Hilfe für eine wertvolle Fayence-Vase

Alle nicht befestigen Teile eines Objekts sind potentiell gefährdet. Bei den Keramikobjekten sind es vor allem locker aufliegende Deckel. Auch bei historisch wertvollen Stücken weisen die Deckel nicht selten Sprünge und Fehlstellen auf oder sie sind gar nicht mehr vorhanden. So ist eine der großen Deckelvasen im Delfter Stil der Fayence-Sammlung von Wilhelm Kratz, die im 3. Obergeschoss des Sammlermuseums gezeigt wird, bis heute „deckellos“. Der Deckel jedoch ist noch vorhanden. Allerdings weist er so starke Fehlstellen auch, dass wir ihn in der Präsentation nicht zeigen konnten. Viele Stücke in den großen Vitrinen konnten dank der großzügigen Unterstützung durch die Frankfurter Sparkasse restauriert werden. Aber der Aufwand war doch so groß, dass nicht alles gemacht werden konnte. Und so blieb der Deckel außen vor. Dank einer Spende von Dr. med. Gisela Finke und Prof. Dr. med. Ulrich Finke ist es nun möglich, den Deckel restaurieren zu lassen. Die Diplom-Restauratorin Anne Becker, die bereits eine ganze Reihe anderer Stücke in den Kratz-Vitrinen restauriert hat, wird sich nun diesem Deckel widmen und so kann die Vase bald wieder in vollständiger Pracht erstrahlen.

 

 

 

Restaurator mit Draisine

Noch ein neuer Kollege! Christoph Wenzel nimmt sich nun unseren Holzobjekten an. Nach Stationen in Köln, München und wieder Köln kennt er sich darüber hinaus auch gut mit Kunststoffen aus. In Köln arbeitete er zuletzt an einem Projekt über DDR-Alltagskultur aus Plaste mit – Erfahrungen, von denen natürlich auch unsere Kunststoffsammlung profitieren wird. Wir sind sehr froh, dass die Restauratorenetage wieder komplett ist!

Dass Christoph Wenzel schon mächtig viel zu tun hatte, versteht sich von selbst… auf der Liste stand etwa neben Depotumzug auch die Bearbeitung einer Leihanfrage aus Mannheim: unsere Draisine soll statt im Depot in einer  neuen Dauerausstellung glänzen.

Auf dem Foto ist auch die  Laufmaschine zu sehen, die wohl ein/e Frankfurter Bürger/in im 19. Jahrhundert nach Vorlagen der Erfindung von Karl Drais gebaut hat. Das sehr seltene Stück ist nun bald im  Technoseum zu sehen – wir werden darüber berichten, wenn die Laufmaschine  steht.

historisches museum frankfurt: neuer holzrestaurator

 

Frühjahrsputz bei den Haeusers

Bei Familie Haeuser ist in diesen Tagen der Frühjahrsputz angesag!

Zumindest was ihre Bildnisse angeht, von denen sich seit kurzem zehn im Besitz des historischen museums befinden. Dank einer großzügigen Schenkung durch Nachkommen des Frankfurter Industriellen und Stifters Adolf Haeuser haben ein Ölgemälde, drei Grafiken und vier Fotografien Haeusers, seiner Frau Luisa und seiner Eltern den Weg in die Sammlung gefunden.

Da die Bilder vor langer Zeit gerahmt wurden und unter ungünstigen Bedingungen lagerten, haben sie eine ganze Menge Staub, Schmutz und Schimmel abbekommen. Nun werden sie ausgerahmt, gesäubert, neu montiert, mit säurefreien Rückwänden und Abstandshaltern wieder eingerahmt und staubdicht abgeklebt. Und wer weiß, vielleicht sind sie dann bald in einer Ausstellung zu bewundern…?

 

Lackkonservierung des „Baldur-Flügels“

Seit Sommer 2012 besitzt das hmf einen Flügel des Klavier- und Flügelherstellers Baldur aus Frankfurt am Main. Das besondere an dem Instrument ist, dass das Gehäuse von Ferdinand Kramer (Architekt und Designer in Frankfurt, 22.01.1898 – 4.11.1985) entworfen wurde.

Im 20. Jahrhundert verstärkte sich ein Trend: Die fortschreitende Technisierung der Mechanik im Flügelbau führte zu einer ausgesprochenen Vorliebe für neue Materialen beim Bau des Klangkörpers und bei der Materialauswahl der Oberflächengestaltung. Die Lackoberfläche des sog. „Baldur-Flügels“, um 1927, ist sehr zerkratzt und mit Kunststoff beschichtet.

Das ist ungewöhnlich: Eigentlich wurde bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts sehr traditionell gearbeitet. Schellack oder Firnispolitur gaben dem Objekt Glanz und Brillanz! Zwar hatten in anderen Industriebereichen (z.B. Wagenbau) längst andere Oberflächenverfahrensweisen Einzug gehalten, aber in der Klavierbauindustrie findet man z.B. Polyesterlackoberflächen erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts vor; sie sind relativ unempfindlich und glasklar.

Eine Querschliffuntersuchung und Betrachtung unter dem Mikroskop (ultraviolettes Licht, 80fache Vergrößerung) ergab, dass sich unter der Kunststofflackfläche eine originale Harzlackschicht auf tief-schwarz eingebeiztem Furnierholz befindet. Diese Lackoberfläche reagiert sehr empfindlich auf Ethanol, was ein Indiz für ein Naturharz ist. Weitere lackanalytische Untersuchungen konnten im Rahmen dieser Arbeit nicht durchgeführt werden.

Eine Abnahme der Kunststofflackfläche schied aus konservatorischen Gründen aus. Fehlstellen wurden mit Aquarellfarbe retuschiert und Lackkratzer mit einem Schellack-Lavendelölgemisch auspoliert. Der Baldur-Flügel zeigt sich nun wieder mit einer optisch fast geschlossenen Lackoberfläche, die originale Harzlackoberfläche ist darunter jedoch für weitere Generationen erhalten.

Hier hat sich beispielhaft gezeigt, dass Lackoberflächen an Instrumenten, auch wenn sie verhältnismäßig jung sind, vor einer Oberflächenbehandlung eine detaillierte Oberflächenbetrachtung und – wenn möglich – Analyse verlangen. Ansonsten werden Materialien und technologische Lacksysteme unwiederbringlich zerstört.

Countdown Eröffnung: Die Rententurmuhr tickt wieder!

Wer jetzt am Rententurm vorbei geht, weiß nun wieder, ob sie/er pünktlich unterwegs ist. Denn seit dem 2. Mai, 12.39 Uhr, tickt die Uhr am Turm wieder  - genauer nun zwei vollendete Zifferblätter mit vier goldenen Zeigern.  Ein weiteres Objekt hat seinen Platz im frisch sanierten Altbau gefunden!

Nachdem in der letzten Woche das Uhrwerk in eine Vitrine in das Innere des Rententurms am Fahrtor verbracht wurde und dort in Betrieb genommen werden konnte, wurden nun zuletzt die Zeiger an den Zifferblättern draußen an der Turmfassade angebracht und mit der Mechanik im Inneren des Turms verbunden. Dank des Restauratorenteams kann das Uhrwerk wieder mit einem Motor und Windenzug im Inneren des Turms laufen und die Zeiger am Turm in Gang bringen.

Während das Uhrwerk und sein Mechanismus im Innern des Turms nun in einer gläsernen Vitrine ab dem 26. Mai allen Besucher/innen präsentiert werden, läst sich das glänzende Resultat an der Außenfassade hervorragend vom Eisernen Steg beobachten.

 

Ein Blick über die Schulter der Textilrestauratorin

Alle freunde & förderer dürfen gelegentlich auch hinter die Kulissen des Museums schauen. In der Veranstaltungsreihe Schulterblick öffnete die Textilrestauratorin Ines Scholz ihre Werkstatt und gewährte uns einen Blick über ihre Schulter in den Arbeitsalltag einer Restauratorin.

Ein klassizistisches Sesselchen, die Uniform aus Kaiserzeiten oder ein Strand-Bikini aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts – alle Stücke müssen von der Restauratorin mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Nichts darf hier ohne Handschuhe angefaßt werden! Sehr viele Fachkenntnisse über physikalische Eigenschaften der Materialien und chemische Prozesse bei der natürlichen Alterung der Objekte sind für die Restaurierung erforderlich. Wir Laien hörten, schauten und staunten.

Aus welchen Materialien ist das Gewebe? Lassen sich Flecken entfernen, Fehlstellen oder Löcher mit passend eingefärbten Geweben unterlegen oder mit Tüll oder Seidencrepeline sichern? Ausbessern, reinigen oder reparieren … immer muss mit größter Sorgfalt und sehr präzise gearbeitet werden.

Frau Scholz beseitigt die Alterungsspuren fast perfekt. Wenn uns die Objekte demnächst in der Ausstellung der Stifter und Sammler wieder begegnen und dort in neuem Glanz erstrahlen, werden wir ganz genau hinschauen, denn jetzt wissen wir, wieviel Mühe, Geduld und Aufwand dafür notwendig waren.

Bald tickt es wieder im Rententurm

Hier steht sie noch im Depot und glänzt vor sich hin: die frisch restaurierte Uhr des Rententurms.

Ab vorraussichtlich April / Mai 2012 steht das frisch restaurierte historische Uhrwerk, das wieder den Takt gefunden hat, im Rententurm. Er wird mit einer neuen Dauerausstellung erstmals in seiner Geschichte für Publikum zugänglich sein!

Nach der Restaurierung von vielen Einzelteilen, von Platine, Welle, Schraube, Palette usw., Reparaturen und Ausstausch von mechanischen Teilen, die das Funktionieren der Uhr wieder ermöglichen, war die Probe-Inbetriebnahme der Uhr in der Metallrestaurierung erfolgreich.

Einen Eindruck, was eine solche Restaurierung für ein Objekt bedeuten kann, vermitteln die ‘Vorher-Nachher-Fotos’ (wenn auch nicht vom selben Objekt): Während vorher Schmutz und Beschädigungen das Aussehen der Uhr stark geschmälert haben, glänzen nun die Metalllegierungen und Vergoldungen wieder.

Nicht wie neu, sondern ein beeindruckendes historisches Relikt!

Die historische Turmuhr wird im Rententurm in den Innenräumen gezeigt, während Kopien der alten Zifferblätter außen an den Turmseiten nach Süden und Westen angebracht werden. Die Uhr wird so auch für Frankfurter/innen und Besucher/innen von weitem zu sehen sein und helfen, immer die Zeit parat zu haben!

Weitere Informationen zur Restaurierung und zur Uhr auf unserer Homepage! Der Einbau der Turmuhr im Rententum findet Ende Januar / Anfang Februar statt - darüber aber dann mehr …

Von Fahnen zu Fahnenstangen…

Wo heute das ‘Transpi’, war damals die Fahne!
Und wo eine Fahne ist, ist auch eine Fahnenstange nicht weit! Und jede hat eine eigene Geschichte zu erzählen, vor allem über Frankfurt und die Frankfurter/innen, welche die Fahnen durch die Stadt trugen und damit ihre Meinung und ihre Interessen sichtbar machten.
Schon das Aussehen verrät viel darüber, wer mit wem in der Stadtgesellschaft gut zusammen leben und feiern konnte!
Ob Frankfurter/innen mit den Kaisern feiernd im 18. Jahrhundert oder Bornheimer Männer im Gesangsverein um 1900 - sie alle haben Fahnen… Und häufig ganz aufwendige mit lackiertem Holz, buntem Textil und Medaillen …

Benjamin Franklin erfindet die Glasharmonika

Benjamin Franklin hat nicht nur den Blitzableiter erfunden, nein, sondern auch die Glasharmonika.

Inspiriert wurde Franklin durch die “musical glasses”, die er in London einige Zeit vor seiner Erfindung gesehen hatte. Dabei handelt es sich um mit Wasser gefüllte Gläser, die um Uhrzeigersinn mit dem Finger gerieben werden, um so einen Ton zu erzeugen. Franklin reihte die Klangschalen jedoch horizontal und brachte sie auf einer Achse an. So kann man sie mit zehn Fingern, ähnlich wie ein Klavier, bespielen und ganze Stücke interpretieren.

Ein Vorwurf belastete die Glasharmonika allerdings. Wenn man zeitgenössischen (Presse)berichten aus dem 18. und 19. Jahrundert glaubt, dann waren sowohl das Spielen als auch das Zuhören nicht ganz ungefährlich. An “rätselhaften Nervenleiden” erkrankte Marianne Davies, eine der bekanntesten Virtuosinnen der Glasharmonika. Auch Zuhörer/innen bekamen anscheinend “Krisenzustände”, wenn sie den Klängen der Glasharmonika lauschten. Schnell war ein Mythos über den schlechten Einfluss des Instrumentes abgeleitet, der daran mitwirkte, dass sie schnell wieder in Vergessenheit geriet. 

Spannend, nicht? Dann sind Sie jetzt dran. Recherchieren Sie selbst!
Hier können Sie schon mal beginnen.

Es ist eine Glasharmonika!

Des Rätsels Lösung: Das gestern beschriebene Instrument ist eine Glasharmonika. Sie war um 1800 ein beliebtes Instrument, da ihr sphärischer Klang genau die Stimmungslage des sogenannten empfindsamen Stils traf. Auch antike Versionen des Instrumentes sind bekannt, da hier das Spielen auf Gläsern bereits bekannt ist. Um 1830 verdrängte jedoch das Aufkommen des Hammerklaviers die Glasharmonika.

Die genauen Daten der Glasharmonika des historischen museums Frankfurt sind:

  • Maße: 90x120x44cm
  • Erbaut um 1800 von (vermutlich) Secretair Wenk bei Gotha
  • 46 Glasglocken mir Randvergoldung
  • Leicht grün getöntes Glas
  • Umfang: c-a”’

 

Wie hat sich das wohl angehört?
Hier ein ist ein Zitat des Schweizer Dichters, Gottfried Keller, der sich 1869 an einen musikalischen Abend mi der Glasharmonika erinnert: „Nun begann das Spiel mit den geisterhaftesten Tönen, die ich je gehört habe, bis sie in voller Harmonie zusammen flossen“.

Aber wer hat sie bloß erfunden? Da kommen Sie nie drauf, oder?

(Fortsetzung folgt!)