen. Oder sie hatten das Glück im Städelschen Institut von der Künstlerin Ottilie W. Roederstein ausgebildet zu werden. Sie unternahm mit ihren Schülern regelmäßige Studienaufenthalte nach Paris. Auch für die in Frankfurt wirkende Künstlerin stellte der erste Weltkrieg eine tiefe Zäsur dar. Sie musste sich von Künstlerkollegen, privaten Kontakten und ihrem Pariser Atelier verabschieden.

Mehr über weitere FrankfurterInnen hier auf unserer Website Frankfurter Frauenzimmer

historisches museum frankfurt: Ottilie W. Roederstein (1859-1937), Selbstbildnis 1915,

 

Big Ebbel – Wie gemütlich ist Frankfurt?

Frankfurt haftet nicht gerade das Klischee an, zu den gemütlichsten Städten Deutschlands zu gehören. Und doch oder gerade weil Frankfurt sich mit dem Image der „Mainmetropole“ einen ambivalenten Ruf irgendwo zwischen Skyline, Bankenstadt, Flughafen und Messe eingehandelt hat, sind Ebbelwoi und Grüne Soße relevante Gegenpole in der städtischen Selbstinszenierung (Big Ebbel). Dem Stereotyp des hektischen, kalten, business-orientieren „Mainhattan“ wird eine ganz andere Eigenschaft gegenübergestellt: die gesellige Ebbelwoi-Kultur. Sie ist weniger an Hochhaus-Architektur als vielmehr an soziale Räume geknüpft – an Orte, von denen Frankfurter*innen behaupten, sie hätten sich dort schon mal wohlgefühlt. Projektionen allerorten und wir projizieren mit, werfen Bilder an die Gewölbewände des Museums und wollen von unseren Gästen und Besucher*innen wissen: was ist überhaupt gemütlich an Frankfurt? Wie schmeckt Gemütlichkeit? Wohnt Gemütlichkeit im Stadion, Theater oder doch eher am heimischen Kamin?

Zu bester Feierabend-Zeit tauschen wir Frankfurter Würstchen gegen Meinungen und Fragen zum Thema. Diese sind wichtige Grundlage für die Arbeit am neuen Museum, das ab 2017 die Besucher*innen mit einer überdimensionalen Schneekugel im Foyer begrüßen wird. Die Gemütlichkeit ist eine der acht Frankfurter Eigenschaften, die wir hier im Miniaturmodell greifbar machen wollen.

Am kommenden Dienstag, 11.03.2014 um 18:30 Uhr laden wir ein zum bunten Abend mit verschiedenen Gemütlichkeitsexperten aus den unterschiedlichsten Bereichen – Theater, Fußball, Soziologie, Museum – und Live-Publikums-Umfrage zur Gemütlichkeit.

 

Äpfelweinstube in Sachsenhausen von Hasselhorst